mini|Pfarrkirche St. Andrä mini|hochkant|Chorraum mit dem 1838 versetzten Hochaltar mini|Innenansicht Die Pfarrkirche St. Andrä befindet sich auf dem St.-Andrä-Platz im 5. Grazer Stadtbezirk Gries. Sie ist dem Apostel Andreas geweiht, und Pfarrkirche der Pfarre Graz-St. Andrä im Dekanat Graz-Mitte der Stadtkirche Graz.mini|Kirche St. Andrä mit schon überstiegenem Dach (Dez. 2009) Geschichte und Gestaltung Das Kirchengebäude war Bestandteil des ehemaligen Dominikanerklosters. Die Dominikaner verloren mit der Verlegung der Stadtpfarre vom Grazer Dom zur Stadtpfarrkirche ihre Klosterkirche. Deshalb beschlossen sie den Umzug in die Murvorstadt. Eine erste Kirche an dieser Stelle existierte bereits in der Frühgotik, die erste urkundliche Erwähnung ist von 1270 bekannt. Der alte Sakralbau war den Ordensbrüdern zu klein geworden und sie kauften Grundstücke an, um eine Erweiterung durchführen zu können. Das heutige Bauwerk entstand nach Plänen von Archangelo Carlone in den Jahren 1616 bis 1627. Im Süden wurde das Klostergebäude angeschlossen, welches bis zur Zeit Kaiser Josefs II. bestand und im Zuge der Josephinischen Reformen 1783 Weltpriestern übergeben wurde. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert, ehe sie 1876 durch August Ortwein ihre heutige Fassade im Stil der Neorenaissance erhielt. Von 1962 bis 1969 war Altbischof Johann Weber Priester der Pfarrgemeinde.

Auch der Innenraum wurde mehrfach umgestaltet, zuletzt in den Jahren 1981 und 1982. Flankiert wird die dreischiffige Staffelhallenkirche durch eine Kreuzkapelle (1670) und eine Andreaskapelle (1717). Die Kirche ist dem heiligen Andreas, einem der zwölf Apostel, geweiht. Sein Martyrium wird auf einem Bild am Hochaltar, der sich erst seit 1838 an seiner jetzigen Stelle befindet, dargestellt. Der steirische Barockmaler Hans Adam Weissenkircher schuf das Oberbild mit der Darstellung der Beschneidung Christi am Josefsaltar.

Andrä Kunst Seit dem Jahr 1999 wurden unterschiedliche zeitgenössische Künstler eingeladen, den Innenraum der Kirche weiter zu gestalten. Unter dem Logo Andrä Kunst läuft seither eine permanente Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Kulturschaffen im Kirchenraum von St. Andrä. Die Kirche wird dabei nicht als Ausstellungsraum behandelt, sondern als spirituell definierter Raum, in dem gezielte Interventionen einen wichtigen Dialog eröffnen. Ein Fenster wölbt sich acrylverglast samt Vergitterung kuppelartig nach außen, ein anderes leuchtet mittels einfärbiger TV-Monitore nach innen.

Seit Ende 2010 zeigt sich die Kirche auch außen sehr hell. Gustav Troger nennt seine Außengestaltung mit Beschriftungen „Gegen wart“.

Orgel St. Andrä erhielt 1663 die erste Orgel. 1712 erbaute Andreas Schwarz eine Chororgel, die 1786 in die Grabenkirche übertragen wurde. mini|Orgel Die heutige Orgel wurde als Opus 112 von Matthäus Mauracher im Jahr 1884 erbaut. Sie verfügt über 23 Register auf zwei Manualen und Pedal mit rein mechanischer Spieltraktur. Nach mehreren klanglichen und technischen Umbauten im 20. Jahrhundert, unter anderem 1928 (Umstellung auf pneumatische Traktur – später Rückbau auf mechanisch), durch Gebrüder Krenn 1964 und Anton Hocker 1982, präsentierte sich das Instrument in zunehmend unzufriedenstellendem Zustand, sowohl klanglich, insbesondere jedoch technisch.

Disposition ab 1900 Im Stil der späten Hochromantik erbaut, hatte die Orgel ursprünglich eine Mixtur minor IV ′ anstatt des Cornett 8', welches um 1900 eingebaut wurde. I Manual C-f3Bordunprincipal16′Principal8′Gedact8′Hellflöte8′Viola baritona8′Octav4′Doppelflöte4′Quinte′Superoctav2′Mixtur major2′Cornett III8'II Manual C-f3Geigenprincipal8′Bordunprincipal8′Lieblich Gedact8′Philomela8′Salicional8′Geigen-Prestant4′Zinnflöte4′Pedal C-d′Principalbass16′Subbass16′Octavbass8′Gedact8′Cello8′

Disposition 1982–2026 Nach den weiteren Umbauten des 20. Jahrhunderts verfügte die Orgel über folgende Disposition: I Manual C-f3Bordunprincipal16′Principal8′Hellflöte8′Viola baritona8′Octav4′Doppelflöte4′Quint′Superoctav2′Mixtur major2′Cornett III8'II Manual C-f3Lieblich Gedact8′Aeoline8′Vox coelestis8′Geigen-Prestant4′Zinnflöte4′Prinzipal2'Scharff1'Pedal C-d′Principalbass16′Subbass16′Octavbass8′Choralbass4′Mixtur2'

Disposition seit 2026 In den Jahren 2025 und 2026 konnte die Orgel durch Drago Lukman technisch und teilweise auch klanglich restauriert bzw. rekonstruiert werden. Sie zählt somit (wieder) zu den wenigen, bedeutenden hochromantischen Orgeln in Graz. I Manual C-f3Bordunprincipal16′Principal8′Gedackt8′Hellflöte8′Viola baritona8′Octav4′Doppelflöte4′Quint′Superoctav2′Mixtur major2′Cornett III8'II Manual C-f3Bordunprincipal8′Gambe8'Lieblich Gedackt8′Aeoline8′Vox coelestis8′Geigen-Prestant4′Zinnflöte4′Pedal C-d′Principalbass16′Subbass16′Octavbass8′Gedacktbass8′Cello8′

Glocken mini|Glocke 1 Bis zum 19. Jahrhundert bestand das Geläute aus vier Glocken, gegossen (Größe absteigend) 1642, 1617, 1585 und zu einem unbekannten Zeitpunkt. 1853 wurden diese Glocken zu einem neuen Geläute umgegossen, mussten jedoch aufgrund ihres geringen Alters im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert werden.

Als Ersatz konnten 1935 vier neue Glocken gegossen werden. Auch diese Glocken fielen 1942 der Kriegsmaschinerie zum Opfer. Fortan blieb der Turm leer. mini|Plenum aller Glocken Im Jahr 2005 konnten genau 70 Jahre nach der Glockenweihe der Zwischenkriegszeit neue Glocken bestellt werden. Sie wurden von der Glockengießerei Perner in Passau gegossen und erklingen im Te-Deum-Motiv mit Oberoktave, die Glockenzier wurde von Robert Hautz gefertigt. Das Geläute hängt in barocken Glockenstühlen verteilt auf die beiden oberen Turmetagen, wobei die große Glocke in der unteren, die drei kleineren Glocken in der oberen Glockenstube hängen. Einzigartig in Graz ist, dass zum Angelus nicht nur eine, sondern zwei Glocken (g′ a′) läuten. +NameSchlagtonGewichtDurchmesserInschrift und AbbildungenGießerGussjahrGlocke 1Hl. Andreas, Hl. Clemens Maria Hofbauere′1280 kg123 cm"Hl. Apostel Andreas", "Hl. Clemens Maria Hofbauer" darunter: "Das Evangelium zu jeder Zeit allen verkünden." auf der Rückseite: "Graz St. Andrä 2005" Kreuz mit vier Köpfen; Gießerwappen.Rudolf Perner, Passau2005Glocke 2Hl. Dominikus, P. Petrus Pavlicekg′650 kg100 cm"Hl. Dominikus", "P. Petrus Pavlicek" darunter: "Durch Gottes Wort und Gebet das Leben erneuern" auf der Rückseite: "Graz St. Andrä 2005" Aufgeschlagenes Buch mit Mund, Nase, Ohr, Auge; Gießerwappen.Glocke 3Hl. Edith Stein, Maria Restitutaa′550 kg93 cm"Hl. Edith Stein", "Sr. Maria Restituta" darunter: "Im Kreuz Jesu Versöhnung, Mut und Frieden finden." auf der Rückseite: "Graz St. Andrä 2005" Kruzifix und Kerzenleuchter; Gießerwappen.Glocke 4Hl. Elisabeth, Hildegard Burjane″180 kg64 cm"Hl. Elisabeth", "Hildegard Burjan" darunter: "Den Armen von Heute Herz und Stimme gebet." auf der Rückseite: "Graz St. Andrä 2005" Zwei Hände mit Rose; Gießerwappen. mini|Glocke 2 mini|Glocke 4

Literatur Alois Kölbl, Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz. 2., erweiterte und ergänzte Auflage. Styria, Graz 2004, ISBN 3-222-13105-8, S. 154 f.

Weblinks

Homepage St. Andrä Graz Andrä Kunst – Kirche als Austragungsort zeitgenössischer Kultur Die Mauracher-Orgel der Kirche St. Andrä – Beitrag Orgel-Verzeichnis

Einzelnachweise

Andra Andra Kategorie:Andreaskirche (Patrozinium) Graz-St. Andra Gries, Andra Kategorie:Barockbauwerk in der Steiermark Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Baudenkmal (Steiermark) Graz Andrae Graz Kategorie:Kloster in Graz Kategorie:Erbaut 1627