Lehnhausen ist ein Stadtteil von Gemünden (Wohra) im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.
Geographie Der Ort Lehnhausen liegt westlich der Kernstadt Gemünden an der Straße nach Frankenberg. Er wird von der vom Nachbarort Oberholzhausen kommenden Holzbach durchflossen, die am Ortsrand von Gemünden in die Schweinfe mündet. Das Holzbachtal liegt im nordöstlichen Teil des Burgwaldes und ist auf beiden Seiten von bewaldeten Hügeln umgeben. Im Nordwesten, auf Höhe des Forsthauses, wird die Straße von der Landesstraße 3077 – Richtung Rosenthal und Sehlen – gekreuzt. Zur Gemarkung Lehnhausen gehören außerdem der nordwestlich des Forsthauses gelegene Hof Niederholzhausen und die südöstlich – Richtung Gemünden – gelegene Bernsmühle.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Lehnhausen erfolgte unter dem Namen Lehenhusen im Jahr 1231 in einer Urkunde des Klosters Haina. Zu der Zeit war Lehnhausen Teil des mittelalterlichen Gerichts Bulenstrut. Dieses Gericht lag im Grenzgebiet der Grafschaften Ziegenhain und Battenberg. Wohl schon Anfang des 14. Jahrhunderts ging der Besitz des Gerichts von Ziegenhain auf das Erzstift Mainz über. Der Mainzer Erzbischof gründete 1340 die Stadt Rosenthal, der das Gericht später angegliedert wurde. Nach der Mainzer Stiftsfehde fiel der Ort 1464 als Pfandbesitz an die Landgrafen von Hessen. Mit dem Merlauer Vertrag von 1583 verzichtete Mainz auf seine Ansprüche und Lehnhausen blieb bis zu dessen Auflösung im Jahr 1821 ein Teil des hessischen Amtes Rosenthal.
Während all dieser Zeit war Lehnhausen einerseits eng mit dem Koster Haina und anderseits mit dem benachbarten Ort Grüsen verbunden. Das Kloster wird bereits im 14. Jh. In mehreren Urkunden als Erwerber von Gütern in Lehnhausen erwähnt. In einem Salbuch des Hainaer Hospitals von 1556 heißt es „Dis dorff Lenhausen ist mit allem umbegriffen und Zugehörung … des Spittals Haina …“. Grüsen war von alters her der Sitz des Kirchspiels in der Bulenstrut, zu dem auch Lehnhausen bis heute gehört. Im Mittelalter muss es sowohl in Lehnhausen, als auch in Niederholzhausen kleine Kirchen gegeben haben, die aber in der Reformationszeit verfielen. Mit Einführung der Reformation in Hessen ab 1526 wurden die Einwohner evangelisch-lutherisch.
In dem erwähnten Salbuch lässt sich auch erstmals auf die Größe des Dorfes zur damaligen Zeit schließen. Es werden sieben Hofgüter und eine Mühle genannt. In einem Salbuch des Amtes Rosenthal von 1591 werden zwölf Hofinhaber genannt.
Die erste konkrete Einwohnerzahl wird im Rahmen eines 1780 verfassten Lager-, Stück und Steuerbuchs genannt. „Dieses Dorf bestehet dermalen aus 1nem Gemeinde Hirten und 1nem Schäferhaus, sodann aus 14 contribuablen Bauers- und Köthners Häußern, darinnen wohnen … in summa 91 Menschen“. Dieses Buch beschreibt detailliert die damaligen Besitzverhältnisse, die Größe der Gemarkung, sowie die Rechte und Pflichten der Bewohner. Lehnspflichtig ist das Dorf weiterhin dem Hospital Haina. In dem Buch wird auch berichtet, welche Abgaben an den Pfarrer, sowie den Schulmeister (Lehrer) in Grüsen entrichtet werden müssen. Da der Ort weder über eine eigene Kirche noch über eine Schule verfügt, besuchen die Bewohner dort regelmäßig den Gottesdienst und schicken ihre Kinder dorthin zur Schule. Auch die Toten werden in Grüsen zu Grabe getragen. Erst um 1800 wird ein erster ortseigener Friedhof angelegt.
Für Niederholzhausen wurde 1780 ein vergleichbares Buch verfasst. Dort heißt es „Dieser Hof bestehet dermalen aus zwei Bauern Häußern, darinnen wohnen … im summa 31 Menschen“.
Im Jahre 1832 wurde durch den hessischen Kurfürsten ein Gesetz erlassen, das es den Bewohnern ermöglichte, ihre bisherigen Lehensgüter gegen Zahlung einer Gebühr abzulösen und so mit der Zeit das mittelalterliche Feudalwesen abschaffte. Nach mehrjährigen Verhandlungen gelang es der Gemeinde 1838 einen entsprechenden Vertrag mit dem Hospital Haina zu schließen und ihre Lehngüter bis 1849 vollständig abzulösen.
Niederholzhausen bildete bis 1835 eine eigene Gemeinde. Das frühere Dorf war jedoch zu dieser Zeit schon aufgrund seiner ungünstigen Lage zu einem Hofgut zusammengeschrumpft. Während im 16. und frühen 17. Jh. noch vier hainaische Lehnsnehmer erwähnt wurden, fielen ab 1689 alle vier Lehen an dieselbe Person. Zunächst bildete Niederholzhausen einen Gutsbezirk im gemeinsamen Bürgermeisterbezirk. 1873 wurden dieser dann vollständig der Gemeinde Lehnhausen angegliedert.
1838 wurde das Forsthaus für den Forstläufer des Hospitals Haina errichtet. Im Jahre 1863 wurde nach einem starken Anstieg der Schülerzahl eine erste Schule im Ort gebaut. Mit Einführung der Standesämter in Preußen im Jahre 1874 wurde Lehnhausen dem Standesamtsbezirk Gemünden zugeordnet. Um 1886 wurde der heutige Friedhof oberhalb des Dorfes angelegt.
Von der heute von der Edertalsperre überfluteten Ortschaft Asel wurde im Jahre 1914 die Kirche gekauft und als Schule 1915 wieder aufgebaut. 1960 wurde in Lehnhausen das erste Dorfgemeinschaftshaus im Landkreis gebaut. Die Schule wurde 1965 geschlossen und an Privatpersonen verkauft.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 wurden im Zuge der hessischen Gebietsreform die bis dahin selbständigen Gemeinden Grüsen, Herbelhausen, Lehnhausen und Sehlen auf freiwilliger Basis nach Gemünden an der Wohra eingegliedert. Für Lehnhausen wurde wie für die übrigen Stadtteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lehnhausen 96 Einwohner. Darunter waren 6 (6,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 30 waren zwischen 18 und 49, 33 zwischen 50 und 64 und 12 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 39 Haushalten. Davon waren 9 Singlehaushalte, 12 Paare ohne Kinder und 12 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 3 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 27 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Quelle: Historisches Ortslexikon 1502: 4 wehrhafte Männer 1577: 9 Hausgesesse 1747: 14 Haushaltungen
Religionszugehörigkeit • 1885: 164 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 122 evangelische (= 93,85 %), 8 katholische (= 6,15 %) Einwohner
Literatur
Gerhard Adel: Aus der Geschichte eines kleinen Dorfes. Lehnhausen 2006, Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Gemünden (Wohra)
Weblinks
Einzelnachweise Lager-, Stück- und Steuerbuch der Dorfschaft Lehnhausen Amt Rosenthal verfertigt im Jahr 1780 vom Rectificator Lappe und revidiert vom Revisore Rotarius (Quelle: HStAM Kataster I Lehnhausen B 1) Gerhard Adel: Aus der Geschichte eines kleinen Dorfes. Lehnhausen 2006, Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Gemünden (Wohra)
Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Gemünden (Wohra)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ersterwähnung 1231