mini|Oscar von Sarwey Oscar Sarwey, seit 1870 von Sarwey, (auch Oskar; * 7. März 1837 in Ludwigsburg; † 30. Januar 1912 in Charlottenburg) war ein württembergischer Generalleutnant sowie „Militärdirigent“ der Reichs-Limeskommission.

Leben Sarwey war der Sohn eines Obertribunalrates. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart, absolvierte er ab 22. April 1855 die Kriegsschule Ludwigsburg und wurde am 7. September 1857 als Portepeekadett im 6. Infanterie-Regiment der Württembergischen Armee angestellt. Im März 1867 wurde er in den württembergischen Generalstab befördert und genoss dort das Vertrauen des damaligen Kriegsministers, Generalleutnant Rudolf von Wagner-Frommenhausen, sowie des Chefs des Generalstabs. Später wurde er aufgrund der Militärkonvention zwischen Württemberg und Preußen als Hauptmann im Generalstab zur preußischen Armee kommandiert. In dieser Funktion nahm er als Generalstabsoffizier der kombinierten 2. Württembergischen Feldbrigade unter anderem an der Schlacht bei Sedan und der Einschließung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil.

1862 wurde er in der Stuttgarter Freimaurerloge Zu den 3 Cedern zum Freimaurer aufgenommen, die er 1870 „aus Gründen innerer Überzeugung“ wieder verließ.Matrikelbuch, Matr. Nr. 238, Archiv der Loge Zu den 3 Cedern in Stuttgart

Für seine Leistungen während dieses Krieges wurde er am 28. Dezember 1870 mit dem Ritterkreuz des Militärverdienstordens beliehen. Damit verbunden war die Erhebung in den persönlichen Adelstand und er durfte sich nach der Eintragung in die Adelsmatrikel von Sarwey nennen. Außerdem erhielt er beide Klassen des Eisernen Kreuzes.

Am 28. Januar 1872 heiratete Oscar von Sarwey in Oberdischingen Paula Louise Friederike Mathilde Kaulla, eine Tochter des Oberdischinger Rittergutsbesitzers Friedrich Salomon KaullaZur Familie Kaulla siehe Kaulla (Unternehmerfamilie); Friedrich Salomon Kaulla war ein Enkel der Hoffaktorin Karoline Kaulla bzw. "Madame Kaulla" und seiner Frau Louise geb. Pfeiffer. Oscar und Paula von Sarwey hatten zwei Kinder: Hellmuth (geb. 1873 in Stuttgart) und Otto (geb. 1879 in Ulm).Familienregister des Standesamtes Ulm Bestand B 051/950 - Band 10 Blatt 382 zu Familie Oskar von Sarwey Der Unfalltod des Sohnes Otto im Juni 1888 in Straßburg im Elsass machte vor allem Paula von Sarwey schwer zu schaffen. In Erinnerung an ihren Sohn stiftete Paula von Sarwey für das Ulmer Münster 1890 das "Paula von Sarwey-Fenster" bzw. "Jesus-Fenster" an der Südseite des Langhauses des Münsters. Dieses Fenster wurde bei den Bombenangriffen auf Ulm im Zweiten Weltkrieg zerstörtDas Fenster wird beschrieben in: Rudolf Pfleiderer: Das Münster in Ulm. Verlag Ebner, Ulm S. 95. Abbildung in der Sammlung Stadtarchiv Ulm F 3/1 0597 Ulmer Ansichten Münster, Langhaus Südseite, Jesusfenster 1890.. Spätestens ab 1890 lebten Oscar von Sarwey und seine Frau Paula getrennt, sie in Ulm, wo sie am 23. Januar 1920 starb, er in Charlottenburg.

Am 14. Juni 1883 zunächst mit der Führung des Infanterie-Regiments „Großherzog Friedrich von Baden“ (8. Württembergisches) Nr. 126 beauftragt, wurde Sarwey am 2. August 1883 zum Regimentskommandeur ernannt und in dieser Stellung am 27. April 1884 zum Oberst befördert. Das Regiment gab er am 21. August 1888 ab, wurde Generalmajor und Brigadekommandeur sowie vorläufig zur Übernahme der 52. Infanterie-Brigade kommandiert. Kurz darauf stellte man ihn à la suite der Armee und kommandierte ihn nach Preußen. Hier erhielt Sarwey das Kommando über die 9. Infanterie-Brigade. Am 17. November 1890 zum Generalleutnant befördert, wurde Sarwey mit diesem Datum zur Disposition gestellt und ließ sich in Charlottenburg nieder.

In Konkurrenz zu dem bayerischen Generalmajor und Limesforscher Karl von Popp und gegen den Willen Theodor Mommsens wurde Sarwey 1892 zum „militärischen Dirigenten“ der Reichs-Limeskommission berufen. Als solcher war er beratender militärischer Spezialist für alle entsprechenden Fragen im Zusammenhang mit dem Limes (Analogien zwischen römischer und moderner Militärarchitektur, strategisches Verständnis etc.). Ferner war er neben Ernst Fabricius und Felix Hettner Mitherausgeber des dreizehnbändigen Limeswerks. Von Sarwey erlag einem Schlaganfall.

Auszeichnungen (Auswahl) 1872: Militärverdienstkreuz 1877: Kronenorden 3. Klasse 1880: Ritterkreuz 1. Klasse des Ordens der Württembergischen Krone 1885: Komturkreuz 2. Klasse des Friedrichs-Ordens 1886: Kronenorden 2. Klasse 1890: Komturkreuz des Ordens der Württembergischen Krone 1890: Roter Adlerorden 2. KlasseGuido von Frobel: Militär-Wochenblatt. Band 75. Berlin 1890. 1895: Komturkreuz des Militärverdienstordens 1910: Großkreuz des Militärverdienstordens 1911: Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse 1911: ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts

Schriften Herausgeberschaft Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. 13 Bände. gemeinsam mit Ernst Fabricius und Felix Hettner.

Aufsätze Die Abgrenzung des Römerreiches. In: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. 13, 1894, S. 1–22. Römische Strassen im Limesgebiet. In: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. 18, 1899, S. 1–45. 93–128. 251.

Literatur Hermann Niethammer: Das Offizierskorps des Infanterie-Regiments „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125. 1809–1909. Stuttgart 1909, S. 236 f. von Pfaff: Generalleutnant z. D. v. Sarwey † (Nachruf). In: Militär-Wochenblatt, Nr. 19, 1912, S. 399–403 (militärischer Werdegang). Rainer Braun: Frühe Forschungen am obergermanischen Limes in Baden-Württemberg. Württembergisches Landesmuseum u. a., Stuttgart 1991, S. 139 und S. 110, Abb. 71 Rainer Braun: Die Geschichte der Reichs-Limes-kommission und ihre Forschungen. In: Der römische Limes in Deutschland. Theiss, Stuttgart 1992, S. 13 Abb. 8. Rainer Braun: Karl (Ritter von) Popp (1825–1905). Der vergessene bayerische General und Limesforscher. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 75 (2010) S. 326–328.

Weblinks

Einzelnachweise

Anmerkungen

Kategorie:Provinzialrömischer Archäologe Kategorie:Generalleutnant (Württemberg) Kategorie:Person im Deutschen Krieg Kategorie:Person im Deutsch-Französischen Krieg Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 2. Klasse Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 2. Klasse Kategorie:Träger des Württembergischen Militärverdienstordens (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordens der Württembergischen Krone (Ritter) Kategorie:Kommentur II. Klasse des Friedrichs-Ordens Kategorie:Nobilitierter (Württemberg) Kategorie:Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts Kategorie:Freimaurer (Deutschland) Kategorie:Freimaurer (19. Jahrhundert) Kategorie:Württemberger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1837 Kategorie:Gestorben 1912 Kategorie:Mann