mini|Ingrid L. Ernst auf der Treppe des Palazzo Franchetti, Venedig 2019 Ingrid Lucia Ernst (* 26. Juli 1945 in Kassel) ist eine deutsche Theaterregisseurin, Dozentin für szenisches Gestalten von Raum und Sprache, Dramaturgin und Autorin von bühnennahen Produktionen mit literarisch-philosophischen Texten.

Künstlerischer Werdegang Ingrid L. Ernst studierte in Stuttgart an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg (Kunsterziehung), an der Technischen Universität (Germanistik), und an der Hochschule für Darstellende Kunst (Schauspiel). Mit einer Arbeit zu Johan Huizinga machte sie 1968 das Erste Staatsexamen, arbeitete dann als Lehrerin in Deutschland und Brasilien. Das Zweite Staatsexamen erfolgte zum Thema soziales Lernen mit Medien. Sie arbeitete dann an einem Projekt zur Erforschung von Raum-Körper-Konzepten der 1920er und 1930er Jahre (Aufenthalt am „Goldsmith’ College“ in London). Ab 1980 lehrte sie als Dozentin an der Universität der Künste Berlin, der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, der Muthesius Kunsthochschule Kiel, und am Bauhaus Dessau im Studienbereich interdisziplinäre, kooperative Kunst und performativer Raum. Parallel dazu inszenierte sie als Regisseurin an Theatern in München, Köln, Berlin, Hamburg, Münster sowie in ungewöhnlichen Räumen des freien Theaters. Von 1990 bis 1995 leitete sie das literarisch orientierte Moderne Theater Berlin. Nach ihrer Zeit als Chefdramaturgin am Hans Otto Theater (Potsdam) arbeitete sie wieder mit eigenen experimentellen, erforschenden Bühnenprojekten: Schwerpunkt ist seitdem die Verwebung theatraler Mittel mit visuellen Künsten und literarischen Texten.

Sonstiges Ingrid L. Ernst war mit dem Architekten und Hochschullehrer R.W.Ernst (gest. am 8. September 2019) verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Als Vorsitzende und Mitglied des Freundeskreises Literaturhaus Berlin e.V. war sie Initiatorin des Diner littéraire. Von 2012 bis 2016 war sie im Kuratorium Fond Darstellende Künste als Jurorin tätig. Sie ist Mitglied im Förderverein Temnitzkirche e.V. und seit 1996 Mitglied im Deutschen Werkbund Berlin DWB.

Inszenierungen (Auswahl) 1981: Stunde der Magd, nach Erzählung Marieluise Fleisser, Kassenhalle Freie Volksbühne Berlin 1982: Jede Frau trägt ein Zimmer in sich, drei simultane Räume, Konzept, Künstlerhaus Bethanien 1983: Ritt auf die Wartburg, von Friederike Roth, Modernes Theater München 1984: Das singende, springende Löweneckerchen, von Barbara Honigmann, Städtische Bühnen Münster 1984: Brennende Geduld, von Antonio Skármeta, Modernes Theater München 1985: Fenn, von Caryl Churchill (nicht vollendet), Schauspiel Köln 1985: Berlin ein Meer des Friedens, von Einar Schleef, Werkstatt Schiller Theater Berlin 1986: Weil im Unmöglichen die Wirklichkeit liegt, performative Lesung nach Clarice Lispector 1987: Fräulein Julie, von August Strindberg, Teamtheater München 1987: Shirley Valentine, von Willy Russell, Städtische Bühnen Münster 1988: Am Abend kommt Crispin, von Karl Otto Mühl, Städtische Bühnen Münster 1989: City Sugar, von Stephen Poliakoff, Theater der Jugend München 1989: Weißblume, von Karin Boldemann, Theater unterm Dach Berlin-Ost, Städtische Bühnen Marburg u. a. 1990: Die Fremdenführerin, von Botho Strauß, Theater in der Basilika Hamburg 1990: Die begabten Zuschauer, Minidramen, Modernes Theater Berlin 1991: Die Nacht kurz vor den Wäldern, von Bernhard-Marie Koltès, Modernes Theater Berlin 1991: Das glühend Männla, von Kerstin Specht, Modernes Theater Berlin 1991: Sieben Dichterinnen, Porträt-Zyklus, Modernes Theater Berlin 1992: Die Straße der kleinen Ewigkeit, performative Lesung nach Martin Beradt, Modernes Theater Berlin 1992: Älskap, von Märta Tikkanen, Modernes Theater Berlin 1992: Quartett, von Heiner Müller, Modernes Theater Berlin 1993: Fünf Schauspielerinnen, Porträt-Zyklus, Modernes Theater Berlin 1993: Sappho, ein Sommertag, nach Franz Grillparzer, Modernes Theater Berlin 1993: Die Clownin, von Gerlind Reinshagen, Modernes Theater Berlin 1994: Senso, von Camillo Boito, Modernes Theater Berlin, Schlossparktheater 1994: Mademoiselle Marie, nach Marie Bashkirtseff, Modernes Theater Berlin, Teamtheater München 1998: Der Traumarbeiter, Theaterfilm nach Motiven Wolfgang Bächlers, Industriedenkmal Rüdersdorf 1999: Setz Dich auf den blauen Sessel am grünen Tisch, Theatertagtraum nach J. W. Goethe, Dorfkirche Netzeband 1999: Regelwerke der Einsamkeit, performative Interventionen in der Bauhaus-Architektur 2000: Planquadrat Traum, experimentelle Bühnenprojekte im Bauhaus Dessau 2002: Dinge und Undinge, philosophische Clips nach Vilém Flusser, Theater am Halleschen Ufer, Bauhaus Dessau 2003: Ideas on Stage, performative Interventionen, Kunsthochschule Weißensee 2003: Inter-Disziplinierte-Räume, Raumgestaltungen, Brecht-Haus Weißensee 2004: DET/DAS, Performance nach Inger Christensen, Literaturhaus Berlin 2005: ich wurde für verrückt gehalten, Porträt-Performance zur Figur Elsa von Freytag-Loringhoven, Literaturhaus Berlin 2006: Die Orte der Marguerite Duras, Literatur-Performance, Literaturhaus Berlin, Teamtheater München 2007: Aus Ingeborg Bachmanns Zauberatlas, Literatur-Performance, Literaturhaus Berlin 2009: Ozean, mobilis in mobili, Lecture-Performance (dramaturgische Mitarbeit), Kunsthalle zu Kiel 2010: Wunderkammer Ruppiner Land, Foto-Ausstellung, Temnitz-Kirche Netzeband 2013: Wintergespinst, Bild-Text-Inszenierung nach einer Erzählung Moritz Heimann, Netzeband 2014: Alice, Robinson, Lecture Performances, Berliner Grundschulen 2014: Meereslust im Werk von Ingo Kühl, Szenische Lesung, Stadtgalerie Alte Post, Westerland / SyltSylt TV ab 2015: Geschichten, Dinge und Musik / literarischer Zyklus für den ländlichen Raum ab 2019: Initiatorin und Dramaturgin des Projektes Dörfer die verbinden – Vielfalt und Zusammenhalt im ländlichen Raum der Gemeinde Temnitzquell ab 2023: Literarische Spaziergänge am Tisch, Veranstaltungsreihe Netzeband-Kultur

Videoarbeiten 1981: Stunde der Magd (35 min) 1982: Jede Frau trägt ein Zimmer in sich, dreifache Videoinstallation (55 min) 1982: Tesito, Filmskizze zum afrikanischen Alltag (12 min) 1985: Ritt auf die Wartburg, Fernsehaufzeichnung 1999: Regelwerke der Einsamkeit, Dokumentation 2001: Planquadrat Traum, Dokumentation 2004: Schiefer Baum (5 min) 2004: Irgendwer (9 min) 2004: Klosterraum (16 min) 2006: Schmetterling (38 min) 2008: in the green (21 min)

Publikationen Jede Frau trägt ein Zimmer in sich. In: Frauen und Film, Heft 34, 1983, S. 109–112. Der Museumspark als Ort der Kultur und Kunst. In: Realisierungsstudie Museumspark Rüdersdorf. Gefördert durch die Bundesstiftung Umwelt, 1998, S. 103–121. Weil im Unmöglichen die Wirklichkeit liegt. In: Schriftenreihe der Guardini-Stiftung, Band 7, 1997, S. 12–30. Von Theatergeld wird kaum gesprochen. In: Der Tagesspiegel, 28. Dezember 1996. Grashalme aus Lettland. In: Ästhetik & Kommunikation, Heft 112, 2001, S. 118–120. Komplizierte Wegfindung einer Fachhochschule in die Interdisziplinarität. In: Ästhetik & Kommunikation, Heft 114, 2001, S. 4–6. Performanz von Text und Raum – Prinzipien und Handlungsweisen der armen denk bühne. In: Marie-Luise Lange (Hrsg.): Performativität erfahren. Schibri-Verlag, 2006, S. 187–205. Rückblick auf Explorationen. In: Ästhetik & Kommunikation, Heft 139, 2008, S. 83–89. Momente zur interkulturellen Praxis von Kunst im öffentlichen Raum oder auf den Spuren Pessoas bei research-based art//art based-research. In: Ästhetik & Kommunikation. Heft 148, 2010, S. 89–92. Sinnliche Reaktion auf eine physische Umgebung. In: Ästhetik & Kommunikation, Heft 154, 2011. Vorlesungen zwischen Kunst und Wissenschaft im inszenierten Raum. Materialienreihe der Muthesius Kunsthochschule, Kiel 2012, ISBN 978-3-9813781-6-0. Rousseaus Stock. In: Kunst hoch Schule. Kiel 2012, ISBN 978-3-943 763-13-3.

Weblinks Artistic Work Details KH Berlin

Einzelnachweise

Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Autor Kategorie:Dramaturg Kategorie:Hochschullehrer (Muthesius Kunsthochschule) Kategorie:Hochschullehrer (Weißensee Kunsthochschule Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Dessau-Roßlau) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Frau