Die Büchse der Pandora (Originaltitel Partners in Crime) ist eine Sammlung von Kriminalgeschichten von Agatha Christie, die 1929 zuerst in den USA von Dodd, Mead and CompanyJohn Cooper, B.A. Pyke: Detective Fiction – the collector’s guide. 2. Auflage. Scholar Press, 1994, ISBN 0-85967-991-8, S. 82 und 87. und am 16. September desselben Jahres im Vereinigten Königreich von William Collins & SonsThe Observer. 15. September 1929, S. 8. veröffentlicht wurde. Für die deutsche Erstausgabe 1965 unter dem Titel Die Büchse der Pandora im Scherz Verlag wurden zwölf Kriminalgeschichten von Lotte Schwarz übersetzt. 2011 wurden dann die fehlenden vier Geschichten von Heike Steffen ins Deutsche übersetzt und von dem französischen Verlag Hachette Collections herausgegeben als 72. Band in: Die offizielle Sammlung Agatha Christie.
Alle Geschichten sind zuerst in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht worden (siehe Erste Veröffentlichungen der Geschichten).
Es ermitteln Tommy und Tuppence Beresford, zwei Detektive, die ihren ersten Auftritt in dem Roman Ein gefährlicher Gegner aus dem Jahr 1922 hatten. Tuppence heißt in Wirklichkeit Prudence und die kindersprachliche Aussprache erinnert an engl. twopence.
Einführung
Ein alter Freund der Beresfords, Mr. Carter (der für einen nicht genannten Geheimdienst arbeitet), macht dem abenteuerlustigen Paar ein Angebot. Sie können The International Detective Agency Blunt, deren Eigentümer derzeit in anderer Mission unterwegs ist, übernehmen. Sie können so tun, als ob sie selbst die Eigentümer wären, bis sie eine geheime Nachricht erhalten – eine Möglichkeit, die dem jungen Paar sehr gefällt. Sie beschäftigen den schon aus Ein gefährlicher Gegner bekannten Albert als Assistenten. Der handelt zwar gut meinend, aber manchmal auch unglücklich.
Begierig und willig beginnen die beiden in verschiedenen Fällen zu ermitteln. In jedem dieser Fälle imitieren sie einen berühmten Detektiv der damaligen Zeit, einschließlich Sherlock Holmes und Christies eigenem Hercule Poirot.
Am Ende des Buches erzählt Tuppence, dass sie schwanger sei und in Zukunft keine Rolle im Spionagegeschäft mehr spielen wolle.
Handlung Der Besuch der Fee / Eine Tasse Tee (Originaltitel A Fairy in the Flat / A Pot of Tea)
Prudence („Tuppence“) Beresford, die nun seit sechs Jahren mit Tommy verheiratet ist, langweilt sich in ihrem Hausfrauenleben, aber nicht mit ihrem Ehemann. Sie diskutiert leichtfertig, was für spannende Abenteuer mit deutschen Spionen oder auf Reisen in die Sowjetunion sie erleben könnte. Ihre Rede wird durch die Ankunft von Mr. Carter (siehe Ein gefährlicher Gegner) unterbrochen, der ihnen anbietet, die internationale Detektivagentur zu übernehmen, deren Inhaber, Theodore Blunt, wegen einiger Indiskretionen nun im Gefängnis sitzt. Der Geheimdienst hat die Detektei gekauft und will sie als Postadresse benutzen. Inzwischen könnten Tommy und Tuppence aber ganz normal als Detektive arbeiten. Nur wenn blaue Briefe an Mr. Blunt mit russischen Marken eintreffen, die auch noch eine 16 unter der Marke haben, oder wenn jemand ins Büro kommt und die Sechzehn nennt, sollen sie Mr. Carter sofort benachrichtigen.
Nach einigen Tagen haben sich die beiden im Büro eingerichtet – Tommy als Mr. Blunt und Tuppence als seine Sekretärin Miss Robinson. Alfred (der Liftboy aus Ein gefährlicher Gegner) arbeitet als Bürohilfe. Nach einer Woche, in der sie nur Scheidungsfälle zu bearbeiten hatten, die Tuppence geschmacklos findet, bekommen sie in ihrem Büro Besuch von Lawrence St. Vincent. Er ist der Neffe und der Erbe des Earl of Cheriton. Er hat sich in ein junges Mädchen namens Janet verliebt, die in einem Hutladen in der Brooks Street arbeitet, aber aus dem Laden und auch aus ihrer Wohnung ist sie nun verschwunden. St. Vincent hatte Janet mehrfach über die Detektei Blunt sprechen hören und deshalb ist er nun da, damit die beiden Janet finden. Die Beresfords übernehmen den Fall und Tuppence kann ihn ganz einfach lösen, denn Janet ist eine Freundin aus Kriegstagen. Beide habe sich die Geschichte ausgedacht. Sie ist nur verschwunden, damit St. Vincent endlich um ihre Hand anhält und die Detektei eine gute Werbung erhält.
Die rosa Perle (Originaltitel The Affair of the Pink Pearl)
Tommy legt im Büro einige Bücher heraus, es sind berühmte Detektivgeschichten und er denkt, dass es wohl eine gute Idee wäre, sich auf ihre Techniken und die verschiedenen Stile in den Ermittlungen zu stützen. Er hat auch eine gute Kamera gekauft, mit der er die Fußabdrücke und „all die anderen Sachen“ fotografieren will. Sie bekommen einen Klienten, eine junge Frau mit dem Namen Miss Kingston Bruce. Sie lebt in Wimbledon mit ihren Eltern, die eine Pension betreiben. Letzte Nacht hat eine ihrer Gäste eine wertvolle rosa Perle verloren. Da sie derzeit die Polizei nicht einschalten wollen, hat ihnen Lawrence St. Vincent, der auch bei ihnen wohnt, die Detektei Blunt empfohlen. Die Beresfords fahren nach Wimbledon und treffen Colonel Kingston Bruce. Er erzählt stolz, dass Lady Laura Barton, Tochter des verstorbenen Earl of Carroway, bei ihnen wohnt, gemeinsam mit einem amerikanischen Ehepaar, Mr. und Mrs. Hamilton Betts, die eine Dame mit Titel kennenlernen wollten. Während eines Bridgespiels nach dem Abendessen brach der Verschluss an der Kette von Mrs. Betts, eine Kette mit einer rosa Perle als Anhänger. Sie legte die Kette auf einen kleinen Tisch, vergaß aber, sie mit auf ihr Zimmer nach oben zu nehmen. Am nächsten Morgen war zwar die Kette noch da, aber die Perle fehlte. Neben den Kingston Bruces, den Betts, Lady Laura und St. Vincent, war ein Mr. Rennie der einzige weitere Gast, der der Tochter des Hauses den Hof macht. Ihr Vater sieht diese Verbindung nicht so gern, weil er ein Sozialist ist. Niemandem wurde erlaubt, das Haus zu verlassen, außer der Tochter, die zu den Blunts geschickt wurde. Die Familie gibt auch die Genehmigung, im Zuge der Ermittlungen das Haus zu durchsuchen.
Tommy versucht zu beeindrucken, indem er seine neue Kamera zum Einsatz bringt. Tuppence versucht taktvoll das Personal zu befragen. Sie belauscht ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter Kingston, dass jemand einen Teelöffel in seinem Muff nach Hause genommen hat, und wundert sich, was das zu bedeuten hat. Später erfährt Tuppence von Elise, dem französischen Mädchen von Lady Laura, dass ihre Herrin an einer Art Kleptomanie leidet; fünfmal in der Vergangenheit sind Dinge verschwunden, wenn sie bei Freunden zu Gast waren. Sie beginnen mit der Durchsuchung von Lady Lauras Schlafzimmer und Bad, werden aber aufgehalten, weil Elise die Tür nicht öffnen kann. Tommy macht mit Elises Hilfe Fotos, plötzlich sagt er leise, dass er eine Idee hat und außer Haus gehen muss. In der Zwischenzeit soll sie Lady Laura im Haus festhalten.
Einige Zeit später kehrt er mit Inspektor Marriot von Scotland Yard zurück. Sie gehen direkt ins Badezimmer und schneiden ein Stück Seife in zwei Hälften – und finden die Perle in der Seife. Der Grund, warum Elise die Tür nicht öffnen konnte, war, dass sie noch Seife an den Händen hatte, nachdem sie die Perle versteckt hatte. Als sie Tommy beim Fotografieren unterstützte, hinterließ sie ihre Fingerabdrücke auf den Platten. Im Yard identifizierte man diese als die einer geflohenen Verbrecherin und Elise wurde verhaftet. Die Anstellung bei einer Dame, die als Kleptomanin galt – Teelöffel im Muff –, war die beste Deckung, die sie haben konnte.
Der geheimnisvolle Unbekannte (Originaltitel: The Adventure of the Sinister Stranger)
Tuppence langweilt sich, es gibt wenig zu tun in der Agentur, als sie ein Paket erhält. Es enthält ein silbernes Zigarettenetui: Für Francis von Tuppence. Tuppence hatte es General Francis Haviland, den sie im Krieg gefahren hatte, zu seiner Hochzeit geschenkt. Tommys abfällige Bemerkungen über den General werden durch die Ankunft der Post unterbrochen: der erste russische blaue Brief. Auch jetzt werden sie wieder unterbrochen durch die Ankunft eines großen Mannes mit einem Klumpfuß, der sich als der Arzt Dr. Charles Bower aus Hampstead ausgibt. Zweimal in den letzten beiden Wochen hat man ihn zu einem Notfall gerufen und beide Male hat sich der Anruf als ein Scherz herausgestellt. Jedes Mal, wenn er heimkehrte, fand er Spuren, dass sein Arbeitszimmer sorgfältig durchsucht wurde, sicherlich auf der Suche nach seinen Forschungen über Alkaloide. Diese Papiere hat er jedoch in einem Geheimfach seines Schreibtisches versteckt. Heute hat er wieder einen Anruf bekommen, dass er zu einer Patientin nach Bournemouth kommen soll, er hat aber herausgefunden, dass dies nur wieder ein Versuch sein soll, ihn aus dem Haus zu locken. Er erwartet in der Nacht eine weitere Durchsuchung seines Arbeitszimmers und er möchte, dass die Blunts im Haus sind, wenn der dritte Versuch unternommen wird.
Bower geht und sein Klumpfuß erinnert Tuppence an die Brüder Okewood. Tommy beschließt Desmond zu sein, während Tuppence Francis ist. Ihr nächster Besucher ist Detektiv Inspektor Dymchurch von Scotland Yard, ein Kollege von Marriot, der weiß, dass es nötig ist, einen Blick auf die blauen Briefe zu werfen, und der Bower folgt. Das eigentliche Anliegen des Doktors ist aber, die Blunts aus ihrem Büro zu locken, damit es nach dem blauen Brief durchsucht werden kann. Tommy und Dymchurch machen einen neuen Plan, um in der Nacht ins Büro zurückzukehren und die Agenten zu fassen. Das tun sie auch, aber es ist eine Falle und Tommy wird gefesselt. Denn Dymchurch ist ein ausländischer Agent. Auch Bower (in Wirklichkeit Bauer) ist ein Mitglied der Bande. Durch Gewalt versuchen sie aus Tommy herauszubekommen, wo der Brief ist. Er sagt, dass Tuppence ihn hat, er schreibt ihr, dass sie ihn ins Büro bringen soll, unterschreibt aber mit Francis, so wie auf dem Zigarettenetui, das er noch bei sich hat. Er zeigt es den Agenten, um ihnen zu beweisen, dass das sein richtiger Name ist und nicht Theodore Blunt. Tuppence kommt ins Büro, hat aber, alarmiert durch den falschen Namen, Inspektor Marriot und einige bewaffnete Polizisten mitgebracht. „Dymchurch“ und seine Komplizen werden verhaftet.
Der Herr in Zeitungspapier (Originaltitel Finessing the King / The Gentleman Dressed in Newspaper)
Tuppence langweilt sich, und beim Lesen des Daily Leader beschließt sie, dass sie tanzen gehen will. Tommy, der dazu keine Lust hat, versucht sie abzulenken mit dem interessanten Fakt, dass man an Farbklecksen im Impressum der Zeitung erkennen kann, an welchem Tag sie gedruckt wurde. Doch seine Frau entdeckt eine Anzeige in der Rubrik Persönliches: Tuppence schließt, dass diese Anzeige mit dem morgigen Ball der drei Künste (Coeur) zu tun hat. 12 Stiche meint 12 Uhr und Pik As heißt ein dekadenter Nachtklub in Chelsea, zu dem man nach einem Ball gern geht. Weil sie mit „den König schneiden“ nichts anfangen kann, beschließen sie, zum Ball zu gehen, und zwar als die Detektive Tommy McCarty (Ex-Polizist) und Dennis Riordan (Feuerwehrmann).
Kurz vor zwölf verlassen die beiden den Ball und gehen ins „Pik As“. Sie sitzen in einer der privaten Boxen und beobachten das Kommen und Gehen der anderen kostümierten Gäste. In der Nachbarbox treffen eine Frau, die als Königin der Herzen aus Alice im Wunderland verkleidet ist, und ein Mann, der ganz in Zeitungspapier gekleidet ist, ein. Nach einer Weile hören sie einen Schrei der Frau, der Mann lacht und dann sehen sie ihn gehen. Die beiden werden misstrauisch und gehen nach ein paar Minuten in die Box – sie finden die Frau: mit einem Stich ins Herz. Bevor sie stirbt, flüstert sie: „Bingo war es ...“