Ye’elimit (vereinfacht Ye'elimit; auch Yeélimit oder Yeelimit) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca4Al6[O12SO4].
Ye’elimit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und konnte bisher nur in Form durchscheinender, farbloser bis weißer Mineral-Aggregate, bestehend aus bis zu 15 μm großen Kristallen, gefunden werden.
Etymologie und Geschichte Erstmals entdeckt wurde Ye’elimit zusammen mit Ellestadit am Har Je’elim (englisch: Har Ye’elim) im Südbezirk von Israel. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch die israelische Mineralogin Shulamit Gross (1923–2012), die das Mineral nach dessen Typlokalität benannte. Gross sandte ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1984 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1984-052), die den Ye’elimit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde noch im gleichen Jahr bei der Geological Survey of Israel veröffentlicht.
Das Typmaterial des Minerals wird in der Geochemischen Abteilung der Geological Survey of Israel (GSI; Inventarnummer hier nicht dokumentiert) sowie in der Geologischen Abteilung der Hebräischen Universität Jerusalem (DGHU) in Israel (Inventarnummer 62815) aufbewahrt.
Klassifikation Da der Ye’elimit erst 1984 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/B.04-020. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Ye’elimit zusammen mit Adranosit, Adranosit-(Fe), D’Ansit, D’Ansit-(Fe), D’Ansit-(Mn) und Therasiait eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/B.04 bildet.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ye’elimit ebenfalls in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, ohne H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.BC.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Ye’elimit die System- und Mineralnummer 30.01.15.01. Auch das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen und (AB)m(XO4)pZq, mit m : p > 2 : 1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 30.01.15.
Kristallstruktur Ye’elimit kristallisiert kubisch in der mit dem Gitterparameter a = 18,39 Å sowie 16 Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Eigenschaften Ye’elimit hydratisiert leicht und wandelt sich im Wasser (H2O) zu Ettringit (Ca6Al2[(OH)12|(SO4)3]·26H2O) und Al(OH)3 um.
Bildung und Fundorte Ye’elimit ist Teil einer Hochtemperatur-Mineralvergesellschaftung, welche aus den Mineralen Larnit, Brownmillerit, Ellestadit (Chlorellestadit, Fluorellestadit oder Hydroxylellestadit), Fluormayenit und Ye'elimit besteht. Die Bildungsbedingungen von >900 °C bei niedrigem Druck entsprechen der Sanidinit-Fazies.
Als seltene Mineralbildung konnte Ye’elimit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 15 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026). Außer an seiner Typlokalität in der Umgebung von Har Je’elim und Nahal Je’elim im Hatrurim-Becken trat das Mineral in Israel nur noch im Steinbruch Arad Stone und an einer Bredigit-Fundstelle bei Arad im Südbezirk sowie am Berg Jabel Harmun in der Wüste Judea im Westjordanland (West Bank) auf.
In Deutschland konnte das Mineral bisher nur im Steinbruch Caspar am Ettringer Bellerberg (Eifel) in Rheinland-Pfalz und in der ehemaligen, heute nicht mehr existenten, Absetzerhalde in Ronneburg im Landkreis Greiz in Thüringen entdeckt werden.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist ein Basalt-Steinbruch bei Klöch in der Südoststeiermark.
Weitere bisher dokumentierte Fundorte sind unter anderem eine Schlackenfundstelle bei Sévérac d’Aveyron in Frankreich, eine Halde des Kohlebergwerks „Nr. 47“ bei Kopeisk in der russischen Oblast Tscheljabinsk und ein Paralava-Vorkommen nahe der Durham Ranch (Reno Junction) im Campbell County (Wyoming) in den USA.
Verwendung Wirtschaftliche Bedeutung hat Ye’elimit (nach bauchemischer Schreibweise C4A3S, auch Calciumsulfoaluminat, CSA, oder "Klein's Compound" genannt) bei der Zementherstellung. In Sulfataluminatzementen ist Ye’elimit der wichtigste reaktive Bestandteil. In Gegenwart von Wasser und leicht löslichem Sulfat, z. B. in der Form von Anhydrit, Gips oder Bassanit, wandelt er sich in wasserhaltigen Ettringit um, welcher während des Erhärtens ein stabiles Mikrogefüge aus nadeligen, miteinander verzahnten Kristallen ausbildet. Industriell hergestellt wird Ye’elimit-haltiger Zementklinker aus einem Gemisch aus Kalkstein, Bauxit sowie natürlichem oder synthetischem Gips bzw. Anhydrit oder aus calcium-, aluminium- und schwefelhaltigen Sekundärrohstoffen, welche in Drehrohröfen bei Temperaturen zwischen 950 °C und 1350 °C gebrannt werden.
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Fundortliste für Ye’elimit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 12. Januar 2026.
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