mini|Kuni Tremel-Eggert um 1920 mini|Kuni Tremel-Eggert als Schülerin im Jahr 1896 Kuni Tremel-Eggert (geboren als Kunigunde Tremel;Siehe Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 618. * 24. Januar 1889 in Burgkunstadt; † 14. April 1957 in München) war eine deutsche Schriftstellerin.
Biographie Kunigunde Tremel wurde als fünftes Kind des mittelständischen Schuhmachermeisters Georg Tremel in Burgkunstadt, einem frühen Zentrum der Schuhindustrie am Obermain, geboren. Sie hatte drei Brüder (Hans, Josef und Paul) und eine Schwester (Barbara). Nachdem 1900 ihre Mutter gestorben war und drei Jahre später ihre ältere Schwester geheiratet hatte, musste Kunigunde mit 14 Jahren den Haushalt allein führen. Dadurch konnte sie nur die Sonn- und Feiertagsschule besuchen.
Im Januar 1914 starb ihr Vater an einem Herzschlag.Kuni Tremel-Eggert: Aus meinem Schaffen und Werden. In: Die Zeitschrift der Leihbücherei, Fachblatt des deutschen Leihbücherei-Berufes. Themenheft: Die Woche des deutschen Buches. 4. bis 11. November 1934, 3 (1934), Heft 20, S. 6. Ihre Schulkameraden zogen in den Krieg. Aus diesen Erfahrungen veröffentlichte sie ihre ersten Erzählungen von den Münchner Propyläen.
Nachdem sie als Schauspielerin nicht erfolgreich gewesen war, zog sie 1917 mit ihrem späteren Mann Josef A. Eggert, den sie im Feldlazarett kennengelernt hatte, nach München, wo dieser als Großkaufmann tätig war.
Vom 4. März 1920 bis 1928 arbeitete sie für den Münchner Verlag Albert Langen. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane und Erzählungen. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 251.
Der Publizist und bekennende Nationalsozialist Dietrich Eckart sagte 1921 zu ihr: „Schreiben Sie nie anders. Bleiben Sie sich treu. Ihre Zeit kommt, und wenns noch 10 Jahre dauert.“ Damit sollte er recht behalten, denn nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 gewannen die Werke der Schriftstellerin an Popularität.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 248. So sagte sie selbst rückblickend: „Man hatte vor 1933 für mich und meine Art weder Verständnis, noch Platz.“Kuni Tremel-Eggert, „Von mir und meiner Arbeit“, undatiert, zitiert nach Weber (2015), S. 248.
Am 18. Januar 1944 fiel ihr Sohn Günter an der Ostfront, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Haus in der Münchner Villenkolonie Menterschwaige beschlagnahmt und Tremel-Eggert wegen antisemitischer Hetze angeklagt und zu Schreibverbot verurteilt. Sie legte Revision ein, wurde jedoch schwer krank.
Tremel-Eggert starb am 14. April 1957 in München. Auf eigenen Wunsch wurde sie in ihrem Geburtsort Burgkunstadt beigesetzt.
Wirken im Nationalsozialismus Als Tremel-Eggert eine für den Sommer 1933 geplante Lesung im Kutscher-Kreis nur unter Ausschluss der jüdischen Schüler abhalten wollte, wurde ihr vom Veranstalter Artur Kutscher kurzfristig abgesagt, der dieser Forderung nicht nachkommen wollte.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 251f.
Ihr größter literarischer Erfolg war 1933 der Roman Barb. Roman einer deutschen Frau, der beim nationalsozialistischen Eher-Verlag erschien und über eine Million Mal verkauft wurde. Der von 1912 bis 1933 spielende Roman schildert das Leben Barb Vonbergs:„Der Leser begleitet sie auf ihrem Weg durch die Jugend in dem kleinen, fränkischen Ort Schlettstedt über ihre Heirat und den Umzug nach München bis hin zur eigenen Familiengründung. Zeitgeschichtliche Ereignisse und Phasen wie der erste Weltkrieg, die Nachkriegsjahre und die Inflation sowie schließlich das anbrechende ,Dritte Reich’ werden in die Handlung integriert und spielen dabei eine bedeutende Rolle.“Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 253.Im Gegensatz zu ihren ersten völkisch-heimatlichen Romanen ist im Barb (und den folgenden Texten) eindeutig eine politisch-ideologische Ausrichtung zu erkennen, die das Werk als NS-Propagandaliteratur entlarvt.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 253f. Ganz im Sinne der NS-Ideologie sieht die Protagonistin ihre Bestimmung in der Rolle der Ehefrau, Hausfrau und Mutter.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 255f. Vor allem das letzte Kapitel, so Weber (2015), strotze nur so vor „Propagandakitsch: In gemütlicher-heimeliger Atmosphäre näht Barb im Kreise ihrer Familie eine Hakenkreuzfahne.“Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 256; Kuni Tremel-Eggert: Barb. Der Roman einer deutschen Frau. München: Eher 1934, S. 413f.
Es erschienen weitere Prosa-Werke im Parteiverlag, die aber nicht an den Erfolg des Barb-Romans herankamen.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 257.
In einem Schreiben (1936) an Julius Streicher, den Gauleiter von Franken und Herausgeber der antisemitischen Wochenzeitung Der Stürmer, spricht Tremel-Eggert von einer Neuauflage der Barb und weist zudem darauf hin, dass sie trotz ihres literarischen Erfolgs und ihrer Beziehungen zur Regierung noch zu keinem offiziellen Vortragsabend in Nürnberg eingeladen worden sei. Am 29. Juli 1937 beantragte Tremel-Eggert die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.590.287).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/45080185 Außerdem war sie eigenen Angaben nach Mitglied der Reichsschrifttumskammer, seit 1934/35 der NS-Frauenschaft, seit 1938 der NSV, seit 1939 des Reichsluftschutzbundes und der DAF.
Im Jahr 1938 veröffentlichte sie im Eher-Verlag den Roman Freund Sansibar. Roman aus unseren Tagen, der als Paradebeispiel der Blut-und-Boden-Literatur noch mehr als der Barb-Roman nationalsozialistisches Gedankengut beinhaltet.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 258, 261. Weber (2015) fasst die Handlung folgendermaßen zusammen: „Der junge Pankratz Ott kehrt nach Ende des Weltkrieges in seine Heimat im Frankenjura zurück, wo er […] zunächst ein mehr oder weniger trauriges Dasein [fristet]. Doch eines Tages bekommt er Besuch von seinem alten Jugendfreund Titus Pfautsch, genannt Sansibar. Dieser hat sich den Nationalsozialisten angeschlossen und versucht überall im Land Menschen dafür zu gewinnen. Schließlich gelingt es ihm, immer mehr Dorfbewohner von der Sache des ,Führers’ zu überzeugen – darunter auch Pankratz.“Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 258f.Wie im Barb stellt auch hier das „Dritte Reich“ für den Protagonisten den glückverheißenden Endpunkt eines mühsamen Weges dar.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 261. Als Gegenfigur dient der mit antisemitischen Stereotypen (Geld-, sexuelle Gier) ausgestattete Ignaz, der zunehmend judenfeindlichen Äußerungen und Handlungen ausgesetzt ist.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 259f. Ihren Höhepunkt erreicht die Hetze gegen ihn in einer Rede Sansibars, in der er die Juden als „Eiterbeule im Volkskörper“ bezeichnet, „aus der quillt alles Unglück, alles Elend, aller Jammer, Not, Tod und Krieg. […] Den Leuten stehen vor Entsetzen die Haare zu Berge – aber er hat recht. Tausendmal hat er recht.“Kuni Tremel-Eggert: Freund Sansibar. Roman aus unseren Tagen. München: Eher 1939 [zuerst 1938], S. 423f.
Die Veröffentlichung des zwischen 1939 und 1942 verfassten Romans Meister Eibenschütz lehnte der nationalsozialistische Eher-Verlag ab. Als Gründe führte er die im Roman erkennbare katholische Motivik sowie das sympathisierende Verhalten der Protagonistin gegenüber Juden an.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 262. Da das Werk bis jetzt nicht untersucht werden konnte, so Weber (2015), lasse sich über die im Meister Eibenschütz vertretene Position bezüglich der Rassenfrage kein Urteil fällen.Bettina Weber: Kuni Tremel-Eggert – die katholische Antisemitin. In: Rolf Düsterberg (Hrsg.): Dichter für das „Dritte Reich“. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie. Band 3. Aisthesis, Bielefeld 2015, S. 263. Sicher ist, dass die Ablehnung des Manuskripts für die als Bestseller-Autorin gefeierte Kuni Tremel-Eggert schwerwiegende Folgen hatte, was ihre schriftstellerische Karriere anbelangte.
Entnazifizierung