mini|hochkant|Michail Schischkin, Café Odeon Zürich (2010)
Michail Pawlowitsch Schischkin (, wiss. Transliteration ; auch in verschiedenen Transkriptionen Mikhail Shishkin, Mikhail Chichkine etc., * 18. Januar 1961 in Moskau) ist ein russisch-schweizerischer Schriftsteller.
Leben Schischkin studierte Germanistik und Anglistik an der Staatlichen Pädagogischen Universität Moskau, wo er eine militärische Ausbildung als Militärübersetzer erhielt. Er war Reserveoffizier der sowjetischen Armee. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er drei Jahre als Journalist für die Jugendzeitschrift Rowesnik, danach unterrichtete er zehn Jahre Deutsch und Englisch an der „Schule Nummer 444“ in Moskau.
Schischkin heiratete eine Schweizerin und lebte ab 1995 mit seiner Familie in Zürich, wo er als Russischlehrer, Lehrer und Dolmetscher für das Migrationsamt arbeitete. Er besitzt die Schweizer Staatsbürgerschaft.Jonas Roth, Erich Aschwanden: «Es wimmelt zurzeit in Genf und Bern von russischen Agenten», sagt der russische Autor Michail Schischkin, der sich überwacht fühlt. In: Neue Zürcher Zeitung, 30. April 2022.Ulrich M. Schmid: Das Ich und seine Geschichten. In: Neue Zürcher Zeitung, 12. März 2011. Seit Erscheinen seines Romans Venushaar 2005 lebt er ausschließlich von seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Im Herbstsemester 2007 und 2009 war Schischkin Lehrbeauftragter für Russisch und russische Kultur an der Washington and Lee University in Lexington (Virginia). Seit 2011 lebt er mit seiner Familie – Schischkins zweite Frau ist Russin – im nordöstlichen Jura.
Als einziger Autor wurde Schischkin in Russland mit den drei wichtigsten Literaturpreisen ausgezeichnet: 2000 erhielt er den Russischen Booker-Preis,russianbooker.org 2005 den Nationalen Bestseller-Preis, 2006 und 2011 den Bolschaja-Kniga-Preis.bigbook.ru Seine Bücher sind in Russland durchweg Bestseller.https://archive.today/2013.02.06-155756/http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/kalender3758.jsp?rubrik=3758&r=7&y=2012&t=20120822 bei hr-online, 23. August 2012. Seine Romane wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Seine Essays wurden in großen Zeitungen im deutschen Sprachraum publiziert sowie in den wichtigsten internationalen Medien wie The New York Times,Mikhail Shishkin: How Russians lost the War In: The New York Times. 9. Mai 2015 The Wall Street Journal,wsj.com The Guardian,theguardian.com Le Mondelemonde.fr The Independent,Mikhail Shishkin: A revolution for Russia’s words. In: The Independent 22. März 2013. etc. Er ist Mitglied des Schweizerischen Schriftstellerverbandes Autorinnen und Autoren der Schweiz, des Deutschschweizer PEN-Zentrums, der Deutschen Akademie für Sprache und DichtungNeue Akademiker, sueddeutsche.de, abgerufen am 28. August 2021.Die Vorstellungsrede Michail Schischkins in Darmstadt am 5.11.2011 und Mitgründer des PEN Berlin. Im Jahr 2024 gründete Michail Schischkin gemeinsam mit Schweizer Slawistinnen und Slawisten den Literaturpreis „Dar“.
Politische Haltung Nach dem Zerfall der Sowjetunion bemängelte Schischkin die ausbleibende Aufarbeitung der Gräueltaten vergangener Jahre. Während die Deutschen sich der im Nationalsozialismus begangenen Verbrechen und einem Schuldbekenntnis gestellt hätten, würden die Russen ihre ehemaligen Despoten verklären. Er bemühte als Vergleich das Märchendrama Der Drache von Jewgeni Schwarz, in dem nach dem Ende der Gewaltherrschaft des Drachens die Stadtbewohner eine freie Zukunft „nach dem Ebenbilde ihrer sklavischen Vergangenheit“ aufbauen.
Sein „Offener Brief“ sorgte 2013 für Aufruhr in Russland. Schischkin verzichtete auf die Teilnahme an der offiziellen russischen Schriftstellerdelegation an der Buchmesse BookExpo in New York:
Im Verlauf des Russisch-ukrainischen Kriegs seit 2014 äußerte sich Schischkin zunehmend scharf über die Politik der russischen Regierung sowie über den russischen Präsidenten Wladimir Putin.Michail Schischkin über die Agonie einer Diktatur: Russlands ukrainische Zukunft. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. März 2014.Michail Schischkins Brief an Europa: Putins Schwarzes Loch. In: Der Tagesspiegel. 25. September 2014. Aus Anlass des Ukrainekrieges 2014 veröffentlichter er den Essay „Das Imperium der Lügen“, in dem er beschrieb, dass die Lüge in Russland nicht nur Tradition habe (s. Potemkinsche Dörfer), sondern auch Teil des Gesellschaftsvertrages sei. Dies erkläre auch die Hilfslosigkeit des Westens, dem dieses Denken fremd sei.
Zum siebzigsten Jahrestag des Kriegsendes am 9. Mai 2015 schrieb er:
Im Jahr 2018 stellte er rückblickend fest, dass er jenes „ganz andere Russland“ des Jahres 2010 unter Präsident Medwedew noch optimistisch gesehen hätte als ein Land, das „zur zivilisierten Menschheit zurückkehren wollte“. Das Russland von 2018 nannte er eine Diktatur, deren autoritäres Regime durch Besuche legitimiert würde; er forderte einen politischen Boykott der Fussball-WM und stattdessen Solidarität mit den „Geiseln der Diktatur“. Alle Besucher würden in der für im Westen Lebende unvorstellbaren Propaganda als Unterstützer dargestellt, auch wenn sie vielleicht noch Kritik äußerten; diese bekäme Russland jedoch ohnehin nie zu sehen.«Nach Sotschi kam die Krimkrise – was folgt auf die WM?» Für Putin sei Sport die Fortsetzung des Krieges In: Tages-Anzeiger. 7. Juni 2018. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 forderte Schischkin in einem Interview eine „totale Entputinisierung Russlands“. Ohne nationale Schuldanerkennung habe Russland keine Zukunft.
Am 21. März 2025 erklärte die russische Regierung den im Exil lebenden Schischkin zum „ausländischen Agenten“,.
Literarisches Werk Romane und Sachbücher 1993 Wsech oschidajet odna notsch (Omnes una manet nox), «Snamija», Nr. 7 + 8/1993. 1999 Wsjatije Ismaila, Roman, gedruckt 1999 in «Snamija» Nr. 10/11/12 und 2000 als Einzelausgabe beim Vagrius-Verlag, Moskau. Die Eroberung von Ismail, Roman. Ins Deutsche übersetzt von Andreas Tretner. Deutsche Verlagsanstalt, München 2017, ISBN 978-3-421-04643-7.Buchbesprechung in der Sendung 52 beste Bücher des Schweizer Radios (20. August 2017) 2000 Russkaja Schweizarija. Literaturno-istoritscheski putewoditel Die russische Schweiz. Ein literarisch-historischer Reiseführer, ins Deutsche übersetzt von Franziska Stöcklin. Petit-Lucelle Publishing House, Kleinlützel 2020, ISBN 978-3-033-08026-3. 2002 Montreux-Missolunghi-Astapowo. Auf den Spuren von Byron und Tolstoj: eine literarische Wanderung vom Genfer See ins Berner Oberland Limmat Verlag, Zürich. (Keine russische Originalfassung!) Auf den Spuren von Byron und Tolstoi. Eine literarische Wanderung von Montreux nach Meiringen. Rotpunktverlag, Zürich 2012, ISBN 978-3-85869-515-4. 2005 Wenerin Wolos, «Snamija», Nr. 4/5/6-2005. Venushaar, Roman. Ins Deutsche übersetzt von Andreas Tretner. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, ISBN 978-3-421-04441-9. 2010 Pismownik Briefsteller, Roman. Ins Deutsche übersetzt von Andreas Tretner. Deutsche Verlagsanstalt, München 2012, ISBN 978-3-421-04552-2. Tote Seelen, lebende Nasen. Eine Einführung in die russische Kulturgeschichte. Ein multimediales Digitalbuch. Petit-Lucelle Publishing House, Kleinlützel 2019, ISBN 978-3-033-07082-0. Ein Buchstabe auf Schnee. Drei Essays. Robert Walser, James Joyce, Wladimir Scharow. Petit-Lucelle Publishing House, Kleinlützel 2019, ISBN 978-3-033-07269-5. mit Fritz Pleitgen: Frieden oder Krieg. Russland und der Westen – eine Annäherung. Ludwig Verlag, München 2019, ISBN 978-3-453-28117-2. Moi. Esse o russki literature (Meine. Essays über die russische Literatur.), BAbook, 2024, ISBN 978-1-965-36901-2
Beiträge in Anthologien Willkommen in Z, Erzählung, in: Küsse und eilige Rosen. Die fremdsprachige Schweizer Literatur, Limmat Verlag, Zürich 1998. ISBN 978-3-85791-294-8. Wie ich ein Gauner wurde, Erzählung, in: Über Geld schreibt man doch!, Zytglogge, Basel 2011, ISBN 978-3-7296-0832-0. Die Sternschnuppen von Brentschen, Erzählung, in: Einen schweren Schuh hatte ich gewählt..., Dörlemann, Zürich 2013, ISBN 978-3-908777-87-8. Nabokovs Tintenklecks, Erzählung, in: Russland. Das große Lesebuch, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-596-90666-6.
Theater-Aufführungen
Theater-Aufführungen in Russland Alle Romane von Michail Schischkin wurden in Russland erfolgreich auf der Bühne aufgeführt. Samoje vazhnoje. Nach dem Roman „Venushaar“. Uraufführung: Fomenko-Theater, Moskau, 2006. Regie: Evgeni Kamenkowitsch. Attraktion. Nach dem Roman „Die Eroberung von Izmail“. Uraufführung: Theater MOST, Moskau, 2010. Regie: Georgi Dolmazjan. Briefsteller. Uraufführung: Tschechow-Kunsttheater Moskau, Moskau, 2011. Regie: Marina Brusnikina. Markusturm. Uraufführung: Meyerhold-Zentrum Moskau, 2012. Regie: Nikolai Kobelew. Briefsteller. Uraufführung: Theater Masterskaya Sankt Petersburg, 2015. Regie: Natalia Lapina. Briefsteller. Uraufführung: Puppen-Kammertheater Moskau, 2016. Regie: Boris Konstantinow.
Deutschsprachige Theater-Aufführungen Nabokovs Tintenklecks. Uraufführung: Im Rahmen von Arm und Reich. Schlaglichter auf die Ungleichheit zus. mit Die schwarze Halle von Lukas Bärfuss und Rechne von Händl Klaus, Schauspielhaus Zürich, 4. Mai 2013. Regie: Bastian Kraft.srf.ch Briefsteller. Elegie – Trio. Uraufführung: Theater Stok, Zürich, Dezember 2012. Konzept und künstlerische Leitung Alexey Botvinov. Neuaufführung Theater Tuchlaube Aarau November 2014.aargauerzeitung.ch Briefsteller. Uraufführung: Altes Rathaus, Göttingen, August 2013. Charlotte Schwab und „Stille Hunde“.goettinger-tageblatt.de Mörder unter uns. Das Theaterstück von Michail Schischkin nach Motiven von Fritz Langs Film „M“ 1931. Regie: Eberhard Köhler. Musik: Simon Ho. Szenografie: Danila Korogodsky. Uraufführung: Schlachthaus Theater, Bern, am 12. September 2019. In Kooperation mit dem Theater „Pokolenij“ Sankt Petersburg, Kellertheater Winterthur, Theater an der Winkelwiese Zürich.nzz.ch
Auszeichnungen 1994 Bestes Debüt des Jahres in Russland: Urok kalligrafii (Die Kalligraphiestunde). 2000 Russischer Booker-Preis für den besten Roman des Jahres: Wsjatije Ismaila (Die Eroberung von Ismail). 2000 Werkbeitrag-Stipendium des Kantons Zürich für Die Russische Schweiz. 2002 Werkjahr der Stadt Zürich für Montreux-Missolunghi-Astapowo, Auf den Spuren von Byron und Tolstoj. 2005 Preis für das beste ausländische Buch des Jahres in Frankreich: Montreux-Missolunghi-Astapowo, Auf den Spuren von Byron und Tolstoj. 2005 Nationaler Bestseller-Preis in Russland für Wenerin Wolos (Venushaar). 2006 Bolschaja-Kniga-Preis in Russland für Wenerin Wolos (Venushaar). 2007 Grinzane Cavour Prize,Mikhail Shishkin Vince il Grinzane Cavour - Mosca 21.11.2007 Capelvenere (Ital. Übersetzung Venushaar) 2011 Spycher: Literaturpreis Leuk, Schweiz, für Venushaar 2011 Internationaler Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt für Venushaar. 2011 Bolschaja-Kniga-Preis in Russland für Pismownik (Briefsteller). 2022 Premio Strega Europeo in Italien für Pismownik (Punto di fuga).Shishkin Vince il Premio Strega Europeo 2022 2024 Marbacher Schillerrede
Literatur
Iconic Names of Russian Literature: Mikhail Shishkin. A collection of 35 essays on his writing, a collective monograph. Krakow, Jagiellonian University, 2017. — ISBN 978-83-65432-70-4.
Weblinks
Persönliche Seite Mikhail Pavlovich Shishkin Petit-Lucelle Publishing House, Michail Schischkins Verlag
DVA-Verlag Michail Schischkin auf SRF Sternstunde Philosophie – Poet gegen Zar – Der Schriftsteller Michail Schischkin. SRF.ch, 15. Juni 2014.
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Schriftsteller (Moskau) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Russisch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Essay Kategorie:Schriftsteller (Zürich) Kategorie:Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Kategorie:Mitglied der Autorinnen und Autoren der Schweiz Kategorie:Mitglied im PEN Berlin Kategorie:Russischer Emigrant in der Schweiz Kategorie:Russe