mini|Curt Letsche im Jahr 1946 Curt Letsche (* 12. Oktober 1912 in Zürich; † 17. Februar 2010 in Jena;Todesanzeige in der Thüringischen Landeszeitung, Ausgabe vom 20. Februar 2010. eigentlich Kurt Karl Letscheab 1946 verwendete er selbst überwiegend die Schreibweise Curt Letsche. Sein Geburtsname war Schaller, der Name seiner Mutter Katharina, die am 29. November 1914 den Vater Theodor Letsche heiratete. „Am 29. Januar 1915 verlieh die Zürcher Kantonsbehörde auch dem Kind den Familiennamen Letsche“ (siehe die biografischen Beiträge von Lothar Letsche).) war seit 1958 Schriftsteller von Science-Fiction- und Kriminalromanen sowie von romanhaften Schilderungen vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die zum Teil auf eigenen Erlebnissen beruhten.

Leben Curt Letsche wuchs nach ersten Kinderjahren in der Schweiz ab 1920 in Ulm auf und absolvierte eine Lehre als Buchhändler. In die letzten Monate seiner Lehrzeit fiel die Machtübergabe an die Nazis, die im Mai 1933 die Bücherverbrennungen inszenierten. Der „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“, in den er 1932 eingetreten war, wurde im Oktober 1933 in die Sturmabteilung (SA) eingegliedert, wodurch Curt Letsche „Sturmbannschreiber“ der SA-Standarte 120 in Ulm wurde. Im Herbst 1935 trat er aus der SA ausLothar Letsche: Über den Autor Curt Letsche. In: Curt Letsche: Das Schafott. Neuauflage 2011, S. 273 f. und engagierte sich danach im antifaschistischen Widerstand.

Er gehörte zeitweise zu einer bündischen Widerstandsgruppe aus dem Kreis von Karl Otto Paetel in Süddeutschland, die Verbindungen zu oppositionellen Geistlichen und zur „Schwarzen Front“ von Otto Strasser unterhielt. Curt Letsche war ab 1937 in eine von Alfred Broghammer (1911–1943) gebildete Fünfergruppe einbezogen, mit dem er bereits seit 1932 eng befreundet war.An Broghammer erinnert ein Stolperstein, in der Liste der Stolpersteine in Stuttgart ist sein Name bei dem Haus Möhringer Str. 71 in Stuttgart-Süd zu finden, siehe stolpersteine-stuttgart.de und Elke Martin und Werner Schmidt: Alfred Broghammer – Ein tragisches Schicksal der bündischen Jugendopposition. In: Rainer Redies (Hrsg.): Ein bürgerschaftliches Projekt zieht Kreise. Zehn Jahre Stolpersteine für Stuttgart. Markstein-Verlag im Verlag und Buchhandlung der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart 2013, ISBN 978-3-920207-82-7, S. 103ff.; Lothar Letsche: Über den Autor Curt Letsche. In: Curt Letsche: Das Schafott, Neuauflage 2011, S. 273f. In Freiburg im Breisgau führte er ab 1935 die Christliche Buchhandlung „Wichernhaus“, der eine kleine Druckerei und zwei kleine Verlage angegliedert waren. Außerdem hatte er einen evangelischen „Schriften Verlag“ in Basel, wo er ein Postfach besaß, über das auch Korrespondenz zu anderen Widerstandskreisen abgewickelt wurde. Er hatte Verbindungen zur bündischen Jugend in Ulm und veröffentlichte neben „konfessionellen Hetzschriften“ – so die Naziterminologie –, die von oppositionellen Geistlichen verfasst waren,Lothar Letsche: Über den Autor Curt Letsche. In: Curt Letsche: Das Schafott, Neuauflage 2011, S. 275. auch Texte aus dem „bündischen“ Umfeld, so die ersten Publikationen des aus Köln stammenden Ernst Reden (1914–1942), der damals in Ulm als Rekrut stationiert war und Hans Scholl zur Gründung einer illegalen Horte der dj.1.11. veranlasste. Curt Letsche vertrieb im Ausland Veröffentlichungen des in Eisenach ansässigen Verlegers Erich Röth (1895–1971), der umgekehrt Schriften der Broghammer-Gruppe druckte.Diether Röth: Kurzvita Erich Röth. Institut für Zeitgeschichte München, Bestand ED 903 Röth, Erich; (PDF) Im Herbst 1938 löste Curt Letsche sich laut den Unterlagen der Nazijustiz erst von der „Schwarzen Front“, dann von Paetel (der ihn allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg – mittlerweile in den USA lebend – in Pforzheim besuchte).Erinnerung der Witwe Curt Letsches Am 29. September 1939 wurde er in Freiburg als Angestellter der Uniklinik-Verwaltung von der Gestapo festgenommen, die ihm und seiner Frau die Fortführung der Buchhandlung unmöglich gemacht hatte. Zeitweilig wurde er in der Gestapo-Zentrale Prinz-Albrecht-Straße 8 in Berlin verhört und bekam in seiner Doppelzelle durch den Mithäftling mit, dass der Hitler-Attentäter Georg Elser zu diesem Zeitpunkt in Berlin einsaß (während im Nazi-Blatt Völkischer Beobachter am 22. November 1939 behauptet wurde, Elser werde in München verhört). Hellmut G. Haasis: Den Hitler jag ich in die Luft. Der Attentäter Georg Elser. Edition Nautilus Hamburg, 2009, S. 280 ff. – Die Gestapo versuchte erfolglos, einen Zusammenhang des Attentats mit Otto Strasser herzustellen; auch Letsches loser Kontakt mit Strasser war in diesem Zusammenhang für sie von Interesse. Am 30. Januar 1940 wurde Curt Letsche ins Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße, später nach Stuttgart verlegt und am 28. Oktober 1940 vom 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Verhaftung und Verurteilung hatten mit seinem Versuch zu tun, über die „Schwarze Front“ Kontakt zu Eberhard Koebel-tusk in London aufzunehmen.Angaben nach: Eckard Holler (Berlin) in: Rundschreiben des Mindener Kreises, Nr. 12 / 1. Mai 2010, S. 17. Ergänzend: Prozessakten im Bundesarchiv, Bestand Z/C 11347 (Kurt Letsche), Z/C 6843 Band 8 (Alfred Broghammer).

Curt Letsche war danach im Zuchthaus Ludwigsburg inhaftiert und hat Begebenheiten aus jener Zeit später in den Romanen Auch in jener Nacht brannten Lichter, Das Schafott (was im heutigen Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg dokumentiert ist) und Schnittpunkte 1945 verarbeitet. Im April 1945 wurden die Häftlinge in einen Zug gesetzt, um in das KZ Mauthausen gebracht zu werden, jedoch schließlich in Kaisheim bei Donauwörth von der US-Armee befreit.Streiflichter aus Widerstand und Verfolgung Heft 4, 1990, Herausgegeben von der VVN-BdA, Kreisvereinigung Ludwigsburg, S. 20 bis 22; abgedruckt in: Curt Letsche: Das Schafott, Neuauflage 2011, S. 266–268

Als politischer Häftling am 11. Mai 1945 entlassen, kehrte Curt Letsche zunächst nach Kirchheim unter Teck zurück und wirkte dann als Verleger in Tübingen (wo er 1945/46 je ein Semester Medizin und Philosophie studierte), Stuttgart-Degerloch und Pforzheim. 1957 übersiedelte er „aus wirtschaftlichen Gründen“,So die Website von Lese-Zeichen e. V. Thüringer Büro zur Förderung von Literatur und Kunst, Jena, in ihrer zu Lebzeiten mit ihm abgestimmten Biographie des Autors; Der DDR-Autor Curt Letsche: Antifaschist fand im Staatsdienst keine Stelle. In: Badische Zeitung / Lahrer Anzeiger 11./12. Mai 1985. die sicher mit Unzufriedenheit über die damalige restaurative Entwicklung in der BRD einhergingen,Lothar Letsche: Über den Autor Curt Letsche. In: Curt Letsche: Das Schafott, Neuauflage 2011, S. 280 in die Deutsche Demokratische Republik. Dort arbeitete er zunächst als Kreisbibliothekar im Bezirk Magdeburg (Tangerhütte und Stendal). Ab 1959 wirkte er als freier Schriftsteller. Nach einigen Jahren in Dorndorf/Rhön, Unterkatz-Dörrensolz und Bad Salzungen lebte er von 1971Literatur über die Stadt und den Bezirk Gera. Regionalkundliches Auswahlverzeichnis Folge 6: Horst Salomon und Schriftsteller des Bezirkes Gera – Mitglieder des Schriftstellerverbandes der DDR, Bezirksverband Gera. Hg. von der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek Gera, 1979, S. 36. Manche andere Angaben über den Autor in derartigen Übersichten (z. B. „1945 in Stuttgart als Angestellter tätig“) treffen nicht unbedingt zu. bis zu seinem Tod in Jena.

Neben zahlreichen Lesungen aus seinen Büchern in der DDR, wo er im Schriftstellerverband mitarbeitete,Curt Letsche: Erfahrungen unserer Geschichte in unseren Geschichten. In: Volkswacht, Gera, Beilage, 3. Mai 1978, S. 3. unterstützte Curt Letsche auch die Arbeit der VVN-BdA und das Gedenken an die Naziverfolgten in Baden-Württemberg durch Lesungen, Ansprachen und als Referent bei Seminaren.Lothar Letsche: Zum Tod von Curt Letsche. In: Antifa-Nachrichten. VVN-Bund der Antifaschisten Baden-Württemberg e. V. Nr. 1/2010. Stuttgart, April 2010, S. 17. Foto der letzten Lesung am 27. Januar 1998 in Schramberg in: Curt Letsche: Das Schafott, Neuauflage 2011, S. 6; dazu war der Autor als Zeitzeuge vom Oberbürgermeister der Stadt Schramberg Herbert O. Zinell eingeladen worden (siehe Edgar Reutter: Roman erinnert an Opfer der NS-Zeit, Schwarzwälder Bote, 14. Januar 2011). Auf eigenen Wunsch wurde er in einem Sammelgrab auf dem Nordfriedhof in Jena beigesetzt.

Curt Letsche war zweimal verheiratet, von 1934 bis 1950 mit Lotte (Charlotte) Letsche geb. Reck aus Ulm (1911–1996) und von 1951 bis zu seinem Tod mit Lore Letsche geb. Reuß (1920–2023) aus Pforzheim. Seine beiden Söhne Lothar Letsche (geb. 1946) und Wolfgang Henson (1950–2021) wurden in Tübingen geboren.Curt Letsche: Das Schafott, Neuauflage 2011, S. 274, 280, 282f.; Mitteilung der Angehörigen über Wolfgangs Tod am 10. November 2021

Werk Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg – unterbrochen durch seine Inhaftierung – war Curt Letsche im Raum des heutigen Baden-Württemberg vor allem als Verleger tätig. Als Autor in der DDR veröffentlichte er ab 1960 hauptsächlich Kriminalromane mit politischem Hintergrund. In mehreren Romanen verarbeitete er eigene Erlebnisse aus dem antifaschistischen Widerstand; damit erreichte er ab 1979 auch ein Publikum in der damaligen westdeutschen Bundesrepublik. Seine drei in der DDR erschienenen Science-Fiction-Romane und die aus dem Nachlass veröffentlichte SF-Erzählung schildern auf humorvolle Art anachronistische Verhaltensweisen in einer fortschrittlichen Gesellschaft.

Bibliografie 1936–1952 In der chronologischen Auflistung sind nur Titel angegeben, die in einem Bibliothekskatalog enthalten oder von denen ein Belegexemplar nachweisbar ist. Ein „Vita Nova“ beziehungsweise „Vita Nuova Verlag“,Verlagsname nach dem bekannten Jugendwerk Vita Nuova von Dante Alighieri (1265–1321). Mit den zeitweise in der Schweiz bestehenden gleichnamigen Verlagen, insbesondere dem des in Luzern lebenden deutschen Antifaschisten Rudolf Rößler (1897–1958), der im Zweiten Weltkrieg geheime Informationen über die deutsche Militärstrategie an die Sowjetunion und die Schweiz weiterleitete, hatten Curt Letsches Verlagsunternehmungen nichts zu tun. meist unterschiedlich geschrieben, bestand in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl in Stuttgart-Degerloch als auch in Tübingen, da diese Orte in Deutschland 1945 bis 1949 zu unterschiedlichen Besatzungszonen gehörten. In Stuttgart musste die US Publications Control, in Tübingen die französische Besatzungsbehörde jede Buchveröffentlichung genehmigen, und das Impressum trägt auch jeweils einen entsprechenden Vermerk.

1936: Claus Weber [= Kurt Letsche]: Heinrich Lersch: Dichter und Arbeiter. Ernst Schmied Verlag Freiburg i. Br.Kürschners Deutsches Literaturlexikon 1943, Nachtrag, S. 1278: Kurt Letsche, Pseudonym: Claus Weber. Dort ist die Anschrift der damaligen Ehefrau des Autors angegeben: Kirchheim unter Teck, Marktstr. 27. Curt Letsche war zu jener Zeit in Ludwigsburg inhaftiert. 1937: Evangelische Bücherschau. (Zusammenstellung: Kurt Letsche.) Christliche Buchhandlung Wichernhaus Freiburg im Breisgau (mehrere Folgen) 1937: Das unbekannte Foto. 6 Fotokarten. 1. Folge: Jupp Hüttenmeister, Ernst Reden, Ul Ulf. D-Verlag Kurt Letsche Freiburg i. Br. o. J.