mini|Lutherkirche Heckinghausen mini|Das Innere der Kirche wird durch die große Westrosette bestimmt.

Die Lutherkirche ist eine ehemalige evangelische Kirche an der Oberen Sehlhofstraße am Heidt im Wuppertaler Stadtteil Heckinghausen. Als Lutherkirche Heidt war sie nach den Schließungen der Alten Wupperfelder Kirche und der Hatzfelder Kirche eine der beiden letzten verbliebenen Predigtstätten der Evangelischen Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld im Kirchenkreis Wuppertal der Evangelischen Kirche im Rheinland. 2024 wurde sie geschlossen.

Die Kirche ist eines der markantesten Gebäude im Stadtteil. Ihr Turm ist aufgrund der Hanglage der Kirche vom Tal aus weithin sichtbar. Die Kirche steht unter Denkmalschutz, ebenso wie das unmittelbar angrenzende Gemeindehaus und das Pfarrhaus, die aber jeweils eine eigene Denkmalnummer haben.

Baubeschreibung mini|links|Grundriss Die Kirche ist eine neoromanisch-neoklassizistische Hallenkirche. Das 30 Meter lange Kirchenschiff ist mit dem Chor nach Westen ausgerichtet. An der Nordseite des Schiffs befindet sich ein querhausähnlicher Anbau, dessen Breite zwei Jochen entspricht. Die Ostseite des Kirchenschiffs überragt mit den Emporen einen überdachten Eingangsbereich, der von Norden mit einer Treppe und von Süden ebenerdig betreten werden kann. Bekrönt wird der Turm von einer vergoldeten Kugel, auf der ein Kreuz mit Speer und Ysop steht. Bezug nehmen soll dies auf und findet in dieser Darstellung auch Verwendung im bis 2008 verwendeten Siegel der Gemeinde. Der 46 Meter hohe Kirchturm ist der Kirche an der Nordseite seitlich vorgesetzt, der Turmeingang ist mit einem Mosaik von Gustav Wiethüchter mit dem Bildnis Martin Luthers und dem Liedvers „Ein feste Burg ist unser Gott“ geziert. Jener Liedvers soll auf die gewollte „burgartige“ Wirkung der Kirche hinweisen, die sich durch die zwei talwärts gelegenen Giebel und die zinnenartigen Abtreppungen auf allen Giebeln ergibt. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die rustizierten Werksteine im Untergeschoss, an den Gebäudekanten und an den Fenstereinfassungen.

Der fünfzehn Meter hohe Innenraum ist vollständig aus Ortbeton erbaut. Die von Anfang an hell gestrichene Kassettendecke sollte im Zusammenspiel mit den hellen Farben der Kirchenfenster, insbesondere der West- und Ostrosette, den Eindruck eines „freundlichen“ und offenen Kirchenraums erwecken. Der den Übergang von Kirchsaal und Chor markierende Triumphbogen war ursprünglich mit einer bunten Ausmalung im Jugendstil gestaltet, die nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings nicht wiederhergestellt wurde. Dominiert wurde die Ausmalung von dem Zitat aus „Bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht“. Die Kirchenbänke sind asymmetrisch angeordnet und ermöglichen 900 Besuchern die Teilnahme am Gottesdienst. Die Anordnung ermöglicht darüber hinaus bei weniger starkem Andrang auch eine enger zusammengerückte Gemeinde im Kirchenschiff selbst.

Glocken mini| simuliertes Vollgeläut Die Glocken sind aus Gussstahl und wurden 1911 vom Bochumer Verein hergestellt. Zu jener Zeit war das Geläut der Lutherkirche damit das erste Geläut dieser Art in Wuppertal und musste aufgrund des Materials im Zweiten Weltkrieg, anders als die damals üblichen Bronzeglocken, nicht abgegeben werden. So ist der gesamte Glockenstuhl noch heute nahezu unverändert erhalten geblieben, die Glocken selbst sind die ältesten noch in Benutzung befindlichen Stahlglocken in ganz Wuppertal.Die Sonnborner Hauptkirche verfügt über mehrere Glocken aus dem 15. Jahrhundert und damit die faktisch ältesten Glocken der Stadt, allerdings werden diese nicht geläutet, die Lutherkirche verfügt somit über die ältesten noch in Benutzung befindlichen Glocken in Wuppertal.

Schlagton Durchmesser (mm) Inschrift Gießer Gussjahr a° 1870 Ein feste Burg ist unser Gott Bochumer Verein 1911 c¹ 1580 Der Herr ist mein Macht und mein Psalm und mein Heil Bochumer Verein 1911 es¹ 1320 Das Wort sie sollen lassen stahn Bochumer Verein 1911

Motiv: verminderter Dreiklang / Tritonus

Geschichte Planung Wegen des steten Anwachsens der lutherischen Gemeinde Wupperfeld wurde 1887 ein eigener Pfarrbezirk für den Heidt geschaffen, dessen Mitglieder sich ab dem 16. Juni 1901 regelmäßig im angemieteten Kirchsaal Albertstraße 10 trafen, der allerdings nahezu jeden Sonntag vollständig überfüllt war, da die Gemeinde Wupperfeld mittlerweile auf 42.000 Mitglieder angewachsen war. Der noch junge Pfarrbezirk Heidt wurde zur Erleichterung der seelsorgerischen Arbeit in einen Nord- und Südteil aufgespalten, wobei der nördliche Heidt als Hilfspredigerbezirk ausgelegt wurde. 1906 wurde genau an der Schnittstelle des Nord- und Südbezirks der Neubau eines Gotteshauses zwischen der im Krieg zerstörten Johanniskirche und der Straße Fischertal beschlossen. Der persönliche Einsatz von Kirchmeister Geß ermöglichte die Genehmigung eines Presbyteriumsbeschlusses zur zeitgleichen Errichtung eines Pfarrhauses und eines umfangreichen Gebäudekomplexes zur Gemeindearbeit. Schon im Februar des Jahres wurde eine Anleihe in Höhe von 300.000 Mark bei der Barmer Sparkasse beschlossen und das Grundstück an der Oberen Sehlhofstraße gekauft.

Für die Bauentwürfe wurde ein Architektenwettbewerb unter den Architekten der Rheinprovinz, der Provinz Westfalen und des Großherzogtums Hessen ausgelobt. Vorgaben waren unter anderem mindestens 750 Sitzplätze, davon höchstens ein Drittel auf Emporen, ein Kirchturm und ein zweigeschossiges Pfarrhaus mit neun Schlafzimmern und Küche sowie vier bis fünf Zimmern im Dachgeschoss. Für das Gemeindehaus wurden eigene Vorgaben gestellt, so unter anderem zwei große Säle, zwei Konfirmandenräume mit Raum für Schulbankbestuhlung und den nötigen Nebenräumen, eine Küsterwohnung sowie ein Wohn- und drei Schlafzimmer für Diakonissinnen. Als Preisgeld waren 5.500 Mark ausgesetzt. Insgesamt wurden 98 Entwürfe eingereicht. Den 1. Preis gewann der Entwurf mit dem Motto „Im Stadtbild“ des Architekten Ernst Müller in Mülheim am Rhein. Allerdings berichtet die Festschrift von 1911, dass seitens der Baukommission keiner der eingereichten Entwürfe „als unmittelbar für die Ausführung geeignet befunden“ wurde. Einzig Müllers Entwurf wurde aufgrund seiner „Gesamtdisposition“ des Gebäudeensembles von Pfarrhaus, Kirche und Gemeindehaus als der zweckmäßigste empfunden. Da man allerdings das noch junge Alter Müllers als Hindernis zur fachgerechten Ausführung des Baus sah, wurde ein zweiter engerer Wettbewerb unter den beiden erfolgreichen Barmer Architekten Wilhelm Werdelmann (der im ersten Wettbewerb den 3. Preis gewonnen hatte) und Peter Klotzbach unter Zugrundelegung von Ernst Müllers Entwurf veranstaltet. Dabei setzte sich der Entwurf Wilhelm Werdelmanns durch.

Bau mini|Die Lutherkirche im Jahr 1913 (Ansichtskarte) Die Durchführung stieß schon am Anfang auf erste Probleme. So reichten die ursprünglich vorgesehenen 300.000 Mark laut einer ersten Kostenaufstellung nicht aus, und die Gemeindemitglieder mussten um Spenden gebeten werden. Weitere Gelder wurden zusätzlich aufgenommen, was allerdings aufgrund der damaligen Zinssteigerung nicht einfach war. Dennoch gelang es Kirchmeister Geß, genügend Gelder für die Bauvorhaben auf dem Heidt und ein Gemeindehaus im Bezirk Friedenskirche zu organisieren, ohne dass die damals noch von den Gemeinden selbstständig festgelegte Kirchensteuer auch nur um ein Prozent angehoben werden musste. Im März 1909 wurde der erste Spatenstich getan, doch zur Grundsteinlegung kam es erst nach Vervollständigung des Kellergewölbes. Grund dafür waren das durch schlechte Wetterbedingungen aufgeweichte Terrain und die Unwegsamkeit des Bauplatzes. Dies führte dazu, dass der Grundstein nicht im Boden verborgen ist, sondern noch heute offen unter dem Altar betrachtet werden kann. Die Inschrift lautet „Allein durch den Glauben – 24. März 1909“.

Bereits am Jahresende 1909 wurde an allen drei Gebäuden das Richtfest gefeiert. Allerdings stockten die Arbeiten im Innenraum, da die Putzer einen Lohnstreik ausriefen. Immerhin waren die Wohnungen der Gemeindeschwestern zum 1. Oktober 1910 bezugsfertig, Anfang November konnte mit dem Heidter Frauenfest die erste Veranstaltung im Gemeindehaus gefeiert werden. Am 1. Februar 1910 war auch das Pfarrhaus bezugsfertig, während die Bauarbeiten an der Kirche selbst sich dem Ende zuneigten. Trotz der schwierigen Lage des Baugeländes und des aufgrund der Hanglage äußerst umständlichen Materialtransports ereignete sich während der gesamten Bauzeit kein größerer Unfall. Auch die Kosten blieben im Rahmen und waren gerade einmal vier Prozent höher als geplant, wobei Pfarr- und Gemeindehaus sogar unterhalb des Voranschlags blieben. Aus den ursprünglich vorgesehenen 395.400 Mark wurden insgesamt 410.990 Mark. Der Hauptgrund für die höheren Baukosten waren vor allem eine Heizerwohnung unterhalb des Kirchsaals sowie das in Kupferblech eingedeckte Rhombendach des Kirchturms. Auch das Geläut wurde größer als vorgesehen ausgeführt und bekam eine Läutemaschine. Insgesamt flossen 68.900 Mark an Spenden in den Bau.

Am 7. März 1911 konnte die Gemeinde schließlich mit einem feierlichen Festzug vom Gemeindehaus aus in die Kirche einziehen. Die erste Altarbibel war ein persönliches Geschenk der Kaiserin Auguste Viktoria und wurde von ihr mit dem Spruch „Das ist die Freudigkeit, die wir haben sollen, daß wir, so wir etwas bitten nach seinem Willen, so höret er uns“ aus signiert. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde zu einem Festessen in die Barmer Stadthalle eingeladen.

Die Kirche blieb in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs nahezu vollkommen unbeschädigt, erst während der Luftangriffe auf Wuppertal am 30. Mai 1943 wurde die Lutherkirche von mehreren Brandbomben schwer getroffen. Die durch das Dach des seitlichen Querhauses eingeschlagenen Brandbomben setzten innerhalb weniger Minuten die gesamte hölzerne Innenausstattung in Brand. Küster August Winter organisierte in kürzester Zeit eine Eimerkette zur Rettung der Lutherkirche, ungeachtet der Tatsache, dass im selben Moment das Gemeindehaus mitsamt seiner Wohnung den Flammen zum Opfer fiel. Danach diente die Kirche als erste Anlaufstelle für die Hinterbliebenen der Opfer, wo die verbliebenen Presbyteriumsmitglieder eine notdürftige Seelsorge einrichteten. Die beiden Pfarrer selbst wurden zur Betreuung der Verstreuten nach Thüringen und Mainfranken geschickt.

Die stets umfangreiche kirchenmusikalische Arbeit konnte sogar während der Kriegszeit aufrechterhalten werden. Zwischen den Fliegeralarmen wurden bis Kriegsende kleinere Orgelkonzerte gegeben, und auch in den ersten Friedensjahren stellte man bis zum Beginn der großen Sanierungsarbeiten die Konzertarbeit nicht ein, was einzigartig in Wuppertal war. Zudem diente die Lutherkirche für kurze Zeit als Veranstaltungsort für die Trauerfeiern der Beisetzungen auf dem Friedhof an der Heckinghauser Straße, da die dortige Friedhofskapelle (Stephanuskapelle) unbenutzbar war, bis man aufgrund der Distanz zum Friedhof die Trauerfeiern direkt am Friedhof unter freiem Himmel stattfinden ließ.

Am 13. März 1945 wurde schließlich auch die katholische Kirche Sankt Elisabeth an der Hebbelstraße schwer getroffen, und der katholischen Gemeinde wurde gestattet, erstmals ihre Gottesdienste in der Lutherkirche abzuhalten. Dieses Ereignis galt als der Grundstein des ökumenischen Gemeindelebens am Heidt, das bereits früh in der Nachkriegszeit im Vergleich zu den anderen Gemeinden Barmens einen hohen Stellenwert hatte. Noch heute wird seitdem jedes Jahr zur Osternacht die neue Osterkerze durch einen Vertreter der Katholischen Kirchengemeinde von St. Elisabeth in die Lutherkirche getragen und dort von Vertretern beider Konfessionen angezündet, eine Tradition wie sie nur in wenigen Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland üblich ist und in anderen Gemeinden erst spät aufkam.

Die Gemeinde nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Ansicht von Süden