Ahmad Milad Karimi (; * 10. Februar 1979 in Kabul) ist ein afghanisch-deutscher Religionsphilosoph, Islamwissenschaftler, Übersetzer des Koran, Dichter, Verleger und Mitherausgeber der Kalliope. Zeitschrift für Literatur und Kunst.

Seit Juli 2016 ist er ordentlicher Professor für islamische Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Für seine Vielfalt und seinen „Aufstieg vom Flüchtling zum Professor“ (ZDF)Milad Karimis autobiografisches Buch. ZDF, „Forum am Freitag“, 24. Januar 2014. wird Karimi in den Medienechos als „Wunderknabe“ (Der Spiegel),Suren im Endspurt. Der Spiegel, Nr. 26/2009 vom 22. Juni 2009 „Multitalent“ (Badische Zeitung)Den Islam in die Demokratie integrieren. Badische Zeitung, 3. Juli 2010. „umtriebigster Religionsphilosoph Deutschlands“ (qantara),Die Fremdheit des Korans durchbrechen. Qantara, 4. Februar 2016. „einer der prominentesten Islamwissenschaftler Europas“ (ORF) ORF „Erfüllte Zeit“, 17. Januar 2016. und einer der „prägenden Köpfe des Islams in Deutschland“ (Deutschlandradio)Ahmad Milad Karimi, Autor und Verleger. Deutschlandradio, Serie: „Prägende Köpfe des Islams – Nahaufnahmen aus Deutschland“, 15. August 2012 gewürdigt.

Für sein Werk Hingabe als das „außerordentlichste“ Buch des Jahres 2015 auf dem Gebiet der islamischen Studien im deutschsprachigen Raum wurde Karimi der Rumi-Preis für islamische Studien (nicht zu verwechseln mit den internationalen Rumi Awards) verliehen.Germany to grant Rumi Award 2015 in Islamic Studies. Mehr News Agency vom 6. Februar 2016. Karimi erhielt 2019 den Voltaire-Preis für „Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“ von der Universität Potsdam und der Friede Springer Stiftung 2022 war er Mitgründer des PEN Berlin. mini|Ahmad Milad Karimi, 2018

Leben Ahmad Milad Karimi wurde 1979 als Sohn afghanischer Eltern geboren; er ist deutscher Staatsbürger. Mit 13 Jahren flüchtete er mit seiner Familie auf Grund des dortigen Bürgerkrieges aus Afghanistan. Nach einer langen Odyssee fand er in Darmstadt seine neue Heimat. Dort besuchte er die Haupt-, Berufsfach- und Realschule, um schließlich an der Bertolt-Brecht-Schule das Abitur zu machen.

Karimi studierte Philosophie und Islamwissenschaft in Darmstadt, an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und in Neu-Delhi. Ab 2001 war er zunächst Grund- und dann Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Karimi wurde mit einer Arbeit über Hegel und Heidegger in Freiburg promoviert.

Er war Mitbegründer zweier Verlage, des Salam Kinder- und Jugendbuch Verlags, den er von 2009 bis 2012 auch leitete, und des Kalam Verlags für islamische Theologie und Religionspädagogik, bei dem er von 2010 bis 2012 Verlagsleiter war.

Bevor er 2016 ordentlicher Professor für islamische Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wurde,Milad Karimi: Endlich richtiger Professor. wn.de, 19. Juli 2016, abgerufen am 5. Juli 2018. war er am dortigen Zentrum für Islamische Theologie Vertretungsprofessor für Kalām, islamische Philosophie und Mystik. domradio.de, Sendung: „Menschen“, 16. Juli 2010 Im Oktober 2025 eröffnete er als Gastredner das Wintersemester 2025/2026 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

An der Universität Münster leitet er das Internationale Muhammad Iqbal Forschungszentrum, das sich mit dem Werk und der Rezeption des Dichter-Philosophen Muhammad Iqbal beschäftigt. Seine Autobiographie ist unter dem Titel Osama bin Laden schläft bei den Fischen. Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat erschienen. Karimi ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Forschungsschwerpunkte Systematisch: Islamische Religionsphilosophie, Kalām/Neo-Kalām (dialektische Theologie), islamische Mystik, Ästhetik, Hermeneutik, Metaphysik und Metaphysikkritik, Künstliche Intelligenz. Zudem widmet er sich der Popkultur und insbesondere der modernen Qualitätsserien.

Historisch: Antike Philosophie, Islamische Philosophie des Mittelalters, der Neuzeit und des 20. Jahrhunderts, Māturīdīya, Deutscher Idealismus und die Idealismus-Kritik, Philosophien des 20. Jahrhunderts.

Koranübersetzung Im Oktober 2009 legte Ahmad Milad Karimi eine vollständige Neuübersetzung des Koran vor, die im Herder-Verlag in Freiburg erschienen ist. Karimi sucht in seiner Übersetzung konsequent die größtmögliche Nähe zum Original und betont dabei die poetische Qualität des Koran. Für ihn stehen, wie er dies im Nachwort seiner Übersetzung bemerkt, „neben der philologischen Genauigkeit auch und vor allem die ästhetische Atmosphäre des Korangesangs“ im Mittelpunkt. Es geht Karimi um die Vermittlung jener „ästhetisch-poetischen Erfahrung“, die „die Religiosität der Muslime grundlegend bestimmt.“ Entsprechend ist seine Übersetzung eine, die erklärtermaßen für die Rezitation bestimmt (und entsprechend mit Atemzeichen versehen) ist.

Indem Karimi in seiner Übersetzung ausdrücklich vermeidet, sperrige oder dunkle Passagen, die auch das arabische Original für viele Hörer kennzeichnen, zu glätten oder verständlicher machen zu wollen, möchte er dem Leser die Idee des Koran als ein offenes, ästhetisches und poetisches Kunstwerk vermitteln, die die Rezeption des Koran gerade auch im theologischen Sinne auszeichnet.

Der evangelische Theologe Reinhard Kirste schreibt in seiner Rezension: Rezension im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund, WS 2009/2010 von Reinhard Kirste, 16. Dezember 2009 Im Jahre 2018 legte Karimi eine Blütenlese des Korans mit dem Titel „Blumen des Koran oder Gottes Poesie. Ein Lesebuch“ vor. Dort stellt er die wichtigsten Verse in thematischer Ordnung zusammen und begleitet den Leser in die Ästhetik des Koran.

Positionen

Dekonstruktion Karimi tritt in seinem Werk Licht über Licht für eine Dekonstruktion des religiösen Denkens im Islam ein. Die Dekonstruktion vollziehe sich dabei als „eine Verflechtung der Religion und Philosophie, des Glaubens und Denkens, des Monotheismus und Atheismus, der Offenbarung und Mythologie.“A. M. Karimi: Licht über Licht. Dekonstruktion des religiösen Denkens im Islam. Freiburg i.Br. 2021, S. 5.

Es geht ihm dabei nicht um die Rekonstruktion einer ursprünglichen, reinen Botschaft des Islams, sondern um ein religiöses Denken, das aus der Mitte heraus die konstruierenden Momente des Islams gänzlich auseinanderzunehmen versucht, um die Grundelemente erneut zusammenzusetzen.Vgl. A. M. Karimi: Licht über Licht. Dekonstruktion des religiösen Denkens im Islam. Freiburg i.Br. 2021, S. 5. Indem Karimi den autodekonstruktiven Charakter des Islams freizulegen versucht, entwickelt sich eine neue Leseart der Gottes-, Schöpfungs-, Offenbarungs- und Glaubensfrage.

Das Deutschlandradio schreibt über seine Position zum Islam: „Milad Karimi plädiert für einen zeitgemäßen Islam, der die traditionelle Weisheit des Islams mit der Gegenwart des 21. Jahrhunderts verbindet.“

Der Koran und der dritte Raum Für Karimi stellt der Koran die Offenbarung Gottes dar, die aber erst gedeutet werden muss, um verstanden werden zu können. Doch der Koran bleibe immer unverfügbar.Vgl. hierzu https://de.qantara.de/content/islamwissenschaftler-karimi-fordert-keine-gebrauchsanweisung-sondern-eine-umsichtige Diese Unverfügbarkeit zeige sich vor allem durch den ästhetischen Akt der Rezitation. Doch zwischen dem Gläubigen und dem Koran bestehe eine unüberwindbare Distanz, die Karimi in begrifflicher Anlehnung an Homi K. Bhabha als „der dritte Raum“ bezeichnet.

„Der dritte Raum“ stelle den offenen Raum des Verstehens dar, Raum der Pluralität, Raum des Zweifelns, Raum der Korrektur und Raum, um mit Gott zu hadern.A. M. Karimi: Von der Maxime, jederzeit selbst zu glauben. Zur Frage der religiösen Selbstkritik im Islam. In: falsafa: Jahrbuch für islamische Religionsphilosophie. Hg. v. A. M. Karimi. 3. Band, 3. Jahrgang: Religion und Aufklärung. Freiburg i. Br. 2020, S. 91. Die Annäherung an den Koran vollziehe sich daher mit dem dritten Raum, A. M. Karimi: Von der Maxime, jederzeit selbst zu glauben. Zur Frage der religiösen Selbstkritik im Islam. In: falsafa: Jahrbuch für islamische Religionsphilosophie. Hg. v. A. M. Karimi. 3. Band, 3. Jahrgang: Religion und Aufklärung. Freiburg i. Br. 2020, S. 91., der unterschiedliche Zugänge fordere. Der dritte Raum sei „der Raum des sich Prüfens, der unablässigen Selbstkorrektur und des Selbstzweifels.“A. M. Karimi: Von der Maxime, jederzeit selbst zu glauben. Zur Frage der religiösen Selbstkritik im Islam. In: falsafa: Jahrbuch für islamische Religionsphilosophie. Hg. v. A. M. Karimi. 3. Band, 3. Jahrgang: Religion und Aufklärung. Freiburg i. Br. 2020, S. 93.

Islamismus/Politischer Islam Karimi kritisiert und verurteilt den ideologischen Islamismus. In Deutschlandradio heißt es über sein Verhältnis dazu: „Terroranschläge radikaler Islamisten erschüttern die Welt schon länger. Doch der Massenmord vom 11. September 2001 hat die Welt verändert. Milad Karimi macht kein Hehl daraus, dass er unter jedem Terroranschlag persönlich leidet.“ Aber er unterscheidet den Islamismus von der Religion des Islam. „Der Islamismus interpretiert nicht die Religion ideologisch, sondern deutet seine Ideologie religiös.“https://www.uni-potsdam.de/fileadmin/projects/voltaire-preis/Dankesrede_Milad_Karimi_2019.pdf Dankesrede zur Verleihung des Voltaire-Preises an der Universität Potsdam

Für Karimi wird die Religion durch den Islamismus zweckentfremdet. Islamisten beanspruchen für sich Wahrheit, aber im Islam wäre die Tugend der Demut gegenüber der unverfügbaren Wahrheit von großer Bedeutung. Muslime würden weder Gott, seinen Propheten noch den Islam schützen, sondern sie würden sich von Gott beschützt sehen. Die Islamisten hingegen leben so, als würden sie über die Wahrheit verfügen, als wüssten sie genau, was Gott von Menschen wolle.

„Sie tun alles, was sie tun, mit der Religion, aber nicht aus der Religion. Dieser feine Unterschied ist höchst bedeutsam, weil er aufzeigt, worin sich religiöser Akt und religiös-motivierter Aktionismus unterscheiden. Wer mit der Religion etwas tut, der ist in gewisser Weise mit der Religion fertig, aber wer aus der Religion heraus sein Tun erhält, der kann sich religiös nennen.“Karimi, A. M.: Warum es Gott nicht gibt und er doch ist. Herder, Freiburg 2018, S. 10.

Demnach degradiere der Islam zum politisch-ideologischen Instrument. Aber nicht der Islam sei „eine politische Ideologie, sondern der Islam kann für diese oder jene politische Ideologie instrumentalisiert werden. Dabei geht die Ideologie stets dem Islam voraus.“ Religionen müssen Gesicht zeigen, „sich politisch einmischen, an der Gestaltung der pluralen Gesellschaft partizipieren und sich für den Zusammenhalt engagieren.“Karimi, A. M.: Warum es Gott nicht gibt und er doch ist. Herder, Freiburg 2018, S. 207. Deshalb sieht er die Distanzierung von einem „politischen Islam“ als undifferenziert an, weil es auch verantwortungsvolle Form der Politik aus dem Geist der Religion geben kann.

Flüchtlingskrise In seiner Rede am 4. Dezember 2016 beim Tag der Menschenrechte im Ingolstädter Theaterfoyer über „Menschenrechte im Angesicht der Flucht“ fordert Karimi eine menschenrechtskonforme Flüchtlingspolitik, die eine solidarische und humane Beachtung der Menschen auf der Flucht würdigt.https://www.kulturkanal-ingolstadt.de/Sendung/S20170101/Prof-Milad-Karimi-Heimat-Flucht-Menschenrecht

Im Gespräch mit dem Magazin Cicero sagt er: „Legale Einwanderungsprogramme dürften dabei an der ersten Stelle stehen; denn Trojanische Pferde haben ihren Preis. Europa wird an seinem eigenen demokratischen Maßstab scheitern, wenn nicht die Asylpolitik grundlegend verändert wird. Wenn aber die europäische Flüchtlingspolitik darin besteht, alles dafür zu tun, dass keine Flüchtlinge zu uns gelangen, dann wirken Eingriffe wie etwa eine bessere Seenotrettung nicht fortschrittlich, sondern höhnisch.“Ahmad Milad Karimi: Was legalisiert die Leichen der Illegalen? Cicero, 19. November 2013