Höingen ist der kleinste Stadtteil von Homberg (Ohm) im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie Das Dorf liegt am Rande des Vogelsbergs. Durch den Ort führt die Kreisstraße 52.

Nachbarorte

Ortsgeschichte Mittelalter Eine frühe Erwähnung des Ortes lässt sich vielleicht bis ins 8. Jahrhundert zurückführen. Sie ist aber nicht gesichert. Zwischen 750 und 779 in einem Ort namens „Hocheim“, der vielleicht mit Höingen identisch ist, übertrug eine Schenkerin namens Rudrun 750 dem Kloster Fulda Grundbesitz in Rauisch-Holzhausen, einem unbekannten Ort Biberaffa, in Ebsdorf, Londorf, Hochheim und dem unbekannten Ort Heledungen Güter. Auch eine etwas später erfolgte die Schenkung eines gewissen Altrat Güter von in der Nähe liegenden Orten an das Kloster. Deshalb kann man den seltenen Ortsnamen Höingen gegen die häufigen Hochheim-Dörfer gut abgrenzen.Fritz Backhaus: Die Stadtteile der Stadt Homberg an der Ohm. In: Fred Schwind, Hrsg.: Homberg an der Ohm. Eine oberhessische Stadt von den Anfängen bis zur Gegenwart. Sigmaringen 1984, ISBN 3-7995-4073-3. S. 309–312, S. 309 f. Die beiden Schenkungen wurden in einem Kopiar niedergeschrieben,Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Band 1. Nr. 113, 119. welches um 1160 von dem fuldischen Mönch Eberhard verfasst wurde und als Codex Eberhardi berühmt ist.

Die erste gesicherte Erwähnung erfolgte 1234/35: „Hoingen“. Es ist der Bericht einer Wunderheilung. Als 1231 Elisabeth von Thüringen in Marburg verstorben war, suchten viele Hilfesuchende an ihrem Grab Heilung. Darunter auch der Bauer Siboto aus Höingen für seine zehnjährige Tochter.Albert Huyskens: Quellenstudien zur Geschichte der heiligen Elisabeth von Thüringen. Marburg 1908. S. 260, S. 23.

1315 waren die Brüder Berto und Johann von Ehringshausen Grundherren. Sie übergaben dem Deutschen Orden in Marburg Güter: „... in Hohingen fertonem de bonis“.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 2. Nr. 272, S. 205.

Der Ortsname wird als „Siedlung von Leuten auf der Höhe“ erklärt. Abgeleitet ist er von ahd. „hohi, mdh. hoehe“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 184 f. Der im Codex Eberhardi genannte Ortsname Hocheim ist nicht ursprünglich.

Vermutlich fiel schon am Ende des 14. Jahrhunderts der Ort wüst, wurde aber wie Dannenrod und Schadenbach im 16. Jahrhundert wieder aufgebaut.

Neuzeit Eine Neubesiedlung des Ortes begann im 16. Jahrhundert. Die Neuansiedlung fand wenige 100 m von der alten Siedlungsstätte statt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Höingen:

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Höingen im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit zehn weiteren Gemeinden auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die Stadt Homberg (Ohm) – damals noch mit dem Namen Homberg (Kreis Alsfeld) – eingegliedert. Für alle durch die Gebietsreform nach Homberg eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Höingen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Homberg an der OhmDie Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als Vorläufer des Deutschen Reichs., Provinz Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld, Stadt Homberg (Ohm)Am 1. Oktober 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Homberg (Ohm). ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Homberg (Ohm) ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Homberg (Ohm)

Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Höingen das Amt Homberg an der Ohm zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. Landgericht Homberg an der Ohm war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Höingen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, während die neu geschaffenen Landgerichte als Obergerichte fungierten. Dabei kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Homberg an der Ohm und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht Zweigstelle des Amtsgerichtes AlsfeldRundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation. und mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandeltErlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (). Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg und Höingen wurde dem Amtsgericht Kirchhain zugeteilt. 1973 wechselte die Stadt Homberg an der Ohm und mit ihr Höingen in den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Alsfeld. Als übergeordnete Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung • 1791: 81 Einwohner • 1800: 81 Einwohner • 1806: 94 Einwohner, 14 Häuser • 1829: 135 Einwohner, 16 Häuser • 1867: 127 Einwohner, 24 bewohnte Gebäude • 1875: 137 Einwohner, 24 bewohnte Gebäude

Religionszugehörigkeit • 1829: 135 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 109 evangelische (= 100,00 %) Einwohner

Vereine Das kulturelle Leben im Dorf prägt als einziger Ortsverein die Freiwillige Feuerwehr. Traditionell findet im Mai zu Christi Himmelfahrt das Apfelweinfest statt, an dem regelmäßig ca. 5000 Besucher teilnehmen.

Infrastruktur Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Buslinie VB-81/82 der Verkehrsgesellschaft Oberhessen her.

Literatur

Weblinks Höingen In: Webauftritt der Stadt Homberg (Ohm).

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Geographie (Homberg (Ohm)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Ersterwähnung im 8. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 1971