Erbenhausen ist ein Stadtteil von Homberg (Ohm) im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Der Ort liegt am Rande des Vogelsbergs. Durch den Ort verlaufen die Landesstraße 3072 und die Kreisstraße 58.
Nachbarorte
Geographie Geographische Lage Erbenhausen liegt an einem zur Glenn fließenden Fluss, nordöstlich von Homberg (Ohm). Der größte Teil des Ortes drängt sich in eine Talniederung, während sich östlich an einem Hang ein Teil des Ortes deutlich abhebt.Fritz Backhaus: Die Stadtteile der Stadt Homberg an der Ohm. In: Fred Schwind, Hrsg.: Homberg an der Ohm. Eine oberhessische Stadt von den Anfängen bis zur Gegenwart. Sigmaringen 1984, ISBN 3-7995-4073-3. S. 300-304. S. 300. Ortsgeschichte Mittelalter Die schriftliche Erwähnung des Ortes erfolgte zwischen 917 und 923 im Codex Eberhardi.Codex Eberhardi Band 1, S. 247, fol. 148 vb. Niedergeschrieben wurde dieser Codex um 1160. 917/918 tauschte ein Grundherr Grammanus seine Güter in Erbenhausen gegen Güter des Klosters Fulda in Kirtorf. Zu dem Besitz, den Grammanus tauschte, gehörte auch eine Hufe zu Erfurtshausen.Ernst Friedrich Johann Dronke: Codex dipolomaticus Fuldensis. Kassel 1850. Nr. 666. Ders.: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 6, Nr. 160.
1235 wird der Ortsadlige „Embricho de Herbenhusen“ in einer Urkunde genannt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1 - 3. Leipzig 1879 - 1899. Nr. 49, S. 47. In einer weiteren Urkunde von 1387 erscheint „Henne Pedirs von Erbinhuse.“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1. Darmstadt 1860 - 1873. Nr. 1179, S. 786. Der Ortsname wird von dem Rufnamen Erbo abgeleitet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 111.
Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts gehörte Erbenhausen zum Eußergericht, welches sich über das Gebiet der heutigen Orte Antrifttal, Homberg (Ohm) und Kirtorf erstreckte. In Erbenhausen war es ein Kondominium zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Schencken zu Schweinsberg.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Erbenhausen:
Im Jahre 1933 hatte das Dorf 290, am 6. Juni 1961 300 und am 27. Mai 1970 schließlich 274 Einwohner.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Appenrod im Zuge der Gebietsreform in Hessen zeitgleich mit zehn weiteren Gemeinden auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die Stadt Homberg (Ohm) – damals noch mit dem Namen Homberg (Kreis Alsfeld) – eingegliedert. Für alle durch die Gebietsreform nach Homberg eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Erbenhausen angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Kirtorf (Eußergericht je zur Hälfte den Landgrafen und den Schenck zu Schweinsberg)Die Zugehörigkeit des Amtes Kirtorf anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Alsfeld, Amt Kirtorf (Eußergericht) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt Kirtorf (Eußergericht) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Romrod, (Eußergericht) ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Großherzogtum Hessen, Norddeutscher Bund, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Alsfeld ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld, Stadt Homberg (Ohm) ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Homberg (Ohm) ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Homberg (Ohm)
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Erbenhausen das Eußergericht zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Erbenhausen zuständig war. Die Freiherren Schenck zu Schweinsberg verzichteten am 13. März 1822 auf ihre Polizei- und anderen administrativen Rechte zugunsten der Landesbehörden. Im Landgericht Homberg wurde die Rechtsprechung weiter gemeinschaftlich ausgeübt. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Homberg an der Ohm“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes AlsfeldRundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation., aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandeltErlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (). Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg und Erbenhausen wurde dem Bereich des Amtsgerichts Kirchhain zugeteilt. 1973 wechselte die Stadt Homberg an der Ohm und mit ihr Erbenhausen in den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Alsfeld.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Erbenhausen 249 Einwohner. Darunter waren 9 (3,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 33 Einwohner unter 18 Jahren, 105 zwischen 18 und 49, 54 zwischen 50 und 64 und 54 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 93 Haushalten. Davon waren 21 Singlehaushalte, 24 Paare ohne Kinder und 33 Paare mit Kindern, sowie 12 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 57 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1791: 246 Einwohner • 1800: 250 Einwohner • 1806: 273 Einwohner, 46 Häuser • 1829: 318 Einwohner, 51 Häuser • 1867: 297 Einwohner, 47 Häuser
Religion Die evangelische Kirche steht mitten im Ort.
Konfessionsstatistik • 1829: 317 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 265 evangelische (= 88,33 %), 35 katholische (= 11,67 %) Einwohner
Vereine Das kulturelle Leben im Dorf prägen folgende Vereine: Evang. Jugend Erbenhausen Freie Jugendgruppe e. V. Freiwillige Feuerwehr Gemischter Chor der Evang. Kirchengemeinschaft Landfrauenverein MC Schoab Rieme e. V. Obst- u. Gartenbauverein Schützenverein
Literatur
Weblinks Erbenhausen In: Webauftritt der Stadt Homberg (Ohm).
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Geographie (Homberg (Ohm)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Ersterwähnung 1212 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971