Die Bundeshymne der Republik Österreich, kurz österreichische Bundeshymne, besteht als Nationalhymne aus der Melodie des sogenannten „Bundesliedes“ und aus dem Gedicht Land der Berge (oft auch als Land der Berge, Land am Strome bezeichnet).
Das „Bundeslied“ wurde am 22. Oktober 1946 durch Beschluss des Ministerrats zur Hymnenmelodie. Der von Paula Preradović verfasste Text wurde – nach mit der Autorin abgestimmten Änderungen – durch einen weiteren Beschluss der Regierung am 25. Februar 1947 zum Hymnentext. Im Zuge einer ab Juli 2011 laufenden parteiübergreifenden Gesetzesinitiative wurde am 7. Dezember 2011 in namentlicher Abstimmung im Nationalrat ein am 27. Dezember 2011 kundgemachtes Bundesgesetz über die Bundeshymne der Republik Österreich beschlossen, das mit 1. Jänner 2012 in Kraft trat (). Damit wurde die gesetzlich festgelegt.
Die Bundeshymne gilt wie die Fahne der Republik Österreich, das Wappen der Republik Österreich und die österreichischen Hoheitszeichen als Staatssymbol. Wer sie „verächtlich macht oder sonst herabwürdigt“, macht sich nach StGB wegen „Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole“ strafbar.
Bundeshymnengesetz Mit 1. Jänner 2012 trat das Bundesgesetz über die Bundeshymne der Republik Österreich in Kraft, mit dem die Bundeshymne erstmals gesetzlich festgeschrieben wurde.
Melodie des „Bundesliedes“ Neunzehn Tage vor seinem Tod schrieb Wolfgang Amadeus Mozart († 5. Dezember 1791), Mitglied der Freimaurerloge „Zur Wohltätigkeit“, mit der Freimaurerkantate (KV 623) sein letztes vollendetes Werk. Am 14. November 1792 brachte der in Wien, , die Partitur in zwei Varianten heraus. Einem Teil der Gesamtauflage war das später sehr bekannte „Kettenlied“ (KV6 623a) mit dem Text Lasst uns mit geschlungnen Händen beigebunden. Der Titel lehnt sich daran, dass die Freimaurer ihre Versammlungen damit beendeten, dass sie das Lied mit verschlungenen Händen als Zeichen ihrer Gemeinschaft sangen.
Spätestens seit den 1960er Jahren wird von Musikforschern die Zuschreibung des als „Bundeslied“ bekannt gewordenen „Kettenliedes“ an Mozart bezweifelt.Vgl. Richard Bamberger, Franz Maier-Bruck: Österreich Lexikon in zwei Bänden. Erster Band A–K, Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst / Verlag Jugend und Volk, Wien/München 1966, S. 161: (Anm.: Fettdruck nicht ins Zitat übernommen.) Nach Meinung einiger Musikforscher stammt das Bundeslied wahrscheinlich von „Claviermeister“ Johann Baptist Holzer, einem Logenbruder der Wiener Freimaurerloge „Zur wahren Eintracht“.Peter Diem: Land der Berge, Land am Strome … (Abschnitt Der Komponist der österreichischen Bundeshymne heißt Johann Holzer.) Dokumentation über die Entstehung der Bundeshymne. In: Wissenssammlung/Symbole im Austria-Forum in der Version des 25. Oktober 2018, abgerufen am 6. Februar 2020. Neuere Forschungen des Musik- und Freimaurerforschers Philippe Autexier legen hingegen nahe, dass der Komponist Paul Wranitzky, Konzertmeister der Wiener Hofoper am Kärntnertor, gleichfalls Logenbruder, als Urheber dieser Melodie in Frage kommt.Philippe A. Autexier: Lyra Latomorum. Das erste deutsche Freimaurerliederbuch. [Aus dem Nachlass veröffentlicht]. S. 250 (PDF; 1,7 MB).Joachim Diederichs: Von wem stammt die Melodie der österreichischen Bundeshymne? In: Österreichische Musikzeitschrift. Jahrgang 73, 2018, Heft 1, S. 79–82.
Textversionen der Bundeshymne
Aktueller Wortlaut mini|Text- und Notenblatt: Österreichische Bundeshymne
(Geänderte Passagen zum Wortlaut bis Ende 2011 kursiv.)
(1) Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker,Anm.: Im offiziellen Notenblatt des Anhangs des Bundesgesetzes der Bundeshymne steht „Äc-ker“ geschrieben. Richtig nach aktueller Rechtschreibung zur (Regel 165) wäre „Ä-cker“ zu schreiben, wobei nach Duden wie nach ÖWB bei Acker/Äcker eine Silbentrennung nicht zulässig ist, vgl. Acker auf Duden online. Land der Dome, Land der Hämmer, zukunftsreich! Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne, vielgerühmtes Österreich. Vielgerühmtes Österreich.
(2) Heiß umfehdet, wild umstritten, liegst dem Erdteil du inmitten einem starken Herzen gleich. Hast seit frühen Ahnentagen hoher Sendung Last getragen, vielgeprüftes Österreich. Vielgeprüftes Österreich.
(3) Mutig in die neuen Zeiten, frei und gläubig sieh uns schreiten, arbeitsfroh und hoffnungsreich. Einig laß in Jubelchören, Vaterland, dir Treue schwören, vielgeliebtes Österreich. Vielgeliebtes Österreich.
Wortlaut bis 31. Dezember 2011 mini|Text- und Notenblatt: Österreichische Bundeshymne (1947 bis 2011). (Geänderte Passagen zum Wortlaut ab 1. Jänner 2012 kursiv.)
(1) Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker,Anm.: Im Notenblatt der „offizielle Ausgabe der Österreichischen Bundeshymne“ (GZ 31105-II-4a/49, Verfügung des Bundesminister für Unterricht vom 4. Juli 1949), abgedruckt vom österreichischen Bundesverlag 1947, steht nach alter Rechtschreibung in der Silbentrennung (Regel 179) „Äcker“ korrekt als „Äk-ker“ abgeteilt geschrieben. Land der Dome, Land der Hämmer, zukunftsreich! Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne, vielgerühmtes Österreich. Vielgerühmtes Österreich.
(2) Heiß umfehdet, wild umstritten, liegst dem Erdteil du inmitten einem starken Herzen gleich. Hast seit frühen Ahnentagen hoher Sendung Last getragen, vielgeprüftes Österreich. Vielgeprüftes Österreich.
(3) Mutig in die neuen Zeiten, frei und gläubig sieh uns schreiten, arbeitsfroh und hoffnungsreich. Einig laß in Brüderchören, Vaterland, dir Treue schwören, vielgeliebtes Österreich. Vielgeliebtes Österreich.
Ursprünglicher Wortlaut von Paula Preradović Die zweite Preradović-Strophe blieb 1947 bei der Beschlussfassung der Bundesregierung sowie mit dem „Bundesgesetz über die Bundeshymne“ zum 1. Jänner 2012 unberührt. (Geänderte Passagen zum Wortlaut bis Ende 2011 kursiv. Zitiert nach Peter Diem.)
(1) Land der Berge. Land am Strome, Land der Äcker, Hämmer, Dome, Arbeitsam und liederreich. Großer Väter freie Söhne, Volk, begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich.
(2) Heiß umfehdet, wild umstritten Liegst dem Erdteil du inmitten, Einem starken Herzen gleich. Hast seit frühen Ahnentagen Hoher Sendung Last getragen, Vielgeprüftes Österreich.
(3) Aber in die neuen Zeiten Sieh uns festen Glaubens schreiten, Stolzen Muts und hoffnungsreich. Laß in brüderlichen Chören, Vaterland, dir Treue schwören, Vielgeliebtes Österreich.
Slowenischer Wortlaut Im Hinblick auf die Kärntner Slowenen wurde auch eine slowenische Version der dritten Strophe getextet, die als offizielle Übersetzung in Kärnten gesungen wird. Der Text lehnt sich an die (bis Ende 2011 gültige) Version in deutscher Sprache an:Vgl. Land der Berge, Land am Strome in der slowenischsprachigen Wikipedia: . Vgl. auch Peter Diem in Austria-Lexikon, der jedoch fälschlich angibt, es handle sich um die erste Strophe.
(3) Hrabro v novi čas stopimo, prosto, verno, glej, hodimo; upa polni, delavni. Bratski zbor prisega hkrati, domovini zvestobo dati. Ljubljena nam Avstrija, ljubljena nam Avstrija.
Geschichte Frühere Hymnen Österreichs In der Habsburgermonarchie war von 1797 bis 1918, seit 1867 nur in Cisleithanien, die Haydn-Hymne (ursprünglich Gott erhalte Franz den Kaiser, zuletzt Gott erhalte, Gott beschütze), nach deren Melodie heute die deutsche Nationalhymne Einigkeit und Recht und Freiheit gesungen wird, in verschiedensten Textfassungen die offizielle Hymne Österreichs.
Während seiner Zeit in Wien (November 1834 bis März 1835) hatte Karl von Holtei von Fürst Metternich den Auftrag erhalten, einen neuen Text der österreichischen Nationalhymne zu verfassen.Michael Sachs: ‚Fürstbischof und Vagabund‘. Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Fürstbischof von Breslau Heinrich Förster (1799–1881) und dem Schriftsteller und Schauspieler Karl von Holtei (1798–1880). Nach dem Originalmanuskript Holteis textkritisch herausgegeben. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 35, 2016 (2018), S. 223–291, hier: S. 282.
In der Ersten Republik war von 1920 bis 1929 Deutschösterreich, du herrliches Land (Renner-Kienzl-Hymne) als inoffizielle Nationalhymne gebräuchlich; danach wurde bis 1938 zur Haydn-Melodie der Text Sei gesegnet ohne Ende (Kernstock-Hymne) verwendet. Im Ständestaat oder Austrofaschismus wurde ab 1936 mit dieser bei zahlreichen Gelegenheiten das Lied der Jugend gesungen.
In der Zeit des Nationalsozialismus nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wurde das Deutschlandlied (Deutschland, Deutschland, über alles), meist gemeinsam mit dem Horst-Wessel-Lied (Die Fahne hoch, die Reihen dicht geschlossen) eingesetzt. Die Haydn-Melodie war also nach der Kaiserzeit von 1929 bis 1945, mit wechselndem Text, zu singen.
Einführung der Bundeshymne 1946/47 Auf Betreiben des Unterrichtsministers Felix Hurdes wurde in der Zweiten Republik die Haydn-Hymne nicht mehr aufgenommen:
Nach dem Kriegsende in Wien wurde beim Verkünden der neuen Regierung vor dem Parlament mangels einer Bundeshymne der heute noch als „heimliche Bundeshymne“ bezeichnete Donauwalzer gespielt. Bei einem Festkonzert der Österreichischen Turn- und Sportunion im März 1946 wurde am Anfang die Hymne Rot-weiß-rot von Anton Fuchs uraufgeführt und am Ende O du mein Österreich von Ferdinand Preis nach dem gleichnamigen Lied von Franz von Suppè gespielt. Bei der Festakademie zur Eröffnung des US-amerikanischen Besatzungssenders Rot-Weiß-Rot im Oktober 1946 spielte man zu Beginn die „Österreichische Ouvertüre“ von Alois Melichar und zum Schluss das Fiakerlied von Gustav Pick und den Donauwalzer., Fr, 25. Oktober 1946, 19.30 Uhr, Mozart-Saal im Wiener Konzerthaus. In: Archiv von Tonkünstler-Orchester Niederösterreich. Abgerufen am 10. Juli 2011.
Am 9. April 1946 beschloss der Ministerrat (Bundesregierung Figl I, ÖVP-SPÖ-KPÖ-Koalition) und setzte mit einem Preisausschreiben ein Preisgeld von damals beachtlichen 10 000 Schilling aus. Es sollte ein , gefunden werden. Teilnahmeberechtigt waren nur bei der Nationalratswahl 1945 wahlberechtigte Personen, also nicht die bei dieser Wahl als Nationalsozialisten vom Wahlrecht Ausgeschlossenen. Einzusenden war Einzusenden waren die Vorschläge an die Kunstabteilung im Bundesministerium für Unterricht, das auch die Jury bestellte. Eine Bedingung, die sich Jahrzehnte später als wesentlich herausstellte (siehe „Urheberrechtsstreit 2010“), war, dass .In: Wiener Zeitung, 11. April 1946, Ausgabe Nr. 86. Zitiert nach OGH4 Ob 171/10s vom 15. Dezember 2010.
Auf das Preisausschreiben folgten etwa 1800 Einsendungen. 29 davon gelangten in die engere Auswahl, die die Jury als Entscheidungshilfe vortragen ließ. Bei den Melodien erreichte das „Bundeslied“ der Freimaurerkantate, das damals noch Mozart zugeschrieben wurde, die höchste Punktezahl. Am 22. Oktober 1946 beschloss der Ministerrat, die Melodie zur künftigen Volkshymne (ab 1947 österreichische Bundeshymne, siehe unten) zu erklären. Die Wiener Zeitung schrieb dazu am 23. Oktober auf Seite 1 einen redaktionellen Einspalter unter dem Titel Mozart’s Bundeslied wird neue Bundeshymne:Robert Sedlaczek: Mozart war es sicher nicht! Nicht nur der Text der Bundeshymne hat immer wieder für Kontroversen gesorgt, sondern auch die Musik. Die Bestandsaufnahme einer jahrzehntelangen Debatte. In: Wiener Zeitung extra, 22./23. Oktober 2011, S. 2f. (Online als PDF auf der Website des Austria Lexikons. Abgerufen am 12. Dezember 2011.)