Šams ad-Dīn Abū ʿAbd Allāh Muḥammad ibn Aḥmad ibn Abī Bakr al-Bannāʾ al-Baššārī (, bekannt als al-Muqaddasī oder auch al-Maqdisī; geb. 945 in Jerusalem; gest. nach 1000) war ein arabischer Geograph der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Er ist bekannt für sein Buch Aḥsan at-taqāsīm fī maʿrifat al-aqālīm,Aḥsan at-taqāsīm fī maʿrifat al-aqālīm („Die besten Einteilungen für das Wissen über die Regionen“) das Karten enthält.

Biographie Al-Muqaddasī wurde 946 in Jerusalem (auch bekannt als al-Quds, daher sein Beiname al-Muqaddasī) geboren und starb vermutlich um 1000. Er ist auch als al-Baššārī bekannt. Über sein Leben erfährt man nur Details aus seinem Werk.

Familie Sein Großvater väterlicherseits war der Architekt Abū Bakr al-Bannāʾ, der für den ägyptischen Machthaber Ibn Ṭūlūn (r. 868–884)Rudnicka-Kassem, Dorota. S. 12–13. die Mauer der Stadt ʿAkkā baute. Von ihm erlangte al-Muqaddasī seine Kenntnisse über Bauwerke, was sich in seinem Buch widerspiegelt, z. B. bei der Beschreibung der Moschee “Masǧid al-Minbar” in Irānshahr.Sezgin, S. 234–235 und Firouzeh, S. 247–248. Seine Familie mütterlicherseits stammte aus Biyār, einer kleinen Stadt in Ḫurāsān, daher konnte er fließend Persisch. Dies half ihm sicherlich auch beim Bereisen der östlichen Regionen.Saʿīd, S. 145.

Bildung Al-Muqaddasī kam aus gutem Hause und genoss eine gute Ausbildung. So war er vertraut mit den Wissenschaften seiner Zeit und erlangte insbesondere Kenntnisse in der Rechtswissenschaft und Theologie.Firouzeh, S. 245. In jungen Jahren studierte al-Muqaddasī islamische Geschichte, insbesondere ihre politischen und kulturellen Aspekte, Zivilisation, Religion und Rechtswissenschaft. Um sein Wissen zu erweitern, besuchte er bedeutende Gelehrte, Wissenschaftler und studierte in königlichen Bibliotheken.Rahman, S. 145. Sein Schreibstil deutet mit seinem gelegentlichen Gebrauch von Reimprosa und Poesie darauf hin, dass er eine klassische Ausbildung in Grammatik und Literatur genossen hat.

Während seiner Reisen konnte sich al-Muqaddasī seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Tätigkeiten verdienen, unter anderem arbeitete er als Prediger, Rechtsgelehrter und als Lehrer.Sezgin, S. 239.

Der österreichische Orientalist A. Sprenger (1813–1893)Neumayr, Ursula. 1999, Heimat in der Fremde – Leben und Werk des Tirolers Aloys Sprenger (1813 – 1893), Innsbruck, S. 141–152. sagte über al-Muqaddasī, es habe “vielleicht nie einen Mann gegeben, der so viel gereist ist und so scharf beobachtet und zugleich das Gesammelte so planmäßig verarbeitet hatte.”A. Sprenger zitiert in Sezgin, S. 237.

Tod Aus einigen von al-Muqaddasī berichteten Ereignissen lässt sich schließen, dass er mindestens bis 990 lebte. Dazu gehören seine zwei Pilgerfahrten nach Mekka in den Jahren 967 und 978, eine Reise nach Aleppo in den Jahren 965-75, eine Reise nach Ḫurāsān im Jahr 984 und sein Entschluss, seine Werk zu verfassen, den er in 985 in Šīrāz fasste.

Werk Sein Werk Aḥsan at-taqāsīm fī maʿrifat al-aqālīm schrieb al-Muqaddasī nach seinen ca. 20 Jahre andauernden Reisen durch die islamische Welt im Alter von 40 Jahren im Jahre 985. Heute gibt es nur noch vier erhaltene Handschriften. Die früheste (nach de Goeje) von ihnen ist aus dem Jahr 1260 (Istanbul, Süleymaniye Bibliothek, MS Ayasofya 2971M), darauf folgt ein Manuskript aus dem Jahr 1494-5 (Berlin, Staatsbibliothek, MS Sprenger 5), eines von 1840 (MS Cod. Or. 2063), das heute in der Universitätsbibliothek Leiden liegt, und eines aus dem 19. Jahrhundert (MS Sprenger 6), das zurzeit in der Staatsbibliothek zu Berlin ist.Danilenko, Nadja. Al-Muqaddasī. In: Encyclopaedia of Islam, Third Edition. Aufgrund der wenigen erhaltenen Handschriften des Werks ist zu vermuten, dass sein Werk eine geringe Rolle im Wissenskanon spielte.Kaplony, S. 355. Das Werk wurde mehrfach ediert und übersetzt:

Mitte 19. Jahrhundert: Österreichischer Orientalist Sprenger entdeckt Manuskript al-Muqaddasīs in Indien, welches von de Goeje ediert und in seiner Bibliotheca Geographorum Arabicorum 1877 veröffentlicht wirdDe Goeje, Michael Jan. 1877 (revised 1906-pp.vii +498) BGA III, Leiden, Brill. Übersetzung ins Deutsche des Kapitels The Region of al-Shām (Syria) und einiger kurzer Passagen von Gildemeister, veröffentlicht 1884Gildemeister, Johann. Beiträge zur Palästinakunde aus arabischen Quellen: Mukaddasī, ZDPV (1884), S. 143–172; 215-226-a, BGA III, S. 151–192. Übersetzung ins Englische des Kapitels zu Syrien inklusive Palästina mit Karten und Diagrammen von Le Strange, veröffentlicht 1896 in LondonLe Strange, Guy. 1896, Description of Syria including Palestine, by Mukaddasi. BGA III, London, S. 151–192. Übersetzung der ersten 200 Seiten von de Goejes BGA III von Ranking und Azoo in Kalkutta zwischen 1897 und 1910Ranking, G.S.A., und Azoo, R.F. 1897–1910, Aḥsanu-T-Taqāsīm Fī Maʿrifat-l Aqālīm known as al-Muqaddasī. Bibliotheca Indica, Fascicles I-IV. BGA III, Calcutta, S. 1–202. Eine französische Übersetzung von Pellat 1950Pellat, Charles. 1950, Description de l’Occident Musulman au IV/X siècle, par al-Muqaddasī – Texte arabe et traduction francaise: Bibliothèque arabe-francaise N° IX. BGA III, Alger, S. 215–248. Eine weitere französische Übersetzung von Miquel 1963Miquel, André. 1963. Aḥsan at-Taqāsīm fī Maʿrifat al-Aqālīm (La meilleure repartition pour la connaissance de provinces). BGA III, Damas, S. 1–24; 30–47; 57–66; 151–192. Die Dissertation von Collins al-Muqaddasī: The Man and his work, with Selected Passages from the Arabic, mit Übersetzung geographischer Abschnitte aus der BGA III von 1974Collins, Basil Anthony. Al-Muqaddasī: The Man and His Work: With Selected Passages Translated from Arabic. Michigan, BGA III.

Und schließlich die vollständige Übersetzung von Collins, Garnet Publishing 1994.Collins, Basil Anthony. Al-Muqaddasī - Best Divisions for Knowledge of the Regions – A Translation of Ahsan Al-Taqasim Fi Marifat Al-Aqalima. Garnet Publishing, 1994

Charakteristika seines geographischen Werks Al-Muqaddasī beschreibt sich in seinem Vorwort als wahrscheinlich Ersten, der die Geographie als eigene Wissenschaft konzipiert hat. “No predecessor of mine in this subject has adopted the method of procedure that I have, or sought out the useful information that I aimed at.”Collins, S. 4. Er sei von seinen Vorgängern inspiriert gewesen, soll diese jedoch übertroffen haben. Für sein Werk nutze er eigene Reisen und Beobachtungen, Gespräche mit Gelehrten und Kennern einer Region, sowie andere Werke.Rahman, S. 145, al-Muqaddasī, S. 3, Saʿīd, S. 151. Allerdings sei seine Herangehensweise weit entfernt von der „Wissenschaft der Länder“, die al-Ǧāḥiẓ (776–869) eingeführt hat und die durch Ibn al-Faqīh (fl. 10. Jh.) systematisiert wurde, aber auch weit entfernt von der Weltbeschreibung der „Ṣūrat al-arḍ“ und dem Genre von „al-Masālik wa-l-mamālik“.

Al-Muqaddasī greift auf Ibn Ḥauqals (fl. 10. Jh.) Überlieferung zurück, beschreibt die Welt des Islams und gibt ihr Priorität und Exklusivität. Womit sich al-Muqaddasī als einen besonderen Vertreter im Feld der Geographie hervorhebt, ist seine Systematisierung des Inhalts und seine Methodik. Er beabsichtigt eine Wissenschaft zu schaffen, die vor allem für Kaufleute und gebildete Männer ('adīb, pl. udabāʾ) nützlich ist. “This work would be necessary for travelers and profitable for merchants, would appeal to the virtuous and the godly; it was to serve kings, nobles, judges, jurists, delight both commoners and men of rank. The works of his Muslim predecessors he deemed to have fallen far short, in any of a number of ways, of what he believed they could be, and these deficiencies he would remedy.”Collins, xxii (Intodruction).

Terminologie und Schreibstil Al-Muqaddasī stellt die Welt mit großer Präzision dar. Nach der allgemeinen Vorstellung einer Provinz (iqlīm), beginnt er mit der Einteilung der Bezirke (kūra). Al-Muqaddasī unterscheidet dabei zwischen nāḥiya und rustāq. Ein rustāq ist zu klein, um einen Bezirk (kūra) zu bilden und eine nāḥiya, die dem rustāq übergeordnet ist, zu klein um eine Provinz zu bilden. An der Spitze der Provinz ist die Metropole (miṣr), die mehrere umliegenden Bezirke (kūra) regiert. Die Provinz selbst hat Hauptstädte (sg. madīna) um eine Art Kreisstadt (qaṣba). Al-Muqaddasī hält es für notwendig, bei der Einteilung und den Länderbeschreibungen eine klare Ausdrucksweise konsequent zu nutzen, daher auch der Titel seines Werkes.Miquel, André. Al-Muqaddasī. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition.

Die Definition für den Begriff für miṣr, also „Hauptstadt einer Provinz“ oder „Metropole“ akzeptiert er entgegen der Meinung der fuqahāʾ, der Lexikographen und des populären Sprachgebrauchs nicht und definiert ihn wie folgt:„Wir bezeichnen als miṣr jeden Ort, in dem ein bedeutender Herrscher (sulṭān) residiert, der über Verwaltungsämter (dawāwīn) verfügt, von dem aus Statthalter eingesetzt werden und zu dem die Städte (mudun) der Provinz (iqlīm) gerechnet werden, wie Damaskus, Kairuan und Schiraz."Sturm, S. 20.Al-Muqaddasīs Systematik mag für den heutigen Leser merkwürdig scheinen. Er behandelt beispielsweise den Namen eines Ortes als Maskulin, wenn dieser die Hauptstadt (miṣr) eines Gebietes ist und als Femininum, wenn der Ort einen niederen Rang (qaṣba, madīna) hat. Außerdem nennt er eine Stadt, wenn er sie in ihrem Abschnitt beschreibt, so wie sie dort genannt wird, wie al-Fusṭāṭ, Numūǧkaṯ und al-Yahūdīya. Wenn eine Stadt aber in einem anderen Abschnitt erwähnt wird, dann verwendet er die Bezeichnung, unter der sie allgemein bekannt ist, wie Miṣr, Buḫārā und Iṣfahān für die vorhergehenden drei Städte. Die Hinweise zu den verwendeten Termini befinden sich auf mehreren Seiten gestreut in den einleitenden Kapiteln seines Werks.

Insgesamt ist er bestrebt, auf allen Ebenen eine klare, präzise Terminologie zu schaffen. Hierzu zählen verschiedene Definitionen und Erläuterungen von Begriffen und Termini.

Einige spezielle Begriffe greifen auf gegenwärtiges Vokabular, wovon sich einige fachbezogene Begriffe zum Beispiel auf die Werteskala für Produkte beziehen. Andere sind nach den verschiedenen bereisten Ländern entworfen, wie beispielsweise die Begriffe für Handwerk, Wassertransport, Werkzeuge, Gewichte, Maßeinheiten und Geld beziehen. Al-Muqaddasī definiert zunächst Ausdrücke, die qualitative Abstufungen bezeichnen: lā naẓīra lahū: Etwas ist allem Vergleichbaren, auch über die eigene Gattung hinaus, überlegen ġāya: Bezeichnet den höchsten Grad der Qualität innerhalb der Gattung ǧayyid: Sagt aus, dass es innerhalb der eigenen Gattung Besseres gibt

Diese Begriffe sind nicht nur allgemeine Sprachbegriffe, sondern auf den speziellen Kontext der Länderbeschreibungen bezogen und sie sind in diesem Bereich benötigt, da hier des Öfteren wertende Begriffe gefordert sind.

Weitere Definitionen: al-mašriq: bezeichnet das Gebiet der Samaniden aš-šarq: bezeichnet auch Fārs, Kirmān und Sind al-maġrib: bezeichnet die Provinz (iqlīm, Nordafrika westlich Ägyptens und al-Andalus, also nicht im Sinne der mathematisch-astronomischen Geographie) al-ġarb: bezeichnet auch Ägypten und SyrienSturm, S. 20–23.

Die Aufteilung der islamischen Welt nach al-Muqaddasī Al-Muqaddasī stützte sich in der regionalen Einteilung der Länder auf drei Grundlagen, nämlich: Religiöse Grundlage, sprachliche Grundlage, administrative und politische Grundlage.Saʿīd, S. 143.