mini|Der ehemalige Bahnhof von Gallun (Süd) mini|Der Dorfteich von Gallun
Gallun ( oder GółyńSorbisches Institut: Arnošt Muka, Niedersorbische Namen der Städte und Dörfer, 1911–1928.) ist heute ein Ortsteil der Stadt Mittenwalde im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald. Der Ort war bis 2003 eine eigenständige Gemeinde. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Gallun und hat entsprechend der brandenburgischen Kommunalverfassung und der Hauptsatzung einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher.Brandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; Abschnitt 2, Ortsteile In: bravors.brandenburg.de.
Geographie Der Ortskern von Gallun liegt ca. 2,7 km südöstlich der Kernstadt von Mittenwalde; und etwa 18 km vor der südöstlichen Stadtgrenze von Berlin. Es ist von dort über die Bundesautobahnen 113 und 13 zu erreichen, die zweite (Mittenwalde) oder dritte (Bestensee) Abfahrt nach dem Autobahnkreuz Schönefeld. Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 246. Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) befindet sich nördlich in der Nähe. Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald mbH (RVS) sicher.
Im Norden grenzt die Gemarkung an die (Kern-)Stadt Mittenwalde, im Osten an Schenkendorf und dessen Gemeindeteil Krummensee sowie an der Gemarkung der Gemeinde Bestensee, im Süden an Motzen (Ortsteil der Stadt Mittenwalde) und Kallinchen, im Südwesten an Schöneiche (beide genannten Orte sind Ortsteil der Stadt Zossen) und im Westen an Telz (Ortsteil der Stadt Mittenwalde).
Durch den Westteil der Gemarkung verläuft der Galluner Kanal, der den Motzener See mit dem Nottekanal verbindet. Im Osten bildet die Autobahn A 13 annähernd die Gemarkungsgrenze. Im Süden reicht die Deponie Schöneicher Plan auch auf die Gemarkung Gallun. Die Gleise der stillgelegten Königs Wusterhausen-Mittenwalde-Töpchiner Kleinbahn verlaufen von Norden nach Süd mittig durch die Gemarkung östlich am Ort vorbei. Die Haltestation lag an der Storkower Straße.
Geschichte Gallun wurde erstmals 1492 und damit verhältnismäßig spät urkundlich genannt. Es gehörte damals zum Amt Zossen, das aus der 1490 vom brandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero erworbenen Herrschaft Zossen hervorgegangen war. Der Ort hatte eine Sonderstellung innerhalb der Herrschaft bzw. des Amtes, denn er war nicht im direkten Besitz der Herrschaft Zossen bzw. dem Amt Zossen, sondern im Besitz einer Adelsfamilie als Afterlehen. Dem Amt Zossen standen nur die Dienste zur Burg in Zossen, die Arbeit der Bauern an den Dämmen und die Landfolge der Lehnsleute zu. Die Sonderstellung wird auch dadurch betont, dass Gallun ursprünglich nach Mittenwalde (Bistum Brandenburg) eingepfarrt war, also ursprünglich sicher nicht zur Herrschaft Zossen und damit zum Bistum Meißen gehörte.
Schlimpert gibt drei Deutungsmöglichkeiten des Namens Gallun. Erstens zu einer Grundform *Golun' = Ort eines Golun, zu einem slawischen Personennamen *Golun oder *Golun', zu urslaw. *golъ = nackt, kahl, zweitens von einer Grundform *Golyn'a, ebenfalls zu urslaw. *golъ = nackt, kahl, im Sinne von nacktes, kahles Gelände und drittens von einer aplb. Grundform *Galun', zu einem slawischen Personennamen *Galun oder *Galuń, also Ort eines Galun zu urslawisch *galъ = schwarz. Nach seiner Struktur war Gallun ursprünglich ein Sackgassendorf.
1492 wird das Dorf, ein Gehölz die „nasse Hayd“ und die Fischerei (wahrscheinlich im Galluner Fließ) erwähnt. 1555 wird der Weinberg beim Dorf genannt. 1583 wohnten neun Hüfner und drei Kossäten im Dorf. 1624 werden noch sieben Hüfner genannt; insgesamt hatte der Ort 20 Hufen. 1652 nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten noch sechs Bauern im Dorf.
Das Dorf Gallun gehörte im ausgehenden Mittelalter zur Herrschaft Zossen, bzw. ab 1491 zum Amt Zossen, hatte jedoch innerhalb des Amtes eine Sonderstellung. Es unterstand nämlich nicht direkt dem Amt, sondern war ein Adelssitz, der von der Herrschaft Zossen bzw. ab 1491 vom Amt Zossen zu Lehen ging. Am 16. Februar 1492 belehnte Kurfürst Johann Cicero Hans, einen Kreuzherrn, Georg und Balthasar (Baltzar) von Glaubitz sowie Heinrich und Andreas von Glechow „alle Gebrüder“ mit einem freien Hof in Zossen, einem weiteren freien Hof mit vier freien Hufen, den (vorher) Thumen Wildow innehatte, das ganze Dorf Gallun mit der Fischerei im Fließ und dem Seechen und zahlreichen weiteren Besitzungen im Amt Zossen. Der Zusatz „alle Gebrüder“ kann nur bedeuten, dass sie Stiefbrüder waren. 1513 war Andreas von Glechow gestorben, und die von Glaubitz waren Lehensfolger. 1519 empfingen Heinrich, ein Priester, Jorg, Friedrich und Joachim Gebrüder die Glaubitz nach dem Tod ihres Vaters Georg das Lehngut Kasel (Landkreis Dahme-Spreewald). 1521 erhielten Heinrich, ein Priester, für sich und seine Brüder Jorgen, Friedrich und Joachim von Glaubitz zu Zossen, auch für Caspar, der Sohn von Balthasar von Glaubitz zu Mittenwalde, die Lehn nach dem Tod des Heinrich von Glechow, Priester in Teupitz die Lehn; sie standen mit ihm in gesamter Hand. 1523 starb der Kreuzherr/Priester Hans von Glaubitz, und Wolf von Glaubitz und seine unmündigen Brüder Nickel und Caspar „zur Kasel“, die Söhne des Jorge/Georg von Glaubitz, empfingen ihren Anteil vom Erbe des Heinrich von Glaubitz. 1527 wurden nun Wolf, Nickel und Caspar von Glaubitz mit dem Rittersitz in Kasel und anderen Besitzungen bei Luckau belehnt. Mitbelehnt waren ihre Vettern Heinrich, der Priester, Georg, Friedrich und Joachim Gebrüder von Glaubitz zu Zossen und Caspar von Glaubitz zu Mittenwalde. Caspar von Glaubitz heiratete 1537 eine Catharina (Nachname unbekannt). Wolf von Glaubitz kam später in den alleinigen Besitz des Rittersitzes Kasel. 1543 starb er, Erben waren seine Söhne Hans und Wolf d. J. Am 6. November 1543 erhielt Hans die Lehn, sein Bruder Wolf war noch minderjährig. Mitbelehnt waren wiederum die Vettern Herr Heinrich, Georg, Friedrich und Joachim Gebrüder von Glaubitz zu Zossen und Caspar von Glaubitz zu Mittenwalde. 1552 standen George, Friedrich und Joachim, Gebrüder v. Glaubitz, mit der Stadt Mittenwalde in Unterhandlungen. (Ein) Friedrich von Glaubitz (wohl schon die nächste Generation) heiratete 1555 Margaretha von Wiese. 1572 war Friedrich von Glubitz zu Gluwe (wohl eine stark verballhornte Schreibung für Gallun) auf dem Landtag in Berlin. Möglicherweise ist auch Albrecht von Gluwe zu Zossen, der 1572 ebenfalls auf dem Landtag in Berlin anwesend war, eine verunglückte Schreibweise für Albrecht von Glaubitz, denn um diese Zeit gab es kein Geschlecht Gluwe in Zossen. In einem Verzeichnis der Adelsgeschlechter, die brandenburgische Lehen hatten (vom Ende des 16. Jahrhunderts) werden aufgeführt: Albrecht, Arndt, Christof und Joachim von Glaubitz, die Söhne des Joachim von Glaubitz und die Gebrüder Adam, Hasse und Elias von Glaubitz. Leider ist bei beiden Nennungen jeweils kein Rittersitz angegeben. Arndt von Glaubitz wurde 1599 mit dem Freihof in Zossen belehnt. Hasse von Glaubitz heiratete 1591 Elisabeth von Berg adH Metzelthin; die Eheleute setzten 600 Taler Ehegeld fest.
Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde Gallun in zwei Besitzteile aufgeteilt. Ein Drittel des Dorfes mit einem Rittersitz, mit anteiligem Gericht und Diensten der Bauern und Kossäten verblieb der Familie von Glaubitz, während der andere Teil (zwei Drittel des Dorfes) schon vor 1577 an die von Enderl(e)in in Miersdorf fiel.
Das von Glaubitzsche Drittel Am 22. August 1644 belehnte Kurfürst Friedrich Wilhelm seinen Leibarzt Dr. Möller mit Gallun, dem abgebrannten Rittersitz Zossen und Gütern und Einkünften in Töpchin, Kallinchen, Neuendorf und Lüdersdorf. 1650 verpfändete dessen Sohn David Möller seinen Lehnbesitz für 1700 Taler und auf 50 Jahre an den Mittenwalder Bürgermeister Christian Herzberg. Er war seit 1636 mit Katharina Gericke verheiratet, mit der er drei Kinder hatte. Ein Sohn starb früh, der zweite Sohn Andreas (1640–1705) blieb unverheiratet. Die Tochter Elisabeth (1647–1677) heiratete den späteren Bischof von Reval, Jakob Helwig (1631–1684), mit dem sie nach Reval zog. Der Sohn Andreas war Erbe des Lehn- bzw. Pfandbesitzes; er starb 1705.
Am 13. August 1707 wurde Hofrat Ludwig Theophil Kiesewetter mit Gallun, dem Rittersitz Zossen und Gütern und Einkünften in Töpchin, Kallinchen, Neuendorf und Lüdersdorf belehnt. Bereits am 9. Oktober 1707 verkaufte er diesen Besitz (darunter Gallun) an Charlotte Sophie von Chwalkowska geb. von dem Knesebeck um 13.000 Taler. Sie überließ es ihrer Tochter Eleonore Philippine Chwalkowska (1691–1741), die mit dem brandenburgischen Kammerpräsidenten Christian Ernst von Münchow (1671–1749) verheiratet war.
Am 13. Oktober 1716 erwarb König Friedrich Wilhelm I. den dritten Teil des Ortes Gallun für 15.000 Taler vom brandenburgischen Kammerpräsidenten Christian Ernst von Münchow. In dem Kauf enthalten war auch die Meierei (oder das Vorwerk) Vogelsang, nordwestlich der Stadt Mittenwalde vor dem Berliner Tor gelegen, heute ein Wohnplatz der Stadt Mittenwalde. mini|Gallun auf dem Urmesstischblatt 3747 Königs Wusterhausen von 1839 Der Thümensche Besitzanteil Friedrich von Glaubitz verkaufte zwei Drittel von Gallun vor 1577 an die von Enderlin in Miersdorf. 1594 verkaufte Baltzer von Enderlin in Miersdorf den Rittersitz und den vier Freihufen in Gallun an Christoph von Thümen (* 1548, † 1598) auf Waltersdorf. Dabei wird auch der Vorbesitzer Friedrich von Glaubitz genannt. Christoph von Thümen war der Sohn des Heinrich von Thümen, Erbherr auf Löwenbruch, der aber in Trebbin wohnte und mit einer NN. von Redern verheiratet war. Heinrich von Thümen hatte 1553 das Dorf Waltersdorf von den von Liepe und den von Mittelstraß erworben. Christoph von Thümen war Hauptmann auf dem Amt Mühlenhof, und Oberschenk und Hofmarschall des brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg. Er war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Catharina von Hacken aus Machnow (Kleinmachnow) und in zweiter Ehe mit Eva von Samtleben aus dem Hause Samtleben. Christoph starb 1598, Erbe von Waltersdorf und Gallun war der Sohn Alexander Otto aus der ersten Ehe mit Catharina von Hacke. In den Stammtafeln wird er als Erbherr auf Waltersdorf, Gallun, Kallinchen und Töpchin bezeichnet.
Alexander Otto heiratete am 26. April 1599 Sabina von der Gröben, Tochter des Geheimen Rat und Oberkammerherrn Ludwig von der Gröben (1529–1601) auf Kotzeband (heute Bötzow), Meseberg und Dabergotz und der Anna von Oppen (1545–1593) adH Kossenblatt. 1599 erlaubte Wedigo Gans von Putlitz, kurfürstlich-brandenburgischer Hauptmann der Ämter Zossen und Trebbin dem Otto von Thümen die Anlage eines neuen Holzungsplatzes.
Otto starb schon 1604. Erben des Rittersitzes in Gallun und des Rittersitzes in Waltersdorf waren seine unmündigen Kinder, die Söhne Christoph Ludwig (* 2. Juni 1601 – 1660) und Eustachius († 1696) sowie die Tochter Melusine, die mit Manasse von Schlabrendorf auf Glienicke und Wassmannsdorf verheiratet war. Nach dem Tod ihrer Mutter Sabina von der Gröben 1620, teilten die Brüder Christoph Ludwig und Eustachius den väterlichen Besitz. Während Christoph Ludwig Gallun übernahm, bekam Eustachius Waltersdorf. Christoph Ludwig war Königlich-Schwedischer Rittmeister und war mit Maria Hedwig von Pfuel verheiratet. Er ließ in Gallun eine Kirche errichten. 1623 kaufte er die Mühle in Motzen Joachim Zernicke für 1.750 Taler. 1637 hatte Christoff Ludwig von Thümen zu Gallun Ärger mit dem Wassermüller Steffen Weber zu Mittenwalde wegen der Wasserführung der Mühle; der Streit musste durch kurfürstlich-brandenburgische Kommissarien verglichen werden. 1652 bekam Rittmeister Christoph Ludwig Ärger mit der Stadt Mittenwalde, weil er sein Vieh unberechtigterweise in der „Nassen Heide“ weiden ließ. Am 12. August 1658 beurkundete das Amt Zossen die Verpfändung von zwei Mühlen vor dem Dorf Motzen durch Joachim Ernst von Görtzke an Christoff Ludwig von Thümen zu Gallun auf die Dauer von 90 Jahren. Die Stammtafeln nennen ihn auch Erbherr von Zeesen.