Dornheim ist ein Stadtteil der südhessischen Kreisstadt Groß-Gerau.

Geographie Dornheim liegt rund 4 km südlich der Kernstadt von Groß-Gerau im Hessischen Ried. Dornheim hat eine eigene Gemarkung.

Aktuelle und historische Siedlungsplätze in der Gemarkung Quelle: Historisches Ortslexikon

Hof Am Felsenkeller Wüstung Breitenbach Wüstung Himmenhausen Riedhäuserhof

Geschichte mini |Ev. Kirche „St. Michael“ im Ortskern (2016) mini|Altes Dornheimer Rathaus mini|Denkmalgeschützte Alte Schule mini|Dornheimer Gänsehirte an der Alten Schule

Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung von Dornheim – als Thornheim – findet sich im Jahr 779 im Lorscher Codex: Eine Uoda schenkte ihr ererbtes Gut in Dornheim und weiteren Orten zu ihrem Seelenheil dem Kloster Lorsch.

In historischen Unterlagen findet sich Dornheim in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit den Schreibungen: Thorheimono, in terminis (818), Dornheim, villa (1184), Dornheym (1327) und Dornheim (1327).

Das in der Gemarkung sehr begüterte Kloster Eberbach unterhielt in Dornheim einen großen Wirtschaftshof, den 1159 als Villa Rihusen erwähnten Riedhäuserhof. Als weitere Grundbesitzer in Dornheim werden die Grafen von Katzenelnbogen, Kurmainz und Kurpfalz genannt.

Dornheimer Ortsadel ist seit dem 12. Jahrhundert bekannt. Bis zur Verpfändung an Graf Diether V. von Katzenelnbogen durch Wilhelm von Holland 1249 war Dornheim Reichsdorf; die Bewohner waren von Frondiensten befreit.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 25.

1479 starben die Grafen von Katzenelnbogen aus. Erben waren die Landgrafen von Hessen.

Frühe Neuzeit Das erste Gerichtssiegel, später Vorlage für das Wappen, wurde 1543 eingeführt.

Bei der Teilung der Landgrafschaft Hessen unter den Erben Philipp des Großmütigen 1567 gelangte Dornheim an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Noch deren erster Regent, Georg I., veranlasste, dass die von seinem Kanzler Johann Kleinschmidt zusammengestellte Sammlung Landrecht der Obergrafschaft Katzenelnbogen dort rechtsverbindlich wurde. Sie galt in Dornheim als Partikularrecht, subsidiär ergänzt um das Gemeine Recht, bis ans Ende des 19. Jahrhunderts.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 108f. und beiliegende Karte. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte zum 1. Januar 1900 das alte Partikularrecht außer Kraft.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Dornheim:

20. Jahrhundert Zeit des Nationalsozialismus Während der Reichspogromnacht und in den Folgetagen wurde die 1863 erbaute Synagoge in der Dornheimer Rheinstraße vollständig zerstört. Heute erinnert ein Steinblock an den ehemaligen Standort der Synagoge. Dieser trägt die Inschrift:An dieser Stelle stand die Dornheimer Synagoge.

1863 erbaut wurde sie 1938 unwürdig und frevelhaft zerstört. Wir gedenken der Opfer von Willkür und Unrecht. Die Kreisstadt Gross-Gerau

Verfassung Amts-System vor 1821 In der frühen Neuzeit waren auf unterster Ebene die Funktionen von Verwaltung und Rechtsprechung im „Amt“ vereinigt, so auch im Amt Dornberg, das bis 1821 bestand.

1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zum Großherzogtum Hessen. Hier lag Dornheim in der Provinz Starkenburg. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 wurden die alten Ämter aufgelöst. Für die Verwaltungsaufgaben auf der unteren Ebene wurden Landratsbezirke und für die erstinstanzliche Rechtsprechung Landgerichte eingerichtet.

Verwaltung nach 1821 Für die übergeordnete Verwaltung in Dornheim war nun der Landratsbezirk Dornberg zuständig. 1832 wurden die Verwaltungseinheiten im Großherzogtum weiter vergrößert und Kreise geschaffen. Dadurch gelangte Dornheim in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehörte Dornheim zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt, bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig war. Dort verblieb der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden die Gemeinden Dornheim, Wallerstädten und Groß-Gerau zum 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz zur neuen Stadt Groß-Gerau zusammengeschlossen. Ortsbezirke wurden nicht gebildet.

Gerichtsreformen In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen der beiden oberen Instanzen neu organisiert. Die Ämter blieben die erste Instanz der Rechtsprechung in Zivilsachen. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz für Zivilsachen eingerichtet. Zuständig war es erstinstanzlich auch für standesherrliche Familienrechtssachen und Strafsachen. Ihm übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Verwaltungsreform von 1821 wurden im Großherzogtum Hessen auch auf unterster Ebene Gerichte geschaffen, die von der Verwaltung unabhängig waren. Für Dornheim war nun das Landgericht Großgerau örtlich zuständig. Es wurde mit der Reichsjustizreform und Wirkung vom 1. Oktober 1879 vom Amtsgericht Groß-Gerau ersetzt.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Dornheim angehört(e)::

vor 1249: Heiliges Römisches Reich (reichsfreies Dorf) ab 1249: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Dornberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Dornberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Dornberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großgerau) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-GerauIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Groß-Gerau, Stadt Groß-GerauAm 1. Januar 1977 als Ortsteil zur Stadt Groß-Gerau.

Einwohnerentwicklung • 1629: 121 Hausgesesse • 1806: 836 Einwohner, 124 Häuser • 1829: 932 Einwohner, 138 Häuser • 1867: 1220 Einwohner, 185 Häuser

Religionszugehörigkeit • 1829: 867 lutheranische (= 93,03 %), 7 mennonitische (= 0,75 %), 52 jüdische (= 5,79 %) und 5 katholische (= 0,54 %) Einwohner • 1961: 2107 (= 82,69 %) evangelische, 390 (= 15,31 %) römisch-katholische Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten Regelmäßige Veranstaltungen 2016 nahm Dornheim wieder an der alle zwei Jahre stattfindenden Aktion „Der Kreis rollt“ teil. Die Fahrradroute verlief mitten durch den Ort, die B44 war für den Autoverkehr gesperrt. Viele Vereine und Institutionen beteiligten sich mit Ständen und Ausstellungen. Auch 2012 hatte Dornheim bereits teilgenommen.

Vereine mini|Riedhalle Dornheim mit den „3 Grazien“ und dem Vereinsbaum mini|Riedsportfeld 140px|Logo des Jugendtreffs Dornheim (Hessen)

Der Jugendtreff Dornheim ist ein fester Bestandteil der kommunalen Jugendarbeit der Kreisstadt Groß-Gerau. Die Sportgemeinde Dornheim 1886 e. V. (SG Dornheim) ist eine bedeutende Institution des Ortes und bietet für Groß und Klein ein Betätigungsfeld in den Sportarten Badminton, Fußball, Handball, Tennis, Tischtennis, Turnen, Wandern, sowie in Tanz- und Wintersport. Die Fußballabteilung der SG Dornheim spielt in der Kreisliga A Groß-Gerau. Rad & Rollsportverein „Frisch Auf“ 1908 e. V. Radtourenfahren, Kunstradsport in der Dreifeldhalle in Dornheim. Dornheim hat einen eigenen DRK-Ortsverein, der 1930 als ASB Dornheim gegründet wurde. Die Mitglieder des Ortsvereins leisten ehrenamtliche Arbeit u. a. bei Blutspendeaktionen, Sanitätsdienst, Katastrophenschutz und Hausnotruf. Die denkmalgeschützte „Alte Schule“ im Zentrum des Ortes beherbergt heute mehrere Einrichtungen und Vereine wie z. B. das DRK Dornheim, den Jugendtreff, die Chorgemeinschaft, die Krabbelgruppe „Tausendfüßler“ und einen Weltladen. Die Riedhalle ist Treffpunkt für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, darunter Tanzkurse und Abschlussbälle, Karnevalssitzungen und Kerb, Bastelmärkte sowie Blutspendetermine.

Verkehr mini|Denkmalgeschütztes Empfangsgebäude des Haltepunkts Groß Gerau-Dornheim

Dornheim liegt an der Bundesstraße 44 und ist im ÖPNV auch mit dem Bus zu erreichen.

Dornheim liegt weiter an der Bahnstrecke Mannheim–Frankfurt am Main („Riedbahn“). Es gibt hier den ehemaligen Bahnhof und heutigen Haltepunkt Groß Gerau-Dornheim. Dessen Empfangsgebäude ist ein Typenbau von 1905 in neobarocken Formen. Es ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes. S. 358. Der Haltepunkt dient der S-Bahn-Linie S7 der S-Bahn Rhein-Main.

Linie Verlauf Takt

Persönlichkeiten Geboren in Dornheim Gustav Pfannmüller (1873–1953), Theologe und Bibliothekar Heiner Kappel (* 1938), Politiker, Landtagsabgeordneter von 1983 bis 1999

mit Dornheim verbunden Karl Heumann (1804–1876), Landtagsabgeordneter und 1850 bis 1876 Pfarrer in Dornheim Lothar Skala (1952–2008), ehem. Fußball-Bundesliga-Spieler (Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt), ehem. Jugendspieler der SG Dornheim 1886 e. V. Ralf Raps (* 1960), ehem. Fußball-Bundesliga-Spieler (Eintracht Frankfurt, Hannover 96), ehem. Jugendspieler der SG Dornheim 1886 e. V. Marcel Jüngling (* 1996), Kunstradsportler, RRV Dornheim, Vize-Europameister Junioren 2014, Vize-Europameister Elite, 2018, 2022, Vize-Weltmeister Elite 2019, 2022

Literatur Günter Hackenschmidt: Dornheim im Ried. Lesebuch der Geschichte. Findoca-Verlag, Groß-Gerau 2017,

Weblinks

In: Private Website. Geschichte und Stadtteile. In: Webauftritt der Groß-Gerau.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise 2015: 2020:

Kategorie:Ort im Landkreis Groß-Gerau Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Groß-Gerau) Kategorie:Ersterwähnung 779 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977 Kategorie:Geographie (Groß-Gerau)