Der Sender Inselsberg ist eine Sendeanlage für UKW und digitales Fernsehen auf dem Großen Inselsberg im Thüringer Wald mit zwei Sendetürmen, die 1939 und 1974 errichtet wurden. Es wird nur noch der 1974 errichtete Sendeturm als solcher genutzt. Der 1939 erbaute Turm trägt keine Antenne mehr. Er beherbergt unter anderem eine Ausstellung zur Entwicklung des Fernmelde- und Funkwesens; weiterhin trägt er eine Solaranlage.

Geschichte Bereits 1937 begannen Mitarbeiter der Deutschen Reichspost mit technischen Versuchen rund um den Großen Inselsberg. Diese Arbeiten dauerten bis 1938, gleichzeitig wurde bereits ein Ingenieurbüro mit der Konstruktion eines Sendeturms beauftragt. Am 15. April 1939 war die Grundsteinlegung und bereits bei Kriegsbeginn im September 1939 war dieser im Rohbau fertiggestellt. Auf der Baustelle waren 200 Monteure und Arbeiter in Tag- und Nachtschichten im Einsatz. Dieses 1939 errichtete Gebäude ist ein 43 Meter hoher freistehender zylindrischer Turm in Stahlbetonbauweise, der noch bis Kriegsende als Funksende- und Überwachungsstelle für militärische Zwecke genutzt wurde. Das Gelände wurde im April 1945 geräumt und stand monatelang ohne Bewachung, was zu Plünderungen führte. Mit Zustimmung der russischen Militärverwaltung entstand in der 8. Etage eine Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes, zunächst als provisorische Mess- und Beobachtungsstelle genehmigt.

Danach diente der Turm noch einige Jahre als Aussichtsturm. Im Jahre 1952 begannen die Instandsetzungsarbeiten im Auftrag des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen der DDR. Bereits im Mai 1953 konnte in der fünften Etage ein erster, 250 Watt starker UKW-Sender mit einem Testprogramm in Betrieb genommen werden. Zu seiner Versorgung musste eine neue Wasser- und eine Stromleitung zum Turm verlegt werden. Auch zwei Notstromaggregate erhielt der Sender zur Überbrückung von Sperrzeiten und technischen Ausfällen. Der reguläre Sendebetrieb des ersten thüringischen UKW-Senders begann am 15. Juni 1953 auf der Sendefrequenz 94 Megahertz.In dieser „Pionierzeit“ des Senders mussten die Sendetechniker und Ingenieure mit heute unvorstellbaren Bedingungen zurechtkommen, so gab es noch keine Dienstwohnungen auf dem Berg, der Schichtdienst und der Weg von und zur Arbeit gestaltete sich bei winterlicher Witterung zum Abenteuer. Bereits im Dezember 1953 wurde die Sendeleistung durch technische Verbesserungen an der Anlage um 1 Kilowatt erhöht, dies vergrößerte die Reichweite. Im Dezember 1954 wurde der Fernsehsender auf den Berg transportiert.

Seit 1955 wurden umfangreiche bauliche Vorbereitungen für den Aufbau den eines neuen Antennenträgers in Angriff genommen. Im Turm wurde die Kohleheizung ausgebaut und eine Ölheizung installiert, nun konnten alle Senderäume mit Klimaanlagen ausgestattet werden. Am Rande des Postgeländes wurde ein unauffälliger Flachbau als Unterkunft mit 18 Wohneinheiten für Betriebs- und Wartungspersonal aufgebaut.

Vom DDR-Ministerrat wurde 1967 die Bereitstellung der Senderteile und der 126 m hohen Antennenanlage für das Zweite Fernsehprogramm auf dem Inselsberg bewilligt. Die mit einer technischen Generalüberholung der Sendetechnik des Inselsberges gekoppelte Baumaßnahme war mit 25,5 Millionen DDR-Mark veranschlagt.

Von 1957 bis 1989 trug der Turm, ähnlich wie der Gerbrandytoren, auf seiner Spitze einen am Erdboden abgespannten 50 Meter hohen Antennenmast. Die Gesamthöhe betrug somit 93 Meter. An dem Antennenmast waren verschiedene Sendeantennen für Radio und Fernsehen installiert. Heute ist dieser Antennenmast demontiert, stattdessen zieren nur noch kleine Antennen für Mobilfunk seine Spitze. Wegen seiner zylindrischen Form trägt der Turm auch den Spitznamen „Thermosflasche“.

Ein zweiter Turm wurde in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, in Verbindung mit dem Aufbau des Schmalbandrichtfunknetzes des ZK der SED, errichtet. Über ihn wurden Richtfunkverbindungen zwischen den südlichen Bezirken der DDR und in den 1960er Jahren zu den Kreisleitungen der Partei hergestellt.

Am 15. August 1972 begannen die Montage- und Schweißarbeiten für die sogenannte Bock-Konstruktion – das Basisgestell des neuen Sendeturms. Alle übrigen Sendeturmteile wurden von unten, mittels vier vorhandener Hubvorrichtungen in die Höhe geschoben, die Spitze des Trägerturmes zuerst. Hierbei kam als Nivellierhilfe ein Rubinlaser zum Einsatz. Am 28. November 1972 war der Antennenturm im Rohbau fertiggestellt, nach technischer Inspektion wurde die Aluverkleidung montiert. Am 26. Juli 1974 nahm der Sender den Betrieb auf.

Der neue, 1974 errichtete Sendeturm ist ein freistehender 126,2 Meter hoher Stahlrohrturm, der auf vier Füßen steht. Dieser Turm, der in seiner Bauweise dem etwa zum gleichen Zeitpunkt auf dem Brocken errichteten neuen Sendeturm entspricht, trägt heute oberhalb seiner Fuße auf drei Plattformen Richtfunkantennen und im oberen Teil seiner Konstruktion Sendeantennen für UKW-Hörfunk und digitales Fernsehen (DVB-T). Die TV-Antennen sind geschützt durch Ummantelungen aus GFK.

Im Jahre 1991 wurde das Tilgerpendel in der Turmspitze des Sendeturmes mittels des Transporthubschraubers Mil Mi-8 der Firma Berliner Spezialflug (BSF) ausgewechselt.

Zugunsten der Umstellung auf DVB-T wurden die analogen TV-Kanäle ARD (100 kW auf Kanal 5) und MDR Fernsehen (500 kW auf Kanal 31) am 1. Juli 2008 eingestellt. Am 14. Januar 2025 beenden der MDR und das ZDF die DVB-T2 HD-Verbreitung am Standort Inselsberg.

Reichweite Der Sender Inselsberg hat eine für hohe Reichweiten exponierte topographische Lage am Nordrand des Thüringer Waldes. Das Sendegebiet reicht neben dem westlichen und mittleren Thüringen vom nördlichen Baden-Württemberg über das gesamte Nordbayern, bis nach Nordrhein-Westfalen. Auch in Teilen von Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sind die vom Großen Inselsberg abgestrahlten Programme zu empfangen. Im Norden endet das Sendegebiet in Niedersachsen in der Nähe von Hannover.

Die reichweitenstärkste Frequenz ist aufgrund geringerer Störung durch benachbarte Frequenzen die 90,2 MHz. Man kann sie über das reguläre Einzugsgebiet hinaus von Hannover über Halle/Leipzig, Saalfeld, das nördliche Franken sowie in Frankfurt und im mittelhessischen Bergland hören.

Frequenzen und Programme Analoges Radio (UKW) Beim Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Strahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad angegeben. In UKW werden folgende Programme ausgestrahlt:

Frequenz (MHz) Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP (kW) Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) 92,5 MDR Thüringen MDR_THUE D4F1 Erfurt 80 ND H 90,2 MDR JUMP MDR_JUMP D3C2 – 80 ND H 87,9 MDR Kultur __MDR___/_KULTUR_ D3C3 – 49 ND H 97,2 Deutschlandfunk Kultur Dlf_Kult D220 – 100 ND H 102,2 Antenne Thüringen AT-WEST_, ANT.THUE D4F8 (regional), D3F8 West 100 ND H 104,2 Landeswelle Thüringen LANDESW. D4F9 (regional), D3F9 West 100 D (310°-110°, 170°-240°) H

Digitales Radio (DAB) mini|Ehemalige, gerichtete Sendeantenne VHF

Vom 4. Januar 2010 bis 11. Dezember 2014 lief DAB in Thüringen als Insellösung (DAB-Kanal 12B). Dadurch wurden einige Senderstandorte abgeschaltet. Am 1. August 2011 wurden weitere MDR Hörfunkprogramme auf das Ensemble aufgeschaltet. Zum 2. April 2013 wurde die DAB-Sendeanlage aus dem weiter bestehenden Altnetz DAB-Kanal 12B herausgenommen. Es erfolgte die Inbetriebnahme des DAB-Kanal 9C (regionaler Multiplex des MDR) und verminderter Sendeleistung im Gleichwellenbetrieb mit dem Sender Weimar (Ettersberg). Gleichzeitig wird die alte Sendeanlage für den Sendebetrieb des DAB-Kanal 5C (bundesweiter Multiplex) weiterverwendet.

Die derzeit vorhandene Sendeantenne lässt nur eine gerichtete Abstrahlung in Richtung West-Nord-Ost-Südost zu. Im Zuge der Restrukturierung auf eine einheitliche Frequenz für Thüringen, im Dezember 2014, wurde der DAB Block 9C auf den Block 8B gewechselt.

DAB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt.

Block Programme(Datendienste) ERP (kW)Antennen- diagrammrund (ND),gerichtet (D)Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V)Gleichwellennetz (SFN) 5CDRDeutschland(D__00188) DAB+ Block der Media Broadcast: 5 ND V 5DAntenne DE(D__00364) 5 ND V 8BMDR Thueringen(D__00229) DAB+ Block des MDR: 10 ND V 12BDAB Thueringen DAB+ Block der TLM 10 ND V

ehemaliger DAB-Multiplex Kanal 12B (Thüringen) 4. Januar 2010 bis 11. Dezember 2014 Block Programme(Datendienste) ERP (kW)Antennen- diagrammrund (ND),gerichtet (D)Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V)Gleichwellennetz (SFN) 12B K12 Thue(D__00015) Deutschlandfunk (128 kbps) Deutschlandradio Kultur (128 kbps) DRadio Wissen (64 kbps, Mono) Dokumente und Debatten (48 kbps, Mono) MDR Jump (DAB+, 88 kbps) MDR Figaro (DAB+, 88 kbps) MDR Sputnik (DAB+, 88 kbps) MDR Info (DAB+, 72 kbps) MDR Klassik (DAB+, 96 kbps) MDR Thüringen – Das Radio (Erfurt) (DAB+, 88 kbps) MDR Thüringen – Das Radio (Gera) (DAB+, 88 kbps) ERF Plus (DAB+, 72kbps) 0,5 D V Gera-Ronneburg, Ilmenau (Kickelhahn), Sender Inselsberg, Jena (Oßmaritz-Cospoth), Lobenstein (Sieglitzberg), Suhl (Erleshügel) ehemaliger DAB-Multiplex Kanal 9C (Thüringen) bis 11. Dezember 2014 Block Programme(Datendienste) ERP (kW)Antennen- diagrammrund (ND),gerichtet (D)Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) 9CThueringen(D__00233) 5(plan 10) D(plan ND) V

Digitales Fernsehen (DVB-T2 HD) Die Umstellung des Senders Inselsberg auf den Standard DVB-T2 HD mit HEVC Bildcodierung war am 28. November 2018. Auf drei Kanälen wurde je ein Programmpaket (Bouquet), teilweise im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Standorten, gesendet. Am 14. Januar 2025 wurde der Sendebetrieb von DVB-T2, aus kostengründen, gänzlich eingestellt.

freenet TV, die kostenpflichtige DVB-T2-HD-Plattform von Media Broadcast, wurde hier nicht ausgestrahlt.

Kanal Fre­quenz (MHz) Multiplex Programme im Multiplex ERP (kW) An­tennen­dia­grammrund (ND)/gerichtet (D) Polari­sationhori­zontal (H) /vertikal (V) Modu­lations­ver­fahren FEC Guard­inter­vall Bitrate (MBit/s) Gleichwellennetz (SFN) 27 522 MDR 1 (ARD) Das Erste HD tagesschau24 HD MDR Sachsen HD MDR S-Anhalt HD MDR Thüringen HD NDR FS NDS HD rbb Brandenburg HD SWR BW HD 50 ND V 64-QAM 3/5 19/256 23,6 Erfurt-Windischholzhausen, Weimar (Großer Ettersberg), Jena (Kernberge), Gera, Inselsberg 39 618MDR 2 (ARD) arte HD PHOENIX HD ONE HD BR Fernsehen HD hr-fernsehen HD WDR HD Köln ARD-alpha HD (Internet)  SWR BW HD (Internet)  50 ND V 64-QAM 3/5 19/256 23,6 Inselsberg 41 634 Substream 0: ZDF

(ZDFmobil)

Substream 1: MEDIA BROADCASTSubstream 0: ZDF HD ZDFinfo HD zdf_neo HD 3sat HD KiKA HD Substream 1: freenet.TV connect 50 ND V 64-QAM 3/5 19/128 22 Erfurt-Windischholzhausen, Weimar (Großer Ettersberg), Jena (Kernberge), Inselsberg Für den Empfang von ARD-alpha HD (Internet) und SWR BW HD (Internet) ist ein hbb-TV fähiges Endgerät erforderlich.

Digitales Fernsehen (DVB-T) Die DVB-T-Ausstrahlungen vom Mitteldeutschen Rundfunk am Großen Inselsberg liefen seit 1. Juli 2008 und wurden mit dem Wechsel auf das DVB-T2HD-Verfahren am 28. November 2018 eingestellt.

Kanal Frequenz (MHz) Multiplex Programme im Multiplex ERP (kW) Antennendiagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) Modulations-verfahren FEC Guard-intervall Bitrate (MBit/s) SFN 53 730 ARD Digital (MDR) Das Erste (MDR) ARTE Phoenix One 50 ND V 64-QAM  2/3 1/4 19,91 – 48 690 ARD regional (MDR Thüringen) MDR Fernsehen (Thüringen) rbb Fernsehen (Brandenburg) Bayerisches Fernsehen (Franken) hr-fernsehen 50 ND V 64-QAM  2/3 1/4 19,91 – 50 706 ZDFmobil ZDF 3sat ZDFinfo KiKA (6–21 Uhr) / ZDFneo (21-6 Uhr) 50 ND V 16-QAM (8-k-Modus) 2/3 1/4 13,27 –

Analoges Fernsehen Bis zur Umstellung auf DVB-T wurden folgende Programme in analogem PAL gesendet: