Der Begriff Eukatastrophe (Wendung zum Guten) wurde von J. R. R. Tolkien geprägt. Er verwendete ihn in einem Brief an seinen Sohn Christopher Tolkien.Tolkien Briefe. Stuttgart 1991, S. 134–136
Das aus dem Griechischen stammende Wort καταστροφή katastrophḗ (Wendung zum Niedergang) bedeutet verbunden mit der griechischen Vorsilbe ευ- eu- (wohl, gut, richtig, leicht) die positive Wendung eines Ereignisses. Eukatastrophe bedeutet also „gute Katastrophe“ oder „gute Wendung“. Im literarischen Sinne ist die Eukatastrophe das Gegenteil der Tragödie bzw. der tragischen Wendung. Es bedeutet aber auch die Abwendung vom Egoismus hin zur Versöhnung.
Eukatastrophe versus Bekehrung „Tolkien beschreibt eine Naturnotwendigkeit. Der Mensch wird sich auf eine Weise bekehren, indem er seine Handlungsweise den universellen Naturgesetzen anpasst. Es ging Tolkien um nichts Geringeres als darum, die Welt noch einmal zu schaffen, mit einem eigenen Schöpfungsmythos, einer eigenen Geographie und erdachten, nicht menschlichen Populationen, die je ihre eigene Sprache sprechen mit einem eigenen Vokabular und einer eigenen grammatischen Logik. Dieser Aufwand war notwendig, um die moderne Welt von etwas zu überzeugen, das es eigentlich gar nicht mehr geben konnte: den möglichen Sieg über die böse Macht.“ Cordelia Spaemann: Tolkiens christliche Botschaft. 1992 im zehnten Band von Inklings.
Eukatastrophe versus Errettung Ausführlicher hat Tolkien seine Ansicht im Aufsatz Über Märchen ausgeführt, bereichert um die Theorie der Eukatastrophe, der überraschenden Wendung zum Guten, … „Und eines dieser Wunder ist die grösste und vollständigste Eukatastrophe, die man sich denken kann. Diese Erzählung ist in die Geschichte und in die Primärwelt eingegangen: Wunsch und Ehrgeiz der Zweitschöpfung ist zur Erfüllung des Schöpfungswerkes erhoben worden. Christi Geburt ist die Eukatastrophe der menschlichen Geschichte.“aus Lewis’ Bekehrung, Die Rolle Tolkiens Tolkien beschreibt zudem, wie aus einer vergleichsweise geringen anfänglichen Chance, eine äußerst komplexe Dynamik entstehen kann. mini| Biblische Schöpfung als Eukatastrophe
Eukatastrophe versus Schöpfung Im Gegensatz zu der realen Welt setzen „zweitgeschöpfte“ Sekundärwelten nach Ansicht Tolkiens neue Maßstäbe. Ist die Geschichte über eine Sekundärwelt schlecht, so wird irgendwann der Unglauben wieder aufkommen (Katastrophe) und der Leser in die „Primärwelt“ zurückkehren. Ist die Geschichte jedoch gut und spendet Trost und Hoffnung (Eukatastrophe), wird der sich darauf Einlassende in der „Sekundärwelt“ verweilen. Tolkien hält das Schöpfen bzw. Erschaffen für eine zutiefst menschliche Eigenschaft und für ein Bedürfnis, das gestillt werden muss.
Siehe auch Anastrophe (Soziologie) Happy End
Einzelnachweise
Kategorie:J. R. R. Tolkien Kategorie:Katastrophen