Die Großsteingräber bei Leetze sind eine Gruppe von ursprünglich neun megalithischen Grabanlagen der jungsteinzeitlichen Tiefstichkeramikkultur bei Leetze, einem Ortsteil der Gemeinde Kuhfelde im Altmarkkreis Salzwedel, Sachsen-Anhalt. Von diesen sind heute noch acht weitgehend erhalten. Das neunte Grab wurde im 19. Jahrhundert zerstört. Drei Gräber wurden 1938–39 unter Leitung von Ulrich Fischer archäologisch untersucht.
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] } Die Großsteingräber liegen im Wötz, einer Wüstung nahe Leetze auf einer ca. 1100 m langen, meridional verlaufenden Linie. Grab 1 ist die nördlichste erhaltene Anlage. Grab 2 liegt 140 m südlich von Grab 1 und Grab 3 weitere 60 m südöstlich. Grab 4 liegt 170 m südsüdöstlich von Grab 3 und Grab 5 weitere 85 m südlich. Wiederum 360 m südlich folgt Grab 6. Grab 7 liegt 220 m südsüdöstlich hiervon und Grab 8 schließlich weitere 80 m südwestlich.
Nach Untersuchungen von Johann Friedrich Danneil im Jahr 1843 setzte sich diese Linie nach Norden hin fort und umfasste noch ein weiteres Grab im Wötz, das etwa 30 Schritt (ca. 23 m) nordwestlich von Grab 1 lag, sowie mindestens sieben Gräber in Wallstawe. Diese wurden aber bereits Ende des 19. Jahrhunderts zerstört.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 91–92.
3,1 km südsüdwestlich der Gräber bei Leetze befindet sich das Großsteingrab Bierstedt.
Forschungsgeschichte Die Gräber wurden erstmals 1843 durch Johann Friedrich Danneil beschrieben. Eduard Krause und Otto Schoetensack stellten Anfang der 1890er Jahre bei einer erneuten Aufnahme der Großsteingräber der Altmark fest, dass das nördlichste Grab bei Leetze in der Zwischenzeit zerstört worden war. Die restlichen Anlagen waren hingegen noch in gutem Zustand. Einige im Wald gelegene Gräber waren durch den Gutsbesitzer durch Wege zugänglich gemacht worden.
Grab 1 stand 1938 kurz vor seiner Zerstörung, eine Mitteilung an die zuständigen Behörden führte jedoch schnell zu archäologischen Untersuchungen an den Gräbern 1 und 4 durch das Landesmuseum für Vorgeschichte (damals Landesanstalt für Volkheitskunde) in Halle (Saale) unter Leitung von Ulrich Fischer, die mit der Rekonstruktion von Grab 1 endeten. Im folgenden Jahr wurde zudem Grab 6 ergraben und rekonstruiert.
2003–04 erfolgte eine weitere Aufnahme und Vermessung aller noch existierenden Großsteingräber der Altmark als Gemeinschaftsprojekt des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, des Johann-Friedrich-Danneil-Museums Salzwedel und des Vereins „Junge Archäologen der Altmark“.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 11.
Für die Gräber existieren unterschiedliche Nummerierungen. Für die erhaltenen Gräber werden im Folgenden die Fundplatznummern verwendet, für das zerstörte die Nummer, mit der Krause und Schoetensack es versahen.
offizielle Nr. Danneil (1843) Krause/Schoetensack (1893) Beier (1991) Anmerkungen – D 70 KS 106 1 zerstört Fpl. 1 D 71 KS 107 2 erhalten Fpl. 2 D 72 KS 108 3 erhalten Fpl. 3 D 73 KS 109 4 erhalten Fpl. 4 D 74 KS 110 5 erhalten Fpl. 5 D 75 KS 111 6 erhalten Fpl. 6 D 76 KS 112 7 erhalten Fpl. 7 D 77 KS 113 8 erhalten Fpl. 8 D 78 KS 114 9 erhalten
Beschreibung Die erhaltenen Gräber Grab 1 mini|Großsteingrab Leetze 1 mini|Grundriss des Grabes Leetze 1 nach Krause/Schoetensack Grab 1 ist ein Großdolmen im Rundhügel. Der Grabhügel besteht aus einer Steinschüttung; er hat einen Durchmesser von 11 m und eine Höhe von 0,9 m. Eine Einfassung ist nicht vorhanden. Die Kammer bestand aus neun Tragsteinen, von denen noch sieben erhalten sind, sowie drei komplett erhaltenen Decksteinen. Ein Deckstein wurde bei der Ausgrabung im Jahr 1938 außerhalb der Kammer gefunden. Heute liegt nur ein Deckstein auf den Tragsteinen auf. Er misst 2,2 m × 1,0 m × 0,8 m. Die Räume zwischen den Tragsteinen waren mit Sandsteinplatten verfüllt. Der Tragstein der nördlichen Schmalseite ist niedriger als die anderen und besitzt einen geraden oberen Abschluss. Er bildet den Zugang ins Kammerinnere. Die Kammer liegt im Zentrum des Hügels und ist Nord-Süd orientiert. Sie ist rechteckig und besitzt die Innenmaße 3,8 m × 1,4 m. Ihre Höhe beträgt 1,6–1,7 m.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 91.
Fischer entdeckte in der Kammer eine sorgfältige Pflasterung aus rotem Sandstein. Darüber folgte eine Ascheschicht, die kleine Knochensplitter (wohl die Reste der Beigesetzten) sowie mehrere verzierte Scherben enthielt. Letztere ließen sich der Tiefstichkeramik zuordnen. Über der Ascheschicht folgte eine Schicht aus Granit-Grus. Auf dieser lagen Gefäßreste der Tiefstichkeramik, ein Feuersteinbeil und die Reste eines Skelettes, das nach neueren Radiocarbonuntersuchungen aus einer Nachbestattung stammt, die zwischen 2400 und 2100 v. Chr. und damit etwa 1000 Jahre nach Errichtung der Anlage erfolgte.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 92.
Grab 2 mini|Großsteingrab Leetze 2 mini|Grundriss des Grabes Leetze 2 nach Krause/Schoetensack Grab 2 ist nach Hartmut Bock, Barbara Fritsch und Lothar Mittag ein Großdolmen, nach Hans-Jürgen Beier hingegen ein Großdolmen oder ein Ganggrab. Der Grabhügel ist oval und hat eine Höhe von 0,8 m. Die Grabeinfassung ist nordwest-südöstlich orientiert; sie hat eine Länge von 12,5 m und eine Breite von 7 m. Sie hatte ursprünglich wahrscheinlich eine ovale Form. Heute sind noch 14 Einfassungssteine erhalten. Nordwestlich vor der Einfassung liegen zwei umgekippte Steine (vermutlich Wächtersteine), einer von ihnen misst mindestens 2 m hoch. Sie deuten darauf hin, dass die Einfassung vielleicht größer war.
Auch die Grabkammer ist nordwest-südöstlich orientiert und liegt im nordwestlichen Teil der Einfassung. Sie bestand ursprünglich aus zehn Tragsteinen, von denen noch acht erhalten sind, sowie vier Decksteinen, die alle erhalten sind. Der größte Deckstein misst 2,0 m × 1,1 m × 0,6 m. Die Kammer ist rechteckig und besitzt die Innenmaße 5,5 m × 1,7 m.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 95.
Grab 3 mini|Großsteingrab Leetze 3 mini|Grundriss des Grabes Leetze 3 nach Krause/Schoetensack Grab 3 ist nach Hartmut Bock, Barbara Fritsch und Lothar Mittag ein Großdolmen, nach Hans-Jürgen Beier hingegen ein Großdolmen oder ein Ganggrab. Der Grabhügel ist länglich und hat eine Höhe von 0,7 m. Er befand sich ursprünglich innerhalb der Einfassung ist aber mittlerweile darüber hinaus geflossen. Die Grabeinfassung ist nord-südlich orientiert; sie hat eine Länge von 28,7 m und eine Breite von 8,1–8,9 m. Sie hat annähernd rechteckige Form und besteht heute noch aus 33 Steinen, die zwischen 1 m und 1,5 m aus dem Boden ragen. Zwei von ihnen sind zersprungen. An den Ecken der Einfassung standen Wächtersteine. Drei von ihnen sind erhalten. Sie haben eine Höhe von 2,8 m. Der fünfte Einfassungsstein der Ostseite besitzt zwei Rinnen und zwei Schälchen.
Auch die Grabkammer ist nord-südlich orientiert und liegt im nördlichen Teil der Einfassung. Sie bestand ursprünglich aus 10 Tragsteinen sowie vier Decksteinen, von denen noch drei erhalten sind. Die beiden größten Decksteine messen 2,0 m × 1,0 m × 0,3 m bzw. mindestens 1,9 m × 1,5 m × 0,5 m. Die Kammer ist rechteckig und besitzt die Innenmaße 6,8 m × 2,5 m.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 98–99.
Grab 4 mini|Großsteingrab Leetze 4 mini|Grundriss des Grabes Leetze 4 nach Krause/Schoetensack Grab 2 ist nach Hartmut Bock, Barbara Fritsch und Lothar Mittag ein Großdolmen, nach Hans-Jürgen Beier hingegen ein Großdolmen oder ein Ganggrab. Der Grabhügel besteht aus einer Steinschüttung und ist von ovaler Form. Er ist 11 m lang und 8 m breit, seine Höhe beträgt 0,5 m. Größe und Form der Einfassung lassen sich nicht bestimmen, da nur zwei Steine erhalten sind. Die Grabkammer ist nord-südlich orientiert. Sie bestand ursprünglich aus 12 Tragsteinen (sieben erhalten) sowie fünf Decksteinen. Von Letzteren waren bei Fischers Grabungen 1938 noch drei erhalten, mittlerweile sind es nur noch zwei. Die Steine bestehen aus Gneis und Granit. Die vorhandenen Decksteine messen 2,3 m × 1,5 m × 0,5 m bzw. 1,7 m × 1,2 m × 0,5 m. Der Zugang ins Innere der Grabkammer konnte nicht eindeutig bestimmt werden. Vielleicht lag er in der Mitte der WestseiteZeichn. J. Preuß 1980. Die Kammer selbst ist birnenförmig und hat eine Länge von 6,4 m. Ihre Breite schwankt zwischen 1,4 m und 2,8 m. Ihre Höhe betrug 1938 mindestens 1,3 m, heute sind es noch etwa 0,9 m.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 101.
Wie in Grab 1 fand Fischer auch in Grab 4 eine Sandsteinpflasterung vor, die aber weniger sorgfältig gearbeitet war. Darüber befand sich wiederum einer Schicht aus Granit-Grus, auf der einige Feuersteinabschläge und zwei schlecht erhaltene menschliche Langknochen gefunden wurden.Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. 2006, S. 103.
Grab 5 mini|Großsteingrab Leetze 5 mini|Grundriss des Grabes Leetze 5 nach Krause/Schoetensack Grab 2 ist nach Hartmut Bock, Barbara Fritsch und Lothar Mittag ein Großdolmen, nach Hans-Jürgen Beier hingegen ein Ganggrab. Der Grabhügel ist länglich und hat eine Höhe von 0,7 m. Er befand sich ursprünglich nur innerhalb der Einfassung ist aber mittlerweile darüber hinaus geflossen. Die Grabeinfassung ist nordnordwest-südsüdöstlich orientiert; sie hat eine Länge von 24 m und eine Breite von 5,0–6,5 m. Sie ist trapezförmig und besitzt noch 34 von ursprünglich wahrscheinlich 37 Steinen. An den Ecken der Einfassung stehen Wächtersteine. Ihre Maße betragen 2,5 m × 1,7 m × mindestens 0,8 m (SO-Ecke), 3,0 m × 1,7 m × 0,8 m (SW-Ecke), 2,1 m × 1,4 m × 0,7 m (NO-Ecke) und 1,8 m Höhe (NW-Ecke, Länge und Breite nicht feststellbar).