Franz Kobler (geboren 28. Dezember 1882 in Jungbunzlau, Österreich-Ungarn; gestorben 12. Mai 1965 in Berkeley, Kalifornien) war ein österreichisch-US-amerikanischer Jurist, Schriftsteller und Publizist böhmisch-jüdischer Herkunft.
Leben Franz Kobler wurde als Sohn des Großkaufmanns Josef Kobler und dessen Frau Katharina in eine jüdische Familie geboren. Er besuchte das Gymnasium in Jungbunzlau und nahm 1900 in Prag das Jurastudium auf. Nachdem er sich schon als Gymnasiast im Sinn des Zionismus engagiert hatte, trat er in Prag der zionistischen Studentenverein Bar Kochba bei. 1902 wechselte er an die Universität Wien und setzte ab 1903 seine Studien in Berlin fort, wo er auch bei Georg Simmel Soziologie hörte und seine Frau Dora Feigenbaum kennenlernte. Er wurde 1906 an der Deutschen Universität Prag in Rechtswissenschaften promoviert. Kobler lebte anschließend als Rechtsanwalt in Wien. Ab 1909 gab er eine in dreizehn Bänden erscheinende Reihe von juristischen Abhandlungen mit dem Titel „Das Recht. Sammlung von Abhandlungen für Juristen und Laien“ heraus. Er gehörte zu den Gründern der Freien Juristische Vereinigung und wirkte in der Gesellschaft für Soziales Recht mit, die der Sozialpolitiker und Rechtsphilosoph Julius Ofner gegründet hatte.
Nach dem Ersten Weltkrieg war er kurzzeitig Präsident des von Robert Müller gegründeten Bundes der geistig Tätigen sowie von 1919 bis 1920 Schriftleiter von dessen Zeitschrift Der Strahl. Er wurde als Pazifist für den Bund der Kriegsdienstgegner tätig, in dessen Auftrag er unter dem Titel Gewalt und Gewaltlosigkeit das Handbuch des aktiven Pazifismus herausgab. Der Sammelband enthielt unter anderem Beiträge von Mahatma Gandhi, Romain Rolland und Stefan Zweig.
Kobler und seine Frau Dora führten ein intensives gesellschaftliches Leben und versammelten bei Gesellschaften in ihrem Heim Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft wie Felix Braun, Hans Kelsen, den jungen Viktor Matejka, Otto Stoessl oder Ernst Waldinger. Er engagierte sich in jüdischen bzw. zionistischen Organisationen wie dem zionistischen Landeskomitees für Österreich und dem Herzl-Klub. Außerdem gehörte er der internationalen B’nai-B’rith-Loge an. Er publizierte in pazifistischen und zionistischen Zeitschriften wie Der Friede und Die Stimme. Im Rahmen seiner historischen Forschungen zum Judentum gab er in den 1930er Jahren zwei Briefanthologien heraus.
Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden er und sein Sohn Richard im März 1938 verhaftet und kam erst drei Monate später frei. Er emigrierte noch im selben Jahr in die Schweiz, wobei er seine Bibliothek und seine wertvolle Kunstsammlung zurücklassen musste, und im März 1939 nach Großbritannien, wo er unter anderem Sekretär des Free Austrian PEN-Club war. Er unterrichtete am Institute of Jewish Learning und gehörte dem Cultural and Legal Advisory Committee der britischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses an. Gemeinsam mit Franz Rudolf Bienenfeld arbeitete er an den Rechtsgrundlagen für die späteren Nürnberger Prozesse.
1947 folgten Franz und Dora Kobler ihrem bereits in Kalifornien lebenden Sohn in die Vereinigten Staaten. Hier widmete sich Franz Kobler weiter historischen Arbeiten über das Judentum. Er starb 1965 in Berkeley im Alter von 82 Jahren.
Hauptwerke Einleitung (Essay) zu Kant‘s Zum ewigen Frieden, verfasst Wien 1917 im Weltkrieg, veröffentlicht in Leipzig. Gewalt und Gewaltlosigkeit. Handbuch des aktiven Pazifismus. 1928. Recht und Unrecht der Ausweisung. Dargestellt auf Grund der österreichischen Gesetzgebung und Praxis. o. J., Neuauflage Wien 1931. Juden und Judentum in deutschen Briefen aus drei Jahrhunderten, 1935. Jüdische Geschichte in Briefen aus Ost und West. Saturn Verlag, Wien 1938. Das Zeitalter der Emanzipation, 1938. Letters of Jews Through the Ages, 1952. The Vision Was There. A History of the British Movement for the Restoration of the Jews to Palestine, Lincolns-Prager, London 1956. Napoleon and the Jews, Massada Press, Jerusalem 1976. Von Sonnenfels bis Kelsen. Jüdische Rechtsgelehrte in Österreich (o. J.)
Literatur Kobler, Franz. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 14: Kest–Kulk. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2006, ISBN 3-598-22694-2, S. 122–129. Kobler, Franz. In: Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 2: J–R. Hrsg. von der Österreichische Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 698. Evelyn Adunka: Franz Kobler (1882–1965): Rechtsanwalt und Historiker. In: Menora 5/1994. Piper Verlag, München 1994, S. 97–121.
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