Entre Rios (deutsch: zwischen Flüssen, amtlich ) ist ein Bezirk des Munizips Guarapuava im Bundesstaat Paraná in Brasilien.

Entre Rios wurde 1951 durch donauschwäbische Familien, die als Jugoslawiendeutsche zunächst nach Österreich geflohen oder vertrieben worden waren, nach dem 2. Weltkrieg gegründet. mini|Wappen der Donauschwaben miniatur|Entre Rios, Colônia Cachoeira. Vorne die lutherische Kirche der IECLB-Gemeinde und hinten die katholische Kirche. miniatur|Entre Rios, typisch deutsche Architektur miniatur|Kindergarten in Entre Rios miniatur|Entre Rios, Feld in der Colônia Samambaia

Geschichte Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich im Jahr 1951 donauschwäbische Auswanderer in Entre Rios an. Die ansässigen Großgrundbesitzer waren zuvor enteignet und entschädigt worden, die circa 500 indigenen Landarbeiter vertrieben worden.

Die „Schweizer Europahilfe“ stellte den circa 250 Familien einen Betrag von circa 9 bis 10 Mio. Schweizer Franken für Landkauf, Transporte, Ankauf von Maschinen und Aufbau der Siedlung zur Verfügung. Auch in Brasilien selbst gab es für die Kolonisation Unterstützung. Die insgesamt 7 Transporte wurden von drei Nonnen aus dem Kanton Graubünden begleitet, die später auch im Bereich des Schul- und Gesundheitswesens von Entre Rios wirkten. Bis 1954 verließen 60 der 250 Siedlerfamilien die Kolonie aus Not und Enttäuschung von der autoritären Führung. Im Jahr 1959 zog sich die Schweiz aus dem Projekt zurück.

Der Bezirk Distrito de Entre Rios wurde am 27. Juni 1962 durch das Staatsgesetz Lei Estadual n.º 4.583 gegründet.

Die Siedlung umfasst fünf Dörfer (Vitória, Jordãozinho, Cachoeira, Socorro und Samambaia), deren Bewohner hauptsächlich von der Landwirtschaft leben. Sie sind größtenteils in der Genossenschaft Agrária organisiert, die um die 570 Mitglieder und über 1000 Mitarbeiter hat. Angebaut wird hauptsächlich Mais, Soja, Weizen, Braugerste und Hafer. Die Siedler gründeten eine eigene Schule, heute Kaiserin Leopoldina Schule genanntColégio Imperatiz Dona Leopoldina sowie ein Krankenhaus (Hospital Semmelweis) und unterhalten ein Heimatmuseum (Museu Histórico de Entre Rios) sowie die Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung,Fundação Cultural Suábio-Brasileira die sowohl das Kulturzentrum Mathias Leh als auch ein deutschsprachiges Radioprogramm umfasst. Dieses wird von Rádio Universitária Entre Rios FM in Zusammenarbeit mit der Universität UNICENTRO ausgestrahlt.

Mittlerweile ist die Genossenschaft Agrária, welcher die meisten Nachfahren der Donauschwaben angehören, einer der größten Landwirtschaftskonzerne Südamerikas.

Geologie Der Distrikt liegt etwa 30 Kilometer südlich von der Stadtmitte. Zudem liegt er an den beiden wichtigsten Flüssen, dem Rio Jordão und dem Rio Pinhão. Ein Hochlandgebiet umschließt den Distrikt, welcher auf einer Höhe von 1100 Metern über Normalnull liegt.

Klima In Entre Rios herrscht grundsätzlich gemäßigtes Klima, das zwei Ernten im Jahr gestattet. Nachtfröste im Winter, anhaltende starke Regenfälle, aber auch teilweise Trockenperioden gefährden jedoch zuweilen den Ertrag der Aussaaten. In den vergangenen Jahren fand eine deutliche Klimaveränderung durch El Niño statt. Gelegentlich kommt es im brasilianischen Winter zu Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Städtepartnerschaft Seit 1988 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit Rastatt in Baden-Württemberg. Diese wurde unter dem Gesichtspunkt der oben erwähnten donauschwäbischen Wurzeln eingegangen. Abgerufen am 25. November 2020

Literatur Peter Hug: Humanitäre Hilfe der Schweiz für SS-Kriegsverbrecher: Zur Errichtung einer völkischen Siedlerkolonie in Brasilien, 1949–1952/59. Chronos Verlag, Zürich 2026. ISBN 978-3-0340-1856-2. Josef Gappmaier: Entre Rios. Agrargeographie der Donauschwabensiedlung in Parana-Brasilien. Salzburg 1987 (Dissertation). Josef Gappmaier: Entre Rios - Neue Heimat für Donauschwaben 1951 - 2011. Adlwang 2011 Anton Hochgatterer: Entre Rios. Donauschwabensiedlung in Brasilien. Salzburg 1986 (= Donauschwaben-Beiträge; 84). Entre Rios. Bildbericht einer donauschwäbischen Siedlung in Brasilien. Cooperativa Agrária Mista Entre Rios, Entre Rios 1975.

Weblinks

donauschwaben.com.br – Offizielle Website der Donauschwäbisch-Brasilianischen Kulturstiftung agraria.com.br – Offizielle Website der Genossenschaft Agrária (brasilianisches Portugiesisch)

Einzelnachweise

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