Reich wirst du nie, auch bekannt als Wer wird schon reich beim Militär? (Originaltitel: You’ll Never Get Rich), ist ein US-amerikanisches Filmmusical von Sidney Lanfield aus dem Jahr 1941 mit Fred Astaire und Rita Hayworth. Für die Musik- und Tanznummern konnte Columbia Pictures Songschreiber Cole Porter gewinnen. Der Film, der untypisch für das Genre das Soldatenleben thematisiert, belebte Astaires Karriere nach seiner beruflichen Trennung von Ginger Rogers und etablierte Hayworth als Musicalstar der 1940er Jahre.
Handlung Der exzentrische Broadway-Produzent Martin Cortland hat ein Auge auf die hübsche und begabte Tänzerin Sheila Winthrop geworfen. Diese hingegen ist eher interessiert an Robert Curtis, dem Choreografen ihrer Tanztruppe. Dennoch versucht Cortland, Sheilas Zuneigung mit Geschenken wie einem Armband zu gewinnen, auf dem ihr Name eingraviert ist. Als jedoch seine Ehefrau Julia misstrauisch wird, versucht Cortland sie zu überzeugen, dass Sheila bereits mit Robert Curtis so gut wie verlobt sei. Zu diesem Zweck lädt er Sheila und Robert zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Als Sheila merkt, dass Cortland Robert benutzt, um Julia zu beruhigen, und Robert bereitwillig so tut, als ob er es war, der Sheila das Armband schenken wollte, stürmt sie gekränkt davon.
Am nächsten Morgen verkündet eine Zeitung die Verlobung von Sheila und Robert. Da Robert überzeugt ist, dass Sheila dafür verantwortlich ist, sucht er sie in ihrem Apartment auf. Immer noch erbost über seine Kränkung, spielt sie ihm zusammen mit ihrer Tante Louise eine scherzhafte Szene vor, darauf beharrend, dass er sein Wort halten und sie heiraten müsse. Auch Sheilas tatsächlicher Verlobter, Captain Tom Barton, spielt mit und gibt sich als ihr Bruder aus, der schließlich zur Waffe greift, um Robert zur Heirat zu zwingen. Dieser ergreift sofort die Flucht, worauf die anderen drei in schallendes Gelächter ausbrechen. Robert erfährt anschließend von seiner Einberufung in die Armee und zögert nicht lange, dem Militär beizutreten, bietet ihm die Armee doch die ideale Lösung für seine augenblicklichen Probleme. In seiner ersten Nacht bei der Armee plagen ihn Schuldgefühle gegenüber Sheila, und er träumt, dass Tom ihn mit einer Heugabel verfolgt. Beim Versuch ihn aufzuwecken, schlägt Robert aus Versehen seinen Vorgesetzten, was ihm zwei Tage im Armeegefängnis einbringt. Als Sheila Tom in der Kaserne besuchen will, trifft sie auf Robert in seiner Zelle. Er entschuldigt sich für sein Verhalten und versucht, sie zu beeindrucken, indem er behauptet, ein Captain zu sein. Nach seiner Entlassung stiehlt er die Uniform eines Captains und besucht Sheila im Haus von Toms Mutter. Doch zu seiner Überraschung findet er dort neben Sheila und Tom auch den Captain vor, dem er die Uniform gestohlen hat, weshalb er für zwei weitere Wochen unter Arrest gestellt wird.
Indes entschließt sich Cortland, seine Revue den Soldaten vorzuführen. Dafür will er Robert engagieren. Dieser erhält schließlich die dafür notwendige Erlaubnis unter der Bedingung, stets von zwei Wachen begleitet zu werden. Da Robert auf Sheila als seine Partnerin bei der Show besteht, aber Cortland lieber seine neue Flamme Sonya auf der Bühne sehen will, versucht Cortland, einen noch größeren Keil zwischen Robert und Sheila zu treiben. Dazu lässt er die Eingravierung auf dem Armband von „Sheila“ in „Sonya“ umändern, nachdem Robert ihm angeboten hat, das Armband zu kaufen, um es Sheila zu schenken. Im Wissen, dass sich Robert das Schmuckstück in seinem Apartment abholt, während Sonya sich dort aufhält, schickt Cortland auch Sheila unter einem Vorwand zu seiner Wohnung. Dort findet Robert zunächst Sonya spärlich bekleidet vor. Als Sheila an die Tür klopft, versteckt er Sonya im Badezimmer. Als auch seine zwei Wachmänner eintreffen, versucht er, mit Sheila über die Feuerleiter zu entkommen. Dabei entdeckt Sheila sowohl Sonya als auch das Armband mit der neuen Gravur. Bevor Sheila wütend davonstürmt, lässt sie Robert wissen, dass sie in Kürze Tom heiraten werde.
Um Cortland eins auszuwischen, lädt Robert dessen Frau Julia in das Armeecamp ein und stellt ihr Sonya vor, die sich daraufhin peinlich berührt von der Show zurückzieht. Danach helfen ihm die beiden Soldaten Kewpie Blain and Swivel Tongue, den Rest der Kompanie zu einer Demonstration aufzurufen, die Sheila zur Rückkehr in die Revue bewegen soll. Angesichts der Masse an Soldaten vor ihrer Haustür willigt sie schließlich ein. Sie ist jedoch immer noch nicht bereit, Robert zu verzeihen. Bei einer Tanznummer, die als Hochzeit inszeniert wird, lässt Robert einen echten Priester auftreten und küsst am Ende des Tanzes übermütig seine frisch angetraute Braut. Als Robert Sheila verkündet, dass sie beide nun offiziell ein Ehepaar seien, kocht Sheila vor Wut und läuft erneut davon. Cortland hält sie jedoch auf und erzählt ihr schuldbewusst die Wahrheit. Nun, da sie weiß, dass Robert keine Schuld traf und er sie wirklich liebt, besucht sie ihn in seiner Zelle und ist gewillt, in einem Zelt vor seiner Zelle die Nacht zu verbringen. In diesem Augenblick trifft Roberts Vorgesetzter ein, der ihn frei lässt und den beiden Frischvermählten alles Gute wünscht.
Hintergrund Vorgeschichte Fred Astaire und Ginger Rogers waren Mitte der 1930er Jahre mit Filmmusicals von RKO Pictures, darunter Ich tanz’ mich in dein Herz hinein (1935) und Swing Time (1936), zum erfolgreichsten Tanzduo der Leinwand avanciert. Nach neun gemeinsamen Filmen, von denen die letzten an die Erfolge der Vorgänger nicht heranreichen konnten, beendeten Astaire und Rogers 1939 ihre dauerhafte Filmpartnerschaft. Astaire drehte daraufhin Broadway Melodie 1940 mit Eleanor Powell und Swing-Romanze (1940) mit Paulette Goddard. Aufgrund des eher mäßigen Erfolgs der beiden Filme wollte er anschließend in den vorzeitigen Ruhestand treten.John Kobal: Rita Hayworth: The Time, The Place and the Woman. W.W. Norton, New York 1977, S. 100–104. Doch konnte Harry Cohn, der Chef von Columbia Pictures, Astaire überzeugen, für sein Studio einen weiteren Film zu drehen. mini|Rita Hayworth (1941) Da das Studio jedoch keinen weiblichen Musicalstar unter Vertrag hatte und Cohn aus Kostengründen keinen Star von einem anderen Studio ausleihen wollte, besann man sich auf Rita Hayworth, die bei Columbia fest unter Vertrag stand und erst kürzlich mit Filmen wie Schönste der Stadt (1941) und König der Toreros (1941) zur gefragten Schauspielerin aufgestiegen war. Sie gehörte zu einer Familie von Tänzern, „The Dancing Cansinos“, und wurde von ihrem Vater Eduardo Cansino, der aus Sevilla stammte, bereits in jungen Jahren zur Tänzerin ausgebildet. In ihren ersten Filmen trat sie zumeist noch als Tänzerin auf. Als sie jedoch 1937 ihren Vertrag bei Columbia erhielt, wurde sie fast ausschließlich in kleinen Kriminalfilmen besetzt, in denen ihr tänzerisches Talent nicht zum Einsatz kam.
Als Hayworth 1941 erfuhr, dass sie mit Fred Astaire ein Filmmusical drehen sollte, war sie zunächst verunsichert und befürchtete, dass sie nach ihrer mehrjährigen Tanzpause mit Astaire nicht mithalten könne. Astaire hatte jedoch keine Bedenken, was ihr Talent als Tänzerin anbelangte, da er aus seiner Zeit in Vaudeville-Theatern ihren Vater Eduardo gut kannte, der dort wie er selbst mit seiner Schwester als Tanzduo aufgetreten war. Als Astaire und Hayworth erste gemeinsame Tanzschritte übten, waren sie sich zudem auf Anhieb sympathisch. Astaire war lediglich besorgt, Hayworth könne zu groß für ihn sein, weshalb diese beim Dreh keine sonderlich hohen Absätze trug.
Dreharbeiten Die Dreharbeiten fanden vom 20. Mai bis 24. Juli 1941 statt. Auch während des Drehs kamen Hayworth und Astaire unter der Regie von Sidney Lanfield bestens miteinander aus. Während der Proben spielten sie sich kleine Streiche, empfanden aber auch großen Respekt vor dem Talent und der Professionalität des jeweils anderen. Astaire, der bekannt dafür war, sehr anspruchsvoll zu sein, lobte später vor allem die Schnelligkeit, mit der seine Kollegin die Choreografien einstudierte: „Sie lernte die Tanzschritte schneller als jeder, den ich kannte. Ich zeigte ihr eine Choreografie vor dem Mittagessen und gleich als sie vom Essen zurückkam, tanzte sie die Schritte mit Perfektion.““She learned steps faster than anyone I’ve ever known. I’d show her a routine before lunch. She’d be back right after lunch and have it down to perfection.” Fred Astaire zit. nach John Kobal: Rita Hayworth: The Time, The Place and the Woman. W.W. Norton, New York 1977, S. 102. Auch fiel ihm auf, dass Hayworth ihre Energie nie vollends bei Proben verschwendete, jedoch alles gab, wenn die Kameras liefen.
Später bemerkte Astaire: „Rita tanzte mit antrainierter Perfektion und Individualität. Sie wusste natürlich durch ihre Erfahrung, auf was es beim Tanzen ankam. Das war offensichtlich von dem Moment an, als ich anfing, mit ihr zu arbeiten. Ich genoss es, Reich wirst du nie zu drehen – wegen Rita und der Tatsache, dass es einer der ersten Filme war, der sich mit dem Militärdienst im Zweiten Weltkrieg beschäftigte.““Rita danced with trained perfection and individuality. She, of course, knew through experience what the dancing business was all about. That was apparent the moment I started working with her. I enjoyed making You’ll Never Get Rich because of Rita and the fact that it was one of the first films with a World War II service background.” Fred Astaire zit. nach Gene Ringgold: The Films of Rita Hayworth. Citadel Press, Secaucus 1974, S. 128. Astaire begrüßte es zudem, dass er einmal seinen obligatorischen Frack und Zylinder gegen eine Uniform eintauschen konnte. Er bedauerte lediglich, dass der Film nicht in Technicolor gedreht wurde, was seinerzeit noch sehr kostspielig war.
Musik- und Tanznummern mini|Cole Porter (1934) Trotz der namhaften Besetzung mit Astaire, Hayworth und Benchley fiel es Komponist Cole Porter schwer, Songs für ein Filmmusical über das Leben in der Armee zu schreiben. Zudem war er an den Luxus eines großen, glamourösen Studios wie MGM gewöhnt, wohingegen Harry Cohns Columbia Pictures eher praktisch orientiert war und im Hinblick auf das Budget jeglichen Luxus an den Sets einsparte. Obwohl 1941 verschiedene amerikanische Radiostationen in den Streik traten und dadurch die Songs von Reich wirst du nie nur selten im Radio zu hören waren, erhielt Porter für seinen Song Since I Kissed My Baby Goodbye eine Oscar-Nominierung.George Eells: The Life That Late He Led. G. P. Putnam’s Sons, 1967. Während Fred Astaire seine und Hayworths Tänze selbst gestaltete, wurde der Choreograf Robert Alton für die restlichen Tänzer engagiert. Dieser hatte bislang am Broadway gearbeitet, weshalb er anfangs Schwierigkeiten hatte, mit den weniger gut trainierten Tänzern von Columbia zurechtzukommen.John Howard Reid: Hollywood Gold: Films of the Forties and Fifties. Lulu Press, 2005, S. 219. Rehearsal Duet (Cole Porter): Bei einer Tanzprobe zu Beginn des Films übt Robert Curtis (Fred Astaire) mit Sheila Winthrop (Rita Hayworth) eine kurze Nummer vor den anderen Tänzern ein. Dabei steppen sie in hohem Tempo nebeneinander. Boogie Barcarolle (Porter): Daraufhin probt Robert mit seinen Tänzern einschließlich Sheila eine große Showeinlage mit Ballett- und Stepptanzelementen, bei der die Tänzer sich in mehreren Reihen über die Bühne bewegen und am Ende einige Tänzerinnen von ihren männlichen Kollegen in die Luft gehoben werden. Dream Dancing (Porter): Um seine Frau zu besänftigen, lädt Martin Courtland (Robert Benchley) Robert und Sheila zu einem gemeinsamen Abendessen in ein Lokal ein, wo Robert im Smoking und Sheila in einem weißen Kleid Arm in Arm zur Musik einer Big Band tanzen. Dabei gesteht Robert, dass er Sheila bei den Proben nur maßregelt, um die Gelegenheit zu haben, mit ihr zu Tanzen, worauf Sheila ihrerseits zugibt, absichtlich Fehler aus dem gleichen Grund zu machen.