mini|Aussenansicht Die rund eine Hektare grosse Masoala-Halle oder Masoala kely (kely bedeutet «klein» auf Malagasy) im Zoo Zürich bildet ein Stück des madagassischen Masoala-Regenwaldes ab und beherbergt über 50 verschiedene Wirbeltierarten (300 Individuen) aus Madagaskar.
Die Ökosystem-Halle ist nach dem Kaeng-Krachan-Elefantenpark (Eröffnung: 2014; Kosten: 57 Millionen Schweizer Franken) das grösste Projekt, das der Zoo Zürich bisher verwirklicht hat, und gehört zu den Hauptattraktionen des Zoos. Die Kosten von 52 Millionen Schweizer Franken wurden zum grossen Teil durch Spenden gedeckt. Im Eröffnungsjahr 2003 stiegen die Besucherzahlen im Zoo Zürich erstmals auf über 1,5 Millionen an.
Lage innerhalb des Zoos mini|Lageplan des Zoo Zürich mit der Masoala-Halle (rechts) Die Masoala-Halle befindet sich östlich des Haupteinganges des Zoo Zürich. Sie liegt etwa auf einer Höhe von in einer Senke zwischen Zürichberg und Adlisberg. Mit dem Rest des Zoos und dem Zoolino ist die Halle durch einen Tunnel verbunden, der eine öffentliche Strasse unterquert. Die Zooverwaltung betrachtet die Anbindung durch den öffentlichen Verkehr langfristig als ungenügend. Geplant ist daher eine Gondelbahn vom Bahnhof Stettbach zur Masoala-Halle. Das Projekt ist jedoch auf Grund der Kosten und der Realisierung umstritten.
Geschichte Idee und erste Ausarbeitungen Der Zoo Zürich beschloss 1991 eine Anlage zu bauen, die auf der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie von World Association of Zoos and Aquariums basiert und die Grundlage für eine enge Zusammenarbeit mit einem Naturschutzprojekt in der Wildnis bietet. Der Zoo Zürich setzt traditionell auf die exotische Tierwelt und 1994 wurde die Wahl von Madagaskar und Masoala getroffen.Masoala – Das Auge des Waldes. Eine Überlebensstrategie für den Regenwald in Madagaskar. S. 12/13. Der Zoo Zürich wurde 1992 zu einem Naturschutzzentrum transformiert. Dafür erarbeitete Walter Vetsch einen Entwicklungsplan unter dem Motto «Gleich viele Tiere, doppelte Fläche». Ein Projekt zum Lebensraum Regenwald war das zentrale Element dieses PlanesMasoala – Das Auge des Waldes. Eine Überlebensstrategie für den Regenwald in Madagaskar. S. 111, 119–120. und eine enge Partnerschaft mit CARE International wurde aufgebaut.Masoala – Das Auge des Waldes. Eine Überlebensstrategie für den Regenwald in Madagaskar. S. 14.
Ein Jahr später stellte der Zoo das Leitbild und den Masterplan dem Zürcher Stadtrat vor, der sich überzeugt hinter die Strategie stellte. Im Oktober 1993 wurde das Projekt am 5. Frankophonie-Gipfel durch den damaligen Bundespräsidenten Adolf Ogi dem Präsidenten Madagaskars Didier Ratsiraka präsentiert. Daraufhin hatte der Zoo die Gelegenheit, zusammen mit dem madagassischen Ministerium für Wasser und Wald eine Zusammenarbeitsvereinbarung auszuarbeiten und eine Partnerschaft aufzubauen. Der Zoo erarbeitete einen Masterplan zur Realisierung der Halle und eine Machbarkeitsstudie, welche sowohl die ökologische als auch die ökonomische Durchführbarkeit bestätigte.
Für die Realisierung des Masterplans musste der Zoo den Behörden 1994 einen Gestaltungsplan und einen Umweltverträglichkeitsbericht vorlegen. Diese dienten als Grundlage für das Subventionsgesuch und für die Volksabstimmung, bei welcher über die Übergabe des vom Stadtpräsidenten Emil Klöti 1930 für den Zoo erworbenen Reserve-Lands an den Zoo entschieden wurde. Der Zoo reichte sein Subventionsgesuch ein. Während die öffentliche Hand bereit war, die Infrastrukturkosten für die Erschliessung des Zoos zu tragen, sollten Tieranlagen wie die Halle privat über Spendengelder finanziert werden.
Einsprüche und Rekurse 1995 entstand Opposition aus dem Architekturkollegium der Stadt Zürich gegen den Standort der Halle auf der Klösterliwiese. Nach einer Begehung durch den Gesamtstadtrat entschied dieser, dem Zoo das Gelände der Schiessanlage Fluntern für die Halle zur Verfügung zu stellen. Es folgte eine Umplanung für den neuen Standort. Daher wurden im Jahr 1996 der Gestaltungsplan, der Umweltverträglichkeitsbericht und das Subventionsgesuch überarbeitet. Im gleichen Jahr besuchten der Zürcher Gemeinderat und der Kantonsrat den Zoo und genehmigten die Gestaltungspläne. Weiter empfahlen sie dem Stimmvolk, die Subvention der Infrastruktur anzunehmen.
Die Subvention wurde 1997 vom Kantonsrat und vom Volk in Zürich genehmigt. Jedoch erhob eine Privatperson Einspruch gegen den Gestaltungsplan; er wurde 1998 vom Regierungsrat und vom Verwaltungsgericht abgewiesen. Ende 1997 zeigte sich, dass sich die vom Donator Hans Vontobel verlangte Eröffnung bis zum Jahr 2000 nicht verwirklichen liess. Er war jedoch bereit, seine Frist bis Mitte 2003 zu verlängern.
Nach über einem Jahr Bearbeitungszeit wurde der Rekurs der Privatperson vom Bundesgericht definitiv abgewiesen, womit der Gestaltungsplan rechtskräftig wurde. 1999 wurde die Baubewilligung durch die Stadt Zürich erteilt, woraufhin der Verkehrs-Club der Schweiz Einsprache erhob. Ein Jahr später zog dieser nach Zusage der Verkehrsbetriebe Zürich, die Verlängerung der Tramstrecke bis zur Halle zu prüfen, die Einsprache zurück.
Bau und Eröffnung mini|Baustelle mit heutigem Parkplatz und Gerüst der Halle Auf dem Bauplatz gefundene Altlasten des Schiessplatzes wurden von der Stadt Zürich beseitigt. Dabei kam eine Bauschuttdeponie zum Vorschein. Die Sanierung des Geländes wurde im März 2001 abgeschlossen.
Im gleichen Monat fand der Spatenstich statt. Die Gesamt- und Bauleitung hatte Bosshard + Partner Baurealisation AG und die Architekten waren Gautschi-Storrer Architekten sowie Vogt Landschaftsarchitekten AG.Naturführer Masoala Regenwald im Zoo Zürich. S. 25. Es folgten Aushub- und Baumeisterarbeiten und die erste Stahlträger wurden im Dezember 2001 gesetzt. Die Stahlkonstruktion und die Hülle wurden Mitte Juni 2002 fertiggestellt. Trotz Hindernissen wie der Beschädigung des Hallendachs durch Hagelschlag am 24. Juni konnte der Schlusstermin für den Bau eingehalten werden.
Im November 2002 wurde mit dem Setzen der ersten Pflanzen, welche schon 1998 aus den zooeigenen Pflanzschulen in Madagaskar geliefert wurden, begonnen. Im Jahr darauf wurden der Innenausbau und alle Teile des Baus fertiggestellt. Anfang Mai wurden die ersten Tiere in der Halle freigelassen. Am 29. Juni 2003 wurde die Halle durch den Bundesrat Moritz Leuenberger im Beisein einer Delegation aus Madagaskar unter der Leitung des Ministers für Umwelt, Wald und Wasser, Charles Sylvain Rabotoarison, feierlich eröffnet.
Seit der Pflanzung im Jahr 2003 sind die Bäume in der Halle gut gewachsen, sodass sich ein geschlossener Wald mit einer gut entwickelten Strauchschicht gebildet hat. Da manche Tiere die Baumkronen bevorzugen, besonders um sich am Morgen an der Sonne aufzuwärmen, beschloss der Zoo Zürich, einen Baumkronenweg zu errichten, der zum Jubiläum des zehnjährigen Bestehens der Halle vor Ostern 2013 eröffnet wurde. Ein 18 Meter und ein 10 Meter hoher Stahlturm, die wie ein Insekten-Kokon geformt sind und von Lianen und Aufsitzerpflanzen umschlungen werden, sind mit einem Weg verbunden. In der Mitte des höheren Turmes wächst ein Baum in die Höhe. Die Kosten für den Baumkronen-Weg sind mit 1.9 Millionen Schweizer Franken veranschlagt.
Technik mini|Struktur des Daches Die Halle ist 90 Meter breit, 120 Meter lang und an der höchsten Stelle 30 Meter hoch und überdeckt eine Fläche von 11'000 m².Wanger, Motzke, Furrer, Gruber: Bewegungsmuster und Habitatwahl des Großen Madagaskar-Taggeckos (Phelsuma m. grandis) in der Masoala-Regendwaldausstellung im Zoo Zürich. Der Salamander 5(3) 2009, S. 147. Das Hallendach besteht aus einer Folie auf Ethylen-Tetrafluorethylen-Basis und ist 14'000 m² gross. Zehn vertikal angelegte Stahlträger, welche 12,3 Meter auseinander liegen und eine Spannweite von 91 Metern haben, halten das Foliendach. Die Auflagerkräfte der Träger werden über Pfähle in den Untergrund geleitet. Die Folie ist in Form von luftgefüllten, einen Meter dicken, 3,9 Meter breiten und 55 Meter langen Kissen dreischichtig montiert. Zwischen die ersten drei Lagen pumpt ein computergesteuerter Kompressor Luft und reguliert den Druck automatisch. Eine vierte Folie sorgt für Schutz gegen Hagel und Schnee und ist so stabil, dass Zoomitarbeiter problemlos auf ihr spazieren können. Das Flächengewicht beträgt 350 g/m² und die Transluzenz der einzelnen Folienschichten 95 Prozent. Zusammen liegt die Lichtdurchlässigkeit der vier Folienschichten bei etwa 70 Prozent und die UV-Durchlässigkeit bei rund 50 Prozent.Naturführer Masoala Regenwald im Zoo Zürich. S. 22.
Die künstlich eingebrachte Erdschicht in der Halle ist etwa 50 bis 70 Zentimeter dick und liegt direkt auf dem natürlichen Boden des Zürichbergs. Die unterste Schicht ist bis zu 20 Zentimeter dick und besteht aus Lavastein. Darüber folgt eine zweite Schicht von bis zu 30 Zentimetern bestehend aus 80 Prozent Lava und 20 Prozent Zeolith. Schliesslich folgt eine weitere 30 Zentimeter dicke Schicht aus 20 Prozent Bims, 20 Prozent Zeolith, 30 Prozent Lava und 30 Prozent Blähton. Die oberste Schicht ist 5 Zentimeter dünn und besteht aus langfasrigem Torf, Blättern und Ästen. Durch diese Zusammensetzung konnten die Anforderungen wie gute Durchlüftung, Drainage und Nährstoffspeicherkapazität, aber auch Trittfestigkeit erreicht werden. Der Boden wurde auf Grund von Untersuchungen der madagassischen Erde zusammengesetzt.Informationsblatt Der Masoala Regenwald – ein Naturschutzprojekt des Zoo Zürich. S. 2.
Um einen niedrigen Energieverbrauch zu gewährleisten, wird die Halle mit einer Umluftanlage beheizt und gekühlt. In den Wintermonaten wird bis zu 70 Prozent der Wärme aus der zoointernen Holzschnitzelheizung bezogen. Das Holz stammt aus den forstwirtschaftlich genutzten Wäldern in und um Zürich. Um den Bedarf an Holzenergie trotzdem möglichst gering zu halten, ist ein Wärmerückgewinnungssystem eingebaut. Ein 25 Meter langer Ansaugkamin leitet Warmluft unter der Kuppel ab. In der Lüftungszentrale wird die Luft über Wasser führende Register abgekühlt und in den beiden Seitenbereichen durch je 26 Zuluftdüsen wieder in die Halle geblasen. Die so gewonnene Überschusswärme wird einem 250 m³ grossen Speicher zugeführt.
In der Nacht, wenn in der Halle Heizbedarf besteht, wird die Umluft durch die tagsüber gespeicherte Wärme aufgeheizt und das gespeicherte Wasser kühlt sich wieder ab. Im Winter kann so bis zu 30 Prozent des Wärmebedarfs gedeckt werden. Im Sommer, wenn die Temperaturen im oberen Hallenbereich über 30 °C ansteigen, wird die überschüssige Wärme mittels der geöffneten Firstklappen an die Aussenluft abgegeben. In der Übergangszeit und im Sommer, wenn die Heizung nicht mehr benötigt wird, erfolgt die Erwärmung des Warmwassers für das Restaurant, die Küche und den Rest des Anbaugebäudes ausschliesslich mit Überschusswärme aus der Halle sowie mit Abwärme der gewerblichen Kälteanlage.Masoala – Das Auge des Waldes. Eine Überlebensstrategie für den Regenwald in Madagaskar. S. 115.
mini|Brillenföhn beim Eingang der Halle Die Temperaturen betragen zwischen 18 und 35 °C, und es herrscht eine Luftfeuchtigkeit von ungefähr 80 Prozent. Beim Halleneingang gibt es für Brillenträger spezielle Warmluftföhns zur Erwärmung der Brillengläser. Das Regenwasser vom Hallendach wird in zwei 500 Kubikmeter grossen Zisternen gesammelt, aufbereitet und in mehreren Tagetanks auf 17 bis 20 °C erwärmt. In den Randzeiten morgens und abends – vor und nach den öffentlichen Besuchszeiten – wird die Halle täglich mit durchschnittlich 80'000 Litern beregnet. Das ergibt eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von 6 Millimetern pro Tag.Naturführer Masoala Regenwald im Zoo Zürich. S. 24. Dies entspricht im Jahr der doppelten Niederschlagsmenge von Zürich.