mini|hochkant|Titelblatt der 1. Auflage von Systema Naturæ mini|hochkant|Ratio Editionis – Die von Linné autorisierten Auflagen Systema Naturæ (meist Systema Naturae geschrieben) ist die Kurzbezeichnung eines erstmals 1735 erschienenen Werkes von Carl von Linné, das bis 1768 insgesamt zwölf Auflagen erfuhr. Linné klassifizierte darin die „Naturreiche“ Tiere, Pflanzen und Mineralien durch die fünf aufeinander aufbauenden Rangstufen Klasse, Ordnung, Gattung, Art und Varietät.
Während die Erstausgabe aus sieben Doppelfolioblättern bestand, umfasste das Werk nach der Veröffentlichung des dritten Bandes der 12. Auflage mehr als 2300 Oktavseiten. Linné beschrieb auf ihnen etwa 7700 Pflanzen-, 6200 Tier- und 500 Mineralienarten. Er gab in der 12. Auflage für alle Arten aller drei Naturreiche am Seitenrand einen sogenannten „Trivialnamen“ an. Diese bilden die Grundlage der zweiteiligen Namen, auf denen die heutige biologische Nomenklatur beruht. Besondere Bedeutung für die Zoologie hat der 1758 veröffentlichte erste Band der 10. Auflage, in dem Linné erstmals durchgängig für die Tiere zweiteilige Artnamen angab. Sein Erscheinen markiert gemeinsam mit Carl Alexander Clercks ein Jahr zuvor herausgegebenem Werk Svenska Spindlar den Beginn der modernen zoologischen Nomenklatur. Linnés Mineralogie erwies sich hingegen bald als bedeutungslos.
Vorgeschichte Mitte April 1735 brach Linné auf Anraten von Johan Browall aus seiner schwedischen Heimat auf, um an der holländischen Universität Harderwijk seinen Doktorgrad zu erwerben. Linné hatte zuvor an den Universitäten in Lund und Uppsala studiert. Während des Studiums botanischer Schriften in Olof Celsius’ Bibliothek entstand Ende des Jahres 1729 mit Praeludia Sponsaliorum Plantarum eine Schrift, die den Grundstein zu Linnés eigenständigen Ordnungsprinzip der Pflanzen legte. Olof Rudbeck verschaffte ihm daraufhin 1730 eine Anstellung am Botanischen Garten von Uppsala mit dem Auftrag, einen Katalog der dort wachsenden Pflanzen zu erstellen. In Uppsala gab Linné außerdem Privatunterricht in Dokimastik, Mineralogie, Botanik und Diätetik. Er katalogisierte seine Vogel- und Insektensammlung und arbeitete an zahlreichen ManuskriptenCarl Linnaeus an Gabriel Gyllengrip, 5. Oktober 1733, Brief L0027 in The Linnaean correspondence (abgerufen am 13. September 2010)., von denen ihn ein Teil auf seiner Reise nach Holland begleitete.
Linnés Weg nach Holland führte ihn über Hamburg, wo er den Herausgeber der Zeitung Hamburgische Berichte von neuen gelehrten Sachen, Johann Peter Kohl, kennenlernte, der in seiner Zeitung bereits mehrfach über Linné berichtet hatteHamburgische Berichte. In: Felix Bryk (Hrsg.): Linnaeus im Auslande: Linnés Gesammelte Jugend-Schriften autobiographischen Inhaltes aus den Jahren 1732-38. In eigenem Verlage, Stockholm 1919, S. 81–162.. In der Ausgabe vom 10. Juni 1735 wurde Linnés Hollandaufenthalt angekündigt und erwähnt.Johann Peter Kohl (Hrsg.): Hamburgische Berichte von neuen gelehrten Sachen, aufs Jahr 1735. Nummer XLVI, Hamburg 10. Juni 1735, S. 386. In Leiden zeigte Linné Jan Frederik Gronovius und Isaac Lawson einige seiner Manuskripte, darunter den ersten Entwurf von Systema Naturæ. Beide waren von der Originalität des linnéschen Ansatzes, die drei Naturreiche Mineralien, Pflanzen und Tiere zu klassifizieren, so beeindruckt, dass sie beschlossen, das Werk auf eigene Kosten herauszugeben. Gronovius und Lawson wirkten als Korrektoren für dieses und weitere in Holland entstandene Werke Linnés und überwachten die Fortschritte der Drucklegung. Die ursprünglich für Mitte September 1735 geplante Fertigstellung verzögerte sich auf Grund zahlreicher Korrekturen bis zum Ende des Jahres.Jan Frederik Gronovius an Carl Linnaeus, 19. August 1735, Brief L0036 in The Linnaean correspondence (abgerufen am 1. September 2010).
Editionsgeschichte 1. Auflage Die erste AuflageSystema Naturæ. 1. Auflage, Soulsby-Nummer 39, S. 9. erschien Ende 1735 unter dem Titel Systema naturæ, sive regna tria naturæ systematice proposita per classes, ordines, genera, & species in Leiden. Sie wurde von Theodor Haak verlegt und in der Druckerei von Johan Wilhelm de Groot hergestellt. Die erste Auflage bestand aus 14 Folioseiten, die etwa 540 Millimeter breit und 416 Millimeter hoch waren. Die Seiten 2 und 14 waren nicht bedruckt. Die erste Seite diente als Titelblatt. Auf je einer Doppelseite wurden die drei Naturreiche in tabellarischer Form dargestellt:
Mit Ausnahme der Pflanzen gab Linné in diesen Tabellen auch schwedische Namen für viele der aufgeführten Arten an. Eingeleitet wurde das Werk durch die auf den 23. Juli 1735 datierten allgemeinen Beobachtungen über die drei Naturreiche, die Linné in 20 Punkten darlegte (Observationes in Regna III. Naturæ). Derartige kurz zusammengefasste Beobachtungen gab er für jedes einzelne der drei Naturreiche. Die umfangreichste und detaillierteste Darstellung widmete Linné dem Pflanzenreich. Auf einem weiteren Blatt ist ein Schlüssel zu seinem Sexualsystem der Pflanzen dargestellt (Clavis systematis sexualis). Linnés MethodusMethodus. Soulsby-Nummer 40, S. 9., der das Vorgehen bei der Einordnung eines beliebigen Naturgegenstandes in sein Klassifizierungsschema beschrieb und eigentlich Bestandteil der ersten Auflage sein sollte, wurde nicht mehr rechtzeitig fertig.Jan Frederik Gronovius an Carl Linnaeus, 7. November 1735, Brief L0054 in The Linnaean correspondence (abgerufen am 29. August 2010).
Der Verkaufspreis der ersten Auflage betrug 50 Stuiver. Der gesamte Erlös kam Linné zugute. Die Höhe der Auflage ist nicht genau bekannt. Felix Bryk schätzte sie 1954 auf 150 Exemplare.Felix Bryk: Ein Phantasiepreis für die erste Auflage von Linnés Systema Naturae Leiden 1735. In: Taxon. Band 3, Nummer 8, 1954, S. 225–227. Eine erste Besprechung des Werkes erfolgte Anfang 1737 durch Johann Ernst Hebenstreit. Sie erschien in der Zeitschrift Acta Eruditorum.[Johann Ernst Hebenstreit]: In: Acta eruditorum. Band 3, Nummer 2, 1737, S. 64–71, Online
Anlässlich des 200. Geburtstages von Linné wurde 1907 von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften ein Nachdruck der ersten Auflage herausgebracht. Am 14. November 2007 wurde beim Auktionshaus Christie’s ein Exemplar der ersten Auflage von Systema Naturæ aus dem Besitz des Royal College of Physicians of Edinburgh versteigert und erzielte einen Erlös von 180.500 Pfund.Lot 110/Sale 7471 (abgerufen am 3. September 2010).
2. bis 5. Auflage mini|hochkant|Titelblatt der 2. Auflage 1740 erfuhr Linné durch Jan Frederik Gronovius, dass in Deutschland eine Übersetzung der ersten Auflage in Druck sei.Jan Frederik Gronovius an Carl Linnaeus, 13. Mai 1740, Brief L0384 in The Linnaean correspondence (abgerufen am 1. September 2010). Ihr Herausgeber und Übersetzer war Johann Joachim Lange, der Linnés Werk umgeordnet und mit einer deutschen Übersetzung in einer parallelen zweiten Spalte versehen hatte. Diese Ausgabe erschien 1740 im Quartformat in Halle und umfasste etwa 80 Seiten. Linné autorisierte diese Ausgabe später als die dritte AuflageSystema Naturæ. 3. Auflage, Soulsby-Nummer 47, S. 9. von Systema Naturæ.
Die zweite AuflageSystema Naturæ. 2. Auflage, Soulsby-Nummer 46, S. 9. erschien 1740 unter dem geänderten Titel Caroli Linnæi naturæ curiosorum Dioscoridis secundi Systema naturæ in quo naturæ regna tria, secundum classes, ordines, genera, species, systematice proponuntur und wurde vom deutschen Buchhändler Gottfried Kiesewetter in Stockholm vertrieben. Die ursprünglich durch Gronovius geplante zweite Auflage, die, wie die erste, durch Theodor Haak besorgt werden sollte, kam nicht zustande. Haak hatte im März 1739 die noch vorhandenen Exemplare der Erstausgabe aufgekauftJan Frederik Gronovius an Carl Linnaeus, 17. März 1739, Brief L0278 in The Linnaean correspondence (abgerufen am 9. September 2010). und machte deren Verkauf zur Bedingung für eine NeuauflageJan Frederik Gronovius an Carl Linnaeus, 31. August 1740, Brief L0394 in The Linnaean correspondence (abgerufen am 1. September 2010).. Die zweite Auflage wurde im handlicheren Oktavformat gedruckt und hatte einen Umfang von 80 Seiten. Sie war mit der zweiten Auflage von Fundamenta Botanica gebunden. Linné widmete diese und alle folgenden Auflagen seinem Gönner Carl Gustaf Tessin. Die Widmung ist auf den 20. Mai 1740 datiert. In dieser Auflage sind erneut schwedische Namen für Steine und Tiere angegeben.
Diese Auflage wurde zwei Mal mit nur unbedeutenden Änderungen nachgedruckt. In Paris erschien 1744 eine durch Bernard de Jussieu bearbeitete Ausgabe, die anstatt der schwedischen Namen französische enthielt und die später von Linné als vierte AuflageSystema Naturæ. 4. Auflage, Soulsby-Nummer 48, S. 9–10. von Systema Naturæ geführt wurde. Die Drucklegung dieser Ausgabe wurde durch Linnés Freund Abraham Bäck überwacht, der sich zu dieser Zeit in Paris aufhielt. Die von Linné als fünfte AuflageSystema Naturæ. 5. Auflage, Soulsby-Nummer 50, S. 10. geführte Fassung der zweiten Auflage wurde von Michael Gottlieb Agnethler bearbeitet und erschien 1747. Sie enthielt an Stelle der schwedischen Namen deutsche Bezeichnungen.
6. bis 9. Auflage Die sechste AuflageSystema Naturæ. 6. Auflage, Soulsby-Nummer 51, S. 10. erschien 1748 unter dem erneut geänderten Titel Systema naturæ sistens regna tria naturæ, in classes et ordines, genera et species redacta tabulisque æneis illustrata wieder bei Gottfried Kiesewetter in Stockholm. Der Umfang des wiederum im Oktavformat aufgelegten Werkes war auf 224 nummerierte Seiten angewachsen. Die einzelnen Naturreiche nahmen etwa gleich viel Platz in Anspruch: Die sechs Klassen des Tierreichs wurden auf 76 Seiten dargestellt, die 26 Klassen des Pflanzenreichs wurden auf 68 Seiten abgehandelt und die drei Klassen des Mineralreiches nahmen einen Raum von 65 Seiten ein. Ein lateinischer und ein schwedischer Index komplettierten die sechste Auflage von Systema Naturæ. Linnés Lectori ist auf den 2. August 1748 datiert, seine Widmung an Carl Gustaf Tessin auf den 18. August 1748.
Die sechste Auflage enthielt acht Tafeln, von denen sechs die linnéschen Klassen des Tierreichs illustrierten:
Kiesewetter veröffentlichte im gleichen Jahr in Leipzig eine weitere Auflage, die als siebente AuflageSystema Naturæ. 7. Auflage, Soulsby-Nummer 52, S. 10. von Systema Naturæ gezählt wird und in der die schwedischen Namen erneut durch deutsche ersetzt wurden. Basierend auf dieser Auflage erschien 1756 bei Theodor Haak in Leiden eine durch Jan Frederik Gronovius bearbeitete neunte Auflage. Sie enthielt französische statt deutsche Namen. Gronovius nahm Ergänzungen bei den Fischen vor und erweiterte den Abschnitt der Insekten nach den Werken von René-Antoine Ferchault de Réaumur und Carl De Geer. Linné steuerte einige neue Pflanzen bei.
Eine Besonderheit ist die achteSystema Naturæ. 8. Auflage, Soulsby-Nummer 53, S. 10., 1753 bei Lars Salvius in Stockholm unter dem Titel Herr Archiaterns och Riddarens D. Caroli Linnæi Indelning i Ört-Riket, efter Systema Naturæ, på Swenska öfwersatt af Johan J. Haartman… erschienene Auflage, da sie nur das Pflanzenreich umfasst. Die schwedische Übersetzung stammt von Johan Johansson Haartman. Sie ist Ulrika Lovisa Tessin gewidmet.
10. und 11. Auflage mini|hochkant|Titelblatt des 1. Bandes der 10. Auflage