Hydnophytum ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae).
Beschreibung
mini|Illustration von Hydnophytum formicarum mit „Domatien“
Vegetative Merkmale Hydnophytum-Arten sind epiphytische, ausdauernde krautige Pflanzen bis Halbsträucher, einige Arten verholzen also etwas. Der untere Bereich der Sprossachse verdickt sich knollig, sie sind also caudiform, es handelt sich um eine Hypokotylknolle. In dieser Verdickung bilden sich hohle Kammern, sogenannte „Domatien“ aus. Über der Verdickung stehen ein bis mehrere höchstens schwach verholzte Seitensprossachsen.
Die gegenständigen Laubblätter sind einfach und ledrig. Es sind kleine, interpetiolare Nebenblätter vorhanden, die haltbar sind oder früh abfallen.
Generative Merkmale An jedem Blattknoten wird seitenständig nur ein Blütenstand ausgebildet, der bündelig wenige ungestielte Blüten enthält.
Die vierzähligen Blüten sind meist zwittrig oder selten eingeschlechtig. Die vier haltbaren Kelchblätter sind meist auf dem größten Teil ihrer Länge verwachsen, so dass oft nur kurze Kelchzähne zu sehen sind. Die vier Kronblätter sind becherförmig bis eng trichterförmig verwachsen. Das innere der Kronröhre kann flaumig behaart sein. Die vier Staubblätter entspringen in der Kronröhre und besitzen nur sehr kurze Staubfäden. Die zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. In jedem Fruchtknotenfach befindet sich nur eine aufrechte Samenanlage. Der lange bis kurze Griffel endet in einer zweilappigen Narbe. Sie sind meist heterostyl.
Die bei Reife leuchtend gefärbten Spaltfrüchte sind mehr oder weniger ei- bis kreiselförmig und zerfallen bei Reife in zwei Teilfrüchte.
Ökologie
Hydnophytum-Arten leben symbiotisch mit Ameisen, es handelt sich also um Ameisenpflanzen („Myrmekophyten“). Die Pflanze bietet Wohn- und Nisträume, so genannte „Domatien“ und teilweise auch Nahrung in Form von extrafloralen Nektarien an. Es liegt auch Myrmekotrophie vor; die epiphytische Lebensweise bedingt oft ein vermindertes Angebot an Nährstoffen und die Hinterlassenschaften der Ameisen führen zu einer besseren Nährstoffversorgung. Folgende Ameisenarten leben mit Hydnophytum-Arten zusammen: Crematogaster deformis , Iridomyrmex cordatus , Iridomyrmex myrmecodiae und Pheidole javana .
mini|Illustration von Hydnophytum longiflorum
Systematik und Verbreitung Die Gattung Hydnophytum wurde 1823 durch William Jack in Transactions of the Linnean Society of London, Volume 14, Seite 124 aufgestellt. Der botanische Gattungsname Hydnophytum leitet sich von den beiden griechischen Wörtern hydnon, oidnon für „essbarer Pilz“, „Trüffel“ und phyton für „Pflanze“ ab. Hydnophytum formicarum ist die Typusart der Gattung. Ein Synonym für Hydnophytum ist Lasiostoma
Die Gattung Hydnophytum gehört zur Subtribus Hydnophytinae aus der Tribus Psychotrieae in der Unterfamilie Rubioideae innerhalb der Familie der Rubiaceae.
Hydnophytum-Arten kommen auf den Andamanen, in Myanmar, Indochina und in weiten Teilen Malesiens bis zu den südwestlichen Pazifischen Inseln vor. Beispielsweise ist Hydnophytum formicarum weit verbreitet in Malesien oder Hydnophytum ferrugineum kommt nur im australischen Bundesstaat Queensland vorHydnophytum - Datenblatt bei Australian Plant Name Index = APNI.. 42 Arten kommen auf Neuguinea und den dazu gehörenden Inseln vor.
Es gibt etwa 50 bis 90 Hydnophytum-Arten: Hydnophytum acuminicalyx : Sie wurde 2019 aus Papua-Neuguinea erstbeschrieben. Hydnophytum albertisii Hydnophytum alboviride (Syn.: Hydnophytum crassicaule ) Hydnophytum angustifolium Hydnophytum archboldianum Hydnophytum bracteatum Hydnophytum buxifolium Hydnophytum caminiferum Hydnophytum confertifolium Hydnophytum cordifolium Hydnophytum costatum Hydnophytum dauloense : Sie wurde 2019 aus Papua-Neuguinea erstbeschrieben. Hydnophytum davisii : Sie wurde 2019 aus dem westlichen Neuguinea erstbeschrieben. Hydnophytum decipiens Hydnophytum dentrecastense : Sie wurde 2019 aus Papua-Neuguinea erstbeschrieben. Hydnophytum dipteropodum Hydnophytum ellipticum Hydnophytum ferrugineum Hydnophytum formicarum (Syn.: Hydnophytum amboinense , Hydnophytum andamanense , Hydnophytum blumei , Hydnophytum borneense , Hydnophytum coriaceum ) Hydnophytum fusiforme : Sie wurde 2019 aus Papua-Neuguinea erstbeschrieben. Hydnophytum grandiflorum Hydnophytum grandifolium Hydnophytum guppyanum Hydnophytum hahlii Hydnophytum hailans : Sie wurde 2019 aus Papua-Neuguinea erstbeschrieben. Hydnophytum hellwigii Hydnophytum heterophyllum Hydnophytum inerme Hydnophytum intermedium Hydnophytum kajewskii Hydnophytum kejense Hydnophytum kelelense Hydnophytum kochii Hydnophytum lanceolatum Hydnophytum laurifolium Hydnophytum lauterbachii Hydnophytum ledermannii Hydnophytum leytense Hydnophytum linearifolium (Syn.: Hydnophytum dolichophyllum ) Hydnophytum longiflorum Hydnophytum longipes Hydnophytum longistylum Hydnophytum loranthifolium Hydnophytum lucidulum Hydnophytum macrophyllum Hydnophytum magnifolium Hydnophytum membranaceum Hydnophytum microphyllum Hydnophytum mindanaense Hydnophytum mindorense Hydnophytum montis-kani Hydnophytum moseleyanum (Syn.: Hydnophytum agatifolium , Hydnophytum brachycladum , Hydnophytum brassii , Hydnophytum camporum , Hydnophytum capitatum , Hydnophytum crassifolium , Hydnophytum cuneatum , Hydnophytum forbesii ) Hydnophytum myrtifolium Hydnophytum nigrescens Hydnophytum nitidum Hydnophytum normale Hydnophytum oblongum Hydnophytum orbiculatum Hydnophytum ovatum Hydnophytum papuanum Hydnophytum parvifolium Hydnophytum petiolatum (Syn.: Hydnophytum contortum ) Hydnophytum philippinense Hydnophytum puffii Hydnophytum punamense Hydnophytum radicans (Syn.: Hydnophytum albense , Hydnophytum amplifolium ) Hydnophytum ramispinum Hydnophytum robustum Hydnophytum selebicum Hydnophytum simplex Hydnophytum spathulatum Hydnophytum stenophyllum Hydnophytum stewartii Hydnophytum subfalcifolium Hydnophytum subnormale Hydnophytum subrotundum Hydnophytum subsessile Hydnophytum sumatranum Hydnophytum tetrapterum Hydnophytum tortuosum Hydnophytum vaccinifolium Hydnophytum virgatum Hydnophytum vitis-idaea Hydnophytum wilkinsonii Hydnophytum zippelianum
Quellen Literatur Christian Puff et al.: Rubiaceae in der Flora of Thailand, Manuskript noch nicht gedruckt: online. A. F. S. L. Lok, H. T. W. Tan: Tuberous, epiphytic, rubiaceous myrmecophytes of Singapore. In: Nature in Singapore, Volume 2, 2009, S. 231–236: PDF. Matthew H. P. Jebb, C. R. Huxley: The tuberous epiphytes of the Rubiaceae 7: a revision of the genus Hydnophytum. In: Blumea, Volume 64, Issue 1, März 2019, S. 23–91. doi:10.3767/blumea.2019.64.01.02
Einzelnachweise Rafaël Govaerts, 2003: World Checklist of Selected Plant Families Database in ACCESS: 1-216203. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Matthew H. P. Jebb, C. R. Huxley: The tuberous epiphytes of the Rubiaceae 7: a revision of the genus Hydnophytum. In: Blumea, Volume 64, Issue 1, März 2019, S. 23–91. doi:10.3767/blumea.2019.64.01.02
Weblinks
Kategorie:Rötegewächse Kategorie:Rubiaceae