Thomas of Brotherton, 1. Earl of Norfolk (* 1. Juni 1300 in Brotherton; † unsicher: September 1338.) war ein englischer Magnat. mini|150px|Wappen von Thomas of Brotherton, 1. Earl of Norfolk
Herkunft, Kindheit und Jugend Thomas of Brotherton entstammte dem englischen Königshaus Plantagenet. Er war der älteste Sohn von König Eduard I. aus dessen zweiten Ehe mit Margarete von Frankreich. Er wurde unerwartet in Brotherton in Yorkshire geboren, als seine Mutter auf der Reise nach Cawood Castle war. In diesem Palast des Erzbischofs von York sollte seine Geburt eigentlich erfolgen.Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 131. Die Geburt soll schwierig verlaufen sein, bis seine Mutter um die Hilfe des heiligen Thomas Becket bat. Danach wurde das Kind nach diesem Heiligen und nach seinem Geburtsort genannt. Bei der Heirat seiner Eltern war vereinbart worden, dass ein Sohn aus der Ehe mit Besitzungen mit jährlichen Einkünften in Höhe von 10.000 Mark versorgt werden solle. Diese Besitzungen sicherte sein Vater ihm im August 1306 zu, weshalb er ihm den Großteil der Besitzungen von Roger Bigod, 5. Earl of Norfolk versprach, falls dieser kinderlos sterben würde.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307-1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 23. Bigod hatte aus seinen Besitzungen jährliche Einkünfte von etwa 6000 Mark, und als er im selben Jahr tatsächlich ohne direkten Erben starb, fielen die Besitzungen gemäß einer Vereinbarung von 1302 an die Krone. Die Besitzungen wurden jedoch zunächst Thomas älterem Halbbruder Eduard übergeben, der 1307 als Nachfolger ihres Vaters König wurde. 1310 betraute Eduard seine beiden Halbbrüder Thomas und Edmund of Woodstock mit der Verwaltung des Bigod-Besitzes. Angeblich soll Eduard I. auch geplant haben, einem seiner jüngeren Söhne den Titel Earl of Cornwall zu verleihen, doch diesen Titel vergab Eduard II. an seinen Favoriten Piers Gaveston.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 71. Schließlich erhob der König im Dezember 1312, nach dem Tod Gavestons, Thomas zum Earl of Norfolk und gab ihm den Bigod-Besitz als Lehen. Dazu übergab er ihm 1316 das Amt des Marshal of England, das Roger Bigod bis zu seinem Tod innegehabt hatte.
Unterstützer der Politik von Eduard II. Bereits im Januar 1313 berief der König Norfolk, wie Thomas nun genannt wurde, in das Parlament, wo der zwölfjährige Junge allerdings keine politische Bedeutung hatte und was für ihn nur ein Ehrenbeweis war. Im selben Jahr berief er ihn auch zum Dienst im Krieg mit Schottland, was jedoch rasch wieder widerrufen wurde. Nach dem Tod seiner Mutter 1318 waren er und sein Bruder Edmund deren Testamentsvollstrecker, und im August 1318 bezeugten beide den Vertrag von Leake, der den König mit dem mit ihm verfeindeten Earl of Lancaster aussöhnen sollte.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 172. Im selben Jahr beauftragte der König Thomas und Edmund, Edward Balliol, den jungen Anwärter auf den schottischen Thron, in ihrem Haushalt zu erziehen. Als der König 1319 zu einem neuen Feldzug nach Schottland aufbrach, ernannte er Norfolk zum Reichsverweser. In dieser Funktion berief er am 24. März 1319 Hamo Chigwell, den Mayor of London, Bischof John Sandale von Winchester und den Earl of Pembroke zu sich, zwischen denen es zu einem Streit über die Abhaltung von Wahlen und über die Besetzung von Ämtern in der Stadt gekommen war. Er schlug ihnen vor, dass sie selbst den Streit lösen sollten, sollte dies nicht gelingen, würde er am nächsten Tag in Westminster über den Streit entscheiden. Daraufhin konnten sich die drei Kontrahenten tatsächlich einigen.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 183. Als 1319 in Newcastle ein Heer für einen neuen Feldzug nach Schottland zusammengezogen wurde, wurde Norfolk am 15. Juli zusammen mit zahlreichen anderen Knappen vom König zum Ritter geschlagen. Vom 19. Juni bis zum 22. Juli 1320 begleitete Norfolk den König mit einem großen Gefolge nach Frankreich, wo dieser dem französischen König für seine südwestfranzösischen Besitzungen huldigte.
Rolle während des Despenser War und während der Rebellion des Earl of Lancaster Kurz vor Ausbruch einer befürchteten offenen Rebellion der Marcher Lords versuchte Norfolk im März 1321 noch erfolglos, mit dem Earl of Hereford zu verhandeln.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 265. Nach dem Scheitern der Verhandlungen besetzte Norfolk am 16. März das königliche Builth Castle, kurz bevor Hereford die Burg besetzen konnte. Bei diesem Zwischenfall wurde deutlich, dass Hereford ohne Erlaubnis Truppen zusammengezogen hatte.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 201. Im April vertrat Norfolk den König, als der jüngere Hugh Audley vor Gericht beschuldigt wurde, weil er entgegen einer 1317 geschlossenen Vereinbarung unerlaubt das Gefolge des Königs verlassen hatte. Anfang Mai kam es dann zum Despenser War, der Rebellion der Marcher Lords gegen den königlichen Günstling Hugh le Despenser. Die Rebellen verbündeten sich mit dem Earl of Lancaster und zogen dann mit ihrem Heer nach London, wo sie im August 1321 im Parlament erfolgreich die Verbannung der Despensers durchsetzen konnten. Im Herbst 1321 begann jedoch der König, militärisch gegen die Rebellen vorzugehen. Im Oktober beauftragte er Norfolk zusammen mit dem Earl of Pembroke und dem Earl of Richmond, Leeds Castle in Kent zu belagern, womit es wieder zu offenen Kämpfen kam.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 112. Anfang 1322 schlossen sich Norfolk und sein Bruder zum Earl of Kent erhobene Bruder Edmund der königlichen Armee an, die zur Niederschlagung der Rebellion in die Welsh Marches zog. Im Januar 1322 sicherte die beiden dabei zusammen mit anderen Anhängern des Königs dem Rebellen Roger Mortimer of Wigmore und anderen Rebellen freies Geleit zu, damit sie mit der königlichen Partei verhandeln konnten.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 221. Mortimer ergab sich, doch der König ließ ihn dann als Rebellen in den Tower of London bringen. Anschließend unterstützte Norfolk den König bei der Verfolgung der nach Nordengland flüchtenden Lancaster und Hereford.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 226. mini|Thomas of Brotherton. Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert
Zunehmende schwankende politische Haltung Wechselhaftes Verhältnis zu Eduard II. Nachdem die Rebellion der Marcher Lords und von Lancaster bis März 1322 niedergeschlagen worden war, nahm Norfolk mit seinem Kontingent am gescheiterten Feldzug des Königs nach Schottland im Sommer 1322 teil.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 228. Danach verlor Norfolk offensichtlich zeitweise die Gunst des Königs. Im August 1323 musste er die Herrschaft Chepstow in Südostwales gegen eine geringe jährliche Pachtzahlung von £ 200 an Hugh le Despenser überlassen. Im nächsten Jahr musste er gegen eine einmalige Zahlung von £ 800 auf die weitere Erhebung der Pacht und auf alle Rechte an Chepstow verzichten.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 127. Dann entzog ihm der König zeitweise das Amt des Marshals, nachdem königliche Richter in Lancashire erfahren hatten, dass Thomas dort ohne Genehmigung die Ausübung des Amts delegiert hatte. Gegen eine Strafe von £ 100 erhielt Thomas das Amt zurück, doch der König wies ihn heftig zurecht und drohte ihm weitere Strafen an, falls er sein Amt erneut vernachlässigen würde. Die Haltung des Königs gegenüber Thomas änderte sich jedoch, als er eine Invasion des aus dem Tower geflüchteten Rebellen Roger Mortimer of Wigmore, der sich in Frankreich mit Eduards Frau Königin Isabelle gegen die Despensers verbündet hatte, befürchtete. Im Januar 1326 schenkte er Norfolk £ 200 aus den beschlagnahmten Einkünften des Bischofs von Norwich. Im Mai ernannte er Norfolk zum königlichen Hauptmann und übertrug ihm die Aufsicht über die Aufstellung von Aufgeboten in einer Reihe von ostenglischen Grafschaften.Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 183. Dazu erhielt Norfolk von Eduard II. die Verwaltung von beschlagnahmten Ländereien der Rebellen, die Verwaltung von Vormundschaften und andere königliche Gunstbeweise.
Unterstützer der Invasion von Mortimer und Isabelle Dennoch stand Norfolk offenbar in Kontakt mit Mortimer und Isabelle, denen sich auch sein Bruder, der Earl of Kent angeschlossen hatte. Das Heer der Rebellen landete am 24. September 1326 am River Orwell, wo sich Norfolks Besitzungen befanden.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 150. Die unter dem Oberbefehl von Norfolk stehenden englischen Kriegsschiffe hatten offenbar nicht versucht, die Invasionsflotte anzugreifen,Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 186. und Norfolk unterstützte sofort die Invasionstruppen, zu denen auch der Earl of Kent gehörte.Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 183. Diese Unterstützung bei der Landung trug wesentlich zum Gelingen der Invasion bei.Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 5. Auf Norfolks Befehl hin plünderten seine Vasallen Güter, die dem jüngeren Despenser und dem mit ihm verbündeten Earl of Arundel gehörten. Für diese umfangreichen Plünderungen erhielt Norfolk später eine besondere Begnadigung des neuen Königs.Natalie Fryde: The tyranny and fall of Edward II, 1321–1326. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-54806-3, S. 194. Norfolk selbst schloss sich dem Heer der Königin an, das nach Westengland vorstieß und die Herrschaft von Eduard II. beendete. Am 26. Oktober gehörte Norfolk zu den Baronen, die in Bristol den jungen Thronfolger Eduard zum Reichsverweser bestimmten.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 158. Am 27. Oktober gehörten Norfolk und sein Bruder Kent zu den Richtern, die Hugh le Despenser den Älteren zum Tod verurteilten, und im November gehörten sie zu den Richtern, die in Hereford Hugh le Despenser den Jüngeren zum Tod verurteilten.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 160.
Billigung der Herrschaft von Mortimer