Appenrod ist ein Stadtteil von Homberg (Ohm) im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie Geographische Lage Appenrod liegt am Rande des Vogelsbergs. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3072 und 3343.

Nachbarorte

Ortsgeschichte Mittelalter Die auf -rod endenden Ortsnamen gehören in der Regel zur Rodungsperiode um die Jahrtausendwende. In dieser Zeit wurden die höher gelegenen Regionen zwischen Gleen und Ohm besiedelt.Fritz Backhaus: Die Stadtteile der Stadt Homberg an der Ohm. In: Fred Schwind, Hrsg.: Homberg an der Ohm. Eine oberhessische Stadt von den Anfängen bis zur Gegenwart. Sigmaringen 1984, ISBN 3-7995-4073-3. S. 278–338. Zu Appenrod S. 284–287. Die älteste schriftliche Erwähnung von Appenrod findet sich in einem Kopiar, einem Einkünfte und Besitzverzeichnis des Klosters Hersfeld. um das Jahr 1150. Erwähnt wird ein „in Abbenrade i mansum“.StAM, K 244, fol. 77. Eine weitere Nennung des Ortes als „Appenrade“ stammt aus der Zeit um 1300 und findet sich in einem Kopiar, welches zwischen 1400 und 1425 angelegt wurde.Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 285.

Der Ortsname verweist auf eine Rodung des Abbo. Dieser Name liegt auch dem Ortsnamen Appenborn zugrunde.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 36–38.

Der Landgraf Heinrich II. von Hessen stiftete am 2. Mai 1328 zu Ehren der Jungfrau Maria und seiner Urahnin Elisabeth von Thüringen zu seinem und aller seiner Vorfahren Seelenheil einen Altar in seinem Schloss Homberg in der dortigen St. Georgskirche, an dem eine tägliche Messe gehalten werden sollte.Dieter Wolf: Mittelalterliche und frühneuzeitliche Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Homberg an der Ohm. In: Fred Schwind, Hrsg.: Homberg an der Ohm. Eine oberhessische Stadt von den Anfängen bis zur Gegenwart. S. 215–275, besonders S. 215–229. Dafür erhielt der Priester Hartmann von Ofleiden landgräfliche Güter u. a. einen Hof im Dorf „Appenrode,“ den Peter Moller und seine Frau Elisabeth erblich innehatten.Karl Ernst Demandt: Regesten der Landgrafen von Hessen. Zweiter Band, 2. Teil. Regesten der landgräflichen Kopiare. Hrsg. Historische Kommission für Hessen. Marburg 2020. Nr. 1831, S. 1831.

Neuzeit Bekannt wurde das Dorf, als im Dreißigjährigen Krieg Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich im Jahre 1646 sein Lager dort aufschlug und Maulbach von hier aus belagerte. Am 13. August 1885 brannte dreiviertel des Dorfes nieder. Es wurden 46 Gebäude mit Kirche und Schulhaus in Schutt und Asche gelegt. 30 Familien verloren ihr Obdach. Zum Glück kam kein Mensch zu Schaden. Urheber der Feuersbrunst war ein 8-jähriger Knabe. Die Kirche wurde am 13. August 1888 wieder aufgebaut. Die Appenröder Bürger werden im Volksmund auch als Appenröder Walfische bezeichnet (fast jedes Dorf in dieser Gegend hat eine zusätzliche Bezeichnung). , abgerufen am 2. August 2015

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Appenrod:

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Appenrod im Zuge der Gebietsreform in Hessen zeitgleich mit zehn weiteren Gemeinden auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die Stadt Homberg (Ohm) – damals noch mit dem Namen Homberg (Kreis Alsfeld) – eingegliedert. Für alle durch die Gebietsreform nach Homberg eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Appenrod angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Homberg an der OhmDie Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als Vorläufer des Deutschen Reichs., Provinz Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1866: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Alsfeld ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld, Stadt Homberg (Ohm)Am 1. Oktober 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Homberg (Ohm). ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Homberg (Ohm) ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Homberg (Ohm)

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Appenrod das „Amt Homberg an der Ohm“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Appenrod zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Homberg an der Ohm“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes AlsfeldRundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation., aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandeltErlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (). Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg und Appenrod wurde dem Bereich des Amtsgerichts Kirchhain zugeteilt. Im Jahr 1973 wechselte die Stadt Homberg an der Ohm und mit ihr Appenrod in den Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Alsfeld. In übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung • 1577: 31 Hausgesesse mit sieben Wagen. • 1791: 312 Einwohner • 1800: 310 Einwohner • 1806: 313 Einwohner, 55 Häuser • 1829: 366 Einwohner, 51 Häuser • 1867: 325 Einwohner, 55 bewohnte Gebäude • 1875: 305 Einwohner, 60 bewohnte Gebäude

Religionszugehörigkeit • 1829: 366 evangelische (= 99,73 %), einen mennonitischen Einwohner • 1961: 304 evangelische (= 92,68 %), 18 katholische (= 5,49 %) Einwohner

Vereine Das kulturelle Leben im Dorf prägen folgende Vereine: Appenröder Walfische mit Jugendgruppe Evang. Kirchengemeinde Freiwillige Feuerwehr Appenrod Landfrauenverein Appenrod Obst- und Gartenbauverein Skatclub Appenrod ZSKA Maurer 90 Sport- und Gesangverein VdK-Ortsverein Appenrod/Danne Frauenclub Rote Laterne

Literatur

Weblinks Appenrod In: Webauftritt der Stadt Homberg (Ohm).

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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