Gosen-Neu Zittau (niedersorbisch Góźna-Nowa Žytawa) ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg (Deutschland).

Geografie mini|hochkant|Denkmal zur Ortsgründung Gosen Gosen-Neu Zittau liegt direkt an der Spree und grenzt unmittelbar an den Oder-Spree-Kanal und den Seddinsee (Berlin). In der Nähe liegt der Stahlberg mit 86 m.ü. NHN. Der Ortsteil Gosen liegt am nördlichen Ende des Schmöckwitzer Werders zwischen dem Seddinsee und dem größtenteils trockengelegten Wernsdorfer See. Im Norden wird Gosen von Auen begrenzt, die sich bis zum Dämeritzsee erstrecken. Der Ortsteil Neu Zittau liegt zwischen der Auenlandschaft der Spree im Norden und der Friedersdorfer Forst im Süden. Ebenso verhält es sich mit den Siedlungen Burig und Steinfurt, die weiter spreeaufwärts liegen.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Gosen (GóźnaDie Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow. ISBN 3-515-08664-1, S. 226–228 → Gosen nsb. GóźnaArnošt Muka: Niedersorbische Namen der Städte und Dörfer. Sorbisches Institut, 1911–1928 (Gózńa).) und Neu Zittau (Arnošt Muka: Niedersorbische Namen der Städte und Dörfer. Sorbisches Institut, 1911–1928 (Nowa Žytawa).). Zu Neu Zittau gehören die Gemeindeteile Burig und Steinfurt, zu Gosen der Wohnplatz Zwiebusch.

Geschichte Gründung als Spinnerdörfer mini|Gosen um 1800 Friedrich II. von Preußen wollte sein durch Kriege stark gepeinigtes Land wieder aufbauen und sagte: „Warum soll man teuer Rohstoffe von außerhalb kaufen, wenn man sie billiger im eigenen Land produzieren kann?“ Einer dieser begehrten Rohstoffe war Wolle. Und so ließ Friedrich in der Nähe der Spree einige Dörfer auf dem Gebiet des königlichen Domänenamtes Storkow gründen, in denen sich Feinspinner aus Sachsen niederlassen sollten, um Wolle für die Wollgroßmanufakturen in Berlin zu spinnen.

Neu Zittau Am 19. August 1751 wurde dem König der Plan für ein Spinnerdorf in der Nähe von Wernsdorf unterbreitet. Der Name Neu Zittau tauchte erstmals am 22. Dezember 1751 auf. Geplant war ein Dorf aus 50 Doppelhäusern für 100 Familien, ein Schulzengericht, ein Krug und eine Mühle. Für den Bau des Dorfes wurden dann 11.000 Reichstaler zur Verfügung gestellt. Die ersten Häuser wurden im August 1752 fertiggestellt, und es kamen die ersten Familien in Neu Zittau an. Alle Häuser waren im darauf folgenden Jahr fertig, und mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde vom 16. Mai 1753 durch Friedrich II. war Neu Zittau offiziell gegründet. Neu Zittau hat seinen Namen, da viele Siedler aus der Nähe von Zittau in Sachsen angesiedelt werden sollten. Tatsächlich kamen aber nur zwei Familien aus dieser Gegend.

Gosen Weiter westlich wurde ein weiteres Spinnerdorf gegründet. Da es auf einer Halbinsel lag und von drei Seiten durch Gewässer oder Sumpf begrenzt war, erhielt es denn Namen Gosen. Dieser Name geht auf den biblischen Ort Goschen zurück, der im Nildelta lag.

Wandel zu Schifferdörfern Der Hauptwirtschaftszweig in Neu Zittau sollte die Wollspinnerei sein. Dazu wurden die angesiedelten Feinspinner mit Wolle der Wollweberei „Wegely und Söhne“ aus Berlin beliefert. Die Neu Zittauer sollten nun Garne spinnen und diese wieder der Firma Wegely zurückliefern. Da die meisten aber nur mittlere und grobe Garne spinnen konnten, jedoch feine erwünscht waren, konnte man von der Spinnerei kaum leben. Selbst ein fleißiger Spinner brachte es wöchentlich auf höchstens 16–20 Groschen. Da zum Ende des 18. Jahrhunderts durch Krankheiten der Seidenraupen die Seidenindustrie stark zurückgegangen war, mussten sich die Neu Zittauer eine einträchtigere Erwerbsquelle suchen. Die große Zeit der Schifffahrt begann. Da die Wasserstraße direkt am Ort vorbeiführte und die Spree damals mehr Wasser führte als heute, wurde aus dem Spinnerdorf ein Schifferdorf. Bereits 1768 gab es sechs Schiffer, 1803 waren es 17 und zwischen 1850 und 1900 waren es mehr als 100 Schiffer. Die Neu Zittauer Schiffer zählte man zu den Güterschiffern. Es wurden Rüdersdorfer Kalksteine nach Berlin, oder Kohlen, Blei und Zink von Breslau nach Berlin transportiert. Durch die Schifffahrt kam Neu Zittau zu einigem Wohlstand, und es wurden größere und schönere Häuser gebaut, von denen heute einige noch stehen. Im Jahre 1806 wurde ein Schifferverein gegründet. Dieser wurde bald in Schiffergeselligkeitsverein umbenannt, und jeder aus dem Dorf betrachtete es als Pflicht Mitglied zu sein. Am 25. März 1889 wurde eine Schiffer-Innung mit 67 Mitgliedern aus Neu Zittau, Gosen, Wernsdorf und Freienbrink gegründet. Später kamen weitere Schiffer dazu, sodass die Innung 1906 bereits 130 Mitglieder zählte. Im Jahre 1897 wurde eine Schifferschule gegründet, in der man das Schifferpatent erlangen konnte. Diese Schule erlangte eine so große Berühmtheit, dass sogar Schiffer aus dem Rheinland ihr Patent hier ablegten. Später versandete der Lauf der Spree immer stärker, und die Schifferei verlagerte sich nach Wernsdorf, was durch den Bau des Oder-Spree-Kanals (1887–1891) begünstigt wurde. Am 1. April 1935 wurde die Innung aufgelöst, da freie Innungen im dritten Reich nicht mehr existieren durften. Am Ende hatte sie noch 70 Mitglieder. Heute gibt es keine Schifffahrt mehr in Neu Zittau, aber dafür ein vielfältiges Angebot von Dienstleistungsunternehmen. Die Palette reicht vom Böttchermeister über Bäcker und Blumenladen bis hin zu Reiterhöfen, Pensionen und vielen Gaststätten.mini|Eugen Bracht: Heidelandschaft (Neu Zittau bei Berlin), 1884

DDR-Zeit In Gosen befand sich das Schulungszentrum der DDR-Staatssicherheit für Auslandsagenten (HVA), welches im Jahr 1988 fertiggestellt und 1990 geschlossen wurde.

Verwaltungsgeschichte Gosen und Neu Zittau gehörten ursprünglich zum Kreis Beeskow-Storkow im Königreich Preußen und lagen hier auf dem Gebiet der ehemaligen Herrschaft Storkow.

Im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen nach dem Wiener Kongress wurde mit Wirkung zum 1. April 1817 der Kreis Teltow-Storkow in der Provinz Brandenburg gegründet, in den beide Orte eingegliedert wurden. Im Jahr 1836 wurde der Kreis Beeskow-Storkow wiederhergestellt. Er bestand bis zu seiner Auflösung am 1. Juli 1950. Gosen und Neu Zittau wurden dem Kreis Fürstenwalde zugeordnet (seit der DDR-Verwaltungsreform von 1952 im Bezirk Frankfurt (Oder)). Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree.

Gosen und Neu Zittau wurden am 26. Oktober 2003 im Rahmen der Gemeindegebietsreform Brandenburgs zu einer Gemeinde zusammengeschlossen.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Gosen Neu Zittau Jahr Gosen Neu Zittau Gosen-Neu Zittau 1875 771 901 2003 2 688 1910 954 1 155 2005 2 731 1939 1 000 1 851 2010 2 900 1946 1 059 2 015 2015 1 590 1 421 3 055 1950 982 1 891 2020 1 895 1 434 3 268 1971 863 1 673 2021 1 887 1 441 3 318 1990 757 1 366 2022 1 982 1 448 3.208 1995 777 1 329 2023 1 996 1 437 3.252 2000 1 135 1 320 2024 2 002 1 453 3.226 2002 1 282 1 352 2025 3 206

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1995),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree, S. 18–21.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Die Angaben der Ortsteile seit 2015 gelten nicht für den 31. Dezember, sondern für den 30. Juni des jeweiligen Jahres, daher gibt es Differenzen zwischen der Gesamteinwohnerzahl der Gemeinde und der Summe der Ortsteile.

Religion Wie in den meisten Regionen Brandenburgs ist die Bevölkerung überwiegend konfessionslos. Gemäß dem Zensus 2022 waren am 15. Mai 2022 7,2 % der Einwohner evangelische und 2,8 % katholische Christen. 90,2 % waren dagegen weder evangelisch noch katholisch.

Es existieren eine evangelische und eine neuapostolische Gemeinde.

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Gosen-Neu Zittau besteht aus 16 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 SPD 31,5 % 5 27,6 % 4 Freiwillige Feuerwehr Gosen 16,0 % 3 23,3 % 4 Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen / Freie Wähler Gosen-Neu Zittau 9,5 % 1 16,2 % 3 bürgernah Gosen-Neu Zittau 11,4 % 2 14,8 % 2 Freiwillige Feuerwehr Neu Zittau 7,5 % 1 6,6 % 1 Einzelbewerber Filip Schnuppe – – 6,1 % 1 Förderverein Dorfkirche Gosen 5,3 % 1 5,5 % 1 Die Linke 9,3 % 1 – – Bündnis 90/Die Grünen 4,9 % 1 – – CDU 4,6 % 1 – – Insgesamt 100 % 16 100 % 16

Bürgermeister 2003–2014: Horst Buch (SPD)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 28 2014–2024: Thomas Schwedowski (SPD) seit 2024: Frank Nakoinz (BVB/Freie Wähler)

Schwedowski wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 mit 54,7 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019

Nakoinz wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024 mit 58,9 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl 30. Juni 2024

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Dorfkirche Neu Zittau mini|hochkant=0.65|Dorfkirche Gosen In der Liste der Baudenkmale in Gosen-Neu Zittau und in der Liste der Bodendenkmale in Gosen-Neu Zittau stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Kirchen Dorfkirche Neu Zittau, Saalkirche von 1767 aus verputztem Mauerwerk mit rechteckigem Kirchturm und Vorhalle von 1907 Dorfkirche Gosen

Geschichtsdenkmale Gedenktafel von 1994 am Wohnhaus der jüdischen Schwestern Lina und Johanna Samters, die durch die Verfolgung der Nazis ums Leben kamen, in der Storkower Straße 3 des Ortsteils Gosen Ehrenmal für die Opfer des Faschismus vor der Kirche an der Berliner Straße im Ortsteil Neu Zittau

Museen mini|Heimatmuseum Neu ZittauHeimatmuseum Neu Zittau Heimatstube Gosen

Spreetreiben mini|17. Spreetreiben im Jahr 2014 Jährlich zu Ostern findet das Spreetreiben statt. In Schwimmanzügen geht es von Neu Zittau die Spree entlang in Richtung Berlin nach Erkner zum Strandbad. Die Teilnehmer tragen kuriose Schwimmhilfen und werden von bis zu 5.000 Besuchern an der Strecke bewundert und angefeuert.

Heimatlied Neu Zittauer Heimatlied von Hauptlehrer Gause (1938):

Dort, wo die Spree sich westwärts wendet, da liegt ein Dörflein still und traut, und wo der Hang am Flüsschen endet, hat’s einst der „alte Fritz“ erbaut. Er rief von Sachsen her die Leute, gab ihnen Acker, Hof und Haus. Und so wie damals schallt’s noch heute, ein frohes Leben aus dem Ort heraus. Folgst du am Fluss dem Wiesenpfade, grüßt drüben dich der Häuser Reih’, und wie aus einer Spielzeuglade sind Größen aller Art dabei. Geschmiegt an jene Hügelkette, die Kirche treu bemuttert sie, und alles strahlt hier um die Wette – ein herrlich Bild, das vergisst man nie. Stehst du am Rande jener Hügel, da wo die Heide weit sich dehnt, hättest dem Schauen weite Flügel für diesen Anblick schnell entlehnt. Vorn ducken sich die Häuser nieder, dort hinten schlängelt sich der Fluss. Wald, Wiese, Hügel grüßen wieder – ein prächtig Bild, das ewig bleiben muss. Wisst ihr, wie ich dies Fleckchen nenne, den Ort, der solches bietet dar? Der darin wohnt, glaubt, dass er’s kenne – es heißt „Neu-Zittau“ doch fürwahr. Wir, die wir seine Bürger heißen, sind stolz auf diese Heimat hier. Sind unsere Alten auch aus Zittau-Meißen, jetzt sind wir Märker, heimattreu wie ihr.

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Müggelpark Gosen Trötsch Verlag

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