Die Chrëschtlech-Sozial Vollekspartei (, ), kurz CSV oder PCS, ist die mitgliederstärkste Partei in Luxemburg. Die konservative, christdemokratische und pro-europäische Partei ist Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP), der Zentristisch Demokratischen Internationale und der Internationalen Demokratischen Union.

In der Regierung Frieden-Bettel stellt sie den Premierminister und bildet die mit Abstand stärkste Partei. Luc Frieden ist seit November 2023 Premierminister Luxemburgs.

Geschichte Vorläuferin der CSV war die 1914 gegründete Rechtspartei (Rietspartei bzw. Parti de la droite). Diese entstand als konservative Gegenspielerin des 1908 gebildeten „Linksblocks“ (Lénksblock, Bloc des Gauches) aus Liberaler Liga und Sozialdemokraten, die den Einfluss der katholischen Kirche, vor allem im Schulwesen, zurückgedrängt hatte. Die Rechtspartei wurde bei der Wahl zur Verfassunggebenden Versammlung 1918 und bei allen Kammerwahlen von 1919 bis 1937 stärkste Kraft und stellte mit Léon Kauffman, Émile Reuter, Joseph Bech und Pierre Dupong die meisten Premierminister der Zwischenkriegszeit.

Nach der Befreiung Luxemburgs am Ende des Zweiten Weltkriegs bildete sich im Dezember 1944 die Luxemburger Christlich Soziale Volkspartei (, frz. ), kurz LCV. Am 20. März 1945 bekam die Partei vom damaligen Parteivorsitzenden Émile Reuter (1874–1973) ihren heutigen Namen.

Bei der Parlamentswahl am 21. Oktober 1945 erhielt die CSV 25 von insgesamt 51 Sitzen im luxemburgischen Parlament. Seit ihrer Gründung wurde die CSV bei jeder Kammerwahl stärkste Kraft, aus ihren Reihen stammen alle luxemburgischen Premierminister – mit Ausnahme der Legislaturperioden 1974–1979 und 2013–2023. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war sie Teil der Regierung vun der Nationaler Unioun mit Sozialisten, Liberalen und Kommunisten (1945–47). Dann folgten abwechselnd Koalitionen mit der liberalen DP (1947–1951, 1959–64, 1969–74, 1979–84, 1999–2004 und seit 2023) oder mit der sozialdemokratischen LSAP (1951–59, 1964–69, 1984–1999, 2004–13).

Wahlergebnisse Parlamentswahl

Jahr % Sitze 1945 44,7 1948 36,3 1951 42,1 1954 45,2 1959 38,9 1964 35,7 1968 37,5 1974 29,9 1979 36,4 1984 36,7 1989 32,4 1994 30,3 1999 30,1 2004 36,1 2009 38,0 2013 33,7 2018 28,3 202329,2

Europawahlen Jahr % Sitze 1979 36,1 1984 34,9 1989 34,9 1994 31,5 1999 31,7 2004 37,1 2009 31,3 2014 37,7 2019 21,1 2024 22,9

Parteipräsidenten mini|hochkant|Logo der Jugendorganisation CSJ

1945–1964 Émile Reuter 1964–1965 Tony Biever 1965–1972 Jean Dupong 1972–1974 Nicolas Mosar 1974–1982 Jacques Santer 1982–1990 Jean Spautz 1990–1995 Jean-Claude Juncker 1995–2004 Erna Hennicot-Schoepges 2004–2009 François Biltgen 2009–2014 Michel Wolter 2014–2019 Marc Spautz 2019–2021 Frank Engel 2021–2023 Claude Wiseler 2022–2024 Elisabeth Margue seit 2024 Luc Frieden

Regierungsmitglieder Regierungsmitglied FunktionLuc FriedenPremierministerMartine HansenMinisterin für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau; Ministerin für Verbraucherschutz; Ministerin für SportGilles RothMinister der FinanzenMartine DeprezMinisterin für Gesundheit und soziale SicherheitLéon GlodenMinister für innere AngelegenheitenMarc SpautzMinister für ArbeitSerge WilmesMinister für Umwelt, Klima und Biodiversität; Minister für den öffentlichen DienstElisabeth MargueMinisterin der Justiz; beigeordnete Ministerin, zuständig für Medien und Konnektivität; beigeordnete Ministerin, zuständig für die Beziehungen zum Parlament

Bedeutende Mitglieder Joseph Bech, gilt als einer der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaften Pierre Werner, leitete den ersten Versuch der Gründung einer europäischen Währungsunion ein (Werner-Plan) Jacques Santer, 1995–1999 Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker, 1995–2013 Premierminister von Luxemburg, 2014–2019 Präsident der Europäischen Kommission

Literatur Émile Schaus: Ursprung und Leistung einer Partei: Rechtspartei und Christlich-Soziale Volkspartei 1914–1974. Luxemburg: Imprimerie Saint-Paul 1974. Gilbert Trausch (Hrsg.): CSV: Spiegelbild eines Landes und seiner Politik? Geschichte der Christlich-Sozialen Volkspartei Luxemburgs im 20. Jahrhundert. Luxemburg: Imprimerie Saint-Paul 2008.

Weblinks

Offizielle Website der CSV Wahlprogramm Kammerwahl 2023 (PDF; 1,2 MB) Grundsatzprogramm der CSV (PDF; 2,4 MB) Statuten der CSV (PDF) Jugendorganisation der CSV

Einzelnachweise

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