mini|hochkant=1.5|Der Arktische Ozean mini|Der Arktische Ozean ist gekennzeichnet von zwei tiefen Ozeanbecken und einem ausladenden Schelfmeer. mini|Die Packeisdecke des Arktischen Ozeans am geographischen Nordpol Der Arktische Ozean, auch Nordpolarmeer, Nördliches Eismeer, Arktische See oder kurz Arktik genannt, ist mit 14,09 Millionen km² der kleinste Ozean der Erde. Mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von 987 m zählt er zu den flacheren Meeren, seine größte Tiefe beträgt 5669 m.Martin Klenke, Hans Werner Schenke: A new bathymetric model for the central Fram Strait. In: Marine geophysical researches. 23, 2002, S. 367–378 (englisch) doi:10.1023/A:1025764206736 Er wird manchmal auch als Nebenmeer des Atlantischen Ozeans betrachtet. Der Arktische Ozean liegt in der Arktis und ist ganzjährig von Meereis bedeckt, wobei die Ausdehnung des Eises jahreszeitlich schwankt und durch den Klimawandel massiv abgenommen hat. Laut NASA verringert sich die sommerliche Meereisbedeckung derzeit um 12,6 % pro Dekade aufgrund von globaler Erwärmung.
Geographie Nordpol Innerhalb des Arktischen Ozeans bzw. auf dessen Inseln liegen die vier Pole der nördlichen Hemisphäre.
Lage Der Arktische Ozean, der sich im äußersten Norden der Nordhalbkugel der Erde befindet, liegt zwischen den drei Kontinenten Asien, Europa und Nordamerika. Daher gilt er auch als ein interkontinentales Mittelmeer, obwohl er wissenschaftlich betrachtet einer der fünf Ozeane der Erde ist.
Mit dem Atlantik ist der Arktische Ozean hauptsächlich durch das etwa 1500 km breite Europäische Nordmeer zwischen Grönland und Skandinavien verbunden, darüber hinaus durch schmale Meeresstraßen in der nordkanadischen Inselwelt, die zur Davisstraße westlich von Grönland führen. Mit dem Pazifik ist er nur durch die etwa 85 km breite Beringstraße verbunden.
Der Arktische Ozean hat eine Ausdehnung von rund 14,09 Millionen km² und ist großflächig von Eis bedeckt. Dabei nimmt die Eisbedeckung mit den Jahreszeiten zu und ab. Insgesamt hat die Eisfläche seit den 1970er Jahren deutlich abgenommen.Dieter Kasang: Meereis im Klimawandel. Auf: Hamburger Bildungsserver, abgerufen am 10. August 2020. Während die spät-sommerliche Eisbedeckung im September in den 1980er Jahren noch zwischen 6 und 7 Millionen km² betrug, beträgt diese in den 2010er Jahren nur noch durchschnittlich 4,13 Millionen km². Mitte September 2020 lag dieser Wert bei 3,8 Millionen km².
mini|Arktische Meereisausdehnung im September 1984 mit deutlichem Anteil von mehrjährigem Eismini|Geringere Meereisausdehnung im September 2016 mit reduziertem Anteil von mehrjährigem Eis
Im Molloytief, das sich 165 km westlich von Spitzbergen befindet, ist der Arktische Ozean bis 5669 m tief.
Nebenmeere Zwischen Grönland und Skandinavien grenzt der Arktische Ozean an das Europäische Nordmeer (das nördlichste Randmeer des Atlantiks) und zwischen Alaska und Ostsibirien an die Beringstraße, die zum Beringmeer (das nördlichste Randmeer des Pazifiks) überleitet. Grönlandsee und Europäisches Nordmeer sind auch Randmeere des Atlantiks, weil sie zu diesem Ozean überleiten. Auch weitere Nebenmeere des Arktischen Ozeans sind in folgender Tabelle gelistet:
Bezeichnung Art Fläche (km²) Durchschnittstiefe (m) Beaufortsee Randmeer 476.000 1.004 Lincolnsee Randmeer 64.000 Wandelsee Randmeer Grönlandsee Randmeer 1.205.000 1.440 Europäisches Nordmeer Randmeer 1.100.000 <2.000 Weißes Meer Randmeer 90.000 60 Barentssee Randmeer 1.405.000 230 Karasee Randmeer 880.000 118 Laptewsee Randmeer 660.000 578 Ostsibirische See Randmeer 936.000 45 Hudson Bay Binnenmeer 1.230.000 200 Tschuktschensee Randmeer 582.000 77
Zuflüsse Fünf Flüsse, die zu den längsten der Welt gehören, münden in den Arktischen Ozean. Auf der euroasiatischen Seite sind das die großen sibirischen Flüsse Ob, Jenissei und Lena, in Nordamerika der Yukon River in Alaska und der kanadische Mackenzie River. Die in den Ozean eingetragene Wassermenge durch die sibirischen Flüsse ist etwa 3-4 mal größer als die der nordamerikanischen Zuflüsse. Die Forscher um Bruce Peterson behaupten,Science, Bd. 298, S. 2171 dass die ins Nordpolarmeer gelangte Süßwassermenge von 1936 bis 1999 um etwa 128 km³ bzw. etwa um sieben Prozent zugenommen hat.https://sciencev1.orf.at/news/63890.html
Angrenzende Staaten mini|Hornstrandir auf Island; Blick auf die Dänemarkstraße, die den Arktischen Ozean mit dem Nordatlantik verbindet
Der Arktische Ozean grenzt jeweils an die nördlichen Gebiete folgender Länder und Landteile: Alaska (Vereinigte Staaten), Kanada und Grönland (Dänemark), Island, Norwegen sowie Russland. Die politische Zugehörigkeit verschiedener Teile des Arktischen Ozeans zu den Anrainerstaaten ist umstritten (→ Außenpolitik Russlands#Arktis). Dänemark und Kanada haben am 14. Juni 2022 ihren jahrzehntelangen Streit („Whiskykrieg“) um die Hans-Insel offiziell beigelegt.
Landmarken Kap Deschnjow Kap Morris Jesup Kap Tscheljuskin
Inselwelt Außerdem grenzt er unter anderem an folgende Inseln und Inselgruppen: Banksinsel, Franz-Joseph-Land, Königin-Elisabeth-Inseln mit Ellesmere-Insel, Grönland, Island, Kolgujew, Neusibirische Inseln, Nowaja Semlja, Sewernaja Semlja, Spitzbergen und Wrangelinsel.
Geologie
mini|hochkant=1.5|Tiefenprofil durch den Arktischen Ozean
Die geologische Struktur des Arktischen Ozeans wird von zwei großen Tiefseebecken dominiert, die durch einen unterseeischen Gebirgszug, den Lomonossow-Rücken, voneinander getrennt sind: das Eurasische Becken auf der Atlantikseite und das Kanadische oder Amerasische Becken auf der Pazifikseite. Diese Becken sind von ausgedehnten Kontinentalschelfen umgeben, die etwa ein Drittel ihrer Fläche einnehmen. Die Entstehung des Arktischen Ozeans ist das Ergebnis von plattentektonischen Prozessen über Jahrmillionen, darunter Seafloor-Spreading und die Fragmentation von Kontinentalblöcken.Die Spreizung des Meeresbodens AWI-Website, abgerufen am 26. November 2025.
Großstrukturen und Bathymetrie mini|Arktischer Ozean mit diversen Becken und Rücken (englische Bezeichnungen). Der Arktische Ozean gliedert sich in zwei primäre geologische Provinzen:
1. Das Eurasische Becken (Eurasian Basin): Dieses Becken ist ein ozeanisches Becken, das durch Seafloor-Spreading am Gakkelrücken gebildet wurde, der nördlichsten Verlängerung des Mittelatlantischen Rückens. Der Gakkelrücken teilt das Eurasische Becken seinerseits in das Nansen-Becken (zwischen dem Gakkelrücken und dem eurasischen Kontinentalrand) und das Amundsenbecken (zwischen dem Gakkelrücken und dem Lomonossow-Rücken) auf. Das Amundsen-Becken ist mit ~4500 m die tiefste Region des Arktischen Ozeans.
2. Das Kanadische oder Amerasische Becken (Canadian Basin / Amerasian Basin): Dieses Becken ist geologisch komplexer; es könnte durch verschiedene Mechanismen, einschließlich begrenzter ozeanischer Krustenbildung und ausgedehnter Dehnung kontinentaler Kruste, entstanden sein. Es wird durch den Alpha-Mendelejew-Rücken in weitere Unterbecken unterteilt: das Kanada-Becken (Canada Basin) – nicht zu verwechseln mit dem größeren Kanadischen Becken im Süden (mit ~3800 m das flachste – und größte Unterbecken) und das Makarow-Becken (Makarov Basin).Martin Jakobsson, Norman Cherkis, John Woodward, Ron Macnab, Bernard Coakley: New Grid of Arctic Bathymetry Aids Scientists and Mapmakers. In: EOS, Transactions of American Geophysical Union, Band 81, Ausgabe 9. S. 89-96. DOI:10.1029/00EO00059. Die genaue Entstehung des Alpha-Mendelejew-Rückens ist nach wie vor Gegenstand der Forschung; diskutiert werden ein vulkanisch überprägter Mittelozeanischer Rücken oder eine Hotspot-Spur (wenn das heiße Gestein aus dem Meeresboden strömt, während sich aber die oberste Krustenschicht langsam verschiebt).David C. Mosher, Deborah R. Hutchinson (2019): Canada Basin. In: Alexey Piskarev, Victor Poselov, Valery Kaminsky (Hrsg.): Geologic Structures of the Arctic Basin. Springer, Cham. DOI:10.1007/978-3-319-77742-9_10.
Entstehungsgeschichte
Die geologische Entwicklung des Arktischen Ozeans lässt sich in groben Zügen wie folgt rekonstruieren:
Kreidezeit bis Paläogen: Die Öffnung des Kanadischen Beckens begann vermutlich vor etwa 130-120 Millionen Jahren, als die ursprüngliche Kontinentalscholle, bestehend aus den heutigen Schelfen Sibiriens, Nordamerikas und Grönlands, auseinanderbrach. Es wird angenommen, dass sich das Kanada-Becken durch Rotation des Alaska- und Tschuktschen-Blocks von Nordamerika weg öffnete.L. A. Lawver, C. R. Scotese (1986): A review of tectonic models for the evolution of the Canada Basin. In The Arctic Ocean Region. Geological Society of America. A review of tectonic models for the evolution of the Canada Basin (PDF). Paläogen bis heute: Die Öffnung des Eurasischen Beckens ist jünger. Vor etwa 55-56 Millionen Jahren begann der Lomonossow-Rücken, ein schmales, bis zu 1600 m hoher Kontinentalfragment, sich durch die beginnende Spreizung des Ozeanbodens (Seafloor-Spreading) am Gakkelrücken von der Barents-Kara-Schelfkante Eurasiens zu lösen und nach Norden zu driften. Dieser Prozess trennte das ursprünglich zusammenhängende arktische Becken in die beiden heute existierenden Hauptbecken und schuf die tiefe Framstraße als Verbindung zum Atlantik.H. A. Roeser, M. Block, K. Hinz, C. Reichert (1995): Marine geophysical investigations in the Laptev Sea and the western part of the East Siberian Sea. In: Reports on Polar Research, Band 176, S. 367–377.
Schelfe und Sedimente
mini|Eine bathymetrische/topographische Karte des Arktischen Ozeans und der umliegenden Länder. Die breiten Schelfe des Arktischen Ozeans, wie die Barentssee, Karasee, Laptewsee und Ostsibirische See, sind überflutete Teile der kontinentalen Kruste. Sie sind von mächtigen Sedimentpaketen bedeckt, die von den großen sibirischen und nordamerikanischen Flüssen (Ob, Jenissei, Lena, Mackenzie) angeliefert wurden. Diese Sedimente sind von großer klimatischer Bedeutung, da sie große Mengen an organischem Kohlenstoff und potenziell auch Gashydrate speichern.Ruediger Stein, Robie W. MacDonald (Hrsg.) (2004): The Organic Carbon Cycle in the Arctic Ocean. Springer. Berlin und Heidelberg 2004. ISBN 978-3-540-01153-8.
Aktuelle Forschung und offene Fragen
Die Geologie der Arktis ist aufgrund der ganzjährigen Eisbedeckung und der schwierigen Erfassungsbedingungen noch immer nicht vollständig verstanden. Internationale Bemühungen wie die IBCAO (International Bathymetric Chart of the Arctic Ocean) haben die Kartierung des Meeresbodens erheblich verbessert.Martin Jakobsson, Ron Macnab, Larry Mayer, Robert Anderson, Margo Edwards, Jörn Hatzky, Hans Werner Schenke, Paul Johnson (2008): An improved bathymetric portrayal of the Arctic Ocean: Implications for ocean modeling and geological, geophysical and oceanographic analyses. In: Geophysical Research Letters, Band 35, L07602. DOI:10.1029/2008GL033520. Offene Fragen betreffen die genaue Altersbestimmung der ozeanischen Kruste im Kanadischen Becken, die tektonische Natur des Alpha-Mendelejew-Rückens und die Wechselwirkung zwischen geologischen Strukturen und den Zirkulationsmustern der Tiefenwassermassen.Göran Björk, Martin Jakobsson, Bert Rudels, James H. Swift, Leif Anderson, Dennis A. Darby, Jan Backman, Bernard Coakley, Peter Winsor, Leonid Polyak, Margo Edwards (2007): Bathymetry and deep-water exchange across the central Lomonosov Ridge at 88–89°N. In: Deep Sea Research Part I: Oceanographic Research Papers, Band 54 (2007), Ausgabe 8, S. 1197-1208. DOI:10.1016/j.dsr.2007.05.010.David C. Mosher, Deborah R. Hutchinson (2019): Canada Basin. In: Alexey Piskarev, Victor Poselov, Valery Kaminsky (Hrsg.): Geologic Structures of the Arctic Basin. Springer, Cham. DOI:10.1007/978-3-319-77742-9_10. „Mittelmeer des Nordens“ zeitweise salzfrei?