Die Zirbelkiefer (Pinus cembra), auch Zirbenkiefer, Arbe, Arve, Zirbe oder Zirbel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Ihre Heimat sind die Alpen und die Karpaten. Zirbelkiefern können bis zu 25 Meter hoch und 1000 Jahre alt werden. Ihre Kurztriebe tragen viele Büschel mit jeweils fünf Nadeln. Das sehr aromatisch duftende Holz wird als Möbel- und Schnitzholz verwendet. Die Samen (Zapfen) werden irreführend „Zirbelnüsse“ genannt, obwohl sie keine Nüsse sind.

Etymologie, Namen Die Bezeichnung Zirbe (mundartlich auch Zirm) für diese Kiefernart ist in Österreich und Bayern (Deutschland) gebräuchlich. Bis ins 16. Jahrhundert bezog sich dieser Name jedoch nur auf ihre Zapfen. Das Wort geht auf althochdeutsch zirbil ‚Fichtenzapfen‘ zurück, wozu auch mittelhochdeutsch zirben ‚wirbeln, sich im Kreise drehen‘ gehört.Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 25. Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2011, S. 1012.

Der Namenszusatz „cembra“ (Artepitheton) wurde von Carl von Linné nach den in Europa verbreiteten Vernakularnamen vergeben. Dabei bezog sich Linné unter anderem auf das 1586 erschienene Pflanzenbuch De plantis epitome utilissima von Pietro Mattioli, der die Art als Pinus Cembro aufgeführt hatte. Rätoromanisch: Bündnerromanisch: dschember (Engadin), schiember (Surselva), schember (Rumantsch Grischun) (alle mit stimmhaftem Anlaut [dʒ], [ʒ]), Dolomitenladinisch: cier, cirum, zirm (Anlaut [tʃ], [ts]), Friaulisch: cirmul, Italienisch: cembro, cirmolo (letzteres aus dem Friaulischen), Rumänisch: zâmbru, Französisch: pin cembro

Alle diese Wörter haben eine gemeinsame vorrömische Basis *gímaro, *kímaro, *kíramo,Walther von Wartburg: Französisches Etymologisches Wörterbuch. Band XXV 1. Bearbeitet von Jean-Pierre Chambon und Jean-Paul Chauveau. Zbinden, Basel 1970–2002, S. 84–86.Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1996, ISBN 3-7643-2390-6 (Nachdruck ISBN 3-937872-16-7). mit Ausnahme von zirm und ähnlichen, die vielleicht auf ein mundartliches deutsches Zirm = Zirben zurückgehen.

In der Deutschschweiz wird dieser Baum ArveHans Bickel, Christoph Landolt: Duden. Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. 2., vollständige überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2018, S. 16- oder dialektal ArbeSchweizerisches Idiotikon. Band I. Huber, Frauenfeld 1881–1885, Spalte 421. genannt, in der französischsprachigen Schweiz, in Hochsavoyen und im Aostatal arole oder arolle.André Thibault, Pierre Knecht: Dictionnaire Suisse romand. Particularité lexicales du français contemporain. Zoé, Carouge-Genf 1997, S. 85 f. Beide Wörter gehen auf ein gallisches *arawo beziehungsweise eine um eine Ableitungssilbe ergänzte Wortvariante zurück.Glossaire des patois de la Suisse romande. Band I. Attinger, Neuenburg/Paris 1924–1933, S. 626–628. Der typische Mischbestand der Hochgebirgsregion, den die Zirbelkiefer gemeinsam mit der Lärche bildet, wird in der Fachliteratur als Arven-Lärchenwald bezeichnet.

Beschreibung mini|Junge Zirbelkiefer auf Gipsstein-Boden in Frankreich Habitus Die Zirbelkiefer ist ein immergrüner Baum, der Wuchshöhen bis 25 Meter und einen Brusthöhendurchmesser bis 1,7 Meter erreicht. Junge Bäume besitzen einen geraden Stamm, der in einer schmalen Krone endet. Die Äste reichen fast bis zum Boden. Junge Triebe weisen eine rotgelb gefärbte, filzige Behaarung auf, die sich nach dem ersten Winter schwarzgrau verfärbt. Vor allem freistehende Altbäume wachsen oft in bizarren Formen und sind häufig tief und kräftig beastet. Sie sind meist krummschäftig oder mehrstämmig. Solche Wuchsformen treten in geschlossenen Beständen eher selten auf.

Wurzelsystem Auf den meist flachgründigen und geschiebereichen Gebirgsböden ist die Zirbelkiefer nur selten in der Lage, ein Wurzelsystem ungestört auszubilden. Jungbäume haben eine Pfahlwurzel, die nur von kurzer Lebensdauer ist und schon bald von kräftigen Senkerwurzeln abgelöst wird, welche von den weit reichenden Seitenwurzeln ausgehen. Diese Senkerwurzeln dringen in Gesteinsspalten ein und verankern den Baum so.

Borke mini|Borke eines Baumes mittleren Alters Die Borke von Altbäumen ist von graubrauner Farbe und weist die für Kiefern typischen Längsrisse auf. Die innere Rinde ist rötlichbraun gefärbt. Die glatte Rinde der Jungbäume ist glänzend grau bis graubraun gefärbt. Die Rinde der Äste ist von graugrüner bis hellgrauer Farbe. Junge Triebe sind gerieft.

Holz Siehe auch: Nutzung#Zirbelholz

Das zuerst rötliche und später rotbraun gefärbte Kernholz duftet stark aromatisch und wird von einem relativ schmalen gelblichen Splint umgeben. Das Holz ist relativ leicht, weich, mäßig bis wenig dauerhaft, lässt sich gut bearbeiten, ist nagel- und schraubenfest und besitzt einen gleichmäßigen, feinen Aufbau. Der Splintholzanteil ist empfindlich gegenüber Bläuepilzen. Die Jahresringe sind deutlich zu erkennen. Das Spätholz besitzt zahlreiche und relativ große Harzkanäle. Die Fladerung hat durch viele gesund eingewachsene und dunkel rotbraun gefärbte Äste eine als dekorativ geltende Struktur. Die Darrdichte beträgt 0,37 bis 0,56 g/cm³. Zirbenholz ist leicht und weich (Darrdichte 400 kg/m³, Brinellhärte 15 N/mm²) und sehr gut zu bearbeiten; die Festigkeitseigenschaften sind mäßig gut und das Schwindmaß gering. Es lässt sich gut spalten und gut schnitzen. Es ist leicht zu trocknen; bei der Oberflächenbehandlung ist der Harzanteil zu berücksichtigen.

Nadeln Die biegsamen Nadeln der Zirbelkiefer werden fünf bis elf Zentimeter lang und rund einen Millimeter dick. Jeder Kurztrieb weist mehrere Büschel zu je fünf Nadeln auf, die meist gehäuft an der Zweigspitze angeordnet sind. Der Nadelrand ist bis auf die Nadelspitze fein gesägt. Die im Querschnitt dreieckigen Nadeln besitzen zwei nach unten weisende Seiten. Jede dieser Seiten besitzt mehrere bläulich-weiß gefärbte Spaltöffnungsstreifen. Die gewölbte Nadeloberseite ist dunkelgrün und weist keine Spaltöffnungen auf. Die Primärnadeln, die den Keimblättern folgen, und die später gebildeten Sekundärnadeln besitzen sowohl auf der Nadelober- als auch auf der Nadelunterseite Spaltöffnungen. Bei Primärnadeln sind diese in sechs bis sieben Reihen und bei Sekundärnadeln an der Oberseite in zwei Streifen von je sieben bis elf Reihen und an der Unterseite in einigen kurzen Reihen angeordnet. Die neun bis zwölf Keimblätter werden rund drei Zentimeter lang und besitzen an der Nadeloberseite zwei Spaltöffnungsstreifen mit je fünf bis acht Reihen. Noch im ersten Lebensjahr werden 14 bis 22 flache und am Rand gezähnte Primärnadeln gebildet, die mit Köpfchenhaaren versehen sind. Die Nadeln können bis zu zwölf Jahre am Baum verbleiben.

Blüten, Zapfen und Samen mini|Männliche Blütenzapfen mini|Junger weiblicher Blütenzapfen Die Zirbelkiefer ist einhäusig-getrenntgeschlechtig (monözisch), wobei eine Selbstbefruchtung möglich ist. Sie wird im Freistand mit rund 40 Jahren mannbar; in dichten Beständen später. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Die violetten weiblichen Blütenzapfen sind kurz gestielt und erscheinen einzeln oder zu mehreren an den Spitzen von Langtrieben. Man findet sie vor allem an den äußeren Bereichen des oberen Kronendrittels. Die gelblichen bis violetten männlichen Blütenzapfen werden anstelle von Kurztrieben an der Basis von jungen Langtrieben gebildet. Man findet sie vor allem im unteren Kronendrittel. Die Zapfen werden fünf bis neun Zentimeter lang und 3,5 bis sechs Zentimeter dick. Sie sind anfangs aufrecht stehend und bläulich-grün bis violett gefärbt, zur Reife nach rund einem Jahr verfärben sie sich hellbraun. Im Frühjahr des dritten Jahres fallen sie als ganze ab und zerfallen erst danach. Die relativ dicken, rundlichen Samenschuppen werden circa zwei Zentimeter lang. Die neun bis 14 Millimeter langen und 0,2 bis 0,25 Gramm schweren Samen besitzen einen funktionslosen Flügelrest. Sie verbleiben im Zapfen, werden von Tieren herausgelöst und von ihnen verbreitet. Ein Zapfen enthält durchschnittlich 93 Samen. Das Tausendkorngewicht liegt zwischen 150 und 350 Gramm.

Verbreitung mini|Die Turracher Höhe zählt zu den größten geschlossenen Zirbenwaldflächen in Österreich. mini|Herbstliche Zirbelkiefern im Verband mit Lärchen, Hochrindl/Kärnten Das Verbreitungsgebiet der Zirbelkiefer ist zweigeteilt:

Das größere Teilareal liegt im Alpenraum mit einem Schwerpunkt in den kontinentalen Zentralalpen. Die Westgrenze bilden die Seealpen und die Dauphiné in Frankreich, während die Ostgrenze am Gamsstein in den Ybbstaler Alpen liegt. Südlich kommt sie bis zum Monte Baldo und dem Monte Viso vor. Nordwärts gibt es einzelne Vorkommen in den nördlichen Kalkalpen vom Genfersee, in den Stubaier und Tuxer Alpen, im Karwendel bis zum Salzkammergut und in den Bayerischen und den Berchtesgadener Alpen. Im Allgäu kommt die Art nicht vor. Als höchstgelegener geschlossener Zirbelkieferwald in Europa gilt der Wald von Tamangur im schweizerischen Unterengadin., aufgerufen am 12. August 2012.

Das zweite und kleinere Teilareal befindet sich in der Hohen Tatra und in den Süd- und Ostkarpaten.

Außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets findet man die Art vor allem in Parks und Arboreten.

Im Ampasser Kessel unterhalb der Viggarspitze in den Tuxer Alpen befindet sich auch der älteste Baum Tirols, eine über 700 Jahre alte Zirbelkiefer, die 1926 als Naturdenkmal ausgewiesen wurde.

Standort Die Zirbelkiefer bildet Reinbestände oder ist mit der Europäischen Lärche (Larix decidua) im Vaccinio-Pinetum cembrae vergesellschaftet und bildet mit ihr die Lärchen-Arvenwälder der oberen subalpinen Stufe.

Temperatur und Niederschlag Die Zirbelkiefer kommt in Höhenlagen von 1300 Meter bis 2850 Meter vor, bevorzugt zwischen 1500 und 2000 Meter. Sie ist eine Baumart des strengen kontinentalen Klimas. Sie gilt als die frosthärteste Baumart der Alpen – Temperaturen von bis zu −43 °C werden unbeschadet überstanden – und ist einigermaßen wenig anfällig für Spätfrost.

Im inneralpinen Bereich, wo die Jahresniederschläge zwischen 700 und 1000 mm liegen, wächst die Zirbelkiefer hauptsächlich auf den feuchteren Nord- und Westhängen. In der nördlichen Hälfte der Alpen wächst sie hauptsächlich auf den wärmeren Süd- und Südosthängen.

Boden Die Art bevorzugt frische und tiefgründige Böden sowie versauerte Rohhumusböden. Sie wächst meist auf Granit, Gneis, Schiefer, Sandstein oder Kalkgestein. Sie stellt nur geringe Ansprüche an den Nährstoffgehalt und den pH-Wert des Bodens. Für die Keimlinge ist eine Versorgung mit Kalium wichtig.

Zeigerwerte Nach Ellenberg ist sie im Jugendstadium eine Halbschattenpflanze, ein Frischezeiger, auf stickstoffarmen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart der Arvenwälder und Gebirgs-Zwergstrauchheiden (Rhododendro-Vaccinienion). Sie ist die Schlussbaumart des hochsubalpinen Waldes (Larici-Pinetum cembrae).

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Ökologie Krankheiten und Schädlinge Gegen abiotische Gefährdungen wie Lawinen, Erosion und Nassschnee ist die Zirbelkiefer äußerst widerstandsfähig. Sie ist einigermaßen resistent gegenüber Ozon und Schwefeldioxid.

Als Jungpflanze erträgt sie keine längere Schneebedeckung, weil ihre Nadeln dann vom Pilz Weißer Schneeschimmel (Phacidium infestans) befallen werden. Der Jungwuchs wird vor allem durch Verbiss und Fegen von Gämsen, Rehen und Hirschen stark reduziert.