+ Die 17. Schachweltmeisterschaft 1948 220px|centerMichail Botwinnik aus der SowjetunionGewinner der Schach-WM 1948 Platz 5 Teilnehmer Alter Hist.Elo Pkt. 1 362826 14 2 26/272730 113-4 322754 10½ 362700 5462730 4 ◄ 1937 1951 ► mini|Der Weltschachbund FIDE organisierte erstmals 1948 einen Titelkampf um die Schachweltmeisterschaft. mini|Niederländische Kinonachrichten über die Weltmeisterschaft in Den Haag, 23. März 1948 Die Schachweltmeisterschaft 1948 war ein vom Weltschachbund FIDE organisiertes Schachturnier, um die Nachfolge des verstorbenen Weltmeisters Alexander Aljechin zu ermitteln. Sie fand vom 2. März 1948 bis 16. Mai 1948 in Den Haag und Moskau statt. Teilnehmer waren Michail Botwinnik, Wassili Smyslow und Paul Keres aus der Sowjetunion, der Amerikaner Samuel Reshevsky sowie der Niederländer und frühere Weltmeister Max Euwe. Es war dies der erste von der FIDE organisierte Titelkampf, zudem wurde erstmals ein Rundenturnier zur Ermittlung des Weltmeisters angesetzt. Botwinnik gewann mit 14 Punkten aus 20 Partien und war damit neuer Schachweltmeister.
Hintergrund
Am 24. März 1946 starb Weltmeister Alexander Aljechin im portugiesischen Exil. Seitdem war der Weltmeistertitel vakant. Der Weltschachbund beschloss auf dem FIDE-Kongress 1947 in Den Haag, ein Turnier mit sechs Teilnehmern zur Ermittlung des neuen Schachweltmeisters auszurichten.
Teilnehmer Startnummer 1 2 3 4 5 Porträts(nicht zeitgetreu) 150pxMichail Botwinnik 150pxMax Euwe 150pxWassili Smyslow 150pxSamuel Reshevsky 150pxPaul Keres Nation Sowjetunion Niederlande Sowjetunion Vereinigte Staaten Sowjetunion Alter 36 Jahre 46 Jahre 26/27 JahreSmyslow vollendete am 24. März 1948 sein 27. Lebensjahr. 36 Jahre 32 Jahre HistorischeElo-Zahl(März 1948) 2826 2730 2730 2700 2754 Diese fünf Spieler sowie als sechster Teilnehmer Reuben Fine wurden auf dem FIDE-Kongress 1947 ausgewählt.Leeuwarder Courant. 4. August 1947, S. 3 (Onlineansicht, niederländisch). Fine verzichtete jedoch auf eine Teilnahme. Er gab als Begründung die Anfertigung seiner DoktorarbeitChess Review. November 1948, S. 2. und berufliche Verpflichtungen an.Chess Review. Februar 1948, S. 4. Eine andere Quelle berichtet, Fine seien die Geldpreise zu gering und er selbst gebe eine Krankheit an. Etwa zehn Jahre später schrieb Fine, er habe zu der Zeit mit seinem Beruf als Psychoanalytiker begonnen.Reuben Fine: Lessons from My Games. McKay, New York 1958, S. 151f. (Nachdruck: Constable, New York 1983, ISBN 0-486-24429-6). Für Fine wurde kein Ersatzspieler eingeladen. Das war auf dem FIDE-Kongress 1947 so beschlossen worden.
Durch die Teilnahme von Max Euwe war dies die dritte Schachweltmeisterschaft, in der ein ehemaliger Weltmeister an einer Schachweltmeisterschaft teilnahm. Dies war zuvor bereits bei der Schachweltmeisterschaft 1896 und der Schachweltmeisterschaft 1937 geschehen.
Die Startnummern der Teilnehmer wurden am 1. März 1948 ausgelost.Arbeiter-Zeitung. 3. März 1948, S. 3 (Onlineansicht)
Turniermodus Es wurde ein Rundenturnier mit fünf Durchgängen gespielt. Vor dem Verzicht Fines waren nur vier Durchgänge geplant.American Chess Bulletin. Ausgabe März/April 1948, S. 25. Es wurden 25 Runden gespielt, jeder Teilnehmer hatte in fünf Runden einen spielfreien Tag.
Die ersten zehn Runden wurden in Den Haag im Großen Saal des Tierparks ausgetragen.De Gelderlander. 7. Februar 1948, S. 1 (niederländisch). Die erste Runde begann am 2. März 1948, die zehnte und letzte Runde in Den Haag war am 26. März 1948 beendet. Die verbleibenden Runden wurden in Moskau im SäulensaalTime Magazine. 3. Mai 1948, Artikel "Sport: Winning Ways" (, englisch). des Hauses der Gewerkschaften gespielt.De Gelderlander. 5. April 1948, S. 3 (niederländisch). Die erste Runde in Moskau, die insgesamt elfte, begann am 11. April 1948, die letzte Runde des Turniers fand am 16. Mai 1948 statt.
Die Bedenkzeit betrug in jeder Partie 2½ Stunden für die ersten 40 Züge und danach jeweils eine Stunde für weitere 16 Züge. Nach fünf Stunden Spielzeit konnte eine Partie als Hängepartie abgebrochen werden und an einem der folgenden Tage beendet werden.
Als Hauptschiedsrichter fungierte der Slowene Milan Vidmar.Laarder Courant de Bel. Ausgabe 21 vom 13. März 1948, S. 1 (Onlineansicht, niederländisch).
Turnierverlauf 1. Durchgang + Stand nach dem 1. Durchgang Spieler Punkteim 1. Durchgang Punkteim Turnier Botwinnik 3½ 3½ Reshevsky 2½ 2½ Keres 2 2 Smyslow 2 2 Euwe 0 0 1. Runde – 2. MärzDas Datum ist das Startdatum der Partien. Hängepartien bleiben unberücksichtigt. Die Daten stammen aus der Datenbank von Fritz 11.Euwe Keres 0:1C75Spanisch Smyslow Reshevsky ½:½ C99 Spanisch2. Runde – 4. März Botwinnik Euwe 1:0 D46 Halbslawisch Keres Smyslow 1:0 D94 Grünfeld-Indisch3. Runde – 8. März Reshevsky Keres 1:0 A15 Englisch Smyslow Botwinnik ½:½ D96 Grünfeld-Indisch4. Runde – 9. März Botwinnik Reshevsky 1:0 E51 Nimzo-Indisch Euwe Smyslow 0:1 C98 Spanisch5. Runde – 11. März Keres Botwinnik 0:1 A13 Réti Reshevsky Euwe 1:0 D46 Halbslawisch 1. Runde
Die erste Runde begann mit einer kurzen Zeremonie. Der Vorsitzende des niederländischen Schachverbands KNSB sprach kurz zur Presse und den Zuschauern. Er bat die Presse um objektive Berichterstattung. Die Zuschauer forderte er auf, das Rauchen zu minimieren, in Russland dürfe bei Schachturnieren schließlich gar nicht geraucht werden. Danach führte der Bürgermeister von Den Haag den symbolischen ersten Zug auf beiden Brettern aus.Leeuwarder Courant. 3. März 1948, S. 2 (Onlineansicht (niederländisch)).
Die Stellung zwischen Smyslow und Reshevsky war nach der Eröffnung ausgeglichen. Zwei zweifelhafte Züge Reshevskys im 22. und 23. Zug ließen Smyslow in Vorteil kommen. Der vergab den Vorteil durch einige Ungenauigkeiten, so dass im 30. Zug wieder eine ausgeglichene Stellung entstand. Im 32. Zug erreichte Reshevsky einen Bauerngewinn, musste aber ein Endspiel mit ungleichen Läufern zulassen, das keine Gewinnmöglichkeit bot. So endete diese Partie nach 41 Zügen remis.
In der anderen Partie hatte Euwe nach 20 Zügen leichten Vorteil. Sein Fehler im 28. Zug gab Keres die Möglichkeit, mittels eines Scheinopfers Vorteil zu erlangen. Durch einen weiteren Fehlzug Euwes erlangte Keres im 32. Zug einen entscheidenden Vorteil. Keres übersah in der Folge mehrere Gewinnfortsetzungen, so dass die Partie mit dem 41. Zug Euwes abgebrochen wurde. Nach der Wiederaufnahme nutzte Keres seinen Vorteil und gewann nach 56 Zügen.
2. Runde
Die Partie zwischen Botwinnik und Euwe war nach 15 Zügen ausgeglichen. Einen schweren Fehler Euwes im 20. Zug nutzte Botwinnik zu seinem Vorteil. Einige weitere Ungenauigkeiten Euwes sowie ein im 28. Zug entstehender weißer Freibauer sorgten für die rasche Entscheidung nach 32 Zügen.
Die Partie zwischen Keres und Smyslow war nach 19 Zügen ausgeglichen. Im 20. und 21. Zug verschärfte Keres das Spiel durch ein zweifaches Bauernopfer, ohne das Gleichgewicht der Stellung entscheidend zu stören. Der 23. Zug Smyslows war ein großer Fehler, den Keres zum entscheidenden Vorteil ausnutzte. Die Partie endete nach 27 Zügen.
3. Runde
Reshevsky erreichte gegen Keres in der Eröffnung einen leichten Vorteil. Er kam aber in größere Zeitnot als Keres und hatte nach 18 Zügen bereits eine Stunde und 51 Minuten nachgedacht, d. h., es verblieben für die nächsten 22 Züge noch 39 Minuten. Keres konnte noch eine Stunde Bedenkzeit nutzen.Leeuwarder Courant. 9. März 1948, S. 3 (Onlineansicht (niederländisch)). In der Folge konnte Reshevsky seinen Vorteil bewahren. Er musste die letzten zehn Züge bis zur Zeitkontrolle in drei Minuten schaffen. Keres war ebenfalls in Zeitnot geraten. und machte im 35. Zug einen Fehler, der zu Bauernverlust führte. Ein weiterer Fehler im 39. Zug von Schwarz zog einen gewinnbringenden Angriff Reshevskys nach sich. Die Partie endete nach 41 Zügen.
In der Partie gegen Botwinnik war Smyslow nach 19 Zügen in Vorteil gekommen. Ein ungenauer 20. Zug Smyslows vergab einen Teil des Vorteils. Den leichten Vorteil hielt Smyslow fest. Im 35. Zug gewann er einen Bauern. Um diesen Mehrbauern zu behalten, wählte Smyslow im 40. Zug einen zweifelhaften Zug, der Botwinnik ein Gegenspiel ermöglichte. Nach der Zeitkontrolle nach dem 40. Zug wurde die Partie abgebrochen. Die Stellung war trotz eines weißen Mehrbauers ausgeglichen und so endete die Partie remis nach 44 Zügen.
4. Runde
Reshevsky erzielte gegen Botwinnik nach 15 Zügen einen leichten Vorteil. Im 25. Zug machte Botwinnik einen Fehler, der den Vorteil Reshevskys vergrößerte und zu einem Bauernverlust im 26. Zug führte. In beiderseitiger ZeitnotDe Gelderlander. 10. März 1948, S. 3 (niederländisch). machte Reshevsky große Fehler im 28., 29. und 30. Zug, und Botwinnik kam in entscheidenden Vorteil. Im 30. Zug hatte Botwinnik bereits einen Springer gewonnen. Einen Zug später übersah Botwinnik einen starken Zug, und Reshevsky hätte mit dem richtigen Zug den weißen Vorteil minimieren können. Er patzte jedoch, so dass Botwinnik mit seinem nächsten Zug eine Leichtfigur gewonnen hätte. In dieser verlorenen Stellung überschritt Reshevsky im 32. Zug die Zeit.Leeuwarder Courant. 10. März 1948, S. 2 (Onlineansicht (niederländisch)).
Die Partie zwischen Euwe und Smyslow war nach 20 Zügen ausgeglichen. Eine Ungenauigkeit Smyslows führte zu leichtem Vorteil für Euwe. Ein weiterer Fehler in Smyslows 26. Zug vergrößerte den weißen Vorteil. Euwe verspielte den Vorteil durch einen schlechten 29. Zug. Im 33. Zug startete Euwe eine fehlerhafte Kombination, die zu entscheidendem Vorteil für Smyslow führte. Die Partie wurde nach dem 42. Zug Euwes abgebrochen. Er gab sie ohne Wiederaufnahme auf, nachdem er Smyslows Abgabezug sah.De Gelderlander. 11. März 1948, S. 3 (niederländisch).Leeuwarder Courant. 11. März 1948, S. 3 (Onlineansicht (niederländisch)).
5. Runde
In der Partie von Keres und Botwinnik entstand nach 20 Zügen eine ausgeglichene Stellung. Keres’ Ungenauigkeiten im 29. und 30. Zug sorgten für schwarzen Vorteil. Botwinnik nutzte einen weiteren Fehler von Keres im 32. Zug zu einem Bauerngewinn. Die Partie wurde nach dem 40. Zug mit entscheidendem Vorteil für Botwinnik abgebrochen.De Gelderlander. 12. März 1948, S. 3 (niederländisch).Leeuwarder Courant. 12. März 1948, S. 2 (Onlineansicht (niederländisch)). Keres hatte einen zweifelhaften 41. Zug abgegeben, der den schwarzen Vorteil festigte. Botwinnik wickelte in der Folge in ein Bauernendspiel ab und gewann nach 58 Zügen.
In der Partie zwischen Reshevsky und Euwe unterlief letzterem bereits im 12. Zug ein schwerer Fehler. Reshevsky zog einen Freibauern vor und erreichte großen Vorteil. Nach Fehlern Reshevskys im 30. und 31. Zug erreichte Euwe Ausgleich. Durch ungenaue Züge vor der Zeitkontrolle entstand ein für Reshevsky besseres Läuferendspiel. Nach Reshevskys 41. Zug wurde die Partie abgebrochen. Euwe gab ohne Wiederaufnahme auf.De Gelderlander. 15. März 1948, S. 3 (niederländisch).
2. Durchgang + Stand nach dem 2. Durchgang Spieler Punkteim 2. Durchgang Punkteim Turnier Botwinnik 2½ 6 Reshevsky 2 4½ Keres 2 4 Smyslow 2 4 Euwe 1½ 1½ 6. Runde – 15. MärzKeres Euwe ½:½C86Spanisch Reshevsky Smyslow ½:½ D17Slawisch7. Runde – 16. März Euwe Botwinnik ½:½ C08Französisch Smyslow Keres 0:1 E02Katalanisch8. Runde – 18. März Keres Reshevsky ½:½ C71Spanisch Botwinnik Smyslow ½:½ D98Grünfeld-Indisch9. Runde – 23. März Reshevsky Botwinnik ½:½ A91Holländisch Smyslow Euwe 1:0 C90Spanisch10. Runde – 25. März Botwinnik Keres 1:0 E28Nimzo-Indisch Euwe Reshevsky ½:½ C75Spanisch 6. Runde