Gerson Goldhaber (geboren 20. Februar 1924 in Chemnitz; gestorben 19. Juli 2010 in Berkeley, Kalifornien) war ein austroamerikanischer experimenteller Teilchenphysiker und Astrophysiker.
Leben Gerson Goldhaber war ein Sohn des Karl Goldhaber und der Ethel Frisch, er hatte eine Schwester und zwei Brüder. Sein älterer Bruder Moritz Goldhaber wurde ebenfalls Physiker. Die Familie emigrierte nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 nach Ägypten, die Schwester und Moritz gelangten nach England. Goldhaber besuchte in Ägypten eine englische Schule und floh 1941 nach Palästina.
Er studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem (Master-Abschluss 1947) und heiratete die aus Österreich geflohene Physikerin Sulamith Löw. Sie zogen 1948 in die USA, wo er 1950 an der University of Wisconsin–Madison promoviert wurde. Danach war er bis 1953 Instructor an der Columbia University in New York. Ab 1953 war er in Berkeley, wo er 1957/59 (sowie 1975/76, 1984/85) Forschungs-Professor am Miller Institute for Basic Research war.
1960/61 war er als Fellow der Ford Foundation am CERN in Genf und ab 1962 am Lawrence Berkeley National Laboratory, wo er mit George Trilling bis 1991 eine Gruppe in experimenteller Teilchenphysik leitete. 1972/73 war er als Guggenheim Fellow am ISR-Speicherring des CERN. Am SLAC baute er in den 1960er Jahren mit anderen den SLAC-LBL Solenoidal Magnetic Detector. Mitte der 1970er Jahre entdeckte er D-Mesonen, das heißt die leichtesten Mesonen mit einem Charm-Quark, am Spear-Speicherring in Stanford, wo zuvor Burton Richter das Charm-Quark entdeckte, was damit bestätigt wurde.
Seit 1991 war er Professor Emeritus in Berkeley. Seit 1990 arbeitete er mit Saul Perlmutter an der Entfernungsbestimmung mit weit entferntendie bisher weitest entfernte Supernova entdeckten sie 1998, 9 Milliarden Lichtjahre Abstand Supernovae, ein Projekt das zur Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums führte und zur Bestimmung der kosmologischen Konstante. Er war zuletzt am Supernova Cosmology Project des Lawrence Berkeley National Laboratory beteiligt.
1977 wurde er kalifornischer Wissenschaftler des Jahres. 1976/77 war er Loeb-Lecturer in Harvard. 1991 erhielt er den Panofsky-Preis. 1977 wurde er Fellow der National Academy of Sciences, 1991 der American Academy of Arts and Sciences. Er war außerdem Mitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Er war Fellow der American Physical Society und war Ehrendoktor der Universität Stockholm (1986).
Der Asteroid (8610) Goldhaber wurde am 20. März 2000 nach ihm und seinem Bruder Maurice benannt.
Literatur Goldhaber, Gerson, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 390
Weblinks Homepage in Berkeley Seite zur Entdeckung der Charm-Quarks am SLAC
Verweise
Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (University of California, Berkeley) Kategorie:Person (CERN) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Stockholm Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Fellow der American Physical Society Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Immigrant in Ägypten Kategorie:Österreichischer Emigrant in Palästina zur Mandatszeit Kategorie:Österreicher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1924 Kategorie:Gestorben 2010 Kategorie:Mann