mini|Saarbahn-Halt „Walpershofen-Mitte“ mini|Saarbahn-Strecke Richtung Heusweiler mini|Die „Dorfmitte am Bach“ (2013 eröffnet) und die Bahnüberführung von 2010 mini|Die „Dorfmitte am Bach“. Im Hintergrund links: der Aufgang zur Saarbahn-Haltestelle Walpershofen-Mitte (ehem. Bahnhof) mini|Die neue Bahnüberführung über die L136 – gesehen von der Heusweiler Straße aus
Walpershofen (im ortsüblichen Dialekt: „Wallwaschoowe“) ist ein Dorf im Köllertal. Seit 1974 ist es ein Ortsteil im Nordwesten der Gemeinde Riegelsberg im Saarland.
Geographie Geographische Lage Walpershofen liegt mitten im Köllertal, das hier – südlich des weiten Heusweiler Beckens – durch den Kurzenberg im Osten sowie die Ausläufer des Poss und des Geisbergs im Nordwesten bzw. Westen eingeengt wird. Mitten durch den Ort fließt von Norden nach Süden der Köllerbach. Dieser teilt – ebenso wie der Bahndamm der Saarbahn bzw. der ehemaligen Köllertalbahn – den Ort in eine südöstliche (Etzenhofer Str., Kurzenberg) und eine nordwestliche Hälfte (Heusweiler Str., Salbacher Str., Herchenbacher Str.).
Nachbarorte Das Ortsgebiet von Walpershofen grenzt an die Heusweiler Ortsteile Dilsburg (im Nordosten) und Niedersalbach (im Nordwesten), im Westen und Süden an die Köllerbacher Ortsteile Herchenbach und Etzenhofen, die jetzt allesamt zur Stadt Püttlingen gehören, und im Südosten und Osten grenzt es an die Riegelsberger Ortsteile Überhofen, Güchenbach und Hilschbach. An den Ortsgrenzen Walpershofens zu Hilschbach, Niedersalbach und Herchenbach ist die Bebauung (meist Ein- oder Zweifamilienhäuser) von beiden Seiten „zusammengewachsen“.
Verkehrswege Die Hauptstraße von Walpershofen, die Landesstraße 136 (von Holz über Heusweiler nach Völklingen), verläuft im Tal – nördlich der Ortsmitte (als Heusweiler Straße) rechts des Köllerbachs, südlich (als Etzenhofer Straße) links des Bachs. Die L136 quert den Köllerbach und den Bahndamm je zweimal (am nördlichen Ortsrand und in der Dorfmitte), was einen Straßenverlauf mit engen Kurven und Unterführungen mit sich bringt. Drei Durchgangsstraßen führen von der Ortsmitte aus dem Tal: die Kurzenbergstraße (nach Osten), die Salbacher Straße (nach Nordnordwesten) und die Herchenbacher Straße (nach Westen und Südwesten).
Seit dem 30. Oktober 2011 fährt die Saarbahn (Linie 1) auf der Trasse der ehemaligen Köllertalbahn durch Walpershofen. Neben dem Haltepunkt Walpershofen-Mitte (ehemaliger Bahnhof Walpershofen) gibt es in Walpershofen nördlich und südlich der Ortsmitte je eine weitere Haltestelle: Walpershofen-Mühlenstraße nahe der Ortsgrenze zu Dilsburg und Walpershofen/Etzenhofen am südlichen Ortsrand von Walpershofen, wo die Saarbahn die Trasse der ehemaligen Köllertalbahn verlässt, um entlang des Russenwegs (L267) Richtung Güchenbach zu fahren.
Zwischen 2009 und 2013 wurde die Ortsmitte von Walpershofen neu gestaltet: Im Zuge des Ausbaus der Saarbahnstrecke wurde Anfang 2009 die Eisenbahnbrücke abgerissen und im Juni 2010 durch eine neue, weiter gespannte Brücke ersetzt. Unter der Brücke und auf deren Ostseite entstand bis 2013 Walpershofens „Dorfmitte am Bach“, ein Platz zum Feiern mit Sitzbänken am Köllerbach und einer Fußgängerbrücke über den Bach zum Kinderspielplatz auf der anderen Seite. Die Einmündung von Kurzenbergstraße und Dörrwiesenstraße in die L136 unmittelbar an der Köllerbachbrücke wurde als Kreisverkehr gestaltet.
Bergbau Am Stehlsberg, am südöstlichen Ortsrand von Walpershofen, findet man die Überreste ehemaliger Bergwerksanlagen. Dort war schon in den Jahrhunderten zuvor nach Kohle gegraben worden. Die jetzt noch stehenden Anlagen stammen aus der Zeit zwischen 1947 und 1963, als in der Privatgrube Dr. Schäfer Steinkohle abgebaut wurde. Mit einer Belegschaft von 350 Bergleuten und einer Fördermenge von über 100.000 t erreichte die Kohleförderung am Stehlsberg im Jahre 1957 ihren Höhepunkt.Ortschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 157 ff.
Genau gegenüber, nordwestlich des Dorfes, gerade jenseits der Gemarkungsgrenze zu Niedersalbach wurde 1984–86 der 666 Meter tiefe Südschacht des Bergwerks Saar abgeteuft, der bis zur Stilllegung des Bergwerks im Jahr 2012 als ausziehender Wetterschacht diente. Im Frühjahr 2013 wurde der Südschacht wieder verfüllt.Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ (veröffentlicht am 5. März 2013)
Geschichte 23. April 1293: In der ältesten bekannten Urkunde, in der der Ortsname Walpershofen erwähnt wird, erklärt ein Johannes, Meier zu Walpershofen, dass er von Herzog Friedrich III. von Lothringen für geleistete Kriegsdienste entlohnt wurde. Diese Urkunde befindet sich heute in der Nationalbibliothek in Paris.Festbuch zur 700-Jahr-Feier, S. 13 ff.
Die Geschichte des Dorfes Walpershofen verläuft weitgehend parallel zu der der anderen Dörfer des Köllertals: Walpershofen bleibt über Jahrhunderte ein kleines Bauerndorf.Gerhild Krebs: Das Köllertal (1850–2000) Nachdem es im Dreißigjährigen Krieg entvölkert und weitgehend zerstört worden ist, hat Walpershofen bis zum Beginn der Industrialisierung der Region im 19. Jahrhundert weniger als 100 Einwohner. Es entwickelt sich jedoch ab etwa 1850 zu einem Wohnort von Industrie- und Bergarbeitern, was eine Vervielfachung der Einwohnerzahl zur Folge hat. Heute ist Walpershofen ein Wohnort im näheren Einzugsbereich der Landeshauptstadt Saarbrücken.
1542: Neun Familien, insgesamt 50 Menschen leben in Walpershofen (lt. der Einwohnerliste, die anlässlich der sog. „Türkenschatzung“ angelegt wurde).Dorfbuch, S. 13 und S. 52.
1618: Mit zwölf Haushaltungen ist Walpershofen am Beginn des Dreißigjährigen Krieges einer der größten Orte des Köllertales.Dorfbuch, S. 53. Die Häuser stehen rechts des Köllerbachs im Bereich der unteren Herchenbacher Straße, dem historischen Dorfkern Walpershofens.Ortschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 199.
1648: Wie andere Dörfer im Köllertal ist Walpershofen durch kaiserliche Truppen während des Dreißigjährigen Krieges weitgehend zerstört worden. Bei Kriegsende wohnt niemand mehr im Dorf: „Walpershofen, 13 Häuser (mit Hirtenhaus), stehet gantz oedt.“ (aus einem Bericht über die Zustände in der Grafschaft Saarbrücken am Kriegsende)Festbuch zur 700-Jahr-Feier, S. 23.
1684: Auch 36 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges sind dessen Folgen noch nicht überwunden: Nur drei der ehemals zwölf Häuser des Dorfes sind bewohnt; von den anderen heißt es jeweils im Renovatur-Protokoll über den Zustand des Dorfes Walpershofen: „Das Hauß ist ein Steinhauffen ...“.Dorfbuch, S. 54 f.
1703: Vermutlich aufgrund der zentralen Lage des Dorfes im Köllertal wird eine erste Schule (lutherisch) in Walpershofen gebaut. Dazu schreibt 1734 J.D. Horstmann, Pfarrer zu Kölln: „Im Cöllerthal war bey meiner Ankunft kein Schulhauß. Es ist aber anno 1703 zu Wallperßhofen, als an welchem Ort die Kinder aus dem gantzen Thall am füglichsten können zusammen kommen, Eines auffgebauet ... worden ...“Dorfbuch, S. 162.
1758: Mit der Grube am Stehlsberg in Walpershofen wird eine der drei ältesten Steinkohlegruben des Köllertals (neben Rittenhofen und Lummerschied) den Untertanen für sechs Jahre zum Abbau überlassen.Dorfbuch, S. 59.
ab 1800: Ein neuer Ortsteil am Kurzenberg entsteht.Ortschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 199.
1814/15: Nach mehr als zwanzig Jahren Kriegswirren (Koalitionskriege) und französischer Besatzung verläuft kurzzeitig (zwischen dem Ersten und dem Zweiten Pariser Frieden) die preußisch-französische Staatsgrenze zwischen Walpershofen und Etzenhofen.Dorfbuch, S. 59 ff.
1850: Die Bebauung des Geisbergs (obere Herchenbacher Straße) beginnt.Ortschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 199.
Die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Region verstärkt einsetzende Industrialisierung führt zu einem schnellen Strukturwandel: Neue Kohlengruben im und um das Köllertal und die 1873 gegründete Völklinger Hütte brauchen Arbeitskräfte. Viele Bauern und Landarbeiter finden nun in den Bergwerken und im Eisenwerk Arbeit und Lohn. Landwirtschaft wird oft nur noch als Nebenerwerb betrieben („Bergmannsbauern“). mini|720px|Folge des Strukturwandels: der schnelle Anstieg der Einwohnerzahl Walpershofens in der 2. Hälfte des 19. JahrhundertsWegen der Arbeitsmöglichkeiten kommen immer mehr Menschen aus dem weiteren Umland ins Köllertal und damit z. T. auch nach Walpershofen, das sich so vom Bauerndorf zum Wohnort für Berg- und Industriearbeiter entwickelt.Gerhild Krebs: Das Köllertal (1850–2000) – Allein schon die Einwohnerzahl Walpershofens spiegelt die dramatische Entwicklung wider, die vor allem die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und das beginnende 20. Jahrhundert prägt.Dorfbuch, S. 13. Schon im Jahre 1885 zählen 75 % der mittlerweile 606 Einwohner zur „bergmännischen Bevölkerung“.Ortschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 122.
1872: Bau der ev.-lutherischen Kirche am Fuße des Kurzenbergesdie Daten zu den Jahreszahlen 1872 bis 1957 – wenn nicht anders vermerkt: Dorfbuch, S. 64–68.
1887/88: Bau des Schulgebäudes für die ev. Schule in der Herchenbacher Straße
1889: Gründung der katholischen Schule in Walpershofen und Bau des Schulgebäudes in der Salbacher Straße
1893: Der „naue Weg“, die Etzenhofer Straße, wird angelegt. Bebaut wird sie – wie die Salbacher Straße – erst nach der Jahrhundertwende.Ortschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 199.
1909: Baubeginn der Köllertalbahn: Mitten durch das Dorf wird der Bahndamm im Bachbett des Köllerbachs, der einige Meter nach Osten verlegt worden war, aufgeschüttet. Die Dorfbrücke („Hirtenbrücke“) über den Köllerbach wird durch eine neue Brücke ersetzt, welche die Kurzenbergstraße und die Herchenbacher Straße in gerader Linie verbindet.Ortschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 199. Der Eisenbahn-Streckenabschnitt von Etzenhofen durch Walpershofen ist zweigleisig (und damit die Eisenbahnüberführung in der Dorfmitte bis zu ihrer Zerstörung 1945), weil vom Bahnhof Etzenhofen ein Parallelgleis durch Walpershofen zur Grube Dilsburg führt.Janson, Die Grubenbahn Etzenhofen – Walpershofen – Dilsburg. S. 83.
1911: Inbetriebnahme der Köllertalbahn – vermutlich wegen des Parallelgleises gibt es zunächst keinen Haltepunkt in Walpershofen: Noch ein Vierteljahrhundert müssen die Walpershofer zu Fuß zum Bahnhof in Etzenhofen gehen, wenn sie mit der Eisenbahn fahren wollen.
1913: Anschluss Walpershofens an das elektrische Stromnetz
1928: Bau und Weihe der katholischen Kirche
1929: Einweihung der neuen evangelischen Kirche in der Herchenbacher StraßeOrtschronik Riegelsberg, Bd. 2, S. 230.
1930: Bau eines Turnplatzes in der Bellhumes am Kurzenberg durch arbeitslose TurnerTV Walpershofen – Website Vereinsgeschichte.
1936: Walpershofen erhält eine Eisenbahnhaltestelle, nachdem das Parallelgleis der Grubenanschlussbahn abgebaut worden ist.Janson, Die Grubenbahn Etzenhofen – Walpershofen – Dilsburg. S. 84.
1939: (irrtümliche) Räumung des Dorfes und Evakuierung der Bevölkerung (v. a. nach Hessen und Thüringen) bei Kriegsbeginn (Sept.–Nov.)
20. März 1945: Von Herchenbach her besetzt eine amerikanische Panzereinheit das Dorf. Zuvor hatten zurückziehende deutsche Truppen die drei Eisenbahnüberführungen in Walpershofen gesprengt.
1946: Erste Züge fahren wieder bis Heusweiler (über Eisenträger als Notbrücken).
ab 1947: Kohleabbau am Stehlsberg in der Privatgrube Dr. Schäfer
1952: Eine Bürgerversammlung beschließt den Verbleib Walpershofens im Bürgermeistereiverband („Amt“) Riegelsberg.
1953: Als letzte der drei zerstörten Eisenbahnbrücken wird die Überführung in der Dorfmitte eingleisig wieder aufgebaut.
1957: Neubau der Straßenbrücke über den Köllerbach in der Dorfmitte
7. Februar 1962: Neun Bergmänner aus Walpershofen verlieren ihr Leben, als in der Grube Luisenthal eine Schlagwetterexplosion insgesamt 299 Todesopfer fordert.
1962: Bau der Schulturnhalle in der Herchenbacher Straße
1963: Ende des Kohleabbaus am Stehlsberg