Das Kloster Itzehoe ist eine ehemalige Zisterzienserinnenabtei in Itzehoe, die nach der Reformation zu einem adeligen evangelischen Damenstift umgewandelt wurde. Den Konvent der Damen leitet eine Äbtissin.
mini|Klosterhof mit dem Klosterhofteich und der St.-Laurentii-Kirche im Hintergrund mini|Remise Kloster Itzehoe
Gründung und Verlegung Das Kloster wurde ursprünglich – wohl in den 1230er Jahren – auf einer Wurt bei Ivenfleth an der Mündung der damals noch nicht eingedeichten Stör gegründet. 1263 siedelten die Zisterzienserinnen nach Itzehoe um; vermutlich nicht zuletzt wegen des gelegentlich auftretenden Hochwassers.Pelc: Das Kloster Itzehoe. S. 43 f. (siehe unten).
Grundbesitz und Grundherrschaft Das Kloster war bereits bei seiner Gründung mit Grundbesitz ausgestattet worden und konnte seine Besitzungen in den folgenden Jahrhunderten ausbauen. Auch war die Nonnenabtei Itzehoe in vielen Gebieten Grund- und Gerichtsherr und konnte von ihren dort lebenden Klosteruntertanen Abgaben fordern; allerdings bildeten diese Gebiete keine räumlich geschlossene Grundherrschaft.Pelc: Das Kloster Itzehoe. S. 47 f. (siehe unten). So wurde das Kloster durch Schenkungen und Ankäufe 1383 alleiniger Grundeigentümer des mehr als 50 km entfernten Dorfes Langwedel am Brahmsee. Die freien Bauern hatten ihre Steuern vierteljährlich zu bezahlen; erst unter preußischer Verwaltung wurde dieses Rechtsverhältnis 1867 beendet.
Auf dem oft so genannten Galgenberg war die Richtstätte des Klosters.
Umwandlung in ein adeliges Damenstift mini|hochkant|Denkmal der Äbtissin Juliane von Hessen im Klosterhof Nach der Reformation wurde das Kloster 1541 in ein evangelisches Damenstift (Konvent) umgewandelt, als das es nach wie vor besteht.Pelc: Das Kloster Itzehoe. S. 58. (siehe unten). Die Konventualinnen sind unverheiratete oder verwitwete, meist adlige Damen. An der Spitze des Konvents steht eine (in der Regel) gewählte Äbtissin, unterstützt von einer Priorin. Der sogenannte Verbitter vertritt juristische Belange und wirtschaftliche Interessen des Konvents gegenüber Dritten.
1683 wurde Prinzessin Dorothea Louise von Sonderburg-Augustenburg (1663–1721) von Christian V., König von Dänemark und Norwegen, gegen die Statuten zur Äbtissin ernannt. Erst 1687 konnte sie ihr Amt antreten; neun Jahre später (1696) errichtete sie das repräsentative Äbtissinnenhaus (Klosterhof 7).
Das Klostergebiet im 19. und 20. Jahrhundert In Itzehoe bildeten der Klosterhof bei der St.-Laurentii-Kirche, auf dem sich noch heute ehemalige Klostergebäude befinden, und das übrige dem Kloster gehörige Gebiet eine von mehreren Jurisdiktionen und schließlich eine eigenständige Landgemeinde, die die Ausbreitung der Stadtjurisdiktion bzw. der Stadtgemeinde Itzehoe bis ins 20. Jahrhundert hinein erschwerte. Das letzte Gebiet dieser eigenständigen Landgemeinde war der Klosterhof, der eine Enklave inmitten Itzehoes bildete. Er wurde schließlich 1935/36 zwangsweise nach Itzehoe eingemeindet.Pelc: Das Kloster Itzehoe., S. 61. (siehe unten).
Geblieben ist dem Adeligen Kloster vor allem Grund- und Waldeigentum. So ist es beispielsweise Grundeigentümer des Geländes des Schwimmzentrums Itzehoe, dessen Bau auf einem erbbaurechtlichen Vertrag mit dem Adeligen Kloster beruht. Auch der an die Stadt Itzehoe verpachtete Stormsteich gehört dem Kloster. Ferner ist es Waldeigentümer des Itzehoer Klosterforsts und 75 Hektar Wald, die 20 Kilometer nördlich von Itzehoe liegen. Bis 2013 gehörte auch der Hackstruck innerhalb Itzehoes dazu, welcher an das Klinikum Itzehoe verkauft wurde.Verkauf Hackstruck und Kauf 75 Hektar Wald, Bericht auf shz.de vom 15. Juni 2013, abgerufen am 23. März 2020. 2016 erwarb man ein Grundstück an der Ecke Sandberg - Breite Straße, auf welchem ein renovierungsbedürftige, historisches Gebäude steht, welches „Steinburg“ genannt wird.Erwerb Steinburg, Bericht auf shz.de vom 12. März 2016, abgerufen am 4. Februar 2026
Äbtissinnen, Priorinnen und Verbitter des Klosters Itzehoe Äbtissinnen Name Amtszeit Margaretha 1282 Margarete de Pogghewisch 1356, 1371 Wybe (Wyburgis) Pogghewisch 1381, 1389 Wybe Sehestedt 1403, 1412 Ide Reuntlo 1421 Margareta Wulff 1429, 1441 Drude Rixtorp 1448, 1475 Elisabeth Hesten 1478, 1482 Mettildis Poggewysch 1487–1494 Drude Walstorp 1495–1526 Katharina Rantzau (kath.) 1526–1547 Katharina von Pogwisch (ev.) 1547–1590 Katharina von Ahlefeldt 1591–1602 Dorothea von Ahlefeldt 1606–1610 Prinzessin Marie von Schleswig-Holstein 1611–1640 Anna von Buchwald(t) 1640–1656 Emerentia von Heesten 1656–1669 Dorothea von Buchwald 1669–1683 Prinzessin Dorothea Louise von Schleswig-Holstein-Augustenburg 1683–1721 Margaretha Katharina von Ahlefeldt 1721–1727 Metta Christina von Ahlefeldt 1727–1763 Ottilie Elisabeth von Ahlefeldt 1763–1780Sarkophag in der Ahlefeldt-Kapelle der Lübecker Ägidienkirche, BuK II, S. 469. Margaretha Hedwig von Ahlefeldt 1780–1790 Johanna von der Wisch 1790–1803 Sophia Magdalena von Qualen 1803–1810 Prinzessin Juliane zu Hessen-Kassel 1810–1860 Prinzessin Luise zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg 1860–1894 Prinzessin Marie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg 1895–1941 Charlotte von Rumohr 1941–1978 Edelgard von Baudissin-Zinzendorf 1978–1989 Henriette Gräfin zu Rantzau 1989–2014 Gudrun von Ahlefeld 2015–Quelle: verschiedene; insbes. IrmischRudolf Irmisch: Geschichte der Stadt Itzehoe. Itzehoe 1960 (hrsg. von der Stadt Itzehoe), S. 495. Priorinnen Name Amtszeit Bertha von Ahlefeldt 15. Jahrhundert Charlotte von Rumohr 1929–1941 Henriette Gräfin zu Rantzau –2014 Gudrun von Ahlefeld 2015– mini|zentriert|Grabstein für Äbtissinnen aus der Familie von Ahlefeldt mini|zentriert|Grabmale der Äbtissinnen Prinzessin Marie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg undCharlotte von Rumohr
Verbitter Name Amtszeit Daniel Goschessohn v. Rantzau († 1. Mai 1658) wohl bis 1662 Gosche von Buchwaldt ab 1662 bis nach 1682 Friedrich von Reventlow nach 1696 bis nach 1705 Claus von Reventlow Mitte 18. Jahrhundert Christian von Ahlefeld auf Klein-Colmar (1687–1771) ca. 1766–1771 Cai von Rantzau 1771–1777 Graf Christian Ulrich von Brockdorff 1777–1808 Josias von Qualen (Propst, 1742) 1808–1819 (†) Cay Werner von Ahlefeldt 1820–1829 (†) Christian Andreas zu Rantzau 1829–1838 Detlev Heinrich von Bülow 1838–1847 Graf Magnus von Moltke 1847–1850 Baron Adolf von Blome 1852–1856 Wulf Henning von Rumohr 1857–1862 Graf Ernst Christian von Reventlow 1863–1873 Graf Adolf Ludwig Christian von Reventlow auf Wittenberg 1874–1906 Graf Christian zu Rantzau auf Rastorf (1858–1939) 1907 bis nach 1918 (bis 1939?) Friedrich-Christian Graf von Kielmannsegg 1959–1982 Hans Graf zu Rantzau derzeit
Einzelnachweise
Literatur Eike von Hacht, Arbeitskreis Itzehoer Geschichte (Hrsg.): Juliane Prinzessin zu Hessen-Kassel (1773–1860), Äbtissin des Adeligen Klosters Itzehoe. Ein Leben zwischen Standesschranken und Selbstbestimmung. Itzehoe 2008, ISBN 978-3-00-024065-2. Reimer Hansen: Die Gründung des Klosters zu Itzehoe. In: ZSHG 39 (1909), S. 253–262. Lorenz Hein: Itzehoe. In: Ulrich Faust: Germania Benedictina. Bd. XII. Die Männer- und Frauenklöster der Zisterzienser in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. St. Ottilien 1994, S. 268–281. Dieter-Jürgen Mehlhorn: Klöster in Schleswig-Holstein. Itzehoe, Preetz, Schleswig und Uetersen. Boyens, Heide 2004, ISBN 978-3-8042-1145-2. Ortwin Pelc: Das Kloster Itzehoe. Vom Zisterzienserinnen-Konvent zum adligen Damenstift. In: Stadt Itzehoe (Hrsg.): Itzehoe. Geschichte einer Stadt in Schleswig-Holstein. Bd. 1, Itzehoe 1988, S. 43–61, S. 108–112. Markus Posselt: Die Schleswig-Holsteinischen Klöster nach der Reformation. Itzehoe 1894. Robert Renner: Langwedel, Blocksdorf – Enkendorf – Pohlsee. Bearbeitung und Gestaltung von Winfried Sarnow. Druck- und Verlagsgesellschaft Husum 1983. Otto Voss: Die Entwicklung des Itzehoer Nonnenklosters von seinen Anfängen bis zum Ausgang der Reformation. Dissertation, Universität Kiel 1948/49.
Weblinks
Website des Adeligen Klosters Itzehoe Klosterprojekt der Universität Kiel Itzehoer Klosterhof als eigener Rechtsbezirk
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