miniatur|Das Hotel Kaiserhof, 1845 Die Loge St. Georg zur grünenden Fichte (ehemals St. Georg zum Kaiserhof) ist eine im Jahr 1743 gegründete Freimaurerloge in Hamburg. Sie und ihre Mutterloge, die Loge „Absalom“, älteste Loge Hamburgs und DeutschlandsFrm-Lexikon2006, S. 375, Lemma Hamburg: „Hamburg kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die erste deutsche Freimaurerloge beherbergt zu haben.“, schlossen sich nach der Gründung dreier weiterer Logen in Hamburg im Verlauf des 18. Jahrhunderts zum Verbund der Vereinigten fünf Hamburgischen Logen zusammen.Die „Vereinigten fünf Hamburgischen Logen“ werden unter Freimaurern kurz „Die V5“ genannt Aus diesem Verbund entstand im Jahr 1811 die Große Loge von Hamburg. Initiator dieser Großlogenbildung war Friedrich Ludwig Schröder, der freimaurerische „Reformator“. Dessen wesentliche Leistung ist die Schaffung des „Hamburger Rituals“, heute Schrödersche Lehrart oder „Schröder-Ritual“. Dieses Ritual ist eine kulturelle Besonderheit der deutschen Freimaurerei und wird bis heute in gut dreißig Logen in und außerhalb von Hamburg praktiziert. Heute ist die Loge „St. Georg zur grünenden Fichte“, Hamburg (Namenszusatz „grünende Fichte“ seit 1765), eine der 260 Freimaurerlogen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland.
Zur Geschichte der Freimaurerei in Hamburg im 18. Jahrhundert Als Geburtstag der Freimaurerei in England gilt der 24. Juni 1717 (Johannistag). Obwohl es keine Dokumente zu dem Gründungsakt, der Vereinigung von vier englischen Logen zu einer Großloge, der Großloge von England (GLvE, englisch: United Grand Lodge of England, UGLoE), gibt, wird dieses Datum nicht bestritten. England gilt seither als das „Mutterland der modernen Freimaurerei“. Die englische, reguläre Freimaurerei bezieht sich in ihren Gebräuchen, Ritualen und Symbolen auf die mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften.Keller, S. 12 ff; S. 66 ff
In Hamburg sind zunächst die Jahre 1733, 1737 und 1743 sowie zwei Gebäude bedeutsam, in denen sich Freimaurer trafen. Die Gebäude sind: Das Weinlokal Taverne d’Angleterre (Besitzer: Jens Arbien) in der Bäckerstraße und das Hotel-Restaurant Kaiserhof am Ness (Besitzer: François Guillaumot). Das Gasthaus und spätere Hotel zum Kaisershof (manchmal nur Kaiserhof genannt) wurde 1619 erbaut und stand am Ness, gegenüber dem (alten) Rathaus. Sein Renaissance-Giebel ist bis heute im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen: 1873 wurde das Hotel abgerissen, der Renaissance-Giebel aber im Museum wieder aufgebaut. Damit steht das „Älteste Logenhaus Deutschlands“, der Kaisershof, bis heute in einem Hamburger Museum.
1733, 1737 und 1743 sind Logen-Gründungsjahre. Allein die Gründung von St. Georg 1743 entspricht freimaurerischen Gründungsbräuchen: Die Loge wurde durch einen (Provinzial-)Großmeister gegründet, als Tochterloge einer „vollkommenen und gerechten“ Mutterloge. Ihre Namensgebung folgt der Praxis der GLvE: Name-Versammlungsort-Stadt-Matrikelnummer.
Die „Lodge St. George No. 196“Die Registrierungs-Nummern von St. Georg bei der Großloge von England (GLvE) haben einen wechselvollen Verlauf. Nach einer E-Mail-Nachricht der GLvE, 26. November 2009, Verfasserin: Diane Clemens, übermittelt durch das Freimaurermuseum Bayreuth, entwickelte sich die Registrierung wie folgt: 1743, 24. Sep.: Patent/Matr.No. 196 1755: Matrikel-Nummern wurden „neu vergeben“, um fehlende Nummern aufzufüllen. St. Georg erhält die No. 128. 1769: Löschung von St. Georg im Verzeichnis der GLvE. (Folge der Strikten Observanz; „grünende Fichte“ seit 1765) 1786: Reaktivierung der Loge, neues Patent mit der Matr. No. 507. 1792: Erneute Neuvergabe von Nummern, St. Georg erhält die No. 416 1811: Die „Große Loge von Hamburg“ wird unabhängig von der GLvE. St. Georg, Lodge No. 416, bleibt bis 1813 in England registriert. wurde am 24. September 1743 durch den Provinzialgroßmeister Luttmann (auch: Lüttmann) der englischen „Provinzialgroßloge von Hamburg und Niedersachsen“ gestiftet. Die Provinzialgroßloge ihrerseits war 1740 in das Register der GLvE eingetragen worden. St. Georgs vollständiger englischer Name ist „Lodge St. George Emperors Court Hamburgh No. 196“, in wörtlicher Übersetzung also: „Loge St. Georg zum Kaiserhof Hamburg“. (Die ausführliche Beschreibung der Gründung folgt weiter unten.)
Das Stiftungsjahr der Kaiserhofloge St. Georg, 1743, war das dritte Regierungsjahr Friedrichs II. Dieser war 1738, damals noch Kronprinz, durch eine Delegation der sogenannten Loge d’Hambourg („Loge von Hamburg“) in Braunschweig zum Freimaurer aufgenommen worden. Die Gründungs- und Frühgeschichte der „Loge d’Hambourg“, gestiftet am 6. Dezember 1737, älteste urkundlich erwähnte deutsche Loge, ist mit der Geschichte der Kaiserhofloge eng verwoben.
Vorgeschichte der Gründung der sogenannten Loge d’Hambourg Die Gründung der sogenannten Loge d’Hambourg hat ihrerseits eine weitere Vorgeschichte, die zeigt, dass freimaurerische Aktivitäten bereits 1733 und vermutlich schon davor in Hamburg stattfanden: Das KonstitutionsbuchFrm-Lexikon2006, Lemma Konstitutionen, S. 475. Das Konstitutionsbuch, Book of Constitutions, enthält Gesetze, Regularien, Ordnungen der GLvE sowie auch eine Auflistung der eingetragenen Logen der „Großloge von London und Westminster“ weist nach, dass ihr Großmeister, der Earl of Strathmore, schon im Jahr 1733 „elf guten Brüdern die Vollmacht erteilt, in Hamburg eine Loge zu gründen“. Die Matrikelnummer 124 wurde eingetragen, ein Name nicht.Appel, S. 9 Es ist dokumentarisch nicht nachvollziehbar, wie es zu diesem Eintrag kam. Unter Berücksichtigung damaliger Postlaufzeiten oder auch der Dauer von Reisen zwischen Hamburg und London kann jedoch gefolgert werden, dass schon vor 1733 Freimaurer in Hamburg „arbeiteten“. Es fehlt aber an Hinweisen, wie jene „elf guten Brüder“ hießen und was aus ihnen wurde – Dokumente für eine Logengründung scheint es nicht zu geben. Friedrich Ludwig Schröder kommentiert in seinen Materialien zur Geschichte der Freymaurerey dieses Ereignis so:
In der Ausgabe des Lenning von 1824Encyclopädie der Freimaurerei. Bd. 2, 1824, Lemma Hamburg, eingescannt bei Google ist dazu nachzulesen:
Ob daraus die „Kaiserhofloge“ wurde, ist spekulativ.
1737 in Hamburg – Erste urkundlich belegte Gründung einer Loge in Deutschland Charles Sarry wird als „Vater der deutschen Freimaurerei“ bezeichnet: „In Hamburg erschien er als junger, auswärtiger Offizier, gewandt in vornehmen Umgangsformen und ausschließlich sich der französischen Sprache bedienend.“ Wann und wo er Freimaurer wurde, ist ungeklärt – ebenso unklar ist, wann seine Freunde (von Oberg, Peter Carpser, Stüven) aus dem „d’Angleterre“ Freimaurer geworden waren. Zu ihnen stieß der Kaufmann Johann Daniel Krafft, ein nach England und Frankreich weitgereister Mann. Er wird seit 1736 in Paris als Mitglied der „Loge à la Ville Tonnerre“ geführt. Diese fünf Männer stifteten die erste Loge in Hamburg. Diese „Stiftung“ war der Zusammenschluss der Stifter zu einer Gemeinschaft („société“) von bereits aufgenommenen Freimaurern. Es fand also keine rituelle „Lichteinbringung“Frm-Lexikon2006, S. 514: Die Lichteinbringung einer Loge ist das feierliche Stiftungsfest, bei dem zum ersten Mal die drei Großen Lichter auf dem Altar niedergelegt und enthüllt und die drei Kleinen Lichter entzündet werden zur Gründung durch eine Großloge oder eine feierliche Ausgliederung einer Tochterloge aus einer bestehenden Mutterloge statt. Der im Gründungsprotokoll niedergeschriebene Name der Gemeinschaft lautet: „Société des acceptés macons libres de la Ville de Hambourg“. An anderer Stelle nennt das Protokoll eine „Ste. Loge du St. Jean“ (Hl. Loge des hl. Johannes).
Das Amt des „Ersten Aufsehers“ übernahm Krafft ab dem Gründungstag, dem 6. Dezember 1737. Arbeitssprache und Niederschriften der Loge war ausschließlich das Französische, das Ritual muss dank Sarry auch französisch gewesen sein. Zum ersten „Meister vom Stuhl“ wurde Baron von Oberg gewählt, im Amt nach dem 23. Dezember 1737, dem Tag, als Sarry erstmals eine Erhebung in den Meistergrad leitete.
Von Oberg wurde insbesondere dadurch bekannt, dass er zusammen mit zwei weiteren Logenmitgliedern „am 14. August 1738, nach Mitternacht“ den preußischen Kronprinzen Friedrich (nachdem dieser und von Oberg zu einem Treffpunkt in Braunschweig gereist waren) zum Freimaurer aufgenommen hat. Die Aufnahme war aus Furcht vor Friedrichs Vater verdeckt vorbereitet worden, Friedrich wurde als „Illustre Inconnu“ bezeichnet. Wegen der Abrechnung der Reisekosten Hamburg-Braunschweig und zurück (Streitwert: „438 Mark Courant“) bekam von Oberg Ärger mit einigen seiner Logen-Brüder, weshalb er grollend „auf immer“ die Loge verließ.Kneissner, S. 23. Baron von Oberg trat danach in den Dienst des preußischen Kronprinzen. Er installierte in Rheinsberg für Friedrich eine erste Loge und wurde deren Meister vom Stuhl. Auf diese Weise kam praktizierte Freimaurerei von Hamburg nach Preußen
Dieses Ereignis machte den Weg frei für einen (nach Kneissner „energischen, umsichtigen“) neuen Meister vom Stuhl, Luttmann. Er war „der Überlieferung nach“ in England Freimaurer geworden, Kneissner, S. 11 Luttmann blieb Stuhlmeister bis 1742, er verzichtete ab dem 26. März 1739 auf die französische Sprache bei Tempelarbeiten.Lenning, S. 406
Anlässlich einer Reise nach England avancierte er am 30. Oktober 1740 zum Provinzialgroßmeister von Hamburg und Niedersachsen und zeitgleich wurde seine Loge unter der Nr. 108 in das Register der „Großen Loge von London“ eingetragen, mit dem „Zeichen und Namen einer Traube“ – aber nicht unter dem Namen „Loge d’Hambourg“. Die Loge wurde als Mutterloge in den drei Johannisgraden eingesetzt – aus ihr konnte der Provinzialgroßmeister weitere Logen, Tochterlogen, gründen. Der Logenname von 1740, Bunch of Grapes, Traubenbündel, war bis 1887, 150 Jahre Absalom, noch bekanntBebber, J.v.: Geschichtlicher Rückblick 1737–1885, in: Fest-Bericht der Jubiläums-Loge Absalom zur 150 jährigen Stiftungs-Feier der Loge Absalom. Hamburg 1887, S. 18 ff. Hof-Buchdruckerei Rademacher. Im Bestand der Distrikts-Bibliothek Hamburg, geriet danach aber in Vergessenheit.
Zur Verdeutlichung des angeblichen Gründungsnamens „Loge von Hamburg“: Das französische Gründungsprotokoll spricht von einer „Loge à Hambourg“ (»… ayant formé et etablie une Loge à Hambourg …«), aber nicht von einer „Loge d’Hambourg“. Heutzutage scheint nahezu herrschende Meinung, die erste Loge in Hamburg sei als „Loge von Hamburg“ gegründet worden, was jedoch unbelegt ist. Auch Lenning schreibt ausdrücklich: „Die Loge hatte keinen besonderen Namen“ und bezieht sich vermutlich auf Schröder, der wortgleich ebenso schreibt.Schröder, S. 36 Der französische Wortlaut der ersten drei Seiten des Gründungsprotokolls, bis heute im Besitz der Loge Absalom, kann über den Weblink „französisches Gründungsprotokoll Absalom“Französisches Gründungsprotokoll auf der Website der Loge St. Georg nachvollzogen werden. Der Name „Loge d’Hambourg“ taucht erstmals zwei Monate nach der Gründung auf. Das Logenprotokoll vom 3. Februar 1738 beschreibt: „Die Loge von Hamburg versammelte sich unter ihrem sehr ehrwürdigen Meister von Oberg“.Faksimile des Protokolls vom 3. Februar 1738, Quelle: Freimaurer-Wiki Warum die Logenbrüder bereits zwei Monate nach der Gründung den Gründungsnamen „Hl. Loge des Hl. Johannes“ änderten, ist nicht protokolliert.