Die Eutiner Sportvereinigung von 1908 e. V., allgemein bekannt als Eutin 08 („Eutin Null-Acht“), ist ein Sportverein aus Eutin in Schleswig-Holstein. Der als 1. Eutiner Fußballclub von 1908 gegründete Verein ist insbesondere für seine Fußballabteilung bekannt, die die zweitälteste in der Holsteinischen Schweiz ist und zu verschiedenen Zeitpunkten eine der stärksten Herrenmannschaften Schleswig-Holsteins stellte. Insbesondere in der unmittelbaren Nachkriegszeit waren die ESV-Herren erfolgreich und verpassten als Vizemeister der Landesliga Schleswig-Holstein 1948/49 die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur erstklassigen Oberliga Nord nur knapp. Auch in den 1980er- und 2010er-Jahren gehörten die Eutiner zur fußballerischen Landesspitze und gewannen dabei nicht nur zwei SHFV-Landesmeisterschaften, sondern waren mit den Teilnahmen an der drittklassigen Oberliga Nord 1990/91 sowie der viertklassigen Regionalliga Nord 2017/18 auch für zwei Jahre in den höchsten Spielklassen des Norddeutschen Fußball-Verbandes vertreten. Neben der Fußballsparte gibt es im Verein noch die Abteilungen Handball, Tanzen, Fitness und Gymnastik sowie Freizeitsport.

Vereinsgeschichte

Eutin 08 wurde am 13. August 1908 als 1. Eutiner Fußballclub von 1908 durch junge Kaufleute gegründet, wobei die Mitgliederschaft sich vermutlich – ähnlich wie bei weiteren Fußballvereinen, die zu dieser Zeit in Kiel, Bad Segeberg oder Bad Oldesloe gegründet wurden – überwiegend aus dem Umfeld von Oberrealschülern und Gymnasiasten rekrutierte.Das Feld des Fußballsports. Eine sozial- und kulturgeschichtliche Untersuchung zu den Anfängen des Fußballs in Schleswig-Holstein 1890-1914, Seiten 258/259 Durch seine Gründung war der EFC nach dem 1. Plöner Ballspielverein der zweite Verein der Region sowie der erste Verein aus dem damals noch nicht zu Schleswig-Holstein gehörenden Fürstentum Lübeck, in dem Fußball gespielt wurde.Hardy Grüne, Legendäre Fußballvereine. Zwischen TSV Achim, Hamburger SV und TuS Zeven, Agon-Sportverlag, Kassel 2004 In mehrfacher Hinsicht unterschied sich der Eutiner Fußballclub dabei noch von der heutigen ESV: So liefen die EFC-Sportler in ihrer Anfangszeit in weißer und grün-weißer Spieltracht auf, zudem beschränkte sich der Sportbetrieb innerhalb des Vereins zunächst tatsächlich auf das Fußballspiel. Noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs wurden allerdings Versuche unternommen, das Sportangebot durch die Einrichtung weiterer Sparten zu erweitern. Dementsprechend beschloss der Verein im Jahr 1921 seine Umbenennung und gab sich den Namen Eutiner Sportvereinigung von 1908. Die ESV behielt diesen Namen bis heute bei und ist nach der TS Riemann Eutin sowie dem Schachverein von 1875 zu Eutin mittlerweile der drittälteste noch bestehende Sportverein der Stadt.

Nachdem der Verein unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs noch unter hundert Mitglieder zählte, entwickelte er sich insbesondere in der Zeit nach 1945 zu einem der größten Eutiner Sportvereine. Derzeit ist die Eutiner SV 08 nach dem PSV Eutin und der BSG Eutin der drittgrößte Sportverein in der Rosenstadt, wobei die Mitgliederzahl seit 1990 trotz gewisser Schwankungen stets im Bereich von etwa 600 bis 800 lag.Mitgliederentwicklung der Eutiner Sportvereine, ermittelt durch die Arbeitsgemeinschaft Eutiner Sportvereine im Jahr 2018 Auch im Hinblick auf die Vereinsführung brachten die Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhebliche Veränderungen: Während in den ersten Jahrzehnten nach der Vereinsgründung noch zwanzig verschiedene Männer die Funktion des ersten Vorsitzenden ausübten, kam es auf dieser Position in den anschließenden 75 Jahren zu fünf Wechseln. Seit 1964 gab es mit dem früheren CDU-Landtagsabgeordneten Fritz Latendorf sowie dem Lokalpolitiker Dieter Holst (CDU) nur noch zwei Personen, die den Verein jeweils über mehrere Jahrzehnte führten. Obwohl der geschäftsführende Vorstand des Vereins gemäß seiner Satzung aus bis zu acht Personen besteht,Satzung der Eutiner SV 08 sind seit einigen Jahren mehrere Posten (bis 2021 auch derjenige des ersten Vorsitzenden) unbesetzt.

Fußball Ligamannschaft 1908 – 1945: Gründungsjahre und erste Teilnahmen am Spielbetrieb Rund zwei Monate nach der Vereinsgründung kam es in Form eines Freundschaftsspiels gegen Germania Neumünster zur ersten Begegnung der Vereinsgeschichte, die mit 1:3 verloren wurde. Auch in den folgenden Jahren bestritt der EFC mehrere Freundschaftsspiele gegen Vereine aus der Region, 1911 war mit dem TV Hamburg-Eimsbüttel erstmals auch eine Mannschaft aus Hamburg in Eutin zu Gast. Im gleichen Jahr erfolgte schließlich die Aufnahme in den Norddeutschen Fußballverband, wobei der Verein dem NFV-Unterbezirk Ostholstein zugeteilt wurde. Obwohl die Eutiner erst nach dem Ersten Weltkrieg an den offiziellen Ligameisterschaften des Bezirkes Lübeck teilnahmen, absolvierten sie im Unterbezirk Ostholstein bereits 1913 eine erste regionale Punktrunde gegen weitere Mannschaften aus dem Osten Schleswig-Holsteins. Dort traf der EFC auf Cimbria Neustadt und Teutonia Oldenburg und belegte am Ende den ersten Platz.Eutiner Sportvereinigung von 1908 e. V. (Hrsg.): Chronik 100 Jahre Eutin 08, Eutin, 2008, Seite 19

Zu Beginn der 1920er Jahre nahmen die Fußballer aus der Rosenstadt – nun unter dem Namen Eutiner SV von 1908 – an der jeweils zweithöchsten Liga im NFV-Bezirk Lübeck-Mecklenburg teil. In den Spielklassen, die mehrfachen Namenswechseln und Modusänderungen unterworfen waren, spielte die ESV-Elf eine zunehmend bedeutsamere Rolle und verzeichnete auch erste sportliche Erfolge: Nachdem 1922 der vierte Platz in der 1. Klasse Lübeck erreicht wurde, setzten sich die Eutiner 1924 in der A-Staffel der Gauliga Lübeck durch und durften an der Aufstiegsrunde zur erstklassigen Bezirksliga Lübeck-Mecklenburg teilnehmen. Gegen die SV Polizei Lübeck, einem Vorläufer des heutigen VfB Lübeck, setzte sich der Verein mit 6:0 und 3:1 sicher durch und wäre damit für das Endspiel um den Aufstieg gegen Germania Wismar qualifiziert gewesen. Ein Einspruch der SV Polizei, dessen Gründe nicht überliefert sind, führte jedoch zur Annullierung der Erstrunden-Begegnungen; in der Folge wurde ein weiteres Entscheidungsspiel gegen die Lübecker angesetzt, auf das die ESV jedoch (vermutlich aus Protest) verzichtete.

In den Jahren zwischen 1925 und 1930 erzielte Eutin 08 hingegen nur durchwachsene Ergebnisse und landete durchgehend im (zum Teil unteren) Mittelfeld der Liga. 1930 setzte es für die Rosenstädter unter anderem eine 2:13-Niederlage gegen die mittlerweile sportlich wesentlich stärkere SV Polizei Lübeck. In diesem Zeitraum erwuchs dem Verein in Form des VfL Eutin erstmals auch eine sportlich bedeutende stadtinterne Konkurrenz. Der aus dem Umfeld des 6. Infanterie-Regiments stammende Verein für Leibesübungen erreichte ab 1925 mehrmals bessere Platzierungen als die ESV und stieg 1927 sogar für ein Jahr in die Erstklassigkeit auf. Erst zu Beginn der 1930er-Jahre wurden die 08-Fußballer wieder erfolgreicher und gewannen sowohl 1931/32 als auch 1932/33 die Meisterschaft in ihrer jeweiligen Zweitliga-Staffel. 1932 folgte eine Relegationsrunde um den Aufstieg in die Oberliga gegen Germania Wismar und Schwerin 03, in der sich am Ende allerdings die Germania durchsetzte.

Der Beginn der NS-Diktatur im Jahr 1933 hatte in mehrerer Hinsicht Auswirkungen auf die Eutiner Fußball-Geschichte: Die Ortsrivalen vom Eutiner Fußball-Klub von 1930, dem viele ehemalige Mitglieder des verbotenen Arbeiterturnvereins Eichenkranz Eutin angehörten, widersetzten sich der Gleichschaltung und kamen mit ihrer Vereinsauflösung im August 1933 einem Verbot zuvor. Einige Mitglieder traten daraufhin zur (bereits gleichgeschalteten) Eutiner SV 08 über.Lawrence D. Stokes: Kleinstadt und Nationalsozialismus: Ausgewählte Dokumente zur Geschichte von Eutin 1918–1945 (= Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Band 82). Wachholtz, Neumünster 1988, ISBN 3-529-02182-2, Seite 446 Darüber hinaus veränderte sich nun auch die Ligastruktur, wobei die Einführung der Gauliga Nordmark dafür sorgte, dass die Eutiner als amtierender Staffelmeister keine Möglichkeit zur Teilnahme an eventuellen Aufstiegsspielen mehr bekamen.

Die meisten tiefgreifenden Veränderungen für den Fußball in der Region ergaben sich jedoch erst in den kommenden Jahren: 1933/34 gingen die Eutiner noch wie gewohnt mit den Vereinen aus den Großräumen Lübeck und Schwerin in einer gemeinsamen zweitklassigen Liga an den Start, die nun als West-Staffel der Bezirksliga bezeichnet wurde. Anschließend erfolgten jedoch verschiedene Gebietsreformen im Norddeutschen Fußball, die die Regionen Lübeck und Eutin mehr und mehr an den Spielbetrieb in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein heranführten. Schlussendlich erfolgte sowohl sportlich als auch – mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 – politisch der vollständige Anschluss an das Gebiet des heutigen Landes Schleswig-Holstein. Sportlich erzielten die Fußballer aus der Rosenstadt in diesen Jahren keine größeren Erfolge mehr: 1934/35 nahmen sie letztmals vor Kriegsanfang am Spielbetrieb auf der zweithöchsten Ligaebene teil, mussten aber am Saisonende in die 1.Kreisklasse Lübeck absteigen und gingen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs nur noch in niedrigeren Spielklassen an den Start. Der Spielbetrieb Im Verein wurde auch nach Kriegsbeginn teilweise fortgesetzt, im Jugendfußball ist für 1942 unter anderem ein Gewinn der Meisterschaft im Bann 187 der Hitlerjugend belegt.

1945 – 1952: Erste Erfolge auf Landesebene Saisondaten 1946–1952 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1946/47 Erste Klasse Lübeck, St. B I 2. 38:19 18:061947/48 LL Schleswig-Holstein, St. Ost II 3. 53:35 23:131948/49 LL Schleswig-Holstein II 2. 62:31 30:14 1949/50 LL Schleswig-Holstein II 8. 45:55 18:26 1950/51 LL Schleswig-Holstein II 9. 38:50 16:28 1951/52 LL Schleswig-Holstein II 15. 48:95 16:44

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich in Eutin zahlreiche Heimatvertriebene aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze nieder. Dies wirkte sich nicht zuletzt auch auf den Eutiner Fußball aus und trug dazu bei, dass die 08-Fußballer in den kommenden Jahren zur Landesspitze gehörten. Die ersten Fußballspiele absolvierten die Eutiner zunächst gegen englische Militärmannschaften, ehe gegen Ende des Jahres 1945 auch wieder um Punkte gespielt wurde.Eutiner Sportvereinigung von 1908 e. V. (Hrsg.): Chronik 100 Jahre Eutin 08, Eutin, 2008, Seite 23 Zwar nahm die ESV in der ersten Nachkriegsspielzeit noch nicht am Spielbetrieb der A-Klasse im Bezirk Lübeck teil, qualifizierte sich jedoch durch einen 1:0-Erfolg in der Aufstiegsrunde gegen den TSV Mölln für die zweite Saison der höchsten Lübecker Spielklasse. In der „Ersten Klasse Lübeck, Staffel B“ waren die 08-Fußballer zum ersten und bisher einzigen Mal in ihrer Vereinsgeschichte in der Erstklassigkeit vertreten, wenngleich diese zum damaligen Zeitpunkt alleine innerhalb Schleswig-Holsteins schon in mindestens sechs Staffeln ausgetragen wurde. Am Saisonende landeten die Eutiner knapp hinter dem Lübecker BV-Phönix und waren als Vizemeister direkt für die Ost-Staffel der Landesliga Schleswig-Holstein qualifiziert. Darüber hinaus durfte Eutin an der anschließenden Landesmeisterschaft Schleswig-Holstein 1946/47 teilnehmen, in welcher zwei Teilnehmer für die Oberliga Nord – der neuen höchsten Spielklasse für die künftigen Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein – ermittelt wurden. Bereits in der ersten Hauptrunde unterlag man jedoch Gut-Heil Neumünster mit 2:3 und ging dementsprechend in der Landesliga an den Start.