Die Schlacht bei Craonne war eine Schlacht des Winterfeldzuges 1814 der Befreiungskriege. Sie fand statt am 7. März 1814 auf dem Chemin des Dames in der Picardie in Frankreich. An diesem Tage griff die französische Armee unter Napoléon Bonaparte die Infanterie des russischen Korps Wintzingerode unter Fürst Woronzow an. Aufgrund der zügellosen Rücksichtslosigkeit, mit der Napoléon seine Truppen gegen die gut gesicherten Stellungen der Russen anstürmen ließ, ergab sich die verlustreichste Schlacht des gesamten Feldzuges. Die beteiligten russischen Truppen gehörten zur „Schlesischen Armee“ der 6. Koalition, die unter dem Befehl von Feldmarschall Blücher stand. Blücher und sein Generalstab unter Gneisenau planten an diesem Tage, die Napoleonische Armee mit der Kavallerie des russischen Korps Wintzingerode und dem preußischen Korps Kleist im Osten zu umgehen und einzuschließen. Dieser Plan misslang aufgrund von Mängeln in der Planung und Ausführung vollkommen. Die russische Infanterie unter Woronzow musste sich am späten Nachmittag nach Nord-Westen zurückziehen, die gesamte „Schlesische Armee“ retirierte nach Laon.

Die Topografie des Gefechtsfeldes mini|305px|Das „Plateau du Chemin des Dames“ oder„Plateau von Craonne“ Zwischen den Flüssen Aisne im Süden und Ailette im Norden erhebt sich ein Hochplateau, das im Osten bis an eine gedachte Linie von dem Ort Berry-au-Bac an der Aisne über Corbeny nach Laon reicht,Also etwa der Verlauf der heutigen Route National 44 und im Westen durch eine Linie von Soissons über Chavignon nach LaonAlso etwa der Verlauf der heutigen Route National 2 begrenzt wird. Im Norden fällt das Plateau steil zum Tal der Ailette ab, im Süden sehr steil ins Tal der Aisne. Von Norden ist der Aufstieg beschwerlich, von Süden nur in den wenigen schluchtartigen Tälern möglich. Im Osten und Westen hingegen klingt das Plateau eher sanft aus. Die Breite in der Richtung von Süden nach Norden gemessen schwankt zwischen mehreren und nur sehr wenigen Kilometern. Die schmalste Stelle befindet sich etwa bei dem heutigen Ort Braye. Dokumente des Jahres 1814 erwähnen, dass das Plateau damals unbewaldet war und nur sehr wenige feste Häuser darauf standen.

Viele Orte, die in den Zeugnissen aus dem Jahre 1814 erwähnt werden, gibt es heute nicht mehr, da die Region im Jahre 1917 in der Schlacht an der Aisne vollkommen zerstört wurde und vieles nicht wieder aufgebaut wurde. Dies gilt auch für das Dorf Craonne aus dem Jahre 1814, das heute nur noch als Gedenkstätte existiert. Der neue Ort Craonne liegt weiter südlich.

Von Süden nach Norden gab es im Jahre 1814 keine befahrbaren Wege, die über das Plateau führten. Von Osten nach Westen gab es, so wie heute, genau eine Straße mit dem Namen „Chemin des Dames“, die über das Plateau führte. Im Osten begann sie beim alten Craonne des Jahres 1814, im Westen endete sie bei einer Herberge mit dem Namen „Ange-Gardien“, die es schon lange nicht mehr gibt.

Die Orte auf dem Plateau von Westen nach Osten aufgezählt waren: Das Hofgut Froidemont, Braye-en-Laonnois, Cerny-en-Laonnois und das Hofgut Hurtebise. Am Nordrand des Plateaus lagen – wieder von West nach Ost: Filain, Chevregny, Neuville, Ailette, Bouconville und das Kloster Vauclair. Insbesondere das Dorf Ailles aus dem Jahre 1814 gibt es nicht mehr. Am östlichen Südrand waren die Orte Paissy sowie Vassogne und Oulches im Vallée Foulon für den Gefechtsverlauf wichtig.

Nachfolgend wird die Hochebene als „Plateau“ oder „Plateau von Craonne“ bezeichnet. Die Bezeichnung „Chemin des Dames“ bezieht sich hier auf die Straße über das Plateau.

Wie es dazu kam Die Bewegungen der napoleonischen Truppen Am 4. März 1814 gegen Mittag erreichte Napoleon mit seinen Truppen den Ort Fismes an der Vesle, an der Straße von Soissons nach Reims etwa auf halbem Wege zwischen den beiden Städten. Die Beweglichkeit entlang der großen Straße nutzend, sandte der französische Kaiser über Nacht ein Truppenkontingent nach Reims, das dort um 5:00 morgens des nächsten Tages, also am 5. März 1814, eintraf und nach einem kurzen Gefecht vor den Stadttoren die in Reims verbliebenen russischen Soldaten vertrieb oder gefangen nahm. Insgesamt standen an diesem Tage noch vier russische Bataillone in Reims.

Um 2:00 morgens am 5. März 1814 sandte Napoleon Kavallerie in die entgegengesetzte Richtung, die noch vor Braine auf etwa 1.000 Kosaken unter General Tschernyschow traf. Die Kosaken flüchteten sich vor der Übermacht nordwärts nach Vailly-sur-Aisne.

Die wesentliche Aktion des 5. März 1814 war aber, dass ein starkes Kontingent der französischen Garde-Kavallerie zusammen mit anderen Reitern, insbesondere polnischen Ulanen, nach Nord-Osten auf Berry-au-Bac an der Aisne vorging. Dort stand die nächste, für den Übergang einer ganzen Armee geeignete Brücke, die allerdings von ein paar hundert Mann russischer Truppen bewacht wurde. Die polnischen Ulanen griffen die Brücke in einer Par-force-Attacke an, so dass die Russen in Panik davonliefen.vgl. Chandler, Campaigns ... Die russischen Geschütze fielen in die Hände der Franzosen und 300 Russen gerieten in Gefangenschaft. Wenn die Russen Vorkehrungen getroffen hatten, die Brücke zu zerstören, so gelang ihnen dies jedenfalls nicht mehr.

Der französischen Kavallerie folgte noch am gleichen Tage die 1. Division der Alten Garde, überschritt die Aisne und sicherte das Gelände nördlich der Brücke. Napoleon verbrachte die Nacht vom 5. auf den 6. März 1814 bereits in Berry-au-Bac und ging gegen Mittag des 6. März 1814 selbst über den Fluss. Bis in den 7. März 1814 hinein zog sich der Übergang der napoleonischen Armee über die Aisne hin. Napoleon führte fast genau 30.000 Mann über den Fluss, die dann zunächst auf der Straße nach Laon weiterzogen.

Die Wege von Fismes nach Berry-au-Bac waren im Winter schlecht und beschwerlich zu begehen.Noch heute gibt es dort keine Durchgangsstraße. Durch die Gewinnung der Brücke in Berry-au-Bac gelang es aber, die Aisne schnell zu überschreiten und die „Schlesische Armee“ nun aus einer Richtung zu bedrohen, aus der Blücher dies nicht erwartet hatte.

Der Angriff auf Soissons Die Korps der französischen Marschalle Marmont und Mortier befanden sich am 4. März 1814 in Hartennes-et-Taux 13 Kilometer südlich von Soissons. Auf Befehl Napoleons marschierten sie am 5. März 1814 um 6:00 Uhr morgens nach Soissons ab und griffen sofort nach ihrem Eintreffen dort die Stadt und ihre nunmehr russische Besatzung an.Der wesentlich größere Teil der Stadt liegt südlich der Aisne.

Die „Schlesische Armee“ hatte sich nach dem Übergang über die Aisne am 3. und 4. März 1814 sofort nördlich der Stadt Soissons entlang der Straße nach Laon verteilt. Dies war auch deshalb erforderlich, da man in Soissons keine zureichenden Mengen an Lebensmitteln gefunden hatte. In der Stadt verblieb eine Besatzung von 5.000 russischen Soldaten des Korps Langeron. Der Rest des Korps stand zur Unterstützung unmittelbar nördlich der Stadt.

Die anrückenden Franzosen wurden zunächst aus Osten von Missy-sur-Aisne her mit Artillerie beschossen, brachten aber dessen ungeachtet bis Mittag 30 eigene Geschütze südlich der Stadt in Stellung und beschossen mit diesen die nächstgelegenen Stadtteile. Durch den Beschuss gerieten Teile der Stadt im Laufe des Tages in Brand. Um 15:00 Uhr nachmittags gelang es Truppen beider französischer Korps entlang der „Route de Paris“ und der „Avenue de Reims“ in die Stadt einzudringen und sich dort festzusetzen. Sie drangen in Häuser ein, deckten die Dächer ab und schossen über die Mauern hinweg auf die Russen. Wo es sich anbot, zogen sie auch Geschütze an Seilen in die obersten Stockwerke solcher Häuser und schossen dann aus größerer Höhe auf und über die Wälle der Stadt. Der Kampf wurde sehr verbissen geführt, ebbte erst in der Dämmerung ab, hielt aber insbesondere im Westen bis in die Nacht hinein an. Beide Seiten erlitten Verluste von mehr als 1000 Mann.vgl. Damitz, Houssaye

Am nächsten Tag, dem 6. März 1814, lebten die Kämpfe am frühen Morgen wieder auf, jedoch nur für kurze Zeit; dann setzten sich die französischen Korps auf der Straße nach Reims ab. Auf dieser marschierten sie zunächst bis Fismes und von dort in nordöstlicher Richtung nach Berry-au-Bac. Während das Korps Mortier dort die Aisne überschritt und am 7. März 1814 nachmittags Napoleons Armee in der Schlacht von Craonne unterstützte, verweilte das Korps Marmont am 7. März 1814 in Berry-au-Bac und wartete auf 4.000 Mann Verstärkung unter dem Kommando von General Arrighi. Als diese endlich eintrafen, wusste Marschall Marmont, warum er so lange hatte warten müssen: Unter ihnen waren Matrosen der Marine, die von der Küste kamen und noch nie in ihrem Leben eine so lange Strecke zu Fuß gelaufen waren.vgl. Marmont 20. Buch

Die Bewegungen der „Schlesischen Armee“ Samstag, der 5. März 1814 305px|mini|Karte der Region von Soissons, Laon und Reims Nach dem Übergang über die Aisne bei Soissons lagerte die „Schlesische Armee“ in der Nacht auf den 5. März 1814 nördlich der Stadt Soissons. Blücher selbst und sein Stab verbrachten diese Nacht nicht in Soissons, sondern bereits in Chavignon an der Straße nach Laon, 16 km südlich von Laon und 19 km nördlich von Soissons. Für den 5. März 1814 hatte Blücher in seinen Tagesdispositionen angeordnet, dass das Korps Bülow das Nordufer der Aisne westlich von Soissons bis zu dem Ort Fontenoy zu beobachten und sichern hätte. Auf der östlichen Seite wurde das Korps Sacken eingesetzt, um das Nordufer der Aisne bis Vailly zu sichern. Das Korps Wintzingerode aber wurde angewiesen, auf das Plateau von Craonne hinauf zu gehen, den Südrand zu sichern und die weite Sicht von der Höhe zur Aufklärung zu nutzen. Die Vorhut sollte bis Braye vorgehen, die Kavallerie noch darüber hinaus.

Blücher erfuhr am 5. März 1814, dass napoleonische Truppen entlang der Straße von Soissons nach Fismes gesehen worden waren. Kuriere, die am Vortage an die Böhmische Armee abgesandt worden waren, kehrten unverrichteter Dinge wieder zurück, da sie keinen Weg durch die französischen Truppen gefunden hatten. Sie berichteten, dass Reims bereits von den Franzosen besetzt sei.

Die Kosaken unter Tettenborn, die noch südlich von Reims operierten, griffen an diesem Tage in Sichtweite von Reims ein französisches Dragoner-Regiment an, mussten sich dann aber weiter nach Süden zurückziehen und konnten keinen Kurier an Blücher durchbringen. Von anderen Kosakenpulks, die auch südlich der Aisne umher streiften, kamen noch keine klaren Berichte. Am Abend traf eine Nachricht aus Laon ein, dort seien französische Reiter in der Verfolgung von flüchtenden Kosaken aufgetaucht.

Es ist davon auszugehen, dass Blücher und sein Generalstab noch nicht mit Gewissheit wussten, dass die napoleonische Armee bereits über die Brücke in Berry-au-Bac zog, als er die Dispositionen für den nächsten Tag ausgab.

An diesem Tage hatte Blücher das Kommando über eine Armee von solcher Größe, wie er sie bisher noch nie zu befehligen hatte. Die Mannschaftsstärke der Korps betrug: mini|200px|Denkmal für die Gefallenen der Kriege 1814 und 1914 bei Hurtebise auf dem Plateau von Craonne + Die „Schlesische Armee“ am 5. März 1814 Korps Kommandant Korpsstärke Yorck 13.500 Kleist 10.600 Bülow 16.900 Langeron 25.900 Sacken 13.700 Wintzingerode 30.000 Summe 110.600

Die Gesamtstärke betrug also etwa 110.600 Mann, darunter etwa 20.000 Reiter. Es standen ungefähr 500 Geschütze zur Verfügung. Das Verhältnis von Russen zu Preußen betrug 7:4.

Der Zug der Kosaken unter Tschernyschow