mini|hochkant=1.4|Hauptgebäude von Süden, 2010 Das Kapuzinerkloster Solothurn ist ein ehemaliges Kloster des Kapuzinerordens in der Stadt Solothurn im Bistum Basel, Schweiz. Es wurde 1588 gegründet und diente während Jahrhunderten als Studienkloster, in dem Schweizer Kapuziner ihre theologische Ausbildung erhielten. Die franziskanisch bescheidene künstlerische Ausstattung, zu der jedoch auch ein bekanntes Altargemälde von Gerard Seghers gehört, und die umfangreiche Bibliothek waren nie von Plünderungen oder Klosteraufhebungen beeinträchtigt. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte das Kloster ein starkes Wachstum seiner Gemeinschaft, musste jedoch 2003 aus Mitgliedermangel aufgegeben werden. Welcher Nutzung das Gebäude, das sich im Eigentum des Kantons Solothurn befindet, künftig dienen soll, ist noch offen.

Geschichte mini|Lage des Klosters im Quartier „Greiben“ mini|Pforte, 2010

Gründung Im eidgenössischen Stand Solothurn breitete sich zunächst die Reformation aus. Nach dem Zweiten Kappeler Landfrieden 1531 setzte jedoch eine Rekatholisierung ein, die den ganzen Kanton bis auf den Bucheggberg erfasste. Als katholischer Alter Ort befand sich Solothurn zwischen den reformierten Orten Basel und Bern in einer schwierigen Lage.Rainald Fischer: Die Gründung des Kapuzinerklosters Solothurn. In: 400 Jahre Kapuzinerkloster Solothurn, 1588–1988. Habegger, Derendingen 1988. S. 2–3. Der linksufrige Teil der Stadt an der Aare gehörte damals zum Bistum Lausanne, der rechtsufrige Teil zum Bistum Konstanz.Beda Mayer: Kloster Solothurn. In: Helvetia Sacra, Bd. V: Der Franziskusorden, Bd. 2: Die Kapuziner und Kapuzinerinnen in der Schweiz, 1. Teil. Francke, Bern, 1974. S. 625.

In dieser Situation machte Karl Borromäus 1584 den Vorschlag, in Solothurn ein Kapuzinerkloster zu gründen, jedoch vorerst ohne Erfolg. Am 29. Mai 1588 hielten sich zwei Kapuziner, Alexius del Bene aus Mailand und Ludwig von Einsiedel (oder Einsidl) aus Sachsen auf der Durchreise von Pruntrut nach Luzern in Solothurn auf. Auf Wunsch des Apostolischen Nuntius Octavius Paravicini setzten sie sich mit dem solothurnischen Rat in Verbindung. Sie wurden von drei angesehenen Ratsmitgliedern empfangen: Schultheiss Stephan Schwaller, Venner Lorenz Aregger und Stadtschreiber Hans Jakob vom Staal (der Ältere). Diese führenden Persönlichkeiten der Stadt gaben den Patres zu verstehen, dass eine Niederlassung der Kapuziner in Solothurn willkommen wäre, und zeigten ihnen ein Grundstück beim Herrensitz Blumenstein, das sie als geeigneten Platz für ein kleines Ordenshaus ansahen.Siegfried Wind: Zur Geschichte des Kapuzinerklosters Solothurn. Kapuzinerkloster Solothurn, 1938. S. 5–6.

Im Juli 1588 reiste Pater Stephan von Mailand, Generalkommissar der Schweizer Kapuziner, nach Pruntrut, wo er mit dem Bischof von Basel, Jakob Christoph Blarer von Wartensee, die Gründung eines Klosters besprechen wollte. Am 8. Juli erschien er vor dem Solothurner Rat und erkundigte sich, ob der Rat immer noch eine Niederlassung der Kapuziner wünsche. Im Rat bestand Uneinigkeit; man kam von den ursprünglichen Versprechungen der drei Ratsherren zwar ab, stellte den Kapuzinern aber doch in Aussicht, die Kapelle St. Stephan am Friedhofplatz (in der heutigen Altstadt) nutzen zu können. Oberst Wilhelm Tugginer wollte sich dabei um eine Unterkunft für die Kapuziner bemühen. Der Rat wollte noch kein Kloster bauen lassen, war aber mit einem Hospiz, also einem kleinen Ordenshaus mit wenigen Mönchen, einverstanden. Stephan von Mailand wählte dafür die Patres Georg von Venedig und Andreas Meier von Sursee aus. Sie trafen im September 1588 in Solothurn ein und wurden schliesslich im Doktorhaus auf dem Klosterplatz untergebracht; für die Gottesdienstfeier wurde ihnen die dortige St. Peterskapelle angewiesen. An diesem Entschluss soll neben der Empfehlung des Nuntius und dem guten Eindruck, den die Kapuziner in Solothurn hinterliessen, auch der Wunsch beteiligt gewesen sein, den Zusammenhalt mit den fünf katholischen Kantonen der Innerschweiz zu stärken.Rainald Fischer: Die Gründung des Kapuzinerklosters Solothurn. In: 400 Jahre Kapuzinerkloster Solothurn, 1588–1988. Habegger, Derendingen 1988. S. 4–5.

Die Kapuziner gewannen mit ihrem Glaubenseifer in Solothurn rasch an Einfluss. Schon ihre Adventspredigten 1588 sollen viele Solothurner zur Beichte getrieben haben. Selbst reformierte Berner sollen von Kapuzinern in Solothurn zur Konversion gebracht worden sein. Vor allem Pater Fabritius von Lugano, der den Solothurner Kapuzinern von 1589 bis 1591 vorstand, konnte den solothurnischen Rat stark im Sinne der strengen Glaubensvorstellungen der Kapuziner beeinflussen. Unter anderem wurden Abendtänze verboten, harte Strafen gegen Fluchen und Schwören verhängt und von den Kapuzinern als glaubensfeindlich angesehene Bücher verbrannt.Rainald Fischer: Die Gründung des Kapuzinerklosters Solothurn. In: 400 Jahre Kapuzinerkloster Solothurn, 1588–1988. Habegger, Derendingen 1988. S. 6–7.Bruno Amiet, Hans Sigrist: Solothurnische Geschichte. Solothurn, 1976. S. 126.

mini|hochkant|Innerer Chor und Dachreiter der Kirche des Kapuzinerklosters, 2010 Um das provisorische Hospiz abzulösen, wurde im November 1590 mit dem Bau eines eigentlichen Klosters begonnen. Der Rat von Solothurn stellte den Kapuzinern dazu ein Grundstück in der Greiben nordwestlich der heutigen Altstadt zur Verfügung. Ende 1592 war das Kloster vollendet, die dazugehörige Kirche im Sommer 1593. Geweiht werden konnte die Kirche erst mit grosser Verzögerung. Man hatte sich durch Anfragen bei den Bischöfen der Diözesen Lausanne, Basel und Konstanz um eine Weihe bemüht, es liess sich jedoch kein geeigneter Termin finden. Zwischen 1594 und 1596 ruhten die Bemühungen um eine Weihe der Kirche zudem, weil 1594 die Pest ausgebrochen war. Die Weihe der Kapuzinerkirche erfolgte schliesslich am 4. Mai 1597 durch den Apostolischen Nuntius Giovanni della Torre, Bischof der Diözese Veglia im heutigen Kroatien. Die Kirche wurde zu Ehren Mariä Verkündigung geweiht, mit zwei Altären, einer davon in einer Nebenkapelle zu Ehren des Heiligen Franz von Assisi. In den Altären wurden Reliquien des Märtyrers Ursus und seiner Gefährten der Thebaischen Legion eingeschlossen.Siegfried Wind: Zur Geschichte des Kapuzinerklosters Solothurn. Kapuzinerkloster Solothurn, 1938. S. 27–30.Rainald Fischer: Die Gründung des Kapuzinerklosters Solothurn. In: 400 Jahre Kapuzinerkloster Solothurn, 1588–1988. Habegger, Derendingen 1988. S. 8–9.

Der Stadtschreiber und Chronist Franz Haffner schreibt in seinem Solothurner Schaw-Platz (1666), dass den „Vättern Capucinern“ das erste Kloster und die Kirche „sehr schlecht und einfältig erbawet“ worden seien.Franz Haffner: Der klein Solothurner allgemeine Schaw-Platz … Johann Jacob Bernhardt, Solothurn 1666. S. 265. Digitalisat Nach damaligem Sprachgebrauch ist das als „schlicht und einfach“ zu verstehen. Das Klostergebäude war zweigeschossig (Erdgeschoss mit einem Obergeschoss) und folgte in seiner Anlage dem einheitlich angewandten Modell für Kapuzinerklöster. Die Ordenssatzungen schrieben vor, dass die Räumlichkeiten „klein, demütig, arm, schlicht und einfach“ sein sollten.Siegfried Wind: Zur Geschichte des Kapuzinerklosters Solothurn. Kapuzinerkloster Solothurn, 1938. S. 30–31.

Ausbau des Klosters und Entwicklung der Klostergemeinschaft mini|Kreuzgang 2010 mini|Kreuzgang Innenhof 2010 Schnell entwickelte sich das Solothurner Kloster zum „Studienkloster“, in dem Kleriker des Kapuzinerordens den höheren Studien nachgingen. Siegfried Wind vermutet in seiner Festschrift zum 350-jährigen Jubiläum des Klosters 1938, dass schon 1594 und 1597 Kleriker, die aus Solothurn nach auswärts zu den Weihen geschickt wurden, ihre Studien in Solothurn absolvierten. Für 1603 besteht bereits Gewissheit darüber, dass Solothurn als Studienkloster diente, da der erkrankte Guardian von seinem Nachfolger urkundlich belegt nicht nur in seiner Funktion als Klostervorsteher, sondern auch als „Lektor der Logik“ ersetzt wurde.Siegfried Wind: Zur Geschichte des Kapuzinerklosters Solothurn. Kapuzinerkloster Solothurn, 1938. S. 83–85. Ein fast lückenloses Verzeichnis der Solothurner Professoren für Philosophie und Theologie seit 1624 befindet sich im Archiv der Schweizer Kapuzinerprovinz in Luzern.Beda Mayer: Kloster Solothurn. In: Helvetia Sacra, Bd. V: Der Franziskusorden, Bd. 2: Die Kapuziner und Kapuzinerinnen in der Schweiz, 1. Teil. Francke, Bern, 1974. S. 628.

Wie auch die anderen frühen Kapuzinerklöster der Schweiz erwies sich das Gebäude nach kurzer Zeit als zu klein und musste vergrössert werden. Bereits 1617 war das Gebäude um einen Anbau für die Bibliothek und einige Zellen erweitert worden. Von 1629 bis 1630 wurde die Klosterkirche bedeutend vergrössert.Siegfried Wind: Zur Geschichte des Kapuzinerklosters Solothurn. Kapuzinerkloster Solothurn, 1938. S. 110–116. Zwischen 1664 und 1665 vergrösserte man das Kloster erneut und erweiterte auch den Garten. 1716 wurde eine Kapelle zu Ehren des 1712 heiliggesprochenen Kapuziners Felix von Cantalice geweiht.Beda Mayer: Kloster Solothurn. In: Helvetia Sacra, Bd. V: Der Franziskusorden, Bd. 2: Die Kapuziner und Kapuzinerinnen in der Schweiz, 1. Teil. Francke, Bern, 1974. S. 626.

Obwohl ein Klostergarten vorhanden war, bestand aufgrund des franziskanischen Selbstverständnisses der Kapuziner als Bettel- und Wanderorden kein eigentlicher Selbstversorgungsbetrieb; Solothurner Bürger liessen dem Kloster regelmässig Lebensmittel zukommen.

Sowohl die Französische Revolution als auch die Helvetik (1798–1803) und den Kulturkampf (1871–1874) überstand das Kapuzinerkloster Solothurn unbeschadet.Beda Mayer: Kloster Solothurn. In: Helvetia Sacra, Bd. V: Der Franziskusorden, Bd. 2: Die Kapuziner und Kapuzinerinnen in der Schweiz, 1. Teil. Francke, Bern, 1974. S. 626–627. Es wurde nie säkularisiert, im Gegensatz zu vielen anderen Schweizer Klöstern, darunter auch das solothurnische Benediktinerkloster Mariastein.

Während der Helvetik war das Kloster allerdings, wie fast alle Schweizer Klöster, ab 1799 von einem Verbot betroffen, Novizen aufzunehmen. Der Solothurner Grosse Rat hob dieses Verbot für den Kapuzinerorden mit einem Beschluss vom 29. Oktober 1803 auf Antrag des Kleinen Rats auf. Der Erlass stellt alle Kapuzinerklöster des Kantons „unter den unmittelbaren Schutz der Regierung“ und sichert ihnen ihre Existenz feierlich zu. Er ist immer noch rechtskräftig (Stand 2018).Othmar Noser: Über Verbundenheit und Umgang der Solothurner Obrigkeit mit ihren Kapuzinern 1588–1988 In: 400 Jahre Kapuzinerkloster Solothurn, 1588–1988. Habegger, Derendingen 1988. S. 11.

Ein starkes Wachstum seiner Kapuzinergemeinschaft erlebte das Solothurner Kloster in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von 1927 bis 1929 wurde es umgebaut und aufgestockt, 1932 der Ostflügel erweitert. Seit einer Zusammenziehung der theologischen Studien der Schweizer Kapuziner in Solothurn 1931 lebten im Kloster insgesamt etwa 70 Brüder, davon jeweils ungefähr 40 Theologiestudenten.Beda Mayer: Kloster Solothurn. In: Helvetia Sacra, Bd. V: Der Franziskusorden, Bd. 2: Die Kapuziner und Kapuzinerinnen in der Schweiz, 1. Teil. Francke, Bern, 1974. S. 627.Sigisbert Regli: Nach 400 Jahren Klostergeschichte – die heutige Kapuzinergemeinschaft in Solothurn In: 400 Jahre Kapuzinerkloster Solothurn, 1588–1988. Habegger, Derendingen 1988. S. 45. 1953/1954 wurde noch ein Nordflügel angeschlossen.

Auflösung des Klosters