Groß-Felda ist der nach Einwohnerzahl größte Ortsteil von Feldatal im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Zu Groß-Felda gehört der Weiler Schellnhausen. Der Ort liegt am Vogelsberg im Naturpark „Hoher Vogelsberg“. Durch den Ort führt die Landesstraße 3071.
Ortsgeschichte Mittelalter Die schriftliche Ersterwähnung von Felda geschah 1190 und findet sich in einem Kopiar aus dem 15. Jahrhundert: „... ecclesia in Velle“ (... ecclesia in Vellen).Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. Nr. 242, S. 354. In dieser Urkunde wird eine Kirche in Felda erwähnt. Zwischen Groß- und dem Weiler Klein-Felda wird erst seit in einem Dorsualvermerk 1839 unterschieden.G. L. Rabenau: Alphabetisch geordnetes Verzeichnis sämmtlicher zu dem Großherzogthume Hessen gehörigen Städte, Flecken, Dörfer .... 3. Auflage, 1840, S. 42. 1233 wird der Ortsadlige „Cunradus de vello“ genannt.StAD, Urkunden Oberhessen, Großen-Buseck. Die Gerichte Bobenhusen und Felda finden 1337 Erwähnung: „... dy gerichte czu Babenhusen vnd tzu Velle ...“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 768, S. 532. Der sprachliche Wandel des Ortsnamens zum Appellativum beginnt im 16. Jahrhundert.
Heinrich von Eisenbach, Erbmarschall von Hessen, bekannte am 11. April 1344, dass er dem Landgrafen Heinrich zu Hessen das Haus Merlau und die zugehörigen Gerichte zu Felda und Bobenhausen, die dieser ihm verpfändet hatte, wieder zum Einlösen geben wolle, nur sei der Petershagen ausgenommen, den ihm der Landgraf zu seinem Burglehn gegeben hatte.Helfrich Bernhard Wenck: Hessische Landesgeschichte. Band 2. S. 359, Note Extr.;Heinrich Eduard Scriba: Regesten der bis jetzt gedruckten Urkunden der Landes- und Ortsgeschichte des Großherzogtums Hessen. Band 2: Die Regesten der Provinz Oberhessen enthaltend. 1849, Nr. 1371.
In dieser Zeit entstand ein Kopiar, das für 1498 den Ort „Fel“ nennt.Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Regest, Nr. 1581, S. 478. In einem Salbuch steht 1592 der Ortsname „Felda.“Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 356. Den Ursprung des Ortsnamens bildet ein Gewässername.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 116 f.
Der Weiler Schellnhausen liegt in der Gemarkung Groß-Felda und wird 1279 und 1305 urkundlich erwähnt. 1279 wird der Ortsadlige „Henricus de Scelmenhusen“ genannt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band I, Nr. 441, S. 312. In einer Urkunde von 1305 heißt es: „... in Schmenhusin bonum ...“ (ein Gut in Schelmenhausen).Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Nr. 441, S. 312.
Neuzeit 1635 wurde die heute noch arbeitende Schrotmühle, die Wolfmühle, genannt. Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Groß-Felda:
und über Klein-Felda:
Am 1. April 1954 wurde der Wohnplatz Klein-Felda mit 108 Einwohnern ausgegliedert und kam zur Gemeinde Zeilbach.
Zum 31. Dezember 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständigen Gemeinden Ermenrod, Groß-Felda, Kestrich, Köddingen, Stumpertenrod, Windhausen und Zeilbach zur neuen Großgemeinde Feldatal zusammengeschlossen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Groß-Felda angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Felda ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Ulrichstein ab 1570: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Ulrichstein, Gericht Felda ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Ulrichstein, Gericht Felda 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Felda ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt (und Gericht ab 1803) Ulrichstein ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt und Gericht Ulrichstein ab 1821: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk RomrodTrennung zwischen Justiz (Landgericht Alsfeld) und Verwaltung. ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Alsfeld ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Alsfeld ab 1838: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg (und Landgericht Ulrichstein) ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Alsfeld ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld, Gemeinde Feldatal ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde Feldatal ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Feldatal
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Groß-Felda das Amt Ulrichstein zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Groß-Felda viel in den Gerichtsbezirk des Landgerichts Alsfeld. Durch Verfügung des Großherzoglich Hessischen Ministerium des Innern und der Justiz wurden am 1. Dezember 1838 Groß-Felda an den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Ulrichstein abgetreten.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Ulrichstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
1943 verlor das Amtsgericht Ulrichstein seine Selbständigkeit und wurde zur Zweigstelle des Amtsgerichts Schotten.Verfügung des Landgerichtspräsidenten in Gießen vom 16. Juni 1943 — 3200 — Betrifft: Errichtung der Zweigstelle Ulrichstein des Amtsgerichts Schotten Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Groß-Felda kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Alsfeld.
Einwohnerentwicklung Bis 1954 mit Klein-Felda. • 1791: 902 Einwohner (mit Kestrich) • 1800: 911 Einwohner (mit Kestrich) • 1806: 958 Einwohner, 186 Häuser • 1829: 978 Einwohner, 184 Häuser • 1867: 1110 Einwohner, 191 bewohnte Gebäude • 1875: 1107 Einwohner, 193 bewohnte Gebäude
Religionszugehörigkeit • 1829: 978 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 855 evangelische (= 89,53 %), 72 katholische (= 7,54 %) Einwohner
Wappen links|100px
Blasonierung: „In Gold ein roter blaugekrönter Jungfrauenadler mit silbernem, von einem blauen Hammer und zweimal zwei blauen Nägeln belegten Herzschild.“
Das Wappen wurde der Gemeinde Groß-Felda, im damaligen Landkreis Alsfeld am 22. Dezember 1969 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.
Der Herzschild verweist auf das einstige Handwerk der Nagelschmiede in Groß-Felda, das noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts, als einer der Hauptwirtschaftszweige des Ortes ausgeübt wurde, der blaugekrönte Jungfrauenadler stammt aus dem Wappen der erloschenen Adelsfamilie von Mörlau (Merlau), die im Mittelalter hier begütert war.Geschichte – damals und heute, Gemeindewappen, auf feldatal.de (Abgerufen am 20. Oktober 2020) Das Wappen wird, von der neuen Gemeinde Feldatal weitergeführt.
Verkehr Den öffentlichen Personennahverkehr stellen die Buslinien VB-77 und VB-15 der Verkehrsgesellschaft Oberhessen her.
Persönlichkeiten Johannes Caspar Neeb (1769–1832), hessischer Landtagsabgeordneter Norbert Goldenberg (1909–1974), Arzt, Mitgründer und Herausgeber der deutsch-jüdischen Exilzeitung AufbauArt. Goldenberg, Norbert. In: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. 1: Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben. Saur, München 1980, ISBN 0-89664-101-5, S. 230.
Literatur
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Ulrichstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und
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