Ermenrod ist ein Ortsteil der Gemeinde Feldatal im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Der Ort liegt am Vogelsberg im Naturpark „Hoher Vogelsberg“. Im Ort treffen sich die Landesstraße 3071 und die Bundesstraße 49.

Ortsgeschichte miniatur|Evangelische Kirche in Ermenrod

Mittelalter Der auf -rod endende Ortsname lässt nicht automatisch auf eine Gründung zwischen 800 und 1000 n. Chr. schließen. Eine Gründung am Ende Rodungszeit ist wahrscheinlicher. Die Ersterwähnung datiert um das Jahr 1300: „... Sedes in Ufleyden ..., it. Irmenrade ...“ (Niederlassungen in Ofleiden, ebenso in Ermenrod.)Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 284. Diese Ersterwähnung wurde in einem Kopiar aus der Zeit zwischen 1400 und 1425 überliefert. 1382 wird „... eyn gut czu Ermerode ...“ genannt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1137, S. 757.

Der Ortsname enthält den Rufnamen Ermo oder Irmo.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 112. Das Grundwort „-rade“ verweist ins 13., eher 14. Jahrhundert.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. S. 23.

Am 24. Januar 1354 bekannten Godebrecht von Ermenrod und seine Frau Pauline, dass ihnen von Graf Johann von Nassau-Hadamar der Ort Ellar und das zugehörige Amt Ellar mit allen Orten übertragen wurde.StAM, Urk. 1, Nr. 3138.

In der Gemarkung Ermenrod findet sich der Schmitthof. Dort gab es früher eine Waldschmiede.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. S. 23. Landgraf Wilhelm III. bestätigte am 15. Dezember 1495, dass der frühere Rentmeister von Romrod, Christian von Büdingen das „Smit-Gutgen“ an den Waldschmied Hermann Schütz zu Ermenrod verliehen hat. Dafür musste dieser jedes Jahr an Martinstag 4 Turnosen Frankfurter Währung nach Romrod liefern.StAM, Kopiar 17, Nr. 227, fol. 151 v. Erwähnt wird der Hof auch in einem Salbuch 1582: „... Schmitthof bey Ermenrodtt“.Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 281. Das „Smitgutgen“ war vorher „zu woisten orten gebrucht“ worden.Edwin Eduard Becker: Alsfelder Regesten, S. 206, Nr. 62. Der Schmitthof war also vorher eine Wüstung gewesen.

Neuzeit 1776 wurde, an der Stelle der Vorgängerkirchen, die heute unter Denkmalschutz stehende evangelische Fachwerkkirche, Martin-Luther-Kirche genannt, erbaut. Sie steht direkt an der Bundesstraße.

Im Mittelalter gehörte der Ort zu Grafschaft Ziegenhain. 1450 starb der letzte Graf von Ziegenhain und Nidda Kinderlos. Nach einer Vereinbarung mit den Landgrafen von Hessen fiel in diesem Fall das Erbe an die Landgrafschaft Hessen. Aber erst 1495 konnte ein Erbstreit mit den Grafen von Hohenlohe beigelegt werden, indem die hessischen Landgrafen die Hohenloher mit 9000 Gulden für die beiden Grafschaften abfanden.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Ermenrod:

In Ortsnähe steht die Herrenmühle, die heute noch in Betrieb ist.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Am 31. Dezember 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständigen Gemeinden Ermenrod, Groß-Felda, Kestrich, Köddingen, Stumpertenrod, Windhausen und Zeilbach zur neuen Großgemeinde Feldatal zusammengeschlossen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ermenrod angehört(e):

vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Burggemünden ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt BurggemündenDie Zugehörigkeit des Amtes Burggemünden anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Burggemünden (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Burggemünden ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Burggemünden ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde Feldatal ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Feldatal

Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ermenrod das „Amt Homberg an der Ohm“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1831 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Ermenrod zuständig war. 1831 wurde die Gemeinde Ermenrod zum Gerichtsbezirk des Landgerichts Grünberg abgetreten.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1882 wurde Ermenrod dem Amtsgericht Alsfeld zugeteilt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ermenrod 282 Einwohner. Darunter waren 6 (2,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 48 Einwohner unter 18 Jahren, 114 zwischen 18 und 49, 60 zwischen 50 und 64 und 60 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 120 Haushalten. Davon waren 36 Singlehaushalte, 33 Paare ohne Kinder und 36 Paare mit Kindern, sowie 12 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 21 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 75 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1791: 353 Einwohner • 1800: 362 Einwohner • 1806: 358 Einwohner, 71 Häuser • 1829: 354 Einwohner, 71 Häuser • 1867: 387 Einwohner, 71 bewohnte Gebäude • 1875: 393 Einwohner, 72 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 353 evangelische, ein katholischer Einwohner • 1961: 306 evangelische (= 88,44 %), 37 katholische (= 10,69 %) Einwohner

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Geographie (Feldatal) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Ersterwähnung 1300 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971