Dies ist eine Liste römischer Talsperren. Trotz beachtlicher Leistungen der Römer im Staudammbau, die den Vergleich mit ihren Aktivitäten im Aquädukt-, Brücken- und Straßenbau nicht zu scheuen brauchen,Smith (1971), S. 25 f. ist dieses Feld bislang vergleichsweise wenig erforscht worden.Hodge (1992), S. 80; Hodge (2000), S. 331

mini|250px|Die Cornalvo-Talsperre in Spanien aus dem 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. Die Konstruktion von Talsperren wurde von den Römern in der frühen Kaiserzeit aufgenommen. Das Gros der Bauten findet sich in den semiariden Randzonen des Imperiums, insbesondere in den nordafrikanischen und vorderasiatischen Provinzen sowie auf der iberischen Halbinsel.Schnitter (1978), S. 28, fig. 7; Hodge (1992), S. 80. Hodge (2000), S. 332 Die hohe Anzahl spanischer Dammbauten in der Liste erklärt sich teilweise aus der intensiveren Feldforschung, die in diesem Land betrieben wurde. Aus dem italienischen Kernbereich ist dagegen nur ein einziger antiker Dammkomplex bekannt, die von Kaiser Nero (54–68 n. Chr.) zu Erholungszwecken errichteten Staumauern von Subiaco,Smith (1970), S. 60 f. Hodge (1992), S. 87 die aufgrund ihrer bis zum Spätmittelalter unübertroffenen Höhe allerdings von besonderem Interesse sind.

Die gebräuchlichsten Sperren waren Erd- oder Steindämme sowie Gewichtsmauern aus Mauerwerk.Hodge (2000), S. 331 f. Ihre Funktionen waren wie schon zu Zeiten der hydraulischen Gesellschaften des Nahen Ostens recht verschieden und konnten etwa in der Bewässerung, dem Hochwasserschutz, der Flussumleitung oder der Retention von fruchtbarem Erdreich liegen. Häufig dienten Talsperren gleich mehreren dieser Zwecke.Hodge (1992), S. 86 f.

Der römische Staudammbau hob sich von seinen Vorgängern insbesondere durch die „Befähigung der Römer, den Baubetrieb in großem Maßstab zu planen und organisieren“ ab.Smith (1971), S. 49 Dies erlaubte den Bau großer Stauseen, die die angeschlossenen Städte auch in der Trockenperiode mit Trinkwasser versorgen konnten – ein heute allgemein verbreitetes Konzept, das aber bis dato nur selten Anwendung gefunden hatte.Smith (1971), S. 49; Hodge (1992), S. 79 f.

Die Erfindung von hydraulischem Mörtel und vor allem Beton verringerte die Wasserdurchlässigkeit römischer Staumauern. Die neuartigen Baumaterialien schufen überdies die Möglichkeit zum Bau größerer Sperrwerke, wie beispielsweise des Sees von Homs, der womöglich größten Stauanlage der Antike, oder des Harbaqa-Staudamms, die beide im Kern aus Beton bestehen.

Insgesamt betrachtet legten römische Baumeister im Talsperrenbau ein hohes Maß an Innovationsfähigkeit an den Tag. Während Sperren bis dahin einzig aufgrund ihres Eigengewichtes dem Wasserdruck widerstanden, erkannten die Römer als erste die stabilisierende Wirkung von Bögen und Stützpfeilern im Mauerverband. Zu den von ihnen eingeführten neuartigen Staumauer-Typen gehörten: BogengewichtsmauernHodge (2000), S. 332; James & Chanson (2002) Bogenstaumauern PfeilerstaumauernNiklaus Schnitter: Die Entwicklungsgeschichte der Pfeilerstaumauer. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 59–62. Vielfachbogenmauern

Nicht zuletzt gehen auch die Anfänge kombinierter Damm-Brückenbauten, die in der Folge häufig im Iran zu finden waren, auf die Zwangsarbeit römischer Kriegsgefangener zurück (siehe Band-e Kaisar).

Liste Die Staudämme sind nach ihrer maximalen Höhe sortiert. Alle Abmessungen in Meter; bei abweichenden Werten wird jüngeren bzw. eingehenderen Untersuchungen der Vorzug gegeben. Bei Erddämmen bezieht sich die Breite auf den Mauerwerkskörper.

Höhe Breite Kronen- länge Bauwerks- oder Ortsname Land Erbaut Bauart/Bemerkung 50 13,5 70? Staumauer von SubiacoHodge (1992), S. 82, Tab. 39; Breite an der Krone: Smith (1970), S. 61 Italien 54–68 Gewichtsstaumauer. Als künstlicher Vergnügungssee für Nero entworfen, blieb die Staumauer die höchste des Römischen Reichs,Smith (1970), S. 60 f.; Smith (1971), S. 26; Schnitter (1978), S. 28 und bis zu ihrer Zerstörung 1305 in der gesamten Welt.Hodge (1992), S. 87 34,0 38,0 120,0 Staudamm von Almonacid de la CubaArenillas & Castillo (2003) Spanien 1. Jh. Gewichtsstaumauer 28,0 26,0 194,0 Cornalvo-Talsperre Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer, heute noch in Betrieb 21,6 5,9 427,8 Proserpina-Talsperre Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer, heute noch in Betrieb 21 ? 365 Harbaqa-StaudammSchnitter (1978), S. 31 Syrien 2. Jh. Gewichtsstaumauer 20,0 4,0? >800,0 Alcantarilla-Staudamm Spanien 1. Jh. Gewichtsstaumauer 16,6 6,9 80,0 Staudamm von Ermita de la Virgen del Pilar Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer 16 ? 40 OrükayaNiklaus Schnitter: Verzeichnis geschichtlicher Talsperren bis Ende des 17. Jahrhunderts. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 12. Türkei 2. Jh. BogengewichtsmauerJames & Chanson (2002) 13,0 7,0? 60,0 Muel-Staudamm Spanien 1. Jh. Gewichtsstaumauer 12 3,9 18 Glanum-StaudammSchnitter (1978), S. 31 f. Frankreich 1. Jh. v. Chr. Bogenstaumauer, erste bekannteSmith (1971), S. 33–35. Niklaus Schnitter: Römische Talsperren. In: Antike Welt, 1978, Band 8, Nr. 2, S. 31 f. Niklaus Schnitter: Verzeichnis geschichtlicher Talsperren bis Ende des 17. Jahrhunderts. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 12. Niklaus Schnitter: Die Entwicklungsgeschichte der Bogenstaumauer. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 80. Hodge (2000), S. 332, Fn. 2 12 ? 130 LöstügunSNiklaus Schnitter: Verzeichnis geschichtlicher Talsperren bis Ende des 17. Jahrhunderts. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 13. Türkei 6. Jh. Gewichtsstaumauer 10 7,3 150 Kasserine-StaudammSmith (1971), S. 35 f. Tunesien 2. Jh. Bogengewichtsmauer 8,4 2,7 68,0 La Pared de los Moros Spanien 3. Jh. Gewichtsstaumauer 7,0 2,0 50,0 Arroyo Salado Spanien ? Gewichtsstaumauer 7 20 2000 See von HomsSchnitter (1978), S. 31; Dicke: Hodge (1992), S. 91 Syrien 3. Jh. Gewichtsstaumauer, größter künstlicher Stausee bis dato (Speichervolumen von 90 Mio. m³), heute noch in BetriebSmith (1971), S. 42 7 ? 193 Maʿagan Micha’el (West) Israel 4. Jh. Gewichtsstaumauer 7 ? 80 Çavdarhisar Türkei 2. Jh. Bogengewichtsmauer 7 ? 50 OlisipoNiklaus Schnitter: Verzeichnis geschichtlicher Talsperren bis Ende des 17. Jahrhunderts. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 12. Niklaus Schnitter: Die Entwicklungsgeschichte der Pfeilerstaumauer. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 60, Tab. 1. Portugal 2. Jh. Gewichtsstaumauer ≈6,1 ? ? Qasr KhubbazSmith (1971), S. 39 Syrien ? ? 6,0? 3,0 50,0 Arévalo Spanien 2. Jh. Gewichtsstaumauer 5,6 2,2 320,0 Esparragalejo-Staudamm Spanien 1. Jh. Pfeilerstaumauer, erste bekannteSchnitter (1978), S. 29. Niklaus Schnitter: Die Entwicklungsgeschichte der Pfeilerstaumauer. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 60, Tab. 1, 62. James & Chanson (2002). Arenillas & Castillo (2003) 5,2 1,9 95,0 Las Tomas Spanien 4. Jh. Pfeilerstaumauer ≈5 6 62 Muro da Prega Portugal ? ? 5 ? 91 Wadi MegeninNiklaus Schnitter: Die Entwicklungsgeschichte der Pfeilerstaumauer. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 60, Tab. 1. Libyen 2. Jh. Pfeilerstaumauer 4,8 2,6 >632,0 Consuegra-Staudamm Spanien 3.–4. Jh. Pfeilerstaumauer 4,6 4,2 174 Staudamm von MuroDecker (1991), S. 78 f. Portugal ? ? 4,5 2,7 141,1 El Paredón Spanien 3. Jh. Gewichtsstaumauer 4,5 2,5 19,5 Melque VI Spanien ? Gewichtsstaumauer >4,0 1,0 102,0 Unterer Iturranduz-Staudamm Spanien 2. Jh. Pfeilerstaumauer 4,0 5,6 100,0 La Pesquera Spanien ? Gewichtsstaumauer 4 ? 300 Böget Türkei 2. Jh. Gewichtsstaumauer 3,7 1,8 139,0 Araya Spanien 2. Jh. Pfeilerstaumauer 3,6 3,5 97,8 Vega de Sta. María Spanien ? Pfeilerstaumauer 3,5 2,0 40,0 Arroyo Bejarano Spanien 1. Jh. Gewichtsstaumauer >3,0 3,0 170,0 Charca de Valverde Spanien ? Gewichtsstaumauer 3,0 3,4 200,0 Las Muelas Spanien 2. Jh. Pfeilerstaumauer 3,0 3,0? 29,0 Azud de la Rechuela Spanien ? Pfeilerstaumauer 3,0 2,3 30,0 Les Parets Antiques Spanien 3.–4. Jh. Gewichtsstaumauer 3,0 2,2 150,0 Villafranca Spanien 2.–3. Jh. Pfeilerstaumauer 3,0 1,8 98,0 Mesa de Valhermoso Spanien 2.–3. Jh. Gewichtsstaumauer 3,0 1,5 30,0 Castillo de Bayuela Spanien 2.–3. Jh. Pfeilerstaumauer 3,0? ? ? San Martín de la Montiña Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer 2,5 5,0 100,0 Cañada del Huevo Spanien 2. Jh. Pfeilerstaumauer 2,5 1,5 25,0 Pineda o Ca'La Verda Spanien 3. Jh. Gewichtsstaumauer 2,4 1,2 80,0 Paerón I Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer 2,2 1,0 15,0 Palomera Baja Spanien 3. Jh. Gewichtsstaumauer 2,2? 1,0? 30,0? El Peral Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer 2,1 1,9 40,8 Moracantá Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer >2,0 2,5 80,0 Los Paredones Spanien 1.–2. Jh. Gewichtsstaumauer >2,0 0,8 52,0–180? La Cuba Spanien 2.–3. Jh. Gewichtsstaumauer 2 10–12 516 Band-e KaisarNiklaus Schnitter: Verzeichnis geschichtlicher Talsperren bis Ende des 17. Jahrhunderts. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 13. Hodge (2000), S. 337 f. Iran 3. Jh. Gewichtsstaumauer, erste Dammbrücke (Stauwehr mit Bogenbrücke)Vogel (1987), S. 50 2,0 1,0 56,0 Staudamm von Puy Foradado Spanien 2.–3. Jh. Bogengewichtsmauer 1,8 1,6 81 Staumauer von Cuba Portugal ? Gewichtsstaumauer 1,6 ? ? Las Mezquitas Spanien 2. Jh. Gewichtsstaumauer >1,5 1,1 30,0 Paerón II Spanien 1.–2. Jh. Pfeilerstaumauer 1,5 0,8 35,0 El Pont d’Armentera Spanien 2.–4. Jh. Gewichtsstaumauer 1,3 1,6 230,0 El Hinojal (Las Tiendas) Spanien 3.–4. Jh. Pfeilerstaumauer 1,3 1,4 14,7 El Argamasón Spanien 2.–3. Jh. Gewichtsstaumauer 1,2 2,4 30,0 Balsa de Cañaveral Spanien 4. Jh. Gewichtsstaumauer 1,1 0,7 13,4 Río Frío Spanien 1. Jh. Gewichtsstaumauer 1 11 ≈56 Monte Novo do Castelinho Portugal 2. Jh. ? >0,9 0,7 7,6 El Peral II Spanien ? Pfeilerstaumauer 0,9 0,7 40,0 Azud de los Moros Spanien 1. Jh. Gewichtsstaumauer >0,8 1,6 60,0–80,0 Valencia del Ventoso Spanien 3.–4. Jh. Gewichtsstaumauer >0,8 1,1 50,0 El Chaparral Spanien 3.–4. Jh. Gewichtsstaumauer ? 0,7 150,0 Oberer Iturranduz-Staudamm Spanien 3.–4. Jh. Pfeilerstaumauer ? ? 900 Leptis Magna (Wadi Caam II)Smith (1971), S. 37 Libyen 2.–3. Jh.? ? ? ? ? Leptis Magna (Wadi Caam I) Libyen 2.–3. Jh.? ? ? ? ? Leptis Magna (Wadi Lebda)Smith (1971), S. 36 Libyen 2.–3. Jh.? Pfeilergestützte Mauer ? ? ? Las Adelfas Spanien 2. Jh. Gewichtsstaumauer ? ? ? Monroy Spanien ? Gewichtsstaumauer ? ? ? Odrón y Linares Spanien ? Gewichtsstaumauer ? ? ? Soufeiye Syrien ? Gewichtsstaumauer ? ? ? Dara-Staudamm Türkei 560 Bogenstaumauer, erste Beschreibung der Bogenwirkung im Staumauerbau durch Prokop (De Aedificiis II.3)Smith (1971), S. 53 f. Schnitter (1978), S. 32. Niklaus Schnitter: Verzeichnis geschichtlicher Talsperren bis Ende des 17. Jahrhunderts. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 13. Niklaus Schnitter: Die Entwicklungsgeschichte der Bogenstaumauer. In: Günther Garbrecht (Hrsg.): Historische Talsperren. Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1987, ISBN 3-87919-145-X, S. 80. Hodge (1992), S. 92. Hodge (2000), S. 332, Fn. 2.

Siehe auch Wasserversorgung im Römischen Reich Technik im Römischen Reich

Literatur