mini|150px|Wappen von John of Brittany, Earl of Richmond John of Brittany, Earl of Richmond (, ) (* 1266; † 17. Januar 1334) war ein bretonisch-englischer Magnat aus dem Haus Dreux. Als Sohn eines französischen Adligen verbrachte er sein Leben als Militär und Diplomat im Dienst der englischen Krone. Als Militär war er dabei wenig erfolgreich, doch er war an fast allen wichtigen Verhandlungen seiner Zeit beteiligt, und seine Zeitgenossen schätzten ihn als geschickten und vertrauenswürdigen Vermittler. Mehrere moderne Historiker bewerten ihn dagegen während der schwierigen Zeit der Herrschaft von Eduard II. als politisch unbedeutend.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 316John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 10
Herkunft und Jugend John of Brittany wurde als zweiter Sohn von Herzog Johann II. von der Bretagne und von dessen Frau Beatrix geboren. Zwischen der Bretagne und dem Königreich England bestanden schon lange enge politische und familiäre Bindungen, z. B. war John über seine Mutter ein Enkel des englischen Königs Heinrich III. Er wurde in England zusammen mit seinem Cousin Henry,Hilda Johnstone: The wardrobe and household of Henry, son of Edward I. In: Bulletin of the John Rylands University Library, 7 (1922–3), S. 389 einem Sohn des Thronfolgers Eduard erzogen, der allerdings bereits 1274 starb. Zu seinem älteren Bruder Arthur hatte er dagegen ein oft angespanntes Verhältnis. John erhielt in England eine ritterliche Ausbildung und nahm als junger Mann an mehreren Turnieren teil.
Dienst als Militär und Aufstieg zum Earl of Richmond Während des Französisch-Englischen Kriegs erhielt John im Oktober 1294 sein erstes eigenes militärisches Kommando. Als King’s Lieutenant wurde er zusammen mit John de St John und einer Vorausabteilung der englischen Armee in die Gascogne geschickt, um die dortigen, von Frankreich besetzten englischen Besitzungen zurückzuerobern. Dabei konnte John einige Städte entlang der Gironde zurückgewinnen, jedoch nicht die Hauptstadt Bordeaux. Daraufhin machte er Rions zu seinem Hauptquartier, während John de St John weiter nach Bayonne zog. Wegen einer Revolte seiner eigenen Truppen musste John of Brittany im April 1295 mit einem Schiff aus der Stadt flüchten, so dass die Franzosen die Stadt ohne große Gegenwehr erobern konnten.Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 382 Nach dieser schmachvollen Niederlage blieb John weiter in der Gascogne, doch im Februar 1297 wurde er zusammen mit dem Earl of Lincoln von den Franzosen bei Bellegarde erneut geschlagen. Trotz dieser militärischen Misserfolge genoss er aber weiterhin die Gunst seines Onkels Eduard I., der ihn fast wie einen Sohn behandelte.Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 132 Während des Schottischen Unabhängigkeitskriegs nahm er vermutlich im Juli 1298 an der Schlacht von Falkirk und 1300 an der Belagerung von Caerlaverock Castle teil. Der König belohnte seine Dienste, in dem er ihm im August 1299 eine jährliche Pension von £ 1000 bewilligte. Durch Writ of Summons wurde er am 24. Mai 1305 in das Parlament berufen, und nach dem Tod seines Vaters erhob der König, der sonst kaum Earlwürden vergab, im Oktober 1306 John anstelle seines älteren Bruders Arthur zum Earl of Richmond. Im Gegenzug erbte John offenbar keine Besitzungen seines Vaters in der Bretagne.
Tätigkeit als Diplomat und Politiker unter Eduard II. Dienst als Diplomat und als Statthalter von Schottland Bereits während des Kriegs in Südwestfrankreich hatte Richmond, wie er nun genannt wurde, 1294 und 1295 an Verhandlungen mit der Grafschaft Foix und mit dem Königreich Kastilien teilgenommen. Am 15. Oktober 1305 ernannte Eduard I. Richmond zum Statthalter und zum Guardian des offenbar weitgehend eroberten Schottlands. Dort berief Richmond ein Parlament nach Scone ein, das eine Reform des schottischen Rechts beschloss.Michael Prestwich: Edward I. Berkeley, University of California Press, 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 504 Im März 1307 begleitete er seinen Cousin, den englischen Thronfolger Eduard II., als dieser als Vertreter seines Vaters nach Frankreich reiste. Nachdem Eduard II. im Juli 1307 als Nachfolger seines verstorbenen Vaters neuer König geworden war, setzte er im September Richmond wieder als Nachfolger des Earl of Pembroke als Statthalter von Schottland ein,John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 25 wo es jedoch zunehmenden Widerstand gegen die englische Herrschaft gab. Im Januar 1308 bestätigte der König ihn in seinem Amt als Statthalter.
Vermittelnde Tätigkeit im Konflikt des Königs mit einer Adelsopposition Richmonds freundschaftliches Verhältnis zu Gaveston Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Magnaten war Richmond zu dieser Zeit stets ein loyaler Unterstützer des Königs.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 91 Zusammen mit sechs anderen Earls hatte er im August 1307 die Erhebung des königlichen Günstlings Piers Gaveston zum Earl of Cornwall bezeugt,John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 71 und als 1308 eine Adelsopposition die Verbannung des unbeliebten Gaveston verlangte, war Richmond neben dem Earl of Lancaster der einzige Earl, der bereit war, den König militärisch zu unterstützen.Ian Mortimer: The greatest Traitor. The Life of Sir Roger Mortimer, 1st Earl of March, Ruler of England, 1327–1330. Pimlico, London 2003, ISBN 0-7126-9715-2, S. 39 Richmond blieb Gaveston weiterhin freundschaftlich verbunden,Pierre Chaplais: Piers Gaveston. Edward II’s Adoptive Brother. Oxford University Press, Oxford 1994, ISBN 0-19-820449-3, S. 48 allerdings hatte er bedeutend weniger Grundbesitz, Gefolge und Ansehen als die meisten anderen englischen Earls.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 87 Im März 1309 gehörte Richmond der von Bischof Walter Reynolds geleiteten Delegation an, die am Papsthof in Avignon die Aufhebung der von Erzbischof Winchelsey verhängten Exkommunikation Gavestons erreichte und die Zustimmung des Papstes für die Rückkehr von Gaveston aus dem Exil erhielt.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 94
Tätigkeit als Lord Ordainer und Diplomat Als sich der Konflikt zwischen dem König und der Adelsopposition weiter zuspitzte, sollte eine Gruppe von Magnaten, die sogenannten Lords Ordainer, ein Reformprogramm für die Regierung erarbeiten. Obwohl Richmond einer der loyalsten Unterstützer des Königs war, wurde er im März 1310 als Lord Ordainer bestimmt,John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 112 doch im Gegensatz zu anderen Lords Ordainer wirkte er wenig an der Erstellung der Ordinances mit, sondern diente weiter dem König.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 30 Im Herbst 1310 war Richmond im Auftrag des Königs in die Gascogne gereist, um in einen Konflikt zwischen dem englischen Seneschall John de Havering, den aus der Gascogne stammenden Seneschall des Agenais Arnaud Guillaume de Marsan und dem Baron Amanieu d’Albret zu entscheiden. Am 11. Dezember wurde entschieden, den von Havering entlassenen Arnaud Guillaume trotz der Proteste von d’Albret wieder in sein Amt einzusetzen. Kaum hatte Havering Guillaume wieder eingesetzt, legte dieser sein Amt nieder und übergab es Richmond.Pierre Chaplais: Piers Gaveston. Edward II’s Adoptive Brother. Oxford University Press, Oxford 1994, ISBN 0-19-820449-3, S. 74 Im April und Mai 1311 war Richmond zusammen mit Bischof John Salmon von Norwich Führer der englischen Delegation, die in Périgueux mit Frankreich über den Status der englischen Besitzungen in Südwestfrankreich verhandelte. Nach Abschluss der Verhandlungen blieb Richmond im Auftrag des Königs noch mehrere Monate in der Gascogne, ehe er nach England zurückkehrte.
Vermittelnde Tätigkeit in der Krise von 1312 In England war im Juni 1312 Gaveston, als er ohne Erlaubnis aus dem Exil zurückgekehrt war, auf Anordnung einer Gruppe von Magnaten, darunter Lancaster, hingerichtet worden. Um einen drohenden Bürgerkrieg zu verhindern, arbeitete Richmond nach seiner Rückkehr nach England zusammen mit dem Earl of Pembroke und dem Earl of Gloucester, mit den päpstlichen Legaten Arnaud Nouvel und Arnaud von Poitiers sowie mit dem französischen Gesandten Louis de Évreux an einer Aussöhnung des Königs mit den Angehörigen der Adelsopposition. Nach langen Verhandlungen wurde im Dezember 1312 ein offizieller Ausgleich erreicht, doch die politischen Spannungen zwischen den Gruppen bestanden weiter.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 137
Weitere Rolle als Vermittler im Dienst des Königs Im Mai 1313 begleitete Richmond den König und Königin Isabelle bei deren Staatsbesuch in Frankreich. Aufgrund seiner guten Kontakte zum französischen Hof wurde Richmond in Paris besonders freundlich empfangen, und zusammen mit Pembroke und anderen Magnaten verhandelte er offene Fragen bezüglich der englischen Gascogne.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 64 Der König blieb bis Juli zu weiteren Gesprächen in Frankreich, doch weil er in England ein Parlament einberufen hatte, sandte er Richmond und Gloucester am 1. Juli vorzeitig nach London zurück. Dort eröffneten sie am 8. Juli das Parlament, doch als sich die für den 16. Juli geplante Ankunft des Königs noch weiter verzögerte, verließen die Magnaten, darunter auch Richmond, London, so dass keine Beratungen stattfanden.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 150 Richmond blieb aber weiter ein enger Vertrauter und Ratgeber des Königs.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 65 Er verhandelte mit Lancaster und anderen oppositionellen Baronen, eröffnete im Januar 1316 zusammen mit Gloucester und den Bischöfen von Exeter und Norwich in Lincoln erneut ein Parlament.John Roland Seymour Phillips: Aymer de Valence, earl of Pembroke, 1307–1324. Baronial politics in the reign of Edward II. Clarendon, Oxford 1972, ISBN 0-19-822359-5, S. 95 In dem Jahr gehörte er auch mit anderen Magnaten und Bischöfen einem Ausschuss an, der den königlichen Haushalt reformieren und unerwünschte Günstlinge aus dem Haushalt entfernen sollte.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 182 Trotz dieser Bemühungen bestanden zwischen dem König und Lancaster weiterhin erheblichen Spannungen. Richmond bezeugte im August 1318 den Vertrag von Leake, der einen Ausgleich zwischen dem König und dem Lancaster schaffen sollte, und gehörte zu den vier Earls, die Mitglied eines neuen, ständigen Staatsrats wurden.John Robert Maddicott: Thomas of Lancaster, 1307–1322. A Study in the Reign of Edward II. Oxford University Press, Oxford 1970, S. 226