Theodor Christian Heinrich Kaftan (* 18. März 1847 in Loit bei Apenrade, Nordschleswig; † 26. November 1932 in Baden-Baden) war ein evangelischer Theologe und Kirchenführer.

Leben

Kaftan war ein Sohn von Martin Hinrich Kaftan (1807–1853) und dessen Frau, der Pastorentochter Wilhelmine Mumsen (1822–1899). Sein Vater wurde als deutschgesinnter Pastor der Løjt Kirke 1850 im Zusammenhang mit der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von der dänischen Regierung entlassen und starb schon 1853 in Pinneberg.

Kaftan studierte Theologie in Erlangen, Berlin und Kiel. 1873–1880 war er Pastor der dänischen Kirchengemeinde in Apenrade. Von 1880 bis 1884 arbeitete er als Regierungs- und Schulrat in Schleswig, um danach Propst in Tondern zu werden. 1886 wurde er Generalsuperintendent für Schleswig. 1917 ging er in den Ruhestand, übernahm jedoch als Emeritus das Pfarramt der Ev.-luth. Kirchengemeinde Baden-Baden (ELKiB). Kaftan hat maßgeblichen Einfluss auf die kirchliche Entwicklung in Schleswig-Holstein genommen. Ihm ging es nach der Abschaffung des „landesherrlichen Kirchenregiments“ 1918 um die Trennung von Kirche und Staat und um das Prinzip „Volkskirche“, das er mit Reformen von Ausbildung, Gottesdienst und Liturgie zu verwirklichen suchte. Seine Vorstellungen in Fragen des Kirchenrechts und der Kirchenpolitik hatte wesentlichen Einfluss auf die spätere Gründung der VELKD. Ebenso war Kaftan in der ökumenischen Arbeit engagiert. Theologisch grenzte er sich sowohl von orthodoxen wie von liberalen Haltungen ab und vertrat einen lutherisch-reformatorischen Ansatz, nicht zuletzt auch unter dem Einfluss seines jüngeren Bruders Julius Kaftan, der an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin den vormaligen Lehrstuhl des berühmten Theologen Friedrich Schleiermacher übernommen hatte.

Werke

Erlebnisse und Beobachtungen – Gütersloh: Bertelsmann, 1931, 2., durchgearb. Aufl. Erlebnisse und Beobachtungen des ehemaligen Generalsuperintendenten von Schleswig D. Theodor Kaftan – Kiel: Verein f. Schlesw.-Holst. Kirchengeschichte, 1924 Wie verfassen wir die Kirche ihrem Wesen entsprechend? – Leipzig: Dörffling & Franke, 1920 Staat und Kirche – Berlin: Voss, 1919 Was nun? – Leipzig: Dörffling & Franke, 1919 Luthers Katechismus, wie ein Hausvater denselben einfältig erklären soll – Schleswig: Bergas, 1919 Die staatsfreie Volkskirche – Leipzig: Dörffling & Franke, 1918 Reformation, nicht Revolution – Leipzig: Deichert, 1917 Reformation und Gustav Adolf-Verein – Leipzig: Hinrichs, 1917 Die gegenwärtige Kriegslage und wir Christen – Ratzeburg: Schlesw.-Holst. Schriftenverein, 1916 Vom evangelischen Erziehen – Hamburg: Rauhes Haus, 1916 Unterricht im Christentum – Schleswig: Bergas, 1914 Warum ich dem Evangelischen Bund beitrat? – Berlin: Evang. Bund, Der Mensch Jesus Christus, der einige Mittler zwischen Gott und den Menschen – Gr. Lichterfelde-Berlin: Runge, 1908 Kirche, Recht und Theologie in vier Jahrzehnten – München: Kaiser

Literatur Harboe Kardel: D. Theodor Kaftan zum Gedächtnis. In: Die Heimat. Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Nordelbingen. Bd. 43 (1933), Nr. 1, Januar 1933, S. 14–16 (Digitalisat). Walter Göbell: Theodor Kaftan und der Norden (1847–1932). Die bischöfliche Wirksamkeit des Kirchenmannes im Schleswiger Sprengel. In: Grenzfriedenshefte (1955), Heft 1, S. 33–48 (Digitalisat). Walter Göbell (Hrsg.): Kirche, Recht und Theologie in vier Jahrzehnten. Der Briefwechsel der Brüder Theodor und Julius Kaftan. 2 Bände. Kaiser, München 1967.

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