Das Schiff des Theseus (auch Theseus-Paradoxon) ist ein philosophisches Paradoxon, das bereits in der Antike aufgezeigt wurde. Es berührt die Frage, ob ein Gegenstand seine Identität verliert, wenn viele oder gar alle seiner Einzelteile nacheinander ausgetauscht werden.
Bekannte Szenarien des Paradoxons Griechische Legende Die älteste Formulierung ist von Plutarch überliefert:
Das durch dieses Gedankenexperiment aufgeworfene philosophische Problem ist ein verbreitetes Beispiel in der Philosophiedidaktik und wird auch in der zeitgenössischen Ontologie vielfach debattiert, weil sich eine plausible Theorie darüber, wann ein Objekt als ein und dasselbe gelten und als solches auch bei Veränderungen in der Zeit fortdauern kann, daran bewähren muss. Ted Sider beispielsweise verteidigt, dass ein ontologischer Vierdimensionalismus dieses Problem elegant löst.Theodore Sider, Four Dimensionalism, In: The Philosophical Review Vol. 106, No. 2 (Apr., 1997), S. 197–231. Zitiert nach: https://tedsider.org/papers/4d.pdf (S. 8) Vierdimensionalisten vertreten die Ansicht, dass Objekte, so wie sie Abschnitte im Raum einnehmen, dies auch für die gleichzubehandelnden Zeitabschnitte tun, also „Zeitscheiben“ besitzen oder als „Zeitwürmer“ vorstellbar sind.
Problem der doppelten Identität
Ein weiteres philosophisches Problem ist das der doppelten Identität, das sich an einem einfachen Beispiel erläutern lässt:
Nun existieren zwei Schiffe: jenes, das Theseus verwendet und dessen 1000 Planken ersetzt wurden, und das Schiff des Werfteigners, das aus allen Originalteilen von Theseus’ ursprünglichem Schiff zusammengesetzt wurde. Welches ist Theseus’ Schiff?
Dazu lassen sich vier verschiedene Grundpositionen einnehmen: Das Schiff aus Dock A ist Theseus’ Schiff. Das Schiff aus Dock B ist es. Beide Schiffe sind Theseus’ Schiffe. Keines der Schiffe ist es.
Sonstige Rezeption Theseus’ Schiff wird auch wiederholt als Parabel auf den Wandel gesellschaftlicher und kultureller Gepflogenheiten rezipiert. So beschrieb der Wissenschaftstheoretiker Otto Neurath eine Adaption des Paradoxons, in der das Schiff „die Wissenschaft [darstelle], konzipiert als ein System aufeinander aufbauender wahrer Sätze“ sei und als solches „unmöglich ist, die gesamte wissenschaftliche Sprache von Grund auf neu zu rekonstruieren“:
Siehe auch Okko Behrends: Das Schiff des Theseus und die skeptische Sprachtheorie, 2009 Doug Dorst: S. – Das Schiff des Theseus, Roman, 2013 (englisch), 2015 (deutsch)
Einzelnachweise
Literatur Jay F. Rosenberg: Das Schiff des Theseus – Eine Fallstudie, in: ders.: Philosophieren – Ein Handbuch für Anfänger, Vittorio Klostermann Verlag 5. A. 2006, Kap. 4, S. 64–77. ISBN 978-3-465-04069-9 Christopher M. Brown: Aquinas and the Ship of Theseus. Solving Puzzles about Material Objects, London–New York: continuum 2005. Theodore Sider: Four-dimensionalism. An Ontology of Persistence and Time, Oxford: OUP 2005, 4-10.145.
Weblinks Ekkehard Martens: Das Schiff des Theseus – Integratives Philosophieren mit hochbegabten Kindern und Jugendlichen zwischen Denktraining und Happening, auch in: ders.: Philosophie und Bildung: Beiträge zur Philosophiedidaktik (Philosophie und Bildung Bd. 1), LIT Verlag Berlin–Hamburg–Münster 2005, S. 253–263. (Kap. 2.5; dort weitere Literatur zu jüngeren Debatten)
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