Romeo (bis Sommer 2021 PlanetRomeo, bis 2011 GayRomeo (GR)) ist mit – nach eigenen Angaben – über zwei Millionen weltweit registrierten Benutzern das größte deutschsprachige soziale Netzwerk und Kontaktportal für homosexuelle Männer im Internet. Das Portal wurde im Oktober 2002 gegründet; seit September 2006 wird es von der Amsterdamer Firma Romeo B.V. betrieben. Der Betreiber nennt als Grund für die Wahl des Standortes die Vermeidung möglicher strafrechtlicher Probleme, die aufgrund der im Vergleich zu anderen europäischen Ländern strengeren Jugendschutzbestimmungen­ in Deutschland entstehen könnten. GayRomeo wurde im Zuge der Internationalisierung von den Betreibern schrittweise in PlanetRomeo umbenannt, da Domains, die das Wort gay enthalten, in einigen Ländern gesperrt sind.

Das Portal kann auch in einer grafisch neutral gehaltenen Version aufgerufen werden, was an Computerplätzen mit eingeschränkter Intimsphäre oder potenzieller Datenüberwachung – etwa am Arbeitsplatz, im Hotel oder Internetcafé – sinnvoll sein kann. Darüber hinaus können Fotografien mit pornografischen Inhalten in einen Blind-Modus geschaltet werden, was das Surfen bei Romeo an den oben genannten Orten erleichtert. Des Weiteren existiert eine spezielle Version des Portals für mobile Endgeräte, die auch als kleiner, unauffälliger Messenger genutzt werden kann, sowie eine App für das iPhone und für Android.

Verbreitung Verbreitung in Deutschland Der Großteil der Benutzer kommt aus dem deutschsprachigen Raum. Wegen der hohen Mitgliederzahl wird Romeo manchmal auch das „schwule Einwohnermeldeamt“Rüdiger Peuckert: Familienformen im sozialen Wandel. 8. Auflage. Springer VS, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-19031-0, S. 582. oder in Anlehnung an das Branchenbuch und die dominierenden Farben der Website die „Blauen Seiten“ genannt. Romeo erreicht nahezu alle sozialen und beruflichen Schichten. Die tageszeitung (taz) schrieb dazu bissig: „Die Rosa Listen sind wieder da“.Gefährlich hoher Datingfaktor. taz.de. Der Verbreitungsgrad variiert, wie bei der allgemeinen Internetnutzung auch, je nach Altersgruppe, Bildungsstand und anderen Kriterien. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) nutzte die Möglichkeit, während des Bundestagswahlkampfes 2005 virtuelle Bürgersprechstunden abzuhalten. Die Verweildauer auf Romeo ist höher als bei anderen Online-Communitys. Eine GfK-Studie ermittelte im Jahr 2010 eine monatliche durchschnittliche Nutzungsdauer von zwölf Stunden.GfK: Spiele und Soziale Netzwerke fesseln ans Internet, 14. Oktober 2010 (PDF; 93 kB)

Internationale Verbreitung Durch Übersetzung der Oberfläche in die englische, niederländische, französische, spanische, portugiesische, italienische, griechische, rumänische, schwedische, polnische, thailändische, serbische, russische, türkische, tschechische, chinesische, ungarische, vietnamesische, malaiische, japanische, indonesische Sprache sowie Tagalog und Hindi wird versucht, vermehrt internationale Benutzer zu gewinnen.www.romeo.com Romeo macht kein aktives internationales Marketing. Die Verbreitung folgt deswegen nach Ansicht des Betreibers den Freundes-Netzwerken und Reise-Routen der deutschen Nutzer. In Großbritannien, Irland und Portugal liegt Romeo hinter dem dortigen Marktführer Gaydar zurück.

Am 18. März 2009 wurden die internationale Schwulengemeinschaft Guys4Men gekauft und deren Mitglieder mit Romeo zusammengeführt. Dadurch konnte Romeo nach eigenen Angaben einen Zuwachs von 380.000 Mitgliedern verbuchen. Die neuen Mitglieder kamen hauptsächlich von den Philippinen, den Vereinigten Staaten, Indien, Malaysia, Singapur, Südafrika und Australien. So konnte Romeo seinen Plan, die schwule Gemeinschaft besser zu vernetzen und internationaler zu machen, in großem Umfang verwirklichen. Allerdings haben sich zahlreiche Benutzer aus den Vereinigten Staaten in den Folgemonaten abgemeldet. In Europa und Asien wächst die Gemeinschaft hingegen weiter. In Nord- und Südamerika fasst Romeo aufgrund der dortigen Anbieter Manhunt.net und Adam4Adam nur schwer Fuß.

mini|hochkant=1.2|Verteilung der Nutzer nach Kontinent bzw. Region (Stand: 11. Mai 2016) mini|hochkant=1.2|Verteilung der Nutzer nach Land (Stand: 11. Mai 2016)

Die unten stehenden Tabellen geben die Anzahl angemeldeter Nutzer nach den häufigsten Ländern wieder (Stand: 13. Juli 2017). Die „DACH+“-Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein) sind gelb hervorgehoben.

+ Nutzer nach Ländern Land Mitglieder 465.551 157.753 153.668 128.751 106.432 68.993 47.150 41.317 40.746 38.769 37.897 37.652 32.208 26.161 25.957 24.480 21.881 20.245 19.991 19.847 … 246+ Nutzer nach Kontinenten Kontinent Mitglieder Europa 1.276.993 Asien 357.116 Südamerika 57.379 Afrika 54.255 Nordamerika 45.366 Naher Osten 32.565 Mittelamerika 8.546 Australien und Ozeanien 7.230 weltweit 1.839.450

Hintergrund Betreiber von Romeo ist die niederländische PlanetRomeo BV, die alle nicht-technischen Aspekte der Seite verwaltet. Daneben existiert die Berliner Erasys GmbH, die als Auftragnehmer für die technische Betreuung und Entwicklung der Seite zuständig ist., erasys.de Beide Firmen arbeiten nach Aussagen des Betreibers Jens Schmidt unabhängig voneinander. Schmidt ist Gesellschafter bei beiden Unternehmen, wo insgesamt etwa 60 Menschen arbeiten.

Die 2009 gegründete PlanetRomeo FoundationPlanet Romeo Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung nach niederländischem Recht. Sie ist auf internationale Schwulenrechte spezialisiert.Dennis Klein, Christian Scheuß: Mutti hat die Spendierhosen an. queer.de, 18. November 2011. Die Stiftung wurde gegründet, damit die PlanetRomeo BV einfacher Geld an ausländische Organisationen spenden kann, deren Gemeinnützigkeit ansonsten jedes Mal erst in den Niederlanden anerkannt werden müsste. Zudem ruft die PlanetRomeo BV die Nutzer zu eigenen Spenden auf. In den Jahren 2011 und 2012 hat die BV der Stiftung nach Aussagen von Schmidt 60.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Romeo PLUS Alle wesentlichen Funktionen des Portals waren mehr als 20 Jahre lang unbeschränkt kostenlos nutzbar. Mit der kostenpflichtigen Option Romeo PLUS erhielten Nutzer einige Zusatzfunktionen, wie beispielsweise das Betrachten öffentlich in den Profilen vorhandener Nacktfotos, unbegrenzten Speicherplatz für Bilder und Nachrichten, die Option unsichtbar online zu sein oder das Speichern von selbst formulierten Textbausteinen.

Im Mai 2023 erhöhte Romeo die Gebühren für PLUS und schränkte zugleich die kostenlose Nutzbarkeit des Portals erheblich ein. Seither können Nutzer ohne PLUS-Mitgliedschaft die Suche nach anderen Nutzern und das Stöbern in Profilen nur noch in einer stark beschränkten Version verwenden.

Funktionsweise Registrierung und interne Kommunikation Sowohl die Registrierung als auch die laufende Nutzung von Romeo erfolgen anonym. Bei der Anmeldung wird anhand einer Eingabemaske ein individuelles Profil erstellt, das Angaben zur eigenen Person sowie ein oder mehrere Bilder enthalten kann. Es können optional sowohl sexuelle Vorlieben als auch kulturelle Interessen angezeigt werden. Daneben kann der Inhaber eines Profils einen frei gestalteten Text über sich und seine Interessen einstellen. Es besteht die Option, im Benutzerprofil die sexuelle Rolle zu veröffentlichen, mit der sich der Nutzer identifiziert, beispielsweise aktiv, passiv oder vielseitig. Nicht erlaubt sind gesetzwidrige oder überwiegend kommerziell ausgerichtete Profile. Romeo steht ausschließlich volljährigen schwulen und bi-Männern zur Verfügung. Profile, bei denen die Angaben diesen Kriterien offensichtlich nicht entsprechen, werden gelöscht. Zuvor erhält der jeweilige Nutzer eine Anmerkung auf seinem Profil, dass ein Admin dieses abgelehnt hat. Der Inhaber des Profils erhält eine E-Mail, in der er aufgefordert wird, seinen Personalausweis zu kopieren und diesen an eine E-Mail-Adresse zu senden. Sobald ein Administrator diese Mail bestätigt hat, erhält der Profilinhaber eine Mitteilung, dass sein Profil nun wieder öffentlich einsehbar ist. Geschieht dieser Altersnachweis nicht innerhalb von zehn Tagen, wird das Profil automatisch und unwiderruflich gelöscht. Ziel des Profils sind die Vorstellung der eigenen Person und die virtuelle Kontaktaufnahme. Viele Benutzer sehen Romeo nicht nur als Portal zur Anbahnung von Sexkontakten, sondern als interaktives Medium oder schwules Netzwerk, um freundschaftliche Kontakte zu pflegen und zu knüpfen, mögliche Partner für längerfristige Beziehungen zu finden oder auch nur um einen Smalltalk mit einem Unbekannten zu halten.

Romeo ist kein Chatroom, da gesendete Nachrichten nicht von allen angemeldeten Benutzern gelesen werden können. Nachrichten und eigene Bilder können nur vom jeweiligen Benutzer an andere individuelle Profile gesendet werden. Eigene freigegebene Bilder sind nur auf der Profilseite für alle einsehbar. Die Seite funktioniert also eher als Messenger. Von besonderer Bedeutung ist Romeo für viele Schwule in Kleinstädten und ländlichen Regionen, da hier meist keine etablierten Treffpunkte bestehen.

Zugriff Auf Romeo.com kann entweder über einen Webbrowser (sowohl für Desktopgeräte als auch für mobile Geräte) oder über native Handyapps zugegriffen werden. Da die Nutzungsbedingungen von Apple und Google keine explizit sexuellen Inhalte erlauben, enthalten die Apps in den jeweiligen Stores eine Funktionalität, die anstößige Inhalte entfernt.

Für Plus-Benutzer, die auf Nacktbilder anderer Romeos zugreifen möchten, existiert direkt auf der Webseite eine modifizierte Variante der Romeoapp für Android, die die oben genannte Einschränkung nicht enthält. Ihre Installation erfordert allerdings die Deaktivierung der Option „Nur Installationen aus sicheren Quellen zulassen“.

Clubs und Branchenbucheinträge Neben der Nachrichtenfunktion bietet Romeo die Möglichkeit, über die Mitgliedschaft in virtuellen Clubs oder über Branchenbucheinträge auf Gleichgesinnte zu treffen. So kann die Stammklientel einer Kneipe oder Sauna ihre Profile mit einem Eintrag dieser Institution verlinken, sich in einem Forum miteinander austauschen oder ihre Unterstützung für die Institution öffentlich kundtun.

Mit der neuen Software wurden 2021 die Branchenbucheinträge abgeschafft. Die Clubs bestehen weiterhin.

Es gibt ebenfalls Clubs, die sich an Anhänger bestimmter Parteien, Glaubensrichtungen, sexueller Vorlieben, Fetische oder Freizeitinteressen richten. Auch die Fans prominenter Personen oder die Anhänger verschiedener Musikrichtungen können sich so zusammenfinden. Mit diesen Funktionen können Benutzer auch in ihrem Profil bestimmte Merkmale setzen, damit sie schneller von anderen Benutzern, die nach diesen Merkmalen suchen, gefunden werden können. Grundsätzlich steht es jedem Benutzer frei, einen Club bei Romeo zu gründen.

Zusatzangebote, Escort-Profile

Romeo beinhaltet neben diesen Grundfunktionen noch weitere Angebote wie Informationen zu Safer Sex und Links zu Zeitschriften für Schwule. Bestimmte Funktionen, wie etwa die grafische Gestaltung des eigenen Profils, die Suche nach kürzlich hochgeladenen Bildern und die Möglichkeit, die Seite SSL-verschlüsselt aufzurufen, können die Benutzer gegen ein monatliches Entgelt nutzen.

In Ländern, in denen Homosexualität unter Strafe steht, müssen Schwule mit Strafverfolgung rechnen, wenn eine Mitgliedschaft bei Romeo bekannt wird, zum Beispiel wenn eine Kreditkartenabbuchung zurückverfolgt würde. Als Unterstützung stellten die Portalbetreiber im November 2008 für schon angemeldete Benutzer aus diesen Ländern 27.000 Premium-Zugänge kostenlos zur Verfügung, damit diese die SSL-Verschlüsselung verwenden können.

Zusätzlich bietet PlanetRomeo eine Plattform für Prostitution über dort ebenfalls enthaltene Escort-Profile. 2017 waren dort so annähernd 26.400 Escort-Profile weltweit angelegt. Durch zusätzliche Gebühren können sich Escort-Arbeiter eine prominente Platzierung in den Suchergebnissen erkaufen.

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