mini|Gedenktafel am Pfarrhaus in Stetten im Remstal mini|Das Ehepaar Krakauer Die Württembergische Pfarrhauskette war eine Untergrundorganisation während der letzten Jahre des Nationalsozialismus in Württemberg.

Organisation Mitglieder der Württembergischen Pfarrhauskette waren Pfarrer und deren Angehörige, die in ihren Kirchen oder Privathäusern Juden und andere Verfolgte aufnahmen und deren Identität verschleierten oder die Menschen auch verbargen, um sie vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen. Organisiert wurde die Pfarrhauskette von Theodor Dipper. Es waren Einzelpersonen bzw. Ehepaare, die die Pfarrhauskette bildeten, sie gehörten allerdings zumeist oft mehreren Organisationen an wie der Kirchlich-theologischen Sozietät in Württemberg, der Evangelischen Bekenntnisgemeinschaft in Württemberg oder dem Tübinger BibelkreisEberhard Röhm und Jörg Thierfelder: Juden, Christen, Deutsche 1933-1945, Bd. 4/I, Stuttgart 2004, S. 187 auch Anm. 290, 291 u. 292. Oft wurde vorgegeben, bei den kurzzeitig in den Familien der Pfarrer lebenden Personen handle es sich um Verwandte oder Ausgebombte. Sie wurden jeweils nur für kurze Zeit an einem Ort untergebracht und dann an das nächste Mitglied der Kette weitervermittelt. Auf diese Weise überlebte etwa das Ehepaar Max und Ines Krakauer 27 Monate lang und war während dieser Zeit in zahlreichen verschiedenen Quartieren untergebracht. Außer dem Ehepaar Krakauer sind 17 weitere Namen von Personen bekannt, die durch die Hilfe der Württembergischen Pfarrhauskette das Dritte Reich überleben konnten.Susanne Fetzer: Versteckt in aller Öffentlichkeit. Ein in Hindenburg geborener Jude überlebt das Dritte Reich. In: Hindenburger Heimatbrief. 15. März 2008 ( [PDF; 187 kB, abgerufen am 6. Juli 2019]).

Mehrere Mitglieder der Württembergischen Pfarrhauskette wurden mit dem israelischen Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.

Mitglieder der Württembergischen Pfarrhauskette (unvollständige Liste) Eberhard Beck, Korb Gustav Beierbach, Metzingen Alfred Brecht, Calw Friedrich Delekat, Stuttgart Hermann Diem, Ebersbach an der Fils Alfred Dilger, Bad Cannstatt Theodor Dipper, Mauritiuskirche in Reichenbach an der Fils Erhard Eisenmann, Kuppingen Elsa Elsäßer, geb. Lamparter, Witwe von W. Elsäßer, Mittelstadt Richard Gölz, Wankheim Elisabeth Goes, geb. Schneider, Frau von Albrecht Goes, Gebersheim Paul Harr, Stuttgart-Sillenbuch Rudolf Held, Simmozheim Gottfried Hermelink, Nufringen Gotthold Hezel, Neuffen Margarete Hoffer, Schwenningen Paul Hornberger, Altbach Karl Jung, Bempflingen Albert Kimmich, Beinstein Walter Kleinknecht, Kayh Hermann Maurer, Korntal Otto und Gertrud Mörike, Flacht Kurt Müller, Stuttgart Erwin Palmer, Göppingen Georg Pfäfflin, WaldenbuchJohannes Grützmacher: Nachkriegszeit Teil 16: Kriegschroniken. Berichte der württembergischen Kirchengemeinden zu NS, Krieg und Kriegsende. In: Württembergische Kirchengeschichte Online. Archiv und Zentralbibliothek der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, 15. Januar 2021, abgerufen am 16. Januar 2021. Ernst Rapp, Owen Georg Reith, Oferdingen Otto und Gertrud Riehm, Ispringen Adolf Rittmann, Dettingen/Erms Rudolf Roller, Enzweihingen Paul und Erika Schempp, Iptingen Paul und Marianne Schmidt, Südkirche in Esslingen am Neckar Gustav Adolf Schreiber, Stuttgart-Mühlhausen Helmut und Hildegard Spieth, Stetten im Remstal Johanna und Eugen Stöffler mit Tochter Ruth, KöngenStöffler, Eugen. Stöffler, Johanna. Stöffler, Ruth. Akte 7924. In: Lexikon der Gerechten unter den Völkern. Deutsche und Österreicher. Hrsg. von Daniel Fraenkel und Jakob Borut. Wallstein, Göttingen 2005, S. 267 (). Johannes Wahl, Rutesheim Margarethe (Grete) und Paul Werner, Riederich Hermann und Elsbeth Zeller, Waiblingen

Literatur

Dietrich Hub: Die Pfarrhauskette hat Juden das Leben gerettet. In: Fellbacher Zeitung. 31. Oktober 2008. Max Krakauer: Lichter im Dunkel. Behrendt, Stuttgart 1947 (1.–5. Tsd.). Neu herausgegeben von Otto Mörike mit dem Titel: Lichter im Dunkel. Flucht und Rettung eines jüdischen Ehepaares im Dritten Reich. Quell-Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-7918-1300-5 (bis 11. Auflage, 1994). Aktuelle Ausgabe: (= Calwer Taschenbibliothek. Band 108; Teil von: Anne-Frank-Shoah-Bibliothek). Hrsg. von Gerda Riehm und Jörg Thierfelder unter Mitarbeit von Susanne Fetzer. Calwer Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7668-4001-1. Englische Ausgabe: Lights in Darkness. English translation by Hans Martin Wuerth. E-Book Calwer Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7668-4232-9. Eberhard Röhm und Jörg Thierfelder: Juden – Christen – Deutsche (= Calwer Taschenbibliothek. Band 101). Band 4/1: Vernichtet. 1941–1945. Calwer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-7668-3887-3, S. 182–212.

Weblinks „Lichter im Dunkeln“. Die Flucht und die Rettung von Max und Karoline (Ines) Krakauer. Die Stationen der Rettung. In: Alemannia Judaica (Quartierverzeichnis des Ehepaars Krakauer)

Einzelnachweise

Kategorie:Württembergische Geschichte Kategorie:Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus Kategorie:Evangelische Landeskirche in Württemberg