Groß-Eichen ist ein Ortsteil der Gemeinde Mücke im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Ortsgeschichte Mittelalter Die älteste bekannte Erwähnung des Ortes erfolgte zwischen 1036 und 1051 unter dem lateinischen Namen „ad quercus“ (bei der Eiche), in einem Kopiar aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der entsprechende Auszug lautet: „capella quedam in dicitur Ad quercus.“ (eine Kapelle genannt Ad quercus.)Werich: Hersfelder Urkundenbuch. Band 1. Nr. 98, S. 177. Vielleicht dasselbe Gotteshaus wird in einer Urkunde von 1326 genannt: „ecclesiam parrochialem in Eychen prope Grunenberg.“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Band 1. Nr. 1330, S. 899.. Übersetzt: Die Pfarrkirche in Eichen nahe Grünberg. Der Siedlungsname Eichen wird 1356 erstmals differenziert, als „Zuo Grossin Echin in dorfe“ urkundlich erwähnt wird.StAD, Urkunden Oberhessen, Groß-Eichen. 1360 heißt es wieder: „czu den Eychen gelegen“.Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Nr. 944, S. 630. 1466 lässt sich „Wenigen-Eichen“ in einer Urkunde finden.StAD, Urkunden Oberhessen, Klein-Eichen. „zu wenigeneyhin in dem gerichte obirnomen“. Der Ort liegt bei Groß-Eichen und ist wohl zeitweise wüst gefallen und gehörte ins Gericht Ober-Ohmen. Erst 1563 lässt sich der Name Klein-Eichen urkundlich belegen: „wonhafftig zu Klein-Aychen“StAD, Urkunden Oberhessen, Klein-Eichen. Dabei scheint der Ort identisch mi+ Wenigen-Eichen identisch zu sein. Schließlich heißt es in einem Salbuch 1583: „Neichen“.Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 395.

Die Namensforschung deutet Groß-Eichen als den größeren der Eichen-Orte und nicht als Ort mit den größeren Eichen.Vgl. insgesamtLutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 97 f. Das mhd. Wort „groß“ meint groß an Umfang, dagegen das mhd. „klein“ klein an Umfang, gering, schwach.Anthony Stanforth: Die Bezeichnungen groß, klein, viel, wenig im Bereich der Germania. Dissertation Marburg 1964. S. 73 f.

Neuzeit Die Reformation wurde wohl schon in den Jahren um 1530 eingeführt. Die ersten bekannten Pfarrer in Groß-Eichen waren: 1561–1564 Johannes Vipertus 1584–1612 Konrad Altag. Altag starb 1624.Wilhelm Diehl, Reformationsbuch der evangelischen Pfarreien des Großherzogthums Hessen. = Hessische Volksbücher 31–36. Friedberg 1917, S. 355.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Groß-Eichen:

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Groß-Eichen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Mücke eingegliedert. Für Groß-Eichen wurde ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Groß-Eichen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Gericht Ober-Ohmen der Freiherren Riedesel zu EisenbachDie Zugehörigkeit des Gerichts Ober-Ohmen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Oberherrschaft: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Gericht Ober-Ohmen der Freiherren Riedesel zu Eisenbach 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Gericht Ober-Ohmen der Freiherren Riedesel zu Eisenbach ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg; 1821 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren Riedesel zu Eisenbach an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde MückeAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Mücke. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Mücke

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Groß-Eichen das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Ober-Ohmen zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. 1821 traten die Freiherren Riedesel zu Eisenbach ihre Recht am Gericht Ober-Ohmen an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Groß-Eichen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Groß-Eichen wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Groß-Eichen 915 Einwohner. Darunter waren 21 (2,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 183 Einwohner unter 18 Jahren, 348 zwischen 18 und 49, 195 zwischen 50 und 64 und 192 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 372 Haushalten. Davon waren 102 Singlehaushalte, 105 Paare ohne Kinder und 129 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 90 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 228 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1800: 651 Einwohner • 1806: 644 Einwohner, 121 Häuser • 1829: 773 Einwohner, 137 Häuser • 1867: 698 Einwohner, 137 bewohnte Gebäude • 1875: 712 Einwohner, 143 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 770 evangelische, 3 katholische Einwohner • 1961: 775 evangelische (= 89,39 %), 71 katholische (= 8,19 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Für Groß-Eichen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Groß-Eichen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 54,57 %. Alle Mitglieder gehören der „Ortsliste Groß-Eichen“ an. Der Ortsbeirat wählte Jennifer Schomber zur Ortsvorsteherin.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Feldbahn Lokomotive in Groß-Eichen

Der Ort liegt am Fuße des Vogelsbergs. Durch den Ort führt die Landesstraße 3325. Den Öffentlichen Personennahverkehr stellt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen mit der Buslinie VB-76 sicher.

Früher wurde in dem Gebiet Bergbau betrieben. Als Denkmal zeugt davon noch eine alte Lokomotive. Am Ortsrand gibt es einen Campingplatz.

Kultur 2020 begann in einem Fachwerkhaus in der Mitte des Ortes unter dem Titel "Holla-Haus" ein Kunst-Projekt, um das Kultur und Alltagsleben auf dem Land mit regionalen und bundesweiten Impulsen zu beleben. Die Photoausstellung "Kulturhaus hybrid mit Herz" war 2021 ein Beitrag zum Kultursommer Mittelhessen.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Weblinks

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