Flensungen ist ein Ortsteil der Gemeinde Mücke im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie mini|hochkant|Mittelpunkt von Hessen ermessen vom Hessischen Rundfunk, Studio Kassel, aus dem Jahr 1983. Der neue Punkt liegt etwa 800 m südlich und ist unmarkiert

Flensungen liegt am Nordrand des Vogelsbergs und auf der linken westlichen Talseite des Seenbachs. Die Bebauung ist mit der des nördlich angrenzenden Ortsteils Merlau zusammengewachsen.

Der geografische Mittelpunkt des Bundeslandes Hessen befindet sich am Südrand der Gemarkung Flensungen.rs: Hessen-Mittelpunkt bleibt Mücke knapp erhalten. In: Alsfelder Allgemeine, 13. Juli 2010, abgerufen am 14. Januar 2013

Die Gemarkungsfläche beträgt 318 Hektar, davon sind 62 Hektar bewaldet (Stand: 1961).

Ortsgeschichte Mittelalter Das Bestehen des Ortes kann bis in das Jahr 1340 unter der Schreibweise Flensingen urkundlich zurückverfolgt werden. Der Ortsname bezieht sich auf das westlich des Ortes liegenden Flurnamen „Flensunger Kopf,“ früher „Flenskopf“.Wilhelm Sturmfels: Die Ortsnamen Hessens. Etymologisches Wörterbuch der Orts-, Berg- und Flussnamen des Volksstaates Hessen. 3. Auflage Gießen 1936, S. 22. In dieser Urkunde von 1340 heißt es: „unsir burg und dorf laupach und die dorfere und gerichte, die darzuo gehorent: ... Flensingen, Guntherskirchen, Stoghusin, Osilsdorf, Aeinhartshausen... “Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau. Band 1 – 4. Leipzig 1891 – 1897. Band 2. Nr. 560 S. 551. „Zu Flensingen“ wird 1354 genannt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Band 1. Nr. 888, S. 600. 1139: „dorff Flensingen“Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Nr. 888, S. 600. 1429 wird der Ort als Flynsingen erwähnt.

Flensungen lässt als „Siedlung der Anwohner des Flens-Kopfes“ namensgeschichtlich deuten. Das ursprüngliche Suffix „-inga“ ist die Ableitung eines Bergnamens „Flins“, der dem Ahd. entlehnt ist. Das Grundwort leitet sich von „Flins“ (Kieselstein, harter Stein, Fels) ab.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 120 f.

Im Jahr 1456 genehmigte Landgraf Ludwig I. („der Friedfertige“) den Verkauf des halben Dorfes mit Anwesenheit von Heinrich Steyneken an Henne im Felde (genannt Jungehenne).

Neuzeit Am 20. Juni 1590 wurde ein Vergleich abgeschlossen, welcher Grünberg den Gebrauch des Gastenbergs und des Klopfhammers garantierte. Flensungen durfte demnach nur noch den Flensunger Kopf in Beanspruchung nehmen. Der Rentmeister ließ die Grenze absteinen. 1597 verkaufte der Grünberger Rat einen Teil seiner Grundstücke an Flensungen.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Flensungen:

Um 1920 wurden die Telefon- und Elektrizitätsleitungen entlang der Hauptstraße (heutige B 276) errichtet.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Flensungen und Merlau im Landkreis Alsfeld zum 1. September 1970 freiwillig zur neuen Gemeinde Mücke. Nach Eingliederung einer Reihe weiterer Gemeinden in die Gemeinde Mücke wurde für Flensungen und Merlau der gemeinsame Ortsbezirk Mücke eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Flensungen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Landgericht Grünberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg, Landgericht GrünbergDie Zugehörigkeit des Amtes Grünberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Landgericht Grünberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum Hessen,Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung von Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde MückeAm 1. September 1971 als Ortsteil zur Gemeinde Mücke. ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde Mücke ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Mücke

Recht Materielles Recht In Flensungen galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.

Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Flensungen das „Amt Grünberg“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Flensungen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Flensungen wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Flensungen 855 Einwohner. Darunter waren 24 (2,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 150 Einwohner unter 18 Jahren, 354 zwischen 18 und 49, 201 zwischen 50 und 64 und 153 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 348 Haushalten. Davon waren 84 Singlehaushalte, 93 Paare ohne Kinder und 129 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 69 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 234 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung 1806: 325 Einwohner, 57 Häuser 1829: 383 Einwohner, 68 Häuser 1867: 270 Einwohner, 60 bewohnte Gebäude 1875: 375 Einwohner, 76 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit 1829: 383 evangelische (= 100 %) Einwohner 1961: 575 evangelische (= 81,68 %), 100 katholische (= 14,20 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Für Mücke-Flensungen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete den ehemaligen Gemeinden Flensungen und Merlau) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 54,48 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der CDU und vier Mitglieder dem „Freien Wähler“ (FW). Der Ortsbeirat wählte Dirk Decher zum Ortsvorsteher.

Verkehr und Infrastruktur mini|Hauptgebäude des Flensunger Hofs

Durch den Ort führen die Bundesstraße 49 und die Bundesstraße 276. Zwischen Flensungen und Merlau liegt der Bahnhof Mücke (Hess) der Bahnstrecke Gießen–Fulda, der heute nur noch dem Öffentlichen Personennahverkehr dient. Weitere Verkehrsmöglichkeiten stellt die Verkehrsgesellschaft Oberhessen mit der Buslinie VB-76 sicher.

In Ortsnähe liegt der Flensunger Hof, eine Jugendbildungs- und Erholungsstätte des Chrischona-Gemeinschaftswerks.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Literatur

Weblinks

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